Thema: Redewendungen
"... einen Bären aufbinden" oder "einen Bärendienst erweisen"
Bären waren schon immer eine Sensation, auch als sie noch zahlreicher als heute in den Wäldern lebten. Der Abschuss eines Bären galt daher als höchstes Jagdglück, und hier wurzelt eine der Erklärungen für die Redewendung. Gut möglich, dass sich Jäger früher oft brüsteten, einen Bären erlegt zu haben, wenn ihnen gerade mal ein Fuchs vor die Flinte gelaufen war. Belegt ist der Ausdruck vom "Bären aufbinden" im Sinne von flunkern, anderen etwas vormachen, seit 1663. Viele Sprachforscher vermuten aber, dass es sich dabei ursprünglich nicht um das Tier an sich handelte, sondern um das alte deutsche Wort "Bar" für Last, Bürde, Schuld, Abgabe. Einen Bären aufbinden bedeutet danach eigentlich: jemandem seine eigene Bürde aufladen, Sprachgeschichtlich besser belegt ist der Ursprung des Ausdrucks "einen Bärendienst erweisen". Er stammt aus der Fabel "Der Bär und der Gartenfreund" des französischen Dichters Jean de La Fontaine (1621 -1695). Darin ist die Rede von einem hilfsbereiten Bären, der sich mit einem alten Herrn anfreundet und diesen versehentlich mit seiner Riesenpranke erschlägt, als er ihm eine Fliege aus dem Gesicht verscheuchen möchte.
"... das kommt mir spanisch vor"
Bevor Karl V. (1519-1556) deutscher Kaiser wurde, erbte er als Sohn der spanischen Königin zunächst den Thron auf der Iberischen Halbinsel. Als deutscher Kaiser führte er später spanische Moden und Sitten ein und auch die dort vorherrschende höfische Sprache. Die Anreden "Ihr", "Euch" oder "Eure Majestät" sind Eindeutschungen aus dem Spanischen. All dies erschien den deutschen Untertanen ziemlich fremd und verwunderlich. Der früheste literarische Beleg für die Redensart findet sich in Grimmeishausens "Simplicissimus", dem bedeutendsten deutschen Roman des 17. Jahrhunderts. Dort heißt es über einen kroatischen Obristen: "Bei diesem Herrn kam mir alles widerwärtig und fast spanisch vor."
Warum sagen wir "abgebrüht" - "ausgekocht" -
Ursprünglich hatte der Begriff nichts mit heißem Wasser oder siedenden Würsten zu tun. Er kommt aus dem 16. Jahrhundert, leitet sich ab von "brü(d)en" was "Sex haben" bzw. "entjungfern" bedeutet. Schon Ende des Mittelalters wurde der Begriff auch im übertragenen Sinn benutzt: Abgebrüht ist, wer seine Unschuld verloren hat. Die eigentliche Herkunft des Wortes ist mit der Zeit in Vergessenheit geraten und wurd mit Brühen assoziiert. Auch der Begriff "ausgekocht" kommt nicht ursprünglich aus der Küche. Er geht auf das jiddische Wort "kochem" das für schlau, gewitzt steht.
Warum sagen wir „Beleidigte Leberwurst“ ?
Wie die Blutwurst war auch die Leberwurst schon in der Antike bekannt. Vor allem die Alten Römer waren begeisterte Wurstesser. In der Antike liegt auch die Wurzel der bis heute gebräuchlichen Wortwendung; beleidigte Leberwurst.
Die Leber galt in der alten Medizin und bis weit in die Renaissance hinein als Sitz der Gefühle. Auch andere Ausdrücke zeugen davon: So redet ein mutiger Mensch "frei von der Leber weg", wer sich ärgert, dem ist "eine Laus über die Leber gelaufen". Und wer nicht aus seiner Schmollecke rauskommt, der hat "einen Gefühlsstau in der Leber". Weil die alte Symbolik mit der Zeit in Vergessenheit geriet, kursiert eine lustige Anekdote, um die unverständlich gewordene Wortwendung zu erklären; Beim Wurstkochen holte ein Metzger einmal zuerst die Blutwurst aus dem Kessel, die Leberwurst kam als Nummer zwei raus und ist seitdem - beleidigt.
