Chronologische Weltgeschichte - Die Jahre 1911 - 1920
1911
11. Januar - Dem amerikanischen Flugpionier Eugene Burton Ely, gelingt erstmals die Landung auf einer Plattform auf dem Panzerkreuzer "USS Pennsylvania", der in San Francisco vor Anker lag. Hierbei kam zum ersten Mal das von Hugh Armstrong Robinson entwickelte und noch gebräuchliche Fanghaken-System zum Einsatz. Ely widmete sich ursprünglich dem, noch in den Kinderschuhen steckenden Motorsport, bis er 1910 nach Portland zog wo er eine Anstellung als Vertreter bei einem Investor für einen der ersten Doppeldecker Flugzeuge fand. Er kaufte sich die Überreste eines Flugzeugwrack's reparierte es und lernte selbst das Fliegen. Als Teilnehmer mehrerer Flugshows, traf er auf Washington Chambers, der als Beauftragter für die Entwicklung der Marinefliegerei tätig war. Beim ersten Versuch am 14. November 1910 startete Ely ein Flugzeug von einer Plattform ab, die auf dem Kreuzer "USS Birmingham" errichtet worden war.
21. Januar - Die erste Rallye Monte Carlo, initiiert von Albert I., startet. Damals handelte es sich noch um eine so genannte Sternfahrt, die Touristen ins Fürstentum Monaco locken sollte. In Genf, Paris, Boulogne-sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel starten insgesamt 20 Teilnehmer in Richtung Monaco. Erster Gewinner war der Franzose Henri Louis Rougier.
17. Februar - Der schwedische Eiskunstläufer Ulrich Salchow gewann in Wien den Weltmeistertitel im Eiskunstlauf zum 10. Mal. Auf Salchow geht der Name einer Sprungfigur zurück, die mit zwei- oder dreifacher Drehung ausgeführt wird und heute zum Repertoire des Eiskunstlaufs gehört.
18. Febraur - Zum ersten Mal wird Post mit einem Flugzeug befördert. Der französische Pilot Henri Pecquet transportierte in Indien 6000 Briefe und Postkarten mit seinem Doppeldecker von Allahabad ins acht Kilometer entfernte Naini.
19. März - Der erste Internationale Frauentag findet statt. Im deutschsprachigen Raum werden ca 1 mio Demonstranten geschätzt.
1. April - Die ersten 85 Arbeiterfamilien beziehen ihre neuen Häuser in der Essener Siedlung Margarethenhöhe, die aus Mitteln der Margarethe-Krupp-Stiftung errichtet wurden. Die Inhaber der Stahl- und Rüstungsfirma Krupp betreiben seit Jahren eine vorbildhafte Sozialpolitik für ihre Arbeiter und Angestellten, von denen sie im Gegenzug den Verzicht auf gewerkschaftliche Betätigung erwarten.
21. August - Die "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci, das zweifellos bekannteste Werk des Museums, verschwindet während Renovierungs-arbeiten aus dem Louvre in Paris. Der 31-jährige italienische Anstreicher Vincenzo Peruggia hatte sich in einem Schrank versteckt, das Bild aus dem Rahmen gelöst und unter seinem Mantel versteckt aus dem Museum geschmuggelt. Das auf dünnem Pappelholz gemalte Bild ist 76,8 cm × 53 cm groß und entstand wahrscheinlich vom Frühjahr 1503 bis zum Sommer 1505. Bevor der Dieb gefasst wurde, gerieten der Dichter Guillaume Apollinaire und der Maler Pablo Picasso in den Verdacht, die Mona Lisa gestohlen zu haben. Bei den Untersuchungen war man auf einen Mann namens Géry Pieret gestoßen, der zugegeben hatte, im Magazin des Museums Kunstwerke gestohlen zu haben. Zwei dieser Kunstwerke fanden sich, vermittelt durch Apollinaire, bei Picasso. Apollinaire wurde verhaftet, beteuerte vor dem Richter seine Unschuld und wurde schließlich wieder freigelassen. Picasso wurde nur verhört, aber nicht arretiert. Erst zwei Jahre später wird das Gemälde in Italien gefunden, wo der wenig später verhaftete Dieb erklärt, er habe sich mit dem Diebstahl für Napoleons Kunstraube in Italien rächen wollen. Peruggia versteckte das Bild in einem Loch in der Wand nahe bei seinem Ofen. Am 12. Dezember 1913 versuchte er es in Florenz an den Kunsthändler Alfredo Geri zu verkaufen. Geri erhielt einen mit „Leonardo“ unterzeichneten Brief, in dem der Schreiber behauptete, das Gemälde an Italien „zurückgeben“ zu wollen, und 500.000 Lire zur Deckung seiner „Unkosten“ verlangte. Geri informierte Giovanni Poggi, den Direktor des Kunstmuseums und bekundete sein Interesse. Peruggia kam nach Florenz und zeigte das Bild in seinem Hotelzimmer. Geri und Poggi untersuchten es und fanden auf der Rückseite die korrekte Inventarnummer des Louvre. Später verglichen sie mit Hilfe einer Fotografie des Originals die Risse und waren sich nun sicher, dass sie das Original vor sich hatten. Sie überredeten Peruggia, in seinem Hotel auf das Geld zu warten und riefen die Polizei. Die Reaktion der Öffentlichkeit war heftig. Italienische Nationalisten verlangten, dass „ihre“ Mona Lisa „zu Haus“ bleiben solle. Die italienische Regierung versicherte jedoch, dass sie Mona Lisa an den Louvre zurückerstatten werde. Zuerst aber ging sie auf Tournee und wurde in Florenz, Rom und Mailand ausgestellt. Sie reiste in einer eigens angefertigten, gepolsterten Kiste und mit Ehrenwache. Anschließend kehrte die Mona Lisa mit einer großen Staatszeremonie wieder nach Paris zurück.
13. September- Melli Beese erhält als erste Frau in Deutschland die Flugzeugführerlizenz. Ohne ausreichende Flugerfahrung meldete sich Melli Beese ein erstes Mal zur Prüfung an. Das Flugzeugführerzeugnis des Vereins des Deutschen Luftfahrtverbandes DLV war nötig, um an Wettflügen teilnehmen zu können. Zum Erwerb dieser Lizenz waren 3.000 Mark zu zahlen und der Antragsteller hatte eine gesonderte Versicherung abzuschließen, die das Risiko einer Bruchlandung absichern sollte. Die Prüfung bestand aus drei geschlossenen Rundflügen von mindestens fünf Kilometern Länge. Nach jedem Flug musste vorschriftsmäßig gelandet und der Motor ausgeschaltet werden. Die Landung hatte punktgenau, bei einer Toleranz von maximal 150 Metern, zu erfolgen. Beeses erste Prüfung endete fast mit einem Unfall. Kaum war sie in der Luft, setzte der Motor aus. Sie leitete sofort die Landung ein und musste feststellen, dass der Benzintank sabotiert worden und das Benzin ausgelaufen war. An ihrem 25. Geburtstag, stieg sie in den frühen Morgenstunden mit der Rumpler-Taube auf und flog die vorgeschriebenen Runden und Figuren. Bevor die anderen Flugschüler auf dem Flugplatz eintrafen, hielt sie bereits als erste Frau Deutschlands die Flugzeugführerlizenz Nummer 115 in ihren Händen.
17. September - Vor dem Wiener Rathaus fordern 120.000 Menschen von der Regierung Maßnahmen gegen die Teuerungswelle bei Lebensmitteln. Durch Trockenheit bedingte Missernten in Österreich-Ungarn und hohe Weltmarktpreise für Lebensmittel hatten 1909/10 zu Preissteigerungen für Brot und andere Nahrungsmittel geführt. Der Mehlpreis hatte sich fast verdoppelt und Fleisch war für Arbeiter fast unerschwinglich geworden. Als sich die friedliche Demonstration auflöste, fiel angeblich ein Schuss. Als aus der Menge Steinwürfe gegen das Palais und das Rathaus fielen, gingen unzählige Fenster zu Bruch. Polizei und Militär darunter auch die Deutschmeister rückten daraufhin gegen die Demonstranten vor. Der harte Kern der Demonstranten zog sich in den Arbeiterbezirk Ottakring zurück. Dort errichteten die Demonstranten Barrikaden, demolierten Amtsgebäude, es kam zu Plünderungen. Bei anschließenden Straßenkämpfen zwischen Kundgebungsteilnehmern und der Polizei werden mehrere Menschen getötet. In den folgenden Tagen kommt es auch in anderen Städten Österreich-Ungarns zu Hungerrevolten.
In den höheren Schulen Preußens führt man die Unterrichtsstunde zu 45 Minuten ein.
1. Dezember - Hugo von Hofmannsthals Theaterstück "Jedermann" wird im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführt. Nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Mysterienspiele treten im Jedermann neben den Figuren von Gott und Teufel auch der Tod, der Mammon, der Glaube und andere abstrakte Begriffe als Personifikationen auf. Die von Hofmannsthal mitbegründeten Salzburger Festspiele werden seit 1920 mit seinem Stück "Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" eröffnet. Zum Inhalt: Als Gott sieht, dass man ihn auf der Erde nicht mehr schätzt, beschließt er, die Menschen durch den Tod wieder an seine Macht zu erinnern. Er trägt dem Tod auf, zum Haus des reichen Kaufmanns Jedermann zu gehen und ihn vor das göttliche Gericht zu rufen. Jedermann verkörpert das Idealbild eines überaus reichen Mannes, der glaubt, sich jeden Wunsch mit Geld oder Macht erfüllen zu können. In diesem Bewusstsein lebt er engstirnig und ohne Skrupel sein Leben. Alle Hilfe, um die man ihn bittet, muss mit gleicher Münze zurückgezahlt werden. Bei einem Bankett an der Seite seiner Buhlschaft hört er die Totenglocken und den Tod seinen Namen rufen. Der Tod fordert Jedermann auf, ihm zu folgen. Der Tod gewährt Jedermann, auf dessen Protest, eine kurze Frist, um einen Fürsprecher für sich zu gewinnen, der ihn auf seinem letzten Weg begleiten soll. Aber niemand will mit ihm gehen, seine Buhlschaft nicht – auch nicht sein Reichtum, verkörpert in der Figur des Mammon. Einzig die kraftlose Gestalt der guten Werke des Jedermann ist bereit, ihn zu begleiten. Da erkennt Jedermann sein sündhaftes Leben, und, vom Glauben bestärkt, tut er Buße: Seine Seele, die der Teufel schon für sich verbucht hatte, ist gerettet. Der Tod, der am Ende des Spiels wieder erscheint, kommt nicht mehr als unheimlicher, ungebetener Gast. Er reiht sich ein in die anderen Mächte, welche Jedermann auf seinem letzten Gang das Geleit geben.
14. Dezember - Der norwegische Polarforscher Ronald Amundsen erreichte mit vier Begleitern seiner Expedition als erster Mensch den Südpol. Für die 1100 km lange Strecke hatte die Expedition anderthalb Monate gebraucht. Amundsen gewann damit das Wettrennen gegen seinen britischen Rivalen Robert F. Scott, der erst einen Monat später den Pol erreichte und auf dem Rückweg mit seinen Begleitern starb.
1912
Mit einer auf 102 reduzierten Anzahl von Disziplinen finden die Olympischen Spiele diesmal in Stockholm statt.
Am 14. April, gegen 23:40 Uhr rammt die R.M.S. Titanic im Nordatlantik bei Neufundland einen Eisberg weil alle Eisbergwarnungen mißachtet wurden. Das Schiff unter Kapitän Edward John Smith wird auf der Steuerbordseite aufgerissen und sinkt innerhalb weniger Stunden. Die Titanic war auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York . Obwohl der britische Luxusdampfer als unsinkbar galt, brach Wasser ein und das Schiff versank in den eisigen Fluten. Dabei ertranken 1503 Passagiere. Nur 703 Menschen konnten in den wenigen Rettungsbooten überleben. 1985 wird das Wrack gefunden, kann aber nicht geborgen werden.