Woher stammt der Ausdruck "... ein Buch mit sieben Siegeln"?
Die Redewendung "Ein Buch mit sieben Siegeln" geht auf die Bibel zurück. In der Offenbarung des Johannes 5,1 empfängt das Lamm ein rätselhaftes Buch: "Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch ... versiegelt mit sieben Siegeln." Heute noch verwendet man den Ausdruck, wenn einem etwas unklar und unverständlich bleibt.
Woher stammt der Ausdruck "Klatsch"
Nichts tun die Menschen lieber - fast nichts - als klatschen und tratschen. Das war wahrscheinlich schon immer so. Der Begriff des Klatschens könnte aus dem 16. Jahrhundert kommen. Damals wuschen die Frauen an den Waschplätzen mit weithin schallenden, "klatschenden" Schlägen anstößige Flecken aus der Wäsche und spekulierten dabei genüßlich über deren Herkunft. Gerüchte über Ehebrüche, uneheliche Schwangerschaften und Abtreibungen nahmen aber nicht nur von den Waschplätzen aus ihren Lauf. Auch in den Nähstuben "flickten" die Frauen ihren Mitmenschen "ans Zeug". Luther wetterte gewaltig dagegen, "mit dem Maule zu waschen". Seine Alternative: Wer über die Sünden anderer Menschen Bescheid wußte, sollte doch lieber den Pfarrer oder den Bürgermeister informieren. Aber: Die Lust am Lästern läßt sich nicht bezwingen. Und das Wort Klatsch erhielt neben seiner ursprünglichen Bedeutung Knall, Schall und Schlag eine weitere, die bis heute gültig ist: Plauderei, Geschwätz, Smaltalk.
Warum sprechen wir vom Ei des Kolumbus ?
Diese Redewendung geht auf eine Anekdote des Schriftstellers Girolamo Benzoni zurück, die er in seiner "Geschichte der Neuen Welt" (1565) erzählt:
Als Kolumbus von seiner ersten Amerikareise ins spanische Palos zurückgekehrt war, wurde er von Kardinal Nendoza eingeladen. Bei Tisch äußerten sich die Gäste abfällig über die Leistungen des Admirals. Seine Entdeckungen seien ja gar nicht so schwierig zu meistern gewesen. Kolumbus war empört. Er schnappte sichein Ei und forderte die Tischgesellschaft auf, es auf einer seiner beiden Spitzen zum Stehen zu bringen. Als niemandem dieses Kunststück gelang, nahm Kolumbus das Ei und schlug es mit dem einen Ende so fest auf den Tisch, dass es zwar kaputtging, aber stand. Eine geniale Idee, auf die zuvor niemand gekommen war. So, wie seine Idee, Indien nicht auf dem gefährlichen Weg über Afrika, sondern über das Meer Richtung Westen zu erreichen. Nur dass er nicht in Indien an Land gegangen war, sondern die Neue Welt erreicht hatte.
eben mal so "08/15"
"08/15" steht für ein leichtes Maschi-nengewehr der Modellreihe 08, das 1915 in Deutschland eingeführt wurde und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bei der Wehrmacht in Gebrauch war. Es gehörte zur Standardausrüstung. Jeder wußte, was "08/15" bedeutete: ein ingroßer Stückzahl hergestelltes und gewöhnliches Maschinengewehr. Wenn wir deshalb heute "08/15" sagen, meinen wir nicht die Waffe, sondern alles, was sich nicht gerade durch Individualität auszeichnet. Der Begriff ist Synonym für etwas Unspektakuläres.