18. April - Die RMS Carpathia fährt mit 703 Überlebenden der Titanic-Katastrophe im Hafen von New York ein, wo sie von tausenden Menschen erwartet wird, die die Besatzung als Helden feiern. Am frühen Morgen des 15. April 1912 wurden kurz vor 0:30 Uhr auf der RMS Carpathia die ersten per Funk übermittelten Notrufsignale der Titanic empfangen. Nachdem der Kapitän der Carpathia, Arthur Rostron, von diesem Notruf unterrichtet wurde, befahl er, trotz der Gefahr durch treibende Eisberge, volle Fahrt auf die gemeldete Position der havarierten Titanic aufzunehmen. Gegen 4:00 Uhr erreichte die Carpathia als erstes Schiff die angegebene Position und nahm kurze Zeit später die ersten Überlebenden an Bord. Vor einem Komitee des US-amerikanischen Senats beginnen am 19. April die Untersuchungen zum Untergang der Titanic. Bis zum 25. Mai werden mehr als 80 Zeugen und Zeuginnen zu der Schiffskatastrophe befragt.
18. Mai - In Sankt Petersburg erscheint erstmals die vom Marxisten Lenin angeregte und gegründete Tageszeitung Prawda („Wahrheit”) die bald mit der russischen Zensur Konflikte hat und im Jahr 1917 zum Organ der KPdSU wird. Die Prawda erschien erstmals in Sankt Petersburg. Eigentlicher Herausgeber war Wjatscheslaw Molotow, der allerdings als solcher nie in Erscheinung trat, um die Arbeit der staatlichen Zensur zu erschweren. Stattdessen gab es 40 Pseudoherausgeber, die regelmäßig inhaftiert und zur Maximalstrafe von 3 Monaten verurteilt wurden. Ebenfalls zur Irreführung der Zensoren erschien die Zeitung regelmäßig unter anderen Namen, wie zum Beispiel als „Arbeiterwahrheit”, „Wahrheit des Nordens”, „Weg der Wahrheit” und als „Wahrheit der Arbeit”. In der Prawda sollten Arbeiter für Arbeiter schreiben. So hieß es im Leitartikel der ersten Ausgabe: „Wir möchten, dass sich die Arbeiter nicht auf die Sympathie beschränken, sondern an der Leitung unserer Zeitung aktiv mitarbeiten. Mögen die Arbeiter nicht sagen, Schriftstellerei sei für sie eine ‚ungewohnte‘ Arbeit. […] Man muss nur mutig ans Werk gehen: ein paar Mal wird man stolpern, und dann lernt man schreiben.“
19. Mai - Die Deutsche Reichspost führt zwischen Mannheim und Heidelberg ihren ersten offiziellen Postflug durch. Zuvor gab es in Deutschland bereits mehrere private Postbeförderungen mit Flugzeugen ohne Genehmigung der Post. Die erste Veranstaltung dieser Art wurde am 13. November 1911 in Berlin durchgeführt. Bei der Veranstaltung Flug um Berlin wurden Postkarten für Sammsler auf den Flug mitgenommen. Die zweite Veranstaltung dieser Art war ein Flug über acht Kilometer zwischen den Orten Bork und Brück. Bei dieser Flugveranstaltung wurden erstmals Flugmarken ausgegeben. Sie dienten ausschließlich zur Finanzierung der Veranstaltung und hatten keinen postalischen Wert.
1. Juli - Die Fußballnationalmannschaft des Deutsches Reiches erzielt mit einem 16:0 gegen das Russische Reich den bisher höchsten Länderspielsieg für Deutschland.
Das PVC wird erfunden. Eine Massenproduktion dieses sehr wandelbaren aber auch umweltschädlichen Kunststoffs kommt erst ab 1935 in Gang.
Die Büste der Nofretete wird bei Ausgrabungen in Tell-El-Amarna in Ägypten gefunden und steht heute in Berlin.
1913
19. Februar - Englische Frauenrechtlerinnen sprengten das Landhaus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George in die Luft. Die Suffragetten traten für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Von 1882 bis 1903 fanden in England wiederholt Massenkundgebungen der Frauen statt. Für ihre Aktionen wurden sie häufig inhaftiert. Besonderes Anliegen waren das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. 1903 gründete Emmeline Pankhurst die "Women's Social an Political Union", deren Mitglieder sich Suffragetten nannten. Ein teilweises Wahlrecht erhielten die Frauen in Großbritannien 1918, das uneingeschränkte Wahlrecht schließlich 1928.
16. Mai - Bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände eines Messingwerkes in Finow, einem Stadtteil von Eberswalde, wird der "Eberswalder Goldschatz" entdeckt. Der Schatz wird auf das 10. oder 9. Jahrhundert v. Chr. datiert, fällt also in die Periode der mitteleuropäischen Bronzezeit. In einem bauchigen Tongefäß mit Deckel, das in etwa 1m Tiefe gefunden wurde, waren acht goldene Schalen enthalten, in denen sich wiederum 73 Goldgegenstände befanden. Bei den Schalen handelt es sich um dünnwandige, getriebene Goldgefäße mit zahlreichen Ornamentverzierungen. Die weiteren Fundstücke waren Halsringe, Armbänder, Spangen und 60 Armspiralen (Drähte). 55 Doppelspiralen waren zu Bündeln zusammengeschnürt. Ein Goldbarren, ein Metallstück in Form eines Schmelztiegels sowie zwei kleinere Stücke dienten anscheinend als Rohmaterial.
11. Juni - Der Nordatlantik-Schnelldampfer "Imperator" startet seine Jungfernfahrt von Cuxhafen nach New York. Die Patenschaft über den 1912 getauften Ozeanriesen übernahm Kaiser Wilhelm II., der in dem Dampfer die Verkörperung von "Deutschlands Zukunft auf dem Wasser" sah. Die "Imperator" fuhr für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktiengesellschaft (Hapag-Lloyd). Das damals größte und luxuriöseste Schiff der Welt war 277 Meter lang, 75 Meter hoch und wog 7000 Bruttoregister-Tonnen mehr als die "Titanic". Als erster deutscher Luxusliner wurde die "Imperator" von vier Dampfturbinen angetrieben und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten. Darüber hinaus war der Imperator das erste Schiff der Welt, welches die 50.000 BRT-Marke überschritten hatte. 1180 Mann Besatzung arbeiten für etwa 4500 Passagiere. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs "Imperator"Großbritannien zugesprochen.
19. Oktober - Die größte freiwillige, gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungsorganisation der Welt, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) wird im "Hotel de Prusse" in Leipzig gegründet. Die DLRG wurde ins Leben gerufen als Konsequenz aus einem schweren Unglück in Binz auf Rügen, bei dem ein Steg einstürzte und 17 Menschen ertranken. Seit damals ist es das Hauptziel der DLRG, Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren, indem sie möglichst vielen Menschen frühzeitig das Schwimmen beibringt und über das sichere Verhalten im und am Wasser aufklärt.
20. November - Kaiser Wilhelm erlässt ein Tango-Tanzverbot für Offiziere in Uniform. Der deutsche Herrscher macht sich damit zum Vorreiter jener konservativen Kreise in Deutschland, die den aus Argentinien "importierten" Salontanz als unsittlich verpönen und ablehnen.
Alexander Behm erfindet (für die Seekriegsführung rechtzeitig) das Echolot. Friedrich Bergius erfindet, genauso rechtzeitig, wie man aus Kohle Benzin macht.
Niels Bohr veröffentlicht seine Abhandlungen über den Atomaufbau und wird dafür 1922 den Nobelpreis für Physik bekommen.
Henry Ford führt für die Produktion seiner Automobile das erste echte Fließband ein und reduziert die Montagezeit von 12,5 auf 1,5 Stunden, um sein "Tin Lizzy" genanntes Modell "T" für jedermann erschwinglich zu machen.
Die Firma Daimler baut dagegen Automobile nicht unbedingt für "Jedermann".
In Amerika werden die ersten Kühlschränke für den Privatgebrauch ausgeliefert und der Büstenhalter patentiert
14.4. Carl Hagenbeck stirbt.
13.8. August Bebel (Mitbegründer der SPD) stirbt in der Schweiz.
29.9./30.9. Rudolf Diesel stirbt unter mysteriösen Umständen durch Überbordgehen vom Dampfer "Antwerpen" im Ärmelkanal.
Das Völkerschlachtdenkmal wird in Leipzig eingeweiht und soll an den (nur eben nicht nur von Deutschen, sondern maßgeblich auch durch russische Hilfe errungenen) Sieg über Napoleon 1813 ewig lang erinnern. Es trägt nicht gerade zur Verständigungspolitik, die offensichtlich kaum einer mehr will, bei.
Durch einen kaiserlichen Erlaß wird das Tango-Tanzen in Uniform verboten, wohl weil diese daran hinderlich ist. Der Kaiser selbst und seine Söhne bestimmen, was eine praktische Uniform ist.
Kaum daß das gerade noch größte und "sicherste" Schiff der Welt, die Titanic, im Vorjahr von einem Eisberg versenkt wurde, wird das jetzt größte Schiff der Welt, der Luxusliner Imperator am 21.4. in Dienst gestellt. Nach der Jungfernfahrt (die sicherheitshalber nicht gleich nach Amerika geht) schneidet man die Schornsteine ab und entfernt allen Marmor und schwerlastigen Luxus, weil Toplastigkeit festgestellt wurde.
21. Dezember - In der Wochenendbeilage der Zeitung "New York World" erscheint das erste Kreuzworträtsel der Welt. Als Erfinder des Denksportspiels gilt der aus Liverpool stammende Journalist Arthur Wynne. Als Grundlage soll ihm ein Spiel seines Großvaters mit dem Namen "Die magischen Quadrate" gedient haben. Im Unterschied zum heute verbreiteten Aussehen, enthielt das Kreuzworträtsel von Wynne keine schwarzen Felder und war diamantförmig. Schon bald erfreute sich die neue Rätselart großer Beliebtheit und wurde von vielen anderen Printmedien übernommen. Ab Anfang der Zwanziger Jahre fand das Kreuzworträtsel dann auch Anklang bei europäischen Zeitungs- und Zeitschriftenlesern.
Bild: Michael J at en.wikipedia
1914
17. Februar - Um den Koran breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen, erschien in Konstantinopel die erste Ausgabe des Korans in türkischer Sprache. Der Koran ist in Reimprosa verfasst und stellt das älteste arabische Prosawerk da. Der Text wurde 653 durch eine vom Kalifen Othman eingesetzte Kommission endgültig redigiert. Er setzt sich aus 114 Suren zusammen. Jede Sure ist in Verse unterteilt. Der Koran war und ist für den gesamten Orient von sehr großer religiöser und politischer Bedeutung. Ob er von Allah erschaffen wurde oder unerschaffen seit Ewigkeit existiert, ist eine dogmatische Streitfrage zwischen der Orthodoxie und bestimmten Sekten.
15. April - Mit der Gründung der Bremer Behring-Werke GmbH wurde die Ära der Großproduktion von Impfstoffen eingeleitet. Der Bakteriologe Emil von Behring (1854-1917) hatte Impfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie entwickelt, die jetzt in großen Mengen industriell hergestellt werden konnten. Die Impfstoffe wurden dringend zur passiven Immunisierung der Soldaten an der Front des Ersten Weltkrieges benötigt. Für die Entdeckung und Erforschung der Antikörper, die für diese Impfstoffe relevant sind, erhielt Behring 1901 den ersten Nobelpreis für Medizin und wurde in den Adelsstand erhoben.
Noch am 11.5. warnt der sozialdemo-kratische Abgeordnete Karl Liebknecht vor den Folgen der deut-schen Kriegsvorbereitungen. Er kriti-siert insbesondere die Rolle der Industrie als kriegstreibende Kraft. Nach dem Attentat von Sarajewo glaubt eigentlich niemand so recht an Krieg. Ein britisches Schlachtgeschwader zieht gemächlich vom Ehrenbesuch der Kieler Woche ab. Sowohl Kaiser Wilhelm II. als auch die Regierungs-Chefs von England und Frankreich fahren noch im Juli in ihre gewohnten Ferien. Erst als Österreich in Serbien einmarschiert, ist man alarmiert.
In Deutschland wird am 1. August die Mobilmachung befohlen (mit den Unterschriften von Kaiser Wilhelm II. und Kanzler von Bethmann-Hollweg), die von der deutschen Bevölkerung mit wahrer Begeisterung aufgenommen wird. Unter den Jubelnden ist auch der spätere Gefreite Adolf Hitler.
1. August - Das Deutsche Reich erklärt Russland den Krieg. Am selben Abend überschreitet Russland die ostpreußische Grenze. Auslöser für den 1.Weltkrieg war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie ermordet worden waren. Der Anschlag war geplant und durchgeführt von der Studentenorganisation Mlada Bosna, die gegen die österreichische Besatzung und für einen unabhängigen südslawischen Staat eintrat. Als Unterstützer im Hintergrund wurden Mitglieder der verschworenen serbischen Geheimloge „Schwarze Hand“ vermutet. Etwa drei Wochen nach dem Attentat wurde Kaiser Franz-Josef davon überzeugt, dass man Serbien unterwerfen und bestrafen müsse. Kaiser Wilhelm II. hatte Österreich-Ungarn Unterstützung versprochen und auf ein rasches Losschlagen gedrängt. In einem für Serbien unannehmbaren Ultimatum vom 23. Juli 1914 verlangte die österreichisch-ungarische Regierung daher von der serbischen Regierung, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten. Als unannehmbar wurde vor allem die Forderung angesehen, von der k.u.k. Regierung delegierte Organe an den Ermittlungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber alle anderen harten Forderungen des Ultimatums. Dennoch erklärte nun Außenminister Leopold Berchtold Serbien den Krieg, das seinerseits die Teilmobilmachung der Armee folgen ließ. Da das Deutsche Reich an seinem Bündnis mit Österreich festhielt, war diese Rückendeckung entscheidend für die Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli. Bereits beim Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 Kaiser Wilhelms II. mit der militärischen Führungsspitze, hatte der Kaiser gefordert, dass Österreich gegenüber Serbien „kraftvoll auftreten“ müsse, und dann der Krieg mit Russland unvermeidlich wäre. Dies aktivierte eine Reihe von Bündnissen, was binnen kurzem zum Weltkrieg führte. So erfolgte am 27. Juli tatsächlich die Teilmobilmachung der russischen Armee. Als Zar Nikolaus II. am Morgen des 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee billigte, war ihm wohl allerdings zunächst nicht bewusst, welche Folgen dieser Vorgang haben würde. Noch am selben Tag wollte der Zar die Generalmobilmachung rückgängig machen, wurde jedoch von dem Generalstab der russischen Armee davon abgehalten. Selbst die beschwörenden Briefe Kaiser Wilhelms II. an seinen – Zar Nikolaus II. – hatten keine Wirkung. Das Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung. Nachdem diese ausblieb, machte das Reich ebenfalls mobil und erklärte Russland am 1. August den Krieg, woraufhin das mit Russland verbündete Frankreich in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil machte. Tatsächlich aber erfolgten die ersten Kriegshandlungen durch Russland noch am selben Abend mit Überschreiten der ostpreußischen Grenze
Japan erobert am 7.11. mit Tsingtau die deutsche Kolonie Kiautschou.
Das Osmanische Reich (Türkei) provoziert durch einen Feuerüberfall auf russische Häfen am 29.10. die Kriegserklärung der Entente-Mächte. Das eigentlich dem Pakt der Mittelmächte zugehörige Italien erklärt sich (u.a. auf Druck Mussolinis) für neutral. Anlaß ist das tödlich verlaufende Attentat des serbischen Studenten Princip auf das österreichische Thronfolgerpaar (Franz-Ferdinand von Habsburg-Este und seine Gemahlin Sophie Gräfin Chotek Herzogin von Hohenburg) in Sarajewo vom 28.6., dem wenige Minuten vorher ein erstes erfolglos vorausging.
Österreich erklärt Serbien am 28.7. den Krieg und beginnt am Folgetag mit der Beschießung von Belgrad. Beim darauffolgenden Feldzug gegen Serbien stoßen die Österreicher auf unerwartet erbitterten Widerstand und müssen sich zum Jahresende aus Serbien zurückziehen.
Im Dezember beginnt die bis April 1915 andauernde erfolgreiche deutsch - österreichische Offensive an der Ostfront. Nachdem der russische Vorstoß nach Ostpreußen bei Tannenberg aufgehalten werden konnte.
Der erste technisierte Krieg beginnt: Luftkämpfe, mehrtätiges Trommelfeuer aus unzähligen Kanonen, Tankschlachten, U-Boote, Funktechnik und Kampfgasgra-naten sind die neuen Techniken, auf welche weder die strategischen Heeres-leitungen noch die eingesetzten Soldaten ausreichend eingestellt sind. Flugzeuge und Fesselballons werden zu Kriegsbeginn beinahe ausnahmslos für die Luftaufklärung eingesetzt (der erste Flugzeug- Bombenabwurf der Geschichte findet am 29.8. durch Hermann Dreßler über Paris statt; Abwurf aus der Hand).
15.August - Der Panamakanal wurde eröffnet und verband von nun an auf 81 Kilometern Länge die Karibik mit dem Pazifik, was den Seeweg von New York nach Los Angeles um fast 15.000 Kilometer verkürzte. Nachdem ein französisches Bauvorhaben gescheitert war, übernahmen die USA 1904 die Fertigstellung des Projekts, bis 1914 wurde der Kanal unter der Leitung des amerikanischen Generalmajors und Ingenieurs George W. Goethals vollendet. Die Schwierigkeiten, an denen die Franzosen gescheitert waren, wurden unter anderem mit Schleusen und Stauseen umgangen. Die Gesamtausgaben der Amerikaner betrugen 386 Millionen US-Dollar, insgesamt starben während der zehnjährigen Bauarbeiten etwa 25.000 Arbeiter durch Unfälle und Krankheiten.
24.6. Die Eröffnung des erweiterten Nord-Ostsee-Kanals mit einer neuen Tiefe von 11 m gestattet es der deutschen Marine, ihre Schiffe innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes von der Nord- zur Ostsee zu verlegen.
Die Technik des Hochsee-Fischfangs wird durch Treib- und Schleppnetze derart verbessert, daß noch in diesem Jahrhundert weite Bereiche der Weltmeere leergefischt sein werden.
Das Yale Bowl Stadium im amerikanischen Connecticut wird das größte Stadion der Welt. Diesen Rekord hat bislang das im Jahre 80 fertiggestellte Kolosseum in Rom gehalten.
1915
Das US-Patentamt erteilt Georges Claude ein Patent auf die Neonröhre. Die Neonröhre entstand als Abfallprodukt bei seinen Versuchen, reinen Sauerstoff aus der Luft zu isolieren. Neonröhren sind mit dem Edelgas Neon gefüllt und leuchten entsprechend dessen Emissionsspektrum rot-orange. Umgangssprachlich werden
auch Leuchtstofflampen unzutreffend Neonröhre genannt — Leuchtstofflampen enthalten jedoch Quecksilberdampf und besitzen einen Leuchtstoff auf der Glasinnenseite. Neonröhren haben einen unbeschichteten klaren oder rot getönten Glaskolben. Neonröhren werden auch heute noch als Leuchtreklame und zu Dekorationszwecken eingesetzt.
Der Erste Weltkrieg ...
19. Januar - Deutschland setzt erstmals eine neue Waffe im Krieg gegen Großbritannien ein: Luftschiffe Die Zeppeline bombardierten zum ersten Mal die britische Hauptstadt. Die Luftschiffe waren bei ihrem nächtlichen Anflug vom Boden aus kaum zu bemerken, und es dauerte einige Zeit, bis sich die britische Luftabwehr auf die neue Gefahr eingestellt hatte.
22. April - Während der zweiten Ypern-Schlacht im Ersten Weltkrieg setzten deutsche Truppen an der Westfront erstmals chemische Kampfstoffe ein. Das Chlorgas tötete 5000 alliierte Soldaten doppelt so viele wurden schwerstens verletzt. Das Kriegsjahr 1915 hatte mit der Winterschlacht in der Champagne (16. Februar bis 20. März) begonnen, in der es den Deutschen gelang, französische Durchbruchsversuche abzuwehren. Die Zahl der gefallenen Soldaten erhöhte sich dramatisch, als im Zuge der "großen Offensive" der Franzosen die Herbstschlacht in der Champagne (22. September bis 6. November) als erste große Materialschlacht geführt hatten. Das Jahr 1915 brachte keine militärische Entscheidung, obwohl der verbissen geführte Kampf die Zahl der Gefallenen
Die neue Nahkampfwaffe, der Flammenwerfer, wird erstmals im Februar eingesetzt.
Der englische Passagierdampfer "Lusitania" wird am 7.5. mit 1´400 Fahrgästen von einem deutschen U-Boot versenkt. Da viele US-Bürger unter den Passagieren sind, protestieren die USA energisch.
1916
21. Februar - Die 5. Deutsche Armee begann vor Verdun den Angriff auf französische Stellungen und leitete damit eine der verheerendsten Schlachten des Ersten Weltkrieges ein. Nach zehn Monaten erbitterter Kämpfe zählte man auf deutscher Seite 335.000 und auf französischer Seite 350.000 Tote. Die Schlacht endete am 20. Dezember ohne wesentliche Verschiebung des Frontverlaufs. In dieser Schlacht setzt die deutsche Seite beim Angriff erstmals zwölf Fesselballone koordiniert ein. Die Feldluftschiffer liefern Informationen zur Gefechtsfeldaufklärung. Die monatelangen brutalen Kämpfe vor Verdun wurden zum deutsch-französischen Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen kriegerische Handlungen und dient der gemeinsamen Erinnerung und vor der Welt als Zeichen der geglückten deutsch-französischen Aussöhnung.
Entlassung von Rosa Luxemburg aus dem Frauengefängnis in Berlin. Sie hatte 1913 zur Kriegsdienstverweigerung aufgerufen und wurde daraufhin wegen der "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit" angeklagt. Sie wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Schon im Juli desselben Jahres kam sie in "Sicherheitsverwahrung", die bis 1918 andauerte. 1919 wurde sie zusammen mit Karl Liebknecht von Soldaten verschleppt und später ermordet.
Albert Einstein veröffentlicht in der Fachzeitschrift Annalen der Physik den Artikel "Die Grundlage der Allgemeinen Relativitätstheorie". Darin führt er die Gravitation auf ein geometrisches Phänomen in einer gekrümmten 4-dimensionalen Raumzeit zurück. Die allgemeine Relativitätstheorie beschreibt die Wechselwirkung zwischen Materie (einschließlich Feldern) einerseits und Raum und Zeit andererseits. Sie deutet Gravitation als geometrische Eigenschaft der gekrümmten vierdimensionalen Raumzeit. Die Grundlagen der Theorie wurden maßgeblich von Albert Einstein entwickelt, der den Kern der Theorie am 25. November 1915 der Preußischen Akademie der Wissenschaften vortrug. Zur Beschreibung der gekrümmten Raumzeit bediente er sich der Differentialgeometrie. Die allgemeine Relativitätstheorie erweitert die spezielle Relativitätstheorie und geht für hinreichend kleine Gebiete der Raumzeit in diese über. Gleichzeitig ist sie eine Erweiterung des newtonschen Gravitationsgesetzes. Sie enthält dieses als Grenzfall für hinreichend kleine Massendichten und Geschwindigkeiten. Die allgemeine Relativitätstheorie wurde vielfach experimentell bestätigt, so dass sie als Gravitationstheorie allgemein anerkannt ist.
1. Juli - Haiattacken an der Küste New Jersey inspirieren den Schriftsteller Peter Benchley zu seinem Roman "Der weiße Hai". Während der Haiangriffe wurden in den Tagen vom 1. bis zum 12. Juli 1916 vier Personen von Haien getötet und eine weitere verletzt. Die Angriffe ereigneten sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich wegen einer Hitzewelle und einer Polio-Epidemie Tausende von Badegästen in den Küstenorten an der Atlantik-Küste von New Jersey aufhielten. Angriffe von Haien auf Menschen an der Atlantikküste nördlich von North Carolina stellen bis heute eine Ausnahme dar. Vor den Angriffen im Sommer 1916 ging man davon aus, dass Schwimmer an diesen Küstenabschnitten keinerlei Gefahr durch Haie ausgesetzt seien. Seit 1916 diskutieren Wissenschaftler, welche Haiart für die Angriffe verantwortlich war, ob die Angriffe von mehr als nur einem Hai ausgingen und welche Faktoren zu dieser Häufung von Attacken geführt haben. Der Roman wurde unter demselben Titel 1975 von Steven Spielberg verfilmt und gilt als ein Klassiker des Horrorfilmgenres.