.... der Ausdruck "Mir ist was durch die Lappen gegangen "
Früher wurden Treibjagden veranstaltet. Um den Edelleuten/Herrschern die Jagd zu erleichtern, wurden Leinentücher gespannt. (Wie bei einer Wäsche-leine) Dann wurden die Tiere in die Enge getrieben. Und da so eine "Barrikade" normalerweise eine Sackgasse für die armen Biester waren, konnte man sie in aller Ruhe erlegen. Wenn dann doch mal ein Tier durch die Leinentücher geflüchtet war, sagte man: "Mir ist eins (heute: was) durch die Lappen gegangen!"
Wenn die Leistung "unter aller Kanone" ist
"Sub omni canone", mit dieser Bemerkung wurde früher die schlechte Leistung eines Schülers bewertet. Seine Arbeit lag unterhalb des Kanons (= Maßstab). Heute bekäme er als Note eine satte Sechs. Daß aus der lateinischen Zeugnisnotiz im 19. Jahrhundert die falsche Übersetzung "unter aller Kanone" wurde, hat angeblich ausgerechnet ein sächsischer Oberlehrer zu verantworten. Er beklagte sich über die Leistungen seiner Schüler und schrieb: "Meine Zensurstaffel ist ein canon zu fünf Zensuren; leider liegen die Arbeiten der meisten Schüler sub omni canone.'' Damit das auch die Dümmsten der Klasse verstünden, habe er scherzhaft "unter aller Kanone" hinzugefügt. Diese Redewendung gebrauchen wir heute noch. wenn wir uns über schlechte Leistungen, vor allem von hoch bezahlten Sportlern, ärgern.
Woher kommt der Ausdruck " ... Ich mache heute blau " ?
Der Ausdruck geht auf die Färberzunft im Mittelalter zurück, die Wolle, Garn oder gewebten Stoff in einem aufwändigen Verfahren blau färbte. Bis zum Ende des 16.Jahrhunderts lieferte das Wildkraut Färberwaid, eine gelb blühende Staude, den einzigen blauen Farbstoff in Europa. In einer langwierigen Prozedur verwandelten die Färber das in diesem Kraut enthaltene Indigo-Pigment in eine Lösung, die Kleidung blau färbte. Das Problem: Indigo löst sich nicht in Wasser. Um damit zu färben, musste man es in eine andere chemische Form überführen. Dazu benötigte man damals einen großen Bottich, die Blätter des Färberwaid - und viele Liter Urin, um den Farbstoff zu "verküpen", also löslich zu machen. Beim Faulen von Urin bildet sich Ammoniak, das zu diesem Zweck in seiner wasserlöslichen Form (Ammoniumhydroxid = Salmiakgeist) zum Einsatz kam. Die Färber gewannen den Stoff auf ganz einfache Weise: Sie tranken viel Bier, da dieses bekanntlich sehr gut "treibt". Die Blaufärberei erforderte schönes Wetter und Zeit. So wurden die Stoffe meist sonntags für etwa zwölf Stunden in die bräunlich-gelbe Brühe gegeben. Die musste dann nur noch ab und zu umgerührt und der verdunstete Urin ersetzt werden. Aber auch jetzt waren die Stoffe noch nicht blau - sie hatten nur die unappetitliche Farbe der Brühe angenommen. Erst an der Luft oxidiert Indigo und ändert seine Farbe. So holten die Färber die Textilien aus dem Bottich, hängten sie an die Luft und ließen Sonne und Sauerstoff für sich arbeiten. Abgesehen vom Gestank war Blaufärben also recht angenehm. Die Färber arbeiteten bei Sonnenschein im Freien, und es gab reichlich zu trinken. Immer wenn die Färbergesellen am Montag in der Sonne neben ihren Stoffen lagen und reichlich betrunken auf das Ergebnis warteten, wusste jeder, dass blau gefärbt wurde.
Warum geht das Geld "flöten" ?
Scheine rascheln, Münzen klimpern, das ist Musik für manche Ohren Wenn es allerdings „flöten geht", bedeutet das nichts Erfreuliches. Vom Ursprung her hat die Redewendung mit Musik gar nichts zu tun Sie geht nach einer Theorie zurück auf das hebräische Wort „peluta', das „entrinnen" bedeutet. Gebraucht wird das Wort im Zusammenhang mit Betrügern, die entrinnen. Also im Sinne von stiften gehen Wenn also das Geld verschwindet, flöten geht, dann still und heimlich wie ein Verbrecher in einer Nacht und Nebel Aktion. Einer anderen Theorie nach stammt der Begriff moglicherweise vom niederdeutschen Wort „fleeten , das meint .fließen' oder auch „Wasser lassen' Das Geld zerrinnt uns wie fließendes Wasser zwischen den Fingern - den Eindruck haben wir ]a manchmal wirklich Wie gewonnen, so zerronnen. Das sagt man auch ein Geschäftsmann wirft Goldstücke in eine Sanduhr und schon fallen die Taler unten wieder durch
Woher stammt der Ausdruck "mein lieber Schwan"
Voller Erstaunen und manchmal auch mit einem leise spottelnden Unterton kommt uns der „liebe Schwan" über die Lippen, wenn etwa der Nachbar plötzlich einen Porsche fährt oder die Tante eine Himalaja Besteigung plant. Also meistens dann, wenn die Mitmenschen uns mit etwas verblüffen. Dabei meint der Gralsritter Lohengrin in Richard Wagners gleichnamiger Oper von 1847 den Ausdruck eher zärtlich. Mit dem Satz:"Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!" verabschiedet er sich im ersten Akt von dem Schwan, der sein Schiff über die Scheide nach Antwerpen zieht. Dort kämpft Lohengrin für die edle Dame Elsa von Brabant und besiegt ihren Peiniger, den Grafen Telramund. Der wollte Elsa den Mord an ihrem verschwundenen Bruder Gottfried unterschieben. Lohengrin heiratet Elsa unter der Bedingung, dass sie ihn niemals nach seiner Herkunft fragt. Doch Elsa bricht den Schwur, und der Gralsritter darf nicht weiter unter den Menschen verweilen. Bei Lohengrins Abschied aber geschieht erstaunliches:. Sein „lieber Schwan" verwandelt sich in Gottfried von Brabant Elsas totgeglaubten Bruder - mein lieber Schwan.
Wieso nennt man eine schlimme Nachricht Hiobsbotschaft ?
Von Hiob wird erzählt, daß er rechtschaffen und gottesfürchtig war und wohl sehr reich. Dem Satan ist der fromme Mann aber ein Dorn im Auge. Deshalb geht Satan zu Gott und behauptet, daß Hiob sich von ihm abwenden würde, wenn man ihm alles nähme. Satan erhält daraufhin die Erlaubnis, Hiob zu prüfen. Kurz nacheinander kommen Boten zu Hiob, die berichten, daß seine Rinder gestohlen, die Knechte getötet, seine Schafherden in einem Feuer umgekommen und die Kamele von Feinden geraubt wurden. Und schließlich, daß alle seine Kinder unter einem einstürzenden Haus begraben sind (Hiob 1,13-19). Doch Hiob, der Gerechte, wendet sich trotz all dieser „Hiobsbotschaften" nicht von Gott ab.
.... der Ausdruck "Leg' mal einen Zahn zu!" ?
Früher machte man noch klassisch über dem Feuer das Essen. Jeder kennt diese "Schwenkgrille" mit den drei Beinen, die man über das Feuer stellt. Um die Temperatur einigermaßen regulieren zu können, wurde das Grillrost an einer Kette befestigt, die man beliebig verstellen konnte, so daß das Grillrost entweder näher an der Flamme war, oder halt weiter oben. Diese besagte Kette wurde an einem der Beine an kleinen Zacken /Zähnen befestigt. Dauerte es zu lange, "legte man einen Zahn zu", sprich: hakte die Kette einen Zahn weiter oben ein, und schon ging's schneller.