An der Westfront des Ersten Weltkrieges begannen die Alliierten Großbritannien und Frankreich eine Offensive. Das tagelange vorbereitende Trommelfeuer schwerster Artillerie erwies sich jedoch als weitgehend wirkungslos. Schon am ersten Tag der Offensive verlor die British Expedition Force 58.000 Mann. Die Alliierten warfen 104 Divisionen an der Somme gegen die deutschen Stellungen. In diesem über fünf Monate lang wütenden Gemetzel liessen mehr als 500.000 deutsche, rund 200.000 französische und über 500.000 britische Soldaten ihr Leben. Den Alliierten brachen jedoch nicht mehr als 40 Kilometer in der Breite und 12 Kilometer in der Tiefe in die deutschen Linien ein. Der Krieg entwickelte sich zum "Abnutzungskrieg" von Menschen und Material. Den hohen Zahlen an Verlusten standen nur kurzfristig kleine Geländegewinne gegenüber.
In einigen Staaten der USA tritt das von einer erstarkten Frauenlobby eingebrachte Prohibitionsgesetz (keine Produktion, kein Vertrieb und kein Besitz von Alkohol) in Kraft.
Die seit 1902 in Bau befindliche Transsibirische Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok wird fertiggestellt (Länge 9´297 km).
Der Erste Weltkrieg ...
31.5.-1.6. Am Skagerrak findet die größte Seeschlacht des 1.WK statt. Die bei den Falkland-Inseln siegreiche "Invincible" fliegt noch vor der Haupt-schlacht in die Luft. Die "Queen Mary"
und die "Seydlitz" werden zusammengeschossen, die "Derfflinger" schwer beschädigt. Auch wenn die Schlacht unentschieden endet, ist die deutsche Flotte durch die Verluste entscheidend geschwächt.
15. September - Erstmals wurden in der Militärgeschichte Panzer eingesetzt. Die britischen Kettenfahrzeuge operierten während des Ersten Weltkrieges an der französischen Front. Großbritannien erhoffte sich mit dem Panzereinsatz eine Wende im Infanteriekrieg. Die geländegängigen "Tanks" sollten Breschen in die deutschen Graben- und Sperranlagen schlagen und den folgenden Infanterie- und Kavallerieeinheiten den Marsch durch die feindlichen Linien ermöglichen. Von den 32 britischen Panzern, die zwischen Courcelette und Longueval eingesetzt wurden, erreichten lediglich neun ihr Ziel.
Die noch in der Entwicklung steckende Technik forderte die achtköpfige Besatzung auf das Äußerste. Allein die Steuerung des Tanks war eine schwere Aufgabe. Mit Hilfe der Kettenbremsen den Kurs zu halten, erwies sich als übermenschliche Aufgabe, da hierzu die Kräfte mehrerer Soldaten gebraucht wurden. Als einzig gangbarer Weg zeigte sich die Entkupplung jeweils einer Kette über ein Sekundärgetriebe, um den Panzer in eine gegebene Richtung drehen zu lassen. Doch selbst das war schwierig, da die Befehle des Kommandanten nur über Klopfzeichen eines Hammers vermittelt werden konnten, denn die Motoren der Kriegsmaschine erzeugten einen Lärm, der im Innenraum jeden menschlichen Laut übertönte. Diese körperliche Schwerstarbeit im Bauch des Ungetüms war bei Temperaturen von bis zu 50 °C zu verrichten; teilweise waren die Temperaturen so hoch, dass sich die Munition entzünden konnte. Bei Beschuss konnten Splitter oder Niete im Innenraum umherfliegen; die Panzerbesatzungen waren deswegen mit schweren Lederhelmen, Kettenhemden und Gesichtsabdeckungen geschützt. Zur ersten Panzeroffensive kam es am 20. November 1916 in der Schlacht bei Cambrai. 378 "Tanks", unterstützt von 96 Hilfspanzern und 400 Flugzeugen, überrollten deutsche Stellungen. Der Namen "Tank" wurde aus Geheimhaltungsgründen gewählt: die Waffe war brandneu und wurde als "möglichweise kriegsentscheidend" und daher als "Streng Geheim" eingestuft. Um vom ursprünglichen Thema "Panzerkampfwagen" weitestgehend abzulenken, wurden neugierige Fragen: "an was man da gerade arbeite", schlicht mit "Arbeiten an einem Tank" (also einem Behälter für Flüssigkeiten) beantwortet.
Das in England entwickelte Hydrophon (Unterwasser-Mikrofon) wird zur Ortung deutscher U-Boote eingesetzt.
In Merseburg wird das erste Ammoniakwerk nach dem Haber-Bosch-Ver-fahren zur Gewinnung des Luftstickstoffs in Betrieb genommen. Es macht Deutschland unabhängig vom Rohstoff Import zur Herstellung von Sprengstoff.
Nach fast zehnmonatiger Dauer brach die Oberste Heeresleitung am 15. Dezember 1916 einen Großangriff auf Verdun ab, nachdem der Krieg längst zum Stellungskrieg geworden war und anfängliche Gebietsgewinne wieder verloren gegangen waren. In der Schlacht um Verdun, einer der grausamsten und verlustreichsten des Ersten Weltkrieges, verloren 360.000 Franzosen und 335.000 Deutsche ihr Leben.
1917
1. Februar - Das Deutsche Reich erklärte das Seegebiet rund um Großbritannien erneut zum Kriegsgebiet und griff auch Handels- und Passagierschiffe neutraler Staaten an. Ziel war es, England von der lebenswichtigen Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen abzuschneiden. Bereits zuvor hatte das Deutsche Reich als Reaktion auf die britische Seeblockade zum Mittel des uneigeschränkte U-Boot-Kriegs gegriffen. Nach der Versenkung des Passierschiff "Lusitania" 1915, bei der fast 1200 Menschen umkamen (darunter 125 Amerikaner), war diese Art der Kriegsführung aus Sorge vor einer weiteren Belastung der Beziehungen zu den USA vorläufig ausgesetzt worden. Als Konsequenz der Wiederaufnahme der U-Boot-Angriffe erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich am 6. April 1917 den Krieg.
15. April - Der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin trifft in Sankt Petersburg ein. Er war mit einem verplombten Zug aus dem Schweizer Exil angereist. Die deutsche Reichsregierung hatte die Fahrt des Revolutionärs ermöglicht, weil sie sich davon eine Destabilisierung Rußlands und den rascheren Abschluss eines Friedensvertrages versprach.
17. Juli - Aufgrund einer starken antideutschen Stimmung in Großbritannien während des Ersten Weltkrieges beschloss König George V. seinen Familiennamen von Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor, nach dem gleichlautenden Schloss, zu ändern. Zudem legte er alle deutschen Adelstitel nieder. Um seine Loyalität zur Nation und seine Unterstützung der britischen Soldaten zu dokumentieren, unternahm der Monarch zahlreiche Truppenbesuche an die Westfront. Zuvor hatte er sich auch für eine faire Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen eingesetzt. Später beschloss Königin Elisabeth, dass alle künftigen britischen Thronfolger den Namen Windsor beibehalten sollten.
19. Juli - Der deutsche Chirurg Ferdinand Sauerbruch stellt eine Armprothese vor, bei der die Finger über Züge mit der Muskulatur im Armstumpf verbunden sind. Dazu wurde bei dem verbliebenen Armstumpf durch das Muskelfleisch ein von Haut ausgekleideter Kanal gelegt, durch den ein Bolzen eingeführt wurde. Damit konnte die Bewegung der verbliebenen Muskulatur im Armstumpf auf die Prothesenteile, insbesondere der Hand, übertragen werden. Die Hand wie auch die Finger waren so steuerbar. Der Sauerbruch-Arm und die Sauerbruch-Hand zeichnen sich durch eine besondere Beweglichkeit aus, deren Erfolg ihn zum bekanntesten Chirurgen der damaligen Zeit machten. Die hohen Kosten für die Prothese konnten jedoch nur wenige Betroffene aufbringen, so dass ihre Anwendung von vornherein nur begrenzt war. Durchgesetzt hat die Sauerbruch-Prothese sich auch deshalb nicht, weil in diesem Kanal oft Entzündungen und Infektionen auftraten. Der Begriff Prothese stammt übrigens von dem griechischen Wort "próthesis" ("das Voransetzen") ab und dient als Bezeichnung für (mechanische) Vorrichtungen, die aus funktionalen und kosmetischen Gründen verlorene oder nicht vorhandene Körperteile ersetzen.
1. August - Der US-Senat verabschiedete ein Gesetz, das Herstellung, Vertrieb und Transport aller rauschverursachenden Getränke untersagte. In der Folge kam es zu einem starken Anstieg von Alkohol-Schmuggel und Hausmacherdestillation. Verbrechersyndikate beherrschten das gesamte Vergnügungswesen. In Städten wie Chicago, New York und Philadelphia kontrollierten sie sogar die Stadtverwaltung und die Polizei. In der Folge wurden bis 1930 eine halbe Million US-Amerikaner verhaftet. Ursprünglich wurde das Alkoholverbot von den Ärzten befürwortet, Ende der 1920er Jahre änderten sie ihre Meinung. Die illegale Herstellung von minderwertigem Alkohol war zur Volksgefahr geworden. Das Gesetz wurde 1933 aufgehoben.
15. Oktober - In den Festungsanlagen des Schlosses Vincennes wurde die niederländische Tänzerin Mata Hari wegen Hochverrat, von einem Erschießungs-Kommando getötet, weil sie als Spionin für den deutschen Geheimdienst gearbeitet hatte. Margareta Geertruida Zellem tritt am 13 Mai 1905 in Paris erstmals als Tänzerin Mata Hari auf. Ihr Schleiertanz, bei dem sie sich am Ende fast gänzlich entkleidet, wird von Anfang an eine Sensation und ein großer Erfolg. Daneben gilt sie heute als bekannteste Spionin aller Zeiten. Ab 1916 arbeitete sie als Doppelspionin für Deutschland und Frankreich, wobei die genauen Umstände ihrer Tätigkeit ungeklärt sind. Sie wurde am 25. Juli 1917 wegen Doppelspionage und Hochverrats vom französischen Militärgerichts zum Tode verurteilt.
18. Dezember - Gründung der UFA in Berlin. Am 18. Dezember 1917 wurden zahlreiche Betriebe der deutschen Filmindustrie zur "Universum Film AG" (Ufa) zusammengefasst, um die Beeinflussung der Bevölkerung durch dieses Medium besser steuern zu können - zum Beispiel mit Durchhalteparolen während des Ersten Weltkrieges.
Der Erste Weltkrieg ...
Wegen Männermangels nimmt bei den kriegsbeteiligten Nationen die Frauenarbeit zu und stärkt damit die Emanzipationsbewegung der Frauen.
31.1./1.2. Kaiser Wilhelm II. ruft den uneingeschränkten U-Boot-Krieg aus, der sich auch auf Handelsschiffe neutraler Staaten bezieht; der Kriegseintritt der USA ist damit provoziert. Nachdem auch noch bekannt wird, daß Deutschland Mexiko zum Kriegsbündnis gegen die USA überreden will (Zimmermann-Note), kommt es am 6.4. zur Kriegserklärung der USA an Deutschland. Wichtiger für die Entente als die ersten US-Soldaten, die im Sommer anlanden, ist die unver-brauchte Industrie- und Wirtschaftskraft, welche die USA gegen die Mittelmächte aufbringen. Der 1.Weltkrieg ist damit ganz eindeutig bereits zu Ungunsten der Mittelmächte vorentschieden; verloren war er bereits durch das Schei-tern des Schlieffen-Plans zu Anbeginn, auch wenn dies in Deutschland niemand wahrhaben wollte.
Das Kondensatormikrofon wird von E.C. Wente erfunden.
Der erste Farbfilm in Technicolor entsteht, er hat allerdings nur zwei Farben.
1918
18. Januar - Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, ließ die Verfassunggebende Versammlung in St. Petersburg durch bewaffnete Mitglieder seiner Partei, der Bolschewiki, auflösen. Die gerade erst gewählte russische Verfassungsgebende Versammlung hatte sich geweigert, die gewaltsame Machtübernahme der von den Bolschewiki beherrschten Arbeiter- und Bauernräte, der Sowjets, anzuerkennen. Bei den Wahlen zur Versammlung hatten die Bolschewiki nicht die Mehrheit der Stimmen erhalten. Nur eine Woche später wurde auf dem Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte, dem Sowjetkongress, die Russische Räterepublik (Sowjetrepublik) gegründet.
21. Februar - Im Zoo von Cincinnati stirbt Incas, der letzte Karolinasittich. Seither gilt die einzige Papageienart Nordamerikas als ausgestorben. Karolinasittiche erreichten eine Körperlänge von 30 bis 32 Zentimeter.Die Grundfärbung des Gefieders war grün. Der Scheitel bis zum Nacken, die Ohrdecken und das Kinn waren gelb. Vorderkopf und die Augenpartie waren dagegen rotorange gefiedert. Die großen Flügeldecken waren olivfarben mit einem grüngelblichen Saum. Der mit ca 14 cm verhältnismäßig lange Schwanz war an der Oberseite grün, an der Unterseite dagegen grau.
21. März - Unter dem Codename "Michael" startete die erste Großoffensive des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns an der Westfront seit dem gescheiterten Angriff auf Verdun. Nach dem Sieg über Rußland sollten jetzt Frankreich und England besiegt werden.
21. April - Der Flieger Manfred Freiherr von Richthofen wurde nach mittlerweile 80 Abschüssen selbst getroffen und fiel unter ungeklärten Umständen. Seine beschädigte Maschine landete zwar hinter den englischen Linien, es konnte jedoch nur seine Leiche kann geborgen werden. Der mysteriöse Absturz Richthofens und sein 1917 erschienenes Buch "Der rote Kampfflieger" trugen zur Legendenbildung um den "Roten Baron" bei. Sowohl in der Wehrmacht als auch in der Bundeswehr wurden Jagdgeschwader nach Richthofen benannt. Der erfolgreichste Kampfflieger des Ersten Weltkriegs bekannte: "Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute". Den berühmten Beinamen "Der Rote Baron" erhielt von Richthofen, der einen Großteil seiner Einsätze in mehr oder weniger rot gestrichenen Flugzeugen flog, erst nach dem Krieg. Er geht auf ein englisches Nachkriegsbuch zurück, das seinen Titel „Freiherr“, den es im Englischen nicht gibt, mit „Baron“ übersetzte.
16. Juli - Der russische Zar Nikolaus II wird mit seiner gesamten Familie im Ort Jekaterinburg - dem heutigen Swerdlowsk - ermordet. In seiner Amtszeit galt er als leicht beeinflussbar, unter anderem durch Grigori Rasputin, den angeblichen Wundertäter, der als Günstling an seinem Hofe lebte. Unter dem Druck der Februarrevolution von 1917 musste Nikolaus II. abdanken. Am 16. Juli 1918 wurden er und seine Familie auf Befehl Lenins von den ihn bewachenden bolschwistischen Truppen bei Jekaterinburg ermordet. Mit dem Mord geht die 300-jährige Herrschaftsgeschichte der Zarenfamilie zu Ende.
Der Erste Weltkrieg ...
Bei Krupp baut man eine Kanone, die 130 km weit schießen kann. Den Krieg rettet sie nicht mehr.
Mit der englischen "Eagle" wird das erste ausschließlich als Flugzeugträger entwickelte Schiff in Dienst gestellt.
In England wird das Sonarsystem zur Entfernungsberechnung von Unterwasserobjekten entwickelt.
Am 11.11. wird vom Leiter der deutschen Waffenstillstandsdelegation, Matthias Erzberger, in dem Eisenbahnwaggon des General Foch im Wald von Compiègne der Waffenstillstand unter-zeichnet, der de facto eine bedingungslose Kapitulation darstellt, was die Friedensdiktate der Siegermächte im Folgejahr bestätigen werden. Derselbe Eisenbahnwaggon wird 1940 in deutscher Revanche Lust noch einmal benötigt.
In den Kämpfen des Ersten Weltkrieges werden über 8 Millionen Menschen getötet, beinahe die gleiche Zahl vermißt, und etwa 21 Millionen verwundet.
Die Massenproduktion von Verstärkerröhren für den Funkverkehr beginnt in Frankreich, und Walter Schottky erfindet die nach ihm benannte Empfängerröhre.
Die Station Nauen in Brandenburg stellt erstmals eine Funkverbindung rund um die Erde her.
1919
1. Januar - Im Deutschen Reich wurde der 8-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Diese Vereinbarung wurde von den Gewerkschaften durchgesetzt und hatte Einfluss auf die anderen Industrienationen, die noch im selben Jahr zum Teil nachziehen.
18. Januar - Demonstrativ, am Tag und dem Ort der Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches, wurde im Spiegelsaal von Versailles die Friedenskonferenz eröffnet, die den Ersten Weltkrieg beenden sollte. Delegierte aus 27 Staaten der Alliierten berieten über das zukünftige Europa. Die Mittelmächte waren nicht vertreten, der Text des "Friedensvertrages" wurde ihnen später zugestellt mit einem Ultimatum, das die Annahme binnen fünf Tagen forderte. Vor allem hatte die französische Regierung auf diese demütigende Behandlung der Mittelmächte gedrungen. Die Schmach von 1870/71, als Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg vernichtend geschlagen worden war, sollte 1919 endlich ausgemerzt werden. Dabei entstand in Versailles bei weitem keine Friedensordnung. Der Versailler Vertrag trug vielmehr mit dazu bei, die Voraussetzungen für einen neuerlichen europäischen Waffengang zu schaffen.
19. Januar - Frauen dürfen erstmals auf Reichsebene ihr aktives und passives Wahlrecht nutzen. Es handelt sich um die Wahl zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, bei der die Sozialdemokraten mit 165 Mandaten stärkste Fraktion wurden. Das Wahlrecht war den Frauen zwei Monate zuvor in einer offiziellen Urkunde durch den Rat der Volksbeauftragten vom 12.11.1918 gesetzlich bestätigt worden. Schon 1873 forderte Hedwig Dohm als erste Frau das Wahlrecht für Frauen. Die SPD nahm diese Forderung 1891 als erste Partei in ihr Programm auf. Vor allem der linken Flügel der Frauenbewegung, Clara Zetkin sei hier erwähnt, und auch die Sozialdemokraten, so z.B. August Bebel, trugen mit die Hauptlast im Kampf um das Wahlrecht der Frauen.
18. Februar - Der Staatenausschuss der Weimarer Nationalversammlung beschließt, dass die deutsche Nationalflagge die Farben Schwarz-Rot-Gold tragen solle. Die neuen Nationalfarben gingen auf die Farbkombination der Uniformen des Lützowschen Freikorps im Befreiungskrieg gegen Napoleon zurück. Die Korps setzten sich zumeist aus Studenten zusammen, die sich gegen die Besatzung Deutschlands durch Frankreich formierten. Da die Freiwilligen unter dem preußischen Major Adolf von Lützow aus allen Teilen Deutschlands stammten und von dort höchst unterschiedliche Uniformen und Zivilkleidung mitbrachten, war die einzige Möglichkeit, eine einheitliche Bekleidung herzustellen, die unterschiedlich farbigen Uniformen schwarz einzufärben. Hinzu kamen goldene (messingfarbene) Knöpfe sowie schließlich rote Aufschläge und Vorstoß. Zur Popularisierung hat die Tatsache beigetragen, dass die Farben die gleichen wie die der Reichsfahne im Heiligen Römischen Reich waren. Die Farbzusammenstellung ergibt sich aus einem historisch verbürgten Ausspruch in den Befreiungskriegen:
"Aus der Schwärze der Knechtschaft durch blutige (rot) Schlachten ans goldene Licht der Freiheit."
Als erste Frau trat die sozialdemokratische Abgeordnete Marie Juchacz ans Rednerpult der Deutschen Nationalversammlung in Weimar. "Meine Herren und Damen!", so ihre Anrede, war ein heiterkeitserregendes Novum. Denn erst mit der Weimarer Verfassung war das aktive und passive Wahlrecht für "alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen" eingeführt worden.
17. April - Die Fimproduktions- und Verleihgesellschaft "United Artists" wird von den Schauspielern Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, Mary Pickford und dem Regisseur David Ward Griffith gegründet. Die “United Artists Corporation” war geplant als eigene Produktions- und Verleihgesellschaft. Das Ziel war, Filme unabhängiger Filmemacher zu finanzieren und für deren Verleih zu sorgen."United Artists" wollte die Position der Schauspieler gegenüber der Filmindustrie stärken und mehr Kontrolle über Gewinne und Gagen erlangen. Dank des Bekanntheitsgrades der Gründungsmitglieder gelang es "United Artists", die enge Verflechtung zwischen Produktion, Verleih und Spielstätten zu durchbrechen.
20. Juni - Die Regierung des Sozialdemokraten Philipp Scheidemann trat zurück. Scheidemann, der erste demokratisch gewählte Reichskanzler, verweigerte die Unterschrift unter den Versailler Vertrag. Der ohne deutsche Beteiligung ausgehandelte Vertrag gab Deutschland die alleinige Kriegsschuld und legte als Strafen Gebietsabtretungen und Reparationen fest, die als unzumutbar abgelehnt wurden. Scheidemann hatte am 9. November 1918 die Republik ausgerufen, um der beginnenden Revolution entgegenzuwirken. Damit hatte er den Rückweg in die Monarchie endgültig versperrt. Er blieb nach seinem Rücktritt Mitglied des Reichstags. Nach der Machtübernahme Hitlers emigrierte er nach Kopenhagen nieder.
21. Juni - Auf Befehl ihres Kommandeurs Ludwig von Reuter versenkte sich die deutsche Hochseeflotte, der Stolz der Marine, im britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow. Seit Ende des Ersten Weltkrieges war die gesamte deutsche Kriegsflotte in dem Naturhafen fest gesetzt, während bei den Versailler Friedensverhandlungen über sie entschieden wurde. An diesem Tag verließ die Königliche Britische Flotte Scapa Flow zu einer Übung. Von Reuter gab Befehl, die Kriegsschiffe zu versenken, damit sie nicht in die Hände der Briten fielen. Alle Schotten und Luken wurden geöffnet, die Schlüssel und Hebel über Bord geworfen. Nach und Nach versank die gesamte Flotte. Durch seine eigenmächtige Tat wurde von Reuter zum Volksheld.
In Schwarzburg unterzeichnete der deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) die neue Verfassung des Deutschen Reiches, die Weimarer Verfassung, die am 14. August 1919 in Kraft trat. Deutschland wurde zur Republik erklärt, oberster Repräsentant war der Reichspräsident. Er ernannte und entließ den Reichskanzler, hatte das Recht, den Reichstag aufzulösen und den Oberbefehl über die Reichswehr. Mit 262 zu 75 Stimmen war die Reichsverfassung im Juli von der Verfassungsgebenden Nationalversammlung verabschiedet worden.
21. Juli - Anton Herman Gerard Fokker gründet zusammen mit anderen das Unternehmen "N. V. Nederlandsche Vliegtuigenfabrieken", welches als "Flugzeugwerke Fokker" bedeutend wird.
Zwischen Berlin und Weimar wird eine erste Luftpostverbindung mit Flugzeugen hergestellt.
Ein Luftpost- und Passagierdienst zwischen Berlin und New York wird mit dem Luftschiff Graf Zeppelin eingerichtet, das in diesem Jahr eine Erdumrundung vollendet. Mit 37 Mann Besatzung befördert es bis zur Ausmusterung 1937 jeweils 18 Passagiere und 62´000 Briefe.
Otto Lummitzsch gründet und leitet im Januar 1919 gründete die "Technische Abteilung" (TA), den Vorläufer des Technischen Hilfswerkes, die aus ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine und Armee sowie sonstigen Freiwilligen bestand. Da die TA und andere militärische Nothilfen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags nicht auf Dauer fortbestehen konnten, schuf er im Herbst 1919 die später dem Reichsministerium des Inneren untergeordnete zivile Hilfsorganisation der Technischen Nothilfe (TN).
Otto Lummitzsch wurde 1934 von den Nationalsozialisten der Leitung der TN enthoben, da er sich weigerte, sich von seiner "halbjüdischen" Frau scheiden zu lassen. Lummitzsch war bis Juni 1946 Direktor bei der Zentralverwaltung der AEG in Berlin. Danach betätigte er sich dort bis August 1950 als freier Ingenieur. 1950 wurde er ins Bundesministerium des Innern nach Bonn berufen und vom damaligen Innenminister Gustav Heinemann mit den Vorarbeiten und dem Wiederaufbau des Technischen Hilfswerks (THW) beauftragt, das drei Jahre später als "Bundesanstalt Technisches Hilfswerk" die endgültige Rechtsform einer nicht rechtsfähigen Bundesanstalt erhielt. Seit dieser Zeit leitete Lummitzsch als Direktor diese Institution, bis er am 15. April 1955 sein Amt wegen Überschreitung der Altersgrenze niederlegte. Von September 1952 bis zu seinem Ausscheiden war die Zahl der verpflichteten Helfer der Organisation von rund 6000 auf 40000 und die Zahl der Ortsverbände auf 377 angewachsen. Anlässlich seiner Abschiedsfeier überreichte ihm Innenminister Gerhard Schröder das Große Bundesverdienstkreuz.
13. Dezember - Marie Juchacz gründet in Deutschland unter dem Namen "Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt" in der SPD die
Arbeiterwohlfahrt.
21. Dezember - Die deutsche Reichspost teilt amtlich mit, dass sie ab 1. Januar 1920 die neue Sendungsart Päckchen zur Beförderung annimmt.
1920
1. Januar - Die deutsche Reichspost nimmt ab heute die neue Sendungsart Päckchen zur Beförderung an.
16. Januar - Beginn der Prohibition in den USA. Der genau ein Jahr zuvor von US-Präsident Herbert Hoover ratifizierte 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten tritt in Kraft, der „Herstellung, Verkauf und Transport von berauschenden Mitteln“ verbietet. Damit wurden Genuss und Vertrieb von Getränken mit mehr als 0.5 % Alkoholgehalt verboten. Ziel der Maßnahme war es, den angeblich unmoralischen Lebenswandel der Großstädter einzudämmen. Puritanisch-protestantische Kreise im ländlichen Süden der USA sprachen sich besoners für die Prohibition aus und bewirkten die Aufnahme dieses Gesetzes in die Verfassung der USA. Die Prohibition wurde während der Großen Depression 1930 zunehmend unpopulär, insbesondere in großen Städten. Am 23. März 1933 unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt ein als Cullen-Harrison Act bekannt gewordenes Gesetz, um das Volstead Act aufzuheben und Herstellung und Verkauf bestimmter alkoholischer Getränke zu erlauben. Am 5. Dezember 1933 hob die Unterzeichnung des 21. Verfassungszusatzes den 18. Zusatzartikel auf. Die Gesetzgebung zum Alkoholkonsum wurde vom Staat wieder an die einzelnen Bundesstaaten zurückgegeben. In Abschnitt 2 wird ausdrücklich auf die Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten verwiesen. So ergab sich eine noch heute von Bundesstaat zu Bundesstaat verschiedene Gesetzgebung zum Umgang mit berauschenden Getränken – Mississippi schaffte als letzter Bundesstaat erst 1966 die vollständige Prohibition ab, und in einzelnen Städten und Countys verschiedener Staaten ist sie bis heute in Kraft.
Tauziehen ist zum letzten Mal olympische Disziplin, Medaillen werden auch im Eiskunstlauf und Eishockey vergeben, da die olympischen Winterspiele erst 1924 eingeführt werden. Deutschland darf erst wieder 1928 an den Spielen in Amsterdam teilnehmen.
15. März - In der Berliner Ausstellungshalle wurde ein Sport eingeführt, der sich knapp zwanzig Jahre zuvor in den USA etabliert hatte: In 144 Stunden versuchten Mannschaften von Rad-Rennfahrern, möglichst viele Runden auf der Holzbahn der Halle zurückzulegen. Das "Sechs-Tage-Rennen" wurde zur festen Institution des Berliner Sport- und Gesellschaftslebens.
19. April - In der Konferenz von San Remo teilten die beiden Siegernmächte des Ersten Weltkrieges, England und Frankreich, die Konkursmasse des nach seiner Niederlage zusammen gebrochenen Osmanischen Reiches unter einander auf. Die ebenfalls zu den Siegern zählenden USA waren nicht an den Gebieten interessiert. Ägypten geriet wieder unter britische Kontrolle, ebenso der erdölreiche Irak und Palestina, das die Briten während des Krieges zugleich den Arabern und der zionistischen Bewegung versprochen hatten. Frankreich sicherte sich Syrien und den Libanon. Offiziell standen diese Länder unter dem Mandat des Völkerbundes. Aber durch die Aufteilung unter den Ländern der Entente wurden die Territorien zu Kolonien erklärt.
16. Mai - Fast fünfhundert Jahre nach ihrer Hinrichtung als Ketzerin wurde Jeanne d'Arc von Papst Benedikt XV. heilig gesprochen. Die junge Bauerntochter war im Jahr 1429 aufgebrochen, um dem französischen Dauphin, dem späteren Karl VII., auf den Thron zu verhelfen. In Männerkleidern zog die 17-Jährige mit den Truppen des Dauphins in die Schlacht gegen die Engländer und verhalf den Franzosen zum Sieg bei Orléans. Jeanne saß bei der Krönung Karls VII. in Reims an seiner Seite. 1430 führte sie allein den Krieg gegen die Engländer fort, wurde gefangen genommen und wegen Ketzerei und Hexerei vor ein geistliches Gericht gestellt. Zunächst geständig, widerrief sie ihr Schuldeingeständnis und wurde am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Benedikt XV. erklärte sie zur Schutzpatronin Frankreichs.
14. Juli -
Die VII. Olympischen Spiele beginnen im stark kriegszerstörten Antwerpen. 2600 Sportler aus 29 Ländern nehmen daran teil. Die ursprünglich 1916 für Berlin vorgesehenen Bewerbe sind ausgefallen, werden aber in der Zählung berücksichtigt. Nicht eingeladen sind die kriegsverursachenden Staaten Deutschland, Österreich, Bulgarien, Türkei und Ungarn. Erstmals wird die olympische Flagge mit fünf ineinander verschlungenen Ringen präsentiert. Pierre de Coubertin sagte 1931 über die Bedeutung der Fahne:„Ihre Gestalt ist symbolisch zu verstehen. Sie stellt die fünf Erdteile dar, die in der Olympischen Bewegung vereint sind; ihre sechs Farben entsprechen denen sämtlicher Nationalflaggen der heutigen Welt.“
Gründung der IRA, der militanten Irisch-Republikanischen Armee; zu ersten Schießereien mit britischer Polizei kommt es am 21.11.; der Freiheitskampf der Iren dauert bis heute an.
Die 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannte Jungfrau von Orleans wird von Papst Benedikt XV. heilig gesprochen.
Die erste Rolltreppe mit waagerecht laufenden Stufen, Handlauf und direktem Zu- und Abgang wird von der US Firma Otis gebaut. 1895 wurde als Attraktion in einem Vergnügungspark auf Coney Island erstmals eine Fahrtreppe betrieben. Es handelte sich um eine Erfindung des US-Amerikaners Jesse W. Reno, dem am 15. März 1892 das beantragte Patent zuerkannt worden war. Seine Erfindung bestand zunächst lediglich aus einem Gummischrägband mit Holzplatten, also um ein schräges Förderband. Der wirtschaftliche Durchbruch geschah 1900 zur Pariser Weltausstellung. In den USA etablierte sich die Fahrtreppe schnell in Kaufhäusern und vor allem in Bahnhöfen der U-Bahn. Am 11. Juli 1925 installiert das Kaufhaus „Tietz“ (Kaufhof/Hohe Straße) in Köln die erste Rolltreppe Deutschlands.
Mit einem Flugzeug wird erstmals eine Flughöhe von mehr als 10 km überschritten.
Eine Maschine zur vollautomatischen Herstellung von Glasflaschen mit einer Leistung von über 100´000 Stck/Tag wird von dem Amerikaner Michael Owen gebaut.
Der Geschwindigkeitsrekord für Kraftwagen wird von einem Duesenberg mit 246,5 kmh gehalten.
15. Februar - Kam die erste Jazz-Schallplatte Deutschlands auf den Markt: der "Tiger Rag", aufgenommen von der "Original Excentric Band" in Berlin. Der "Tiger Rag" war eine in den USA bereits sehr erfolgreiche Dixieland-Nummer von Nick la Rocca. Ebenfalls in Berlin trat im selben Jahr zum ersten Mal eine Jazzband auf.
11. August: Mit Berlin-Malmö nimmt Deutschlands erste Auslandsverbindung mittels Flugpost ihren Betrieb auf.
In Deutschland wird die (Kino-)Filmzensur eingeführt.
24.2. Im Münchener Hofbräuhaus verkündet ein Adolf Hitler das 25 Punkte umfassende Programm einer NSDAP Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die aus der im Vorjahr von einem Anton Drexler gegründeten DAP, Deutsche Arbeiterpartei, hervorgeht, deren Mitglied Hitler seit 1919 ist. Hitler ist in der NSDAP zuständig für Propaganda. Unter anderem wird die Revision der Verträge von Versailles gefordert. In Deutschland werden gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages alle Kampfflugzeuge und der größte Teil sonstiger Waffen verschrottet.

11. Januar - Dem amerikanischen Flugpionier Eugene Burton Ely, gelingt erstmals die Landung auf einer Plattform auf dem Panzerkreuzer "USS Pennsylvania", der in San Francisco vor Anker lag. Hierbei kam zum ersten Mal das von Hugh Armstrong Robinson entwickelte und noch gebräuchliche Fanghaken-System zum Einsatz. Ely widmete sich ursprünglich dem, noch in den Kinderschuhen steckenden Motorsport, bis er 1910 nach Portland zog wo er eine Anstellung als Vertreter bei einem Investor für einen der ersten Doppeldecker Flugzeuge fand. Er kaufte sich die Überreste eines Flugzeugwrack's reparierte es und lernte selbst das Fliegen. Als Teilnehmer mehrerer Flugshows, traf er auf Washington Chambers, der als Beauftragter für die Entwicklung der Marinefliegerei tätig war. Beim ersten Versuch am 14. November 1910 startete Ely ein Flugzeug von einer Plattform ab, die auf dem Kreuzer "USS Birmingham" errichtet worden war.
21. Januar - Die erste Rallye Monte Carlo, initiiert von Albert I., startet. Damals handelte es sich noch um eine so genannte Sternfahrt, die Touristen ins Fürstentum Monaco locken sollte. In Genf, Paris, Boulogne-sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel starten insgesamt 20 Teilnehmer in Richtung Monaco. Erster Gewinner war der Franzose Henri Louis Rougier.
17. Februar - Der schwedische Eiskunstläufer Ulrich Salchow
gewann in Wien den Weltmeistertitel im Eiskunstlauf zum 10. Mal. Auf Salchow
geht der Name einer Sprungfigur zurück, die mit zwei- oder dreifacher Drehung
ausgeführt wird und heute zum Repertoire des Eiskunstlaufs gehört.
1. April - Die ersten 85 Arbeiterfamilien beziehen ihre neuen Häuser in der Essener
Siedlung Margarethenhöhe, die aus Mitteln der Margarethe-Krupp-Stiftung errichtet
wurden. Die Inhaber der Stahl- und Rüstungsfirma Krupp betreiben seit
Jahren eine vorbildhafte Sozialpolitik für ihre Arbeiter und Angestellten,
von denen sie im Gegenzug den Verzicht auf gewerkschaftliche Betätigung erwarten.
21. August - Die "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci, das zweifellos bekannteste Werk
des Museums, verschwindet während Renovierungs-arbeiten aus dem Louvre in Paris. Der 31-jährige italienische Anstreicher Vincenzo Peruggia hatte sich in einem Schrank versteckt, das Bild aus dem Rahmen gelöst und unter seinem Mantel versteckt aus dem Museum geschmuggelt. Das auf dünnem Pappelholz gemalte Bild ist 76,8 cm × 53 cm groß und entstand wahrscheinlich vom Frühjahr 1503 bis zum Sommer 1505. Bevor der Dieb gefasst wurde, gerieten der Dichter Guillaume Apollinaire und der Maler Pablo Picasso in den Verdacht, die Mona Lisa gestohlen zu haben. Bei den Untersuchungen war man auf einen Mann namens Géry Pieret gestoßen, der zugegeben hatte, im Magazin des Museums Kunstwerke gestohlen zu haben. Zwei dieser Kunstwerke fanden sich, vermittelt durch Apollinaire, bei Picasso. Apollinaire wurde verhaftet, beteuerte vor dem Richter seine Unschuld und wurde schließlich wieder freigelassen. Picasso wurde nur verhört, aber nicht arretiert. Erst zwei Jahre später
wird das Gemälde in Italien gefunden, wo der wenig später verhaftete Dieb
erklärt, er habe sich mit dem Diebstahl für Napoleons Kunstraube in Italien
rächen wollen. Peruggia versteckte das Bild in einem Loch in der Wand nahe bei seinem Ofen. Am 12. Dezember 1913 versuchte er es in Florenz an den Kunsthändler Alfredo Geri zu verkaufen. Geri erhielt einen mit „Leonardo“ unterzeichneten Brief, in dem der Schreiber behauptete, das Gemälde an Italien „zurückgeben“ zu wollen, und 500.000 Lire zur Deckung seiner „Unkosten“ verlangte. Geri informierte Giovanni Poggi, den Direktor des Kunstmuseums und bekundete sein Interesse. Peruggia kam nach Florenz und zeigte das Bild in seinem Hotelzimmer. Geri und Poggi untersuchten es und fanden auf der Rückseite die korrekte Inventarnummer des Louvre. Später verglichen sie mit Hilfe einer Fotografie des Originals die Risse und waren sich nun sicher, dass sie das Original vor sich hatten. Sie überredeten Peruggia, in seinem Hotel auf das Geld zu warten und riefen die Polizei. Die Reaktion der Öffentlichkeit war heftig. Italienische Nationalisten verlangten, dass „ihre“ Mona Lisa „zu Haus“ bleiben solle. Die italienische Regierung versicherte jedoch, dass sie Mona Lisa an den Louvre zurückerstatten werde. Zuerst aber ging sie auf Tournee und wurde in Florenz, Rom und Mailand ausgestellt. Sie reiste in einer eigens angefertigten, gepolsterten Kiste und mit Ehrenwache. Anschließend kehrte die Mona Lisa mit einer großen Staatszeremonie wieder nach Paris zurück.
13. September- Melli Beese erhält als erste Frau in Deutschland die Flugzeugführerlizenz. Ohne ausreichende Flugerfahrung meldete sich Melli Beese ein erstes Mal zur Prüfung an. Das Flugzeugführerzeugnis des Vereins des Deutschen Luftfahrtverbandes DLV war nötig, um an Wettflügen teilnehmen zu können. Zum Erwerb dieser Lizenz waren 3.000 Mark zu zahlen und der Antragsteller hatte eine gesonderte Versicherung abzuschließen, die das Risiko einer Bruchlandung absichern sollte. Die Prüfung bestand aus drei geschlossenen Rundflügen von mindestens fünf Kilometern Länge. Nach jedem Flug musste vorschriftsmäßig gelandet und der Motor ausgeschaltet werden. Die Landung hatte punktgenau, bei einer Toleranz von maximal 150 Metern, zu erfolgen. Beeses erste Prüfung endete fast mit einem Unfall. Kaum war sie in der Luft, setzte der Motor aus. Sie leitete sofort die Landung ein und musste feststellen, dass der Benzintank sabotiert worden und das Benzin ausgelaufen war. An ihrem 25. Geburtstag, stieg sie in den frühen Morgenstunden mit der Rumpler-Taube auf und flog die vorgeschriebenen Runden und Figuren. Bevor die anderen Flugschüler auf dem Flugplatz eintrafen, hielt sie bereits als erste Frau Deutschlands die Flugzeugführerlizenz Nummer 115 in ihren Händen.
17. September - Vor dem Wiener Rathaus fordern 120.000 Menschen von der Regierung Maßnahmen
gegen die Teuerungswelle bei Lebensmitteln. Durch Trockenheit bedingte Missernten in Österreich-Ungarn und hohe Weltmarktpreise für Lebensmittel hatten 1909/10 zu Preissteigerungen für Brot und andere Nahrungsmittel geführt. Der Mehlpreis hatte sich fast verdoppelt und Fleisch war für Arbeiter fast unerschwinglich geworden. Als sich die friedliche Demonstration auflöste, fiel angeblich ein Schuss. Als aus der Menge Steinwürfe gegen das Palais und das Rathaus fielen, gingen unzählige Fenster zu Bruch. Polizei und Militär darunter auch die Deutschmeister rückten daraufhin gegen die Demonstranten vor. Der harte Kern der Demonstranten zog sich in den Arbeiterbezirk Ottakring zurück. Dort errichteten die Demonstranten Barrikaden, demolierten Amtsgebäude, es kam zu Plünderungen. Bei anschließenden Straßenkämpfen
zwischen Kundgebungsteilnehmern und der Polizei werden mehrere Menschen getötet.
In den folgenden Tagen kommt es auch in anderen Städten Österreich-Ungarns
zu Hungerrevolten.
1. Dezember - Hugo von Hofmannsthals Theaterstück "Jedermann" wird im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführt. Nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Mysterienspiele treten im Jedermann neben den Figuren von Gott und Teufel auch der Tod, der Mammon, der Glaube und andere abstrakte Begriffe als Personifikationen auf. Die von Hofmannsthal mitbegründeten
Salzburger Festspiele werden seit 1920 mit seinem Stück "Jedermann. Das Spiel
vom Sterben des reichen Mannes" eröffnet. Zum Inhalt: Als Gott sieht, dass man ihn auf der Erde nicht mehr schätzt, beschließt er, die Menschen durch den Tod wieder an seine Macht zu erinnern. Er trägt dem Tod auf, zum Haus des reichen Kaufmanns Jedermann zu gehen und ihn vor das göttliche Gericht zu rufen. Jedermann verkörpert das Idealbild eines überaus reichen Mannes, der glaubt, sich jeden Wunsch mit Geld oder Macht erfüllen zu können. In diesem Bewusstsein lebt er engstirnig und ohne Skrupel sein Leben. Alle Hilfe, um die man ihn bittet, muss mit gleicher Münze zurückgezahlt werden. Bei einem Bankett an der Seite seiner Buhlschaft hört er die Totenglocken und den Tod seinen Namen rufen. Der Tod fordert Jedermann auf, ihm zu folgen. Der Tod gewährt Jedermann, auf dessen Protest, eine kurze Frist, um einen Fürsprecher für sich zu gewinnen, der ihn auf seinem letzten Weg begleiten soll. Aber niemand will mit ihm gehen, seine Buhlschaft nicht – auch nicht sein Reichtum, verkörpert in der Figur des Mammon. Einzig die kraftlose Gestalt der guten Werke des Jedermann ist bereit, ihn zu begleiten. Da erkennt Jedermann sein sündhaftes Leben, und, vom Glauben bestärkt, tut er Buße: Seine Seele, die der Teufel schon für sich verbucht hatte, ist gerettet. Der Tod, der am Ende des Spiels wieder erscheint, kommt nicht mehr als unheimlicher, ungebetener Gast. Er reiht sich ein in die anderen Mächte, welche Jedermann auf seinem letzten Gang das Geleit geben.
14. Dezember - Der norwegische Polarforscher Ronald Amundsen erreichte mit vier Begleitern
seiner Expedition als erster Mensch den Südpol. Für die 1100 km lange
Strecke hatte die Expedition anderthalb Monate gebraucht. Amundsen gewann
damit das Wettrennen gegen seinen britischen Rivalen Robert F. Scott, der
erst einen Monat später den Pol erreichte und auf dem Rückweg mit seinen Begleitern
starb.
Am 14. April, gegen 23:40 Uhr rammt die R.M.S. Titanic im Nordatlantik bei Neufundland einen Eisberg weil alle Eisbergwarnungen mißachtet wurden. Das Schiff unter Kapitän Edward John Smith wird auf der Steuerbordseite aufgerissen und sinkt innerhalb weniger Stunden. Die Titanic war auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach
New York . Obwohl der britische Luxusdampfer
als unsinkbar galt, brach Wasser ein und das Schiff versank in den eisigen
Fluten. Dabei ertranken 1503 Passagiere. Nur 703 Menschen konnten in den wenigen
Rettungsbooten überleben. 1985 wird das Wrack gefunden, kann aber nicht geborgen werden.
18. April - Die RMS Carpathia fährt mit 703 Überlebenden der Titanic-Katastrophe im Hafen von New York ein, wo sie von tausenden Menschen erwartet wird, die die Besatzung als Helden feiern. Am frühen Morgen des 15. April 1912 wurden kurz vor 0:30 Uhr auf der RMS Carpathia die ersten per Funk übermittelten Notrufsignale der Titanic empfangen. Nachdem der Kapitän der Carpathia, Arthur Rostron, von diesem Notruf unterrichtet wurde, befahl er, trotz der Gefahr durch treibende Eisberge, volle Fahrt auf die gemeldete Position der havarierten Titanic aufzunehmen. Gegen 4:00 Uhr erreichte die Carpathia als erstes Schiff die angegebene Position und nahm kurze Zeit später die ersten Überlebenden an Bord. Vor einem Komitee des US-amerikanischen Senats beginnen am 19. April die Untersuchungen zum Untergang der Titanic. Bis zum 25. Mai werden mehr als 80 Zeugen und Zeuginnen zu der Schiffskatastrophe befragt.
18. Mai - In Sankt Petersburg erscheint erstmals die vom Marxisten Lenin angeregte und gegründete Tageszeitung Prawda
19. Mai - Die Deutsche Reichspost führt zwischen Mannheim und Heidelberg ihren ersten offiziellen Postflug durch. Zuvor gab es in Deutschland bereits mehrere private Postbeförderungen mit Flugzeugen ohne Genehmigung der Post. Die erste Veranstaltung dieser Art wurde am 13. November 1911 in Berlin durchgeführt. Bei der Veranstaltung Flug um Berlin wurden Postkarten für Sammsler auf den Flug mitgenommen. Die zweite Veranstaltung dieser Art war ein Flug über acht Kilometer zwischen den Orten Bork und Brück. Bei dieser Flugveranstaltung wurden erstmals Flugmarken ausgegeben. Sie dienten ausschließlich zur Finanzierung der Veranstaltung und hatten keinen postalischen Wert.
19. Februar - Englische Frauenrechtlerinnen sprengten das
Landhaus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George in die Luft. Die
Suffragetten traten für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Von
1882 bis 1903 fanden in England wiederholt Massenkundgebungen der Frauen statt.
Für ihre Aktionen wurden sie häufig inhaftiert. Besonderes Anliegen waren
das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. 1903 gründete Emmeline Pankhurst
die "Women's Social an Political Union", deren Mitglieder sich Suffragetten
nannten. Ein teilweises Wahlrecht erhielten die Frauen in Großbritannien 1918,
das uneingeschränkte Wahlrecht schließlich 1928.
16. Mai - Bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände eines Messingwerkes in Finow, einem Stadtteil von Eberswalde, wird der "Eberswalder Goldschatz" entdeckt. Der Schatz wird auf das 10. oder 9. Jahrhundert v. Chr. datiert, fällt also in die Periode der mitteleuropäischen Bronzezeit. In einem bauchigen Tongefäß mit Deckel, das in etwa 1m Tiefe gefunden wurde, waren acht goldene Schalen enthalten, in denen sich wiederum 73 Goldgegenstände befanden. Bei den Schalen handelt es sich um dünnwandige, getriebene Goldgefäße mit zahlreichen Ornamentverzierungen. Die weiteren Fundstücke waren Halsringe, Armbänder, Spangen und 60 Armspiralen (Drähte). 55 Doppelspiralen waren zu Bündeln zusammengeschnürt. Ein Goldbarren, ein Metallstück in Form eines Schmelztiegels sowie zwei kleinere Stücke dienten anscheinend als Rohmaterial.
11. Juni - Der Nordatlantik-Schnelldampfer "Imperator" startet seine Jungfernfahrt von Cuxhafen nach New York. Die Patenschaft über den 1912 getauften Ozeanriesen übernahm Kaiser Wilhelm
II., der in dem Dampfer die Verkörperung von "Deutschlands Zukunft auf dem
Wasser" sah. Die "Imperator" fuhr für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktiengesellschaft
(Hapag-Lloyd). Das damals größte und luxuriöseste Schiff der Welt war 277 Meter
lang, 75 Meter hoch und wog 7000 Bruttoregister-Tonnen mehr als die "Titanic". Als erster deutscher Luxusliner wurde die "Imperator" von vier Dampfturbinen
angetrieben und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 24 Knoten. Darüber hinaus war der Imperator das erste Schiff der Welt, welches die 50.000 BRT-Marke überschritten hatte. 1180 Mann
Besatzung arbeiten für etwa 4500 Passagiere. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs "Imperator"Großbritannien zugesprochen.
19. Oktober - Die größte freiwillige, gemeinnützige und selbstständige Wasserrettungsorganisation der Welt, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) wird im "Hotel de Prusse" in Leipzig gegründet. Die DLRG wurde ins Leben gerufen als Konsequenz aus einem schweren Unglück in Binz auf Rügen, bei dem ein Steg einstürzte und 17 Menschen ertranken. Seit damals ist es das Hauptziel der DLRG, Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren, indem sie möglichst vielen Menschen frühzeitig das Schwimmen beibringt und über das sichere Verhalten im und am Wasser aufklärt.
21. Dezember - In der Wochenendbeilage der Zeitung "New York World" erscheint das erste Kreuzworträtsel der Welt. Als Erfinder des Denksportspiels
gilt der aus Liverpool stammende Journalist Arthur Wynne. Als Grundlage soll
ihm ein Spiel seines Großvaters mit dem Namen "Die magischen Quadrate" gedient
haben. Im Unterschied zum heute verbreiteten Aussehen, enthielt das Kreuzworträtsel
von Wynne keine schwarzen Felder und war diamantförmig. Schon bald erfreute
sich die neue Rätselart großer Beliebtheit und wurde von vielen anderen Printmedien
übernommen. Ab Anfang der Zwanziger Jahre fand das Kreuzworträtsel dann auch
Anklang bei europäischen Zeitungs- und Zeitschriftenlesern.
17. Februar - Um den Koran breiteren Bevölkerungsschichten
zugänglich zu machen, erschien in Konstantinopel die erste Ausgabe des
Korans in türkischer Sprache. Der Koran ist in Reimprosa verfasst und
stellt das älteste arabische Prosawerk da. Der Text wurde 653 durch eine vom
Kalifen Othman eingesetzte Kommission endgültig redigiert. Er setzt sich aus
114 Suren zusammen. Jede Sure ist in Verse unterteilt. Der Koran war und ist
für den gesamten Orient von sehr großer religiöser und politischer Bedeutung.
Ob er von Allah erschaffen wurde oder unerschaffen seit Ewigkeit existiert,
ist eine dogmatische Streitfrage zwischen der Orthodoxie und bestimmten Sekten.
15. April - Mit der Gründung der Bremer Behring-Werke GmbH wurde die Ära der Großproduktion
von Impfstoffen eingeleitet. Der Bakteriologe Emil von Behring (1854-1917)
hatte Impfstoffe gegen Tetanus und Diphtherie entwickelt, die jetzt in großen
Mengen industriell hergestellt werden konnten. Die Impfstoffe wurden dringend
zur passiven Immunisierung der Soldaten an der Front des Ersten Weltkrieges
benötigt. Für die Entdeckung und Erforschung der Antikörper, die für diese
Impfstoffe relevant sind, erhielt Behring 1901 den ersten Nobelpreis für Medizin
und wurde in den Adelsstand erhoben.
1. August - Das Deutsche Reich erklärt Russland den Krieg. Am selben Abend überschreitet Russland die ostpreußische Grenze. Auslöser für den 1.Weltkrieg war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie ermordet worden waren. Der Anschlag war geplant und durchgeführt von der Studentenorganisation Mlada Bosna, die gegen die österreichische Besatzung und für einen unabhängigen südslawischen Staat eintrat. Als Unterstützer im Hintergrund wurden Mitglieder der verschworenen serbischen Geheimloge „Schwarze Hand“ vermutet. Etwa drei Wochen nach dem Attentat wurde Kaiser Franz-Josef davon überzeugt, dass man Serbien unterwerfen und bestrafen müsse. Kaiser Wilhelm II. hatte Österreich-Ungarn Unterstützung versprochen und auf ein rasches Losschlagen gedrängt. In einem für Serbien unannehmbaren Ultimatum vom 23. Juli 1914 verlangte die österreichisch-ungarische Regierung daher von der serbischen Regierung, eine gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten. Als unannehmbar wurde vor allem die Forderung angesehen, von der k.u.k. Regierung delegierte Organe an den Ermittlungen teilnehmen zu lassen. Die serbische Regierung lehnte dies als Beeinträchtigung ihrer Souveränität ab, akzeptierte aber alle anderen harten Forderungen des Ultimatums. Dennoch erklärte nun Außenminister Leopold Berchtold Serbien den Krieg, das seinerseits die Teilmobilmachung der Armee folgen ließ. Da das Deutsche Reich an seinem Bündnis mit Österreich festhielt, war diese Rückendeckung entscheidend für die Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli. Bereits beim Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 Kaiser Wilhelms II. mit der militärischen Führungsspitze, hatte der Kaiser gefordert, dass Österreich gegenüber Serbien „kraftvoll auftreten“ müsse, und dann der Krieg mit Russland unvermeidlich wäre. Dies aktivierte eine Reihe von Bündnissen, was binnen kurzem zum Weltkrieg führte. So erfolgte am 27. Juli tatsächlich die Teilmobilmachung der russischen Armee. Als Zar Nikolaus II. am Morgen des 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee billigte, war ihm wohl allerdings zunächst nicht bewusst, welche Folgen dieser Vorgang haben würde. Noch am selben Tag wollte der Zar die Generalmobilmachung rückgängig machen, wurde jedoch von dem Generalstab der russischen Armee davon abgehalten. Selbst die beschwörenden Briefe Kaiser Wilhelms II. an seinen – Zar Nikolaus II. – hatten keine Wirkung. Das Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung. Nachdem diese ausblieb, machte das Reich ebenfalls mobil und erklärte Russland am 1. August den Krieg, woraufhin das mit Russland verbündete Frankreich in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil machte. Tatsächlich aber erfolgten die ersten Kriegshandlungen durch Russland noch am selben Abend mit Überschreiten der ostpreußischen Grenze
19. Januar - Deutschland setzt erstmals eine neue Waffe
im Krieg gegen Großbritannien ein: Luftschiffe Die Zeppeline bombardierten
zum ersten Mal die britische Hauptstadt. Die Luftschiffe waren bei ihrem nächtlichen
Anflug vom Boden aus kaum zu bemerken, und es dauerte einige Zeit, bis sich
die britische Luftabwehr auf die neue Gefahr eingestellt hatte.
22. April - Während der zweiten Ypern-Schlacht im Ersten Weltkrieg setzten deutsche
Truppen an der Westfront erstmals chemische Kampfstoffe ein. Das Chlorgas
tötete 5000 alliierte Soldaten doppelt so viele wurden schwerstens verletzt. Das Kriegsjahr 1915 hatte mit der Winterschlacht
in der Champagne (16. Februar bis 20. März) begonnen, in der es den Deutschen
gelang, französische Durchbruchsversuche abzuwehren. Die Zahl der gefallenen
Soldaten erhöhte sich dramatisch, als im Zuge der "großen Offensive" der Franzosen
die Herbstschlacht in der Champagne (22. September bis 6. November) als erste
große Materialschlacht geführt hatten. Das Jahr 1915 brachte keine militärische
Entscheidung, obwohl der verbissen geführte Kampf die Zahl der Gefallenen
Entlassung von Rosa Luxemburg aus dem Frauengefängnis
in Berlin. Sie hatte 1913 zur Kriegsdienstverweigerung aufgerufen und
wurde daraufhin wegen der "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen
Anordnungen der Obrigkeit" angeklagt. Sie wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Schon im Juli desselben Jahres kam sie in "Sicherheitsverwahrung", die bis
1918 andauerte. 1919 wurde sie zusammen mit Karl Liebknecht von Soldaten verschleppt
und später ermordet.
Albert Einstein veröffentlicht in der Fachzeitschrift Annalen der Physik den Artikel "Die Grundlage der Allgemeinen Relativitätstheorie". Darin führt er die Gravitation auf ein geometrisches Phänomen in einer gekrümmten 4-dimensionalen Raumzeit zurück. Die allgemeine Relativitätstheorie beschreibt die Wechselwirkung zwischen Materie (einschließlich Feldern) einerseits und Raum und Zeit andererseits. Sie deutet Gravitation als geometrische Eigenschaft der gekrümmten vierdimensionalen Raumzeit. Die Grundlagen der Theorie wurden maßgeblich von Albert Einstein entwickelt, der den Kern der Theorie am 25. November 1915 der Preußischen Akademie der Wissenschaften vortrug. Zur Beschreibung der gekrümmten Raumzeit bediente er sich der Differentialgeometrie. Die allgemeine Relativitätstheorie erweitert die spezielle Relativitätstheorie und geht für hinreichend kleine Gebiete der Raumzeit in diese über. Gleichzeitig ist sie eine Erweiterung des newtonschen Gravitationsgesetzes. Sie enthält dieses als Grenzfall für hinreichend kleine Massendichten und Geschwindigkeiten. Die allgemeine Relativitätstheorie wurde vielfach experimentell bestätigt, so dass sie als Gravitationstheorie allgemein anerkannt ist.
1. Juli - Haiattacken an der Küste New Jersey inspirieren den Schriftsteller Peter Benchley zu seinem Roman "Der weiße Hai". Während der Haiangriffe wurden in den Tagen vom 1. bis zum 12. Juli 1916 vier Personen von Haien getötet und eine weitere verletzt. Die Angriffe ereigneten sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich wegen einer Hitzewelle und einer Polio-Epidemie Tausende von Badegästen in den Küstenorten an der Atlantik-Küste von New Jersey aufhielten. Angriffe von Haien auf Menschen an der Atlantikküste nördlich von North Carolina stellen bis heute eine Ausnahme dar. Vor den Angriffen im Sommer 1916 ging man davon aus, dass Schwimmer an diesen Küstenabschnitten keinerlei Gefahr durch Haie ausgesetzt seien. Seit 1916 diskutieren Wissenschaftler, welche Haiart für die Angriffe verantwortlich war, ob die Angriffe von mehr als nur einem Hai ausgingen und welche Faktoren zu dieser Häufung von Attacken geführt haben. Der Roman wurde unter demselben Titel 1975 von Steven Spielberg verfilmt und gilt als ein Klassiker des Horrorfilmgenres.
An der Westfront des Ersten Weltkrieges begannen die Alliierten Großbritannien
und Frankreich eine Offensive. Das tagelange vorbereitende Trommelfeuer
schwerster Artillerie erwies sich jedoch als weitgehend wirkungslos. Schon
am ersten Tag der Offensive verlor die British Expedition Force 58.000 Mann. Die Alliierten warfen 104 Divisionen an der Somme gegen die deutschen Stellungen. In diesem über fünf Monate lang wütenden Gemetzel liessen mehr als 500.000
deutsche, rund 200.000 französische und über 500.000 britische Soldaten ihr
Leben. Den Alliierten brachen jedoch nicht mehr als 40 Kilometer in der
Breite und 12 Kilometer in der Tiefe in die deutschen Linien ein. Der Krieg
entwickelte sich zum "Abnutzungskrieg" von Menschen und Material. Den hohen
Zahlen an Verlusten standen nur kurzfristig kleine Geländegewinne gegenüber.
15. September - Erstmals wurden in der Militärgeschichte Panzer eingesetzt. Die britischen
Kettenfahrzeuge operierten während des Ersten Weltkrieges an der französischen
Front. Großbritannien erhoffte sich mit dem Panzereinsatz eine Wende im Infanteriekrieg. Die geländegängigen "Tanks" sollten Breschen in die deutschen Graben-
und Sperranlagen schlagen und den folgenden Infanterie- und Kavallerieeinheiten
den Marsch durch die feindlichen Linien ermöglichen. Von den 32 britischen
Panzern, die zwischen Courcelette und Longueval eingesetzt wurden, erreichten
lediglich neun ihr Ziel.
Nach fast zehnmonatiger Dauer brach die Oberste Heeresleitung am 15. Dezember
1916 einen Großangriff auf Verdun ab, nachdem der Krieg längst zum Stellungskrieg
geworden war und anfängliche Gebietsgewinne wieder verloren gegangen waren. In der Schlacht um Verdun, einer der grausamsten und verlustreichsten des
Ersten Weltkrieges, verloren 360.000 Franzosen und 335.000 Deutsche ihr Leben.
1. Februar - Das Deutsche Reich erklärte das Seegebiet
rund um Großbritannien erneut zum Kriegsgebiet und griff auch Handels-
und Passagierschiffe neutraler Staaten an. Ziel war es, England von der lebenswichtigen
Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen abzuschneiden. Bereits zuvor hatte
das Deutsche Reich als Reaktion auf die britische Seeblockade zum Mittel des
uneigeschränkte U