Woher der rheinische Ausdruck "fringsen" (stehlen) kommt
Joseph Frings deutscher katholischer Theologe war von 1942 bis 1969 Erz-bischof von Köln. In dieser Zeit machte ihn vor allem seine Silvesterpredigt von 1946 populär. Darin unterstützte er diejenigen, die sich Briketts und Koks von den Kohlenzügen der Alliierten holten. Moralisch gerechtfertigter Diebstahl aus der Not heraus wird in Köln hoch heute "Fringsen" genannt. Er war Mitbegründer der katholischen Spendenhilfswerke "Misereor" und "Adveniat".
Weshalb engl. Polizisten "Bobbies" genannt werden
Ihre noch heute gebräuchliche Bezeichnung als "Bobbies" spielt auf den Vornamen von Sir Robert Peel an. Er war von 1822 bis 1830 Innenminister von Großbritannien. In dieser Zeit reformierte er die Londoner Polizei, u.a. in dem er waffenlose Polizeistreifen einführte.
Warum die Indianer "Rothaut" genannt werden
Nein ... nicht wegen ihrer Haufarbe falsch ! Ihre Hautfarbe geht, je nach Aufenthaltsort und Herkunftsland, eher von gelblich bis braun, selten oder nie ins rötliche. Der Name enstand durch die Sitte vieler Indianer, im Krieg Gesicht und oder Körper rot zu bemalen.
Wer sagte erstmals "Geld stinkt nicht" ?
Vespasian (+ 24.6.0079) Römischer Kaiser von 69-79. Seine Innenpolitik war vor allem durch Reorganisation des Heeres, Sparsamkeit und rigorose Steuerpolitik gekennzeichnet. So führte er unter anderem die sogenannte "Urinsteuer" ein. Damit zog er den Unmut der römischen Wollwäscher auf sich, die den Urin zum Färben und Fixieren ihrer Wolle benötigten. Die Woll-wäscher monierten, daß diese Steuer stinken würde. Vespasian antwortete angeblich mit dem legendären Satz: "Pecunia non olet" - Geld stinkt nicht.
Jemand "feuern"
Alte Stämme, die ein unbequemes Mitglied der Gemeinschaft loswerden wollten ohne in zu töten, zündeten einfach sein Haus an und verbrannten all sein Hab und Gut. Er wurde "gefeuert"
... was "auf dem Kerbholz haben"
Ein Kerbholz, (auch Kerbstock, Zählholz, Zählstab) ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, bilaterale Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren. Ein geeignetes längliches Brettchen oder ein Stock wurde mit Symbolen markiert. Anschließend wurde der Stock längs gespalten, so dass Schuldner und Gläubiger je die Hälfte der eingeritzten Markierung auf ihrer Stockhälfte dokumentiert fanden. Wieder zusammengefügt zeigte sich zweifelsfrei, ob die beiden Hälften zusammengehörten oder ob eine Hälfte nachträglich manipuliert worden war. Außer Holz wurden zum Beispiel Knochen, und diese wohl schon seit der Altsteinzeit, verwendet. An einem bestimmten Termin (Zahltag) wurde das Kerbholz präsentiert, mit dem Gegenstück verglichen und der Schuldner zur Zahlung aufgefordert. Zur Zeit des Mittelalters in einem weitgehend schreibunkundigen und münzarmen Europa war der Kerbstock ab dem 10. bis 12. Jahrhundert gebräuchlich. Der Kerbstock galt bei mittelalterlichen Gerichten als Beweismittel. In den Alpenländern wurde der Kerbstock noch im 20. Jahrhundert – besonders in der Alm- bzw. Alpwirtschaft – verwendet. Von dieser Zähl- und Buchhaltungstechnik leitet sich die noch heute gebräuchliche Redewendung „etwas auf dem Kerbholz haben“ her. Sie bedeutet im eigentlichen Sinne „Schulden haben“ und übertragen soviel wie „sich schuldig gemacht haben“.
"... ich kenne meine Pappenheimer"
Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (*6. Juni 1594) - während des Dreißigjährigen Krieges Befehlshaber eines Reiterregimentes in Diensten des habsburgischen Kaisers. Sein nach ihm benanntes Kürassierregiment gehörte zu den bekanntesten Kavallerie-Einheiten dieses Krieges. Begründer der gebräuchlichen Redewendung "... ich kenne meine Pappenheimer" Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim war ein äußerst gebildeter Mensch. Er galt zwar als impulsiv, doch zugleich auch als furchtlos und zuverlässig. Die Entschlossenheit seiner Reitertruppen wurde redensartlich festgehalten: „Ich kenne meine Pappenheimer!“ Dieser Ausspruch war ursprünglich positiv gemeint. Einer vom Regiment Pappenheimer zu sein, stand damals für unbedingten Mut, Treue und Tapferkeit. Heute ist die Bezeichnung „Pappenheimer“ eher mit der augenzwinkernden Einsicht in menschliche Unzulänglichkeiten verbunden. Friedrich Schiller verwendete diesen Satz abgewandelt in seinem Drama „Wallensteins Tod“. Er lässt den Feldherrn Wallenstein sagen: „Daran erkenn' ich meine Pappenheimer.“ Wallenstein sagt dies zu einer Delegation der Pappenheimer Kürassiere, die ihn darüber befragen, ob das im Heer umgehende Gerücht über Verhandlungen mit dem schwedischen Kriegsgegner der Wahrheit entspricht.

Vespasian (+ 24.6.0079) Römischer Kaiser von
69-79. Seine Innenpolitik war vor allem durch Reorganisation des Heeres,
Sparsamkeit und rigorose Steuerpolitik gekennzeichnet. So führte er unter
anderem die sogenannte "Urinsteuer" ein. Damit zog er den Unmut der römischen
Wollwäscher auf sich, die den Urin zum Färben und Fixieren
ihrer Wolle benötigten. Die Woll-wäscher monierten, daß diese Steuer
stinken würde. Vespasian antwortete angeblich mit dem legendären Satz:
"Pecunia non olet" - Geld stinkt nicht.
Ein Kerbholz, (auch Kerbstock, Zählholz, Zählstab) ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, bilaterale Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren. Ein geeignetes längliches Brettchen oder ein Stock wurde mit Symbolen markiert. Anschließend wurde der Stock längs gespalten, so dass Schuldner und Gläubiger je die Hälfte der eingeritzten Markierung auf ihrer Stockhälfte dokumentiert fanden. Wieder zusammengefügt zeigte sich zweifelsfrei, ob die beiden Hälften zusammengehörten oder ob eine Hälfte nachträglich manipuliert worden war. Außer Holz wurden zum Beispiel Knochen, und diese wohl schon seit der Altsteinzeit, verwendet. An einem bestimmten Termin (Zahltag) wurde das Kerbholz präsentiert, mit dem Gegenstück verglichen und der Schuldner zur Zahlung aufgefordert. Zur Zeit des Mittelalters in einem weitgehend schreibunkundigen und münzarmen Europa war der Kerbstock ab dem 10. bis 12. Jahrhundert gebräuchlich. Der Kerbstock galt bei mittelalterlichen Gerichten als Beweismittel. In den Alpenländern wurde der Kerbstock noch im 20. Jahrhundert – besonders in der Alm- bzw. Alpwirtschaft – verwendet. Von dieser Zähl- und Buchhaltungstechnik leitet sich die noch heute gebräuchliche Redewendung „etwas auf dem Kerbholz haben“ her. Sie bedeutet im eigentlichen Sinne „Schulden haben“ und übertragen soviel wie „sich schuldig gemacht haben“.
Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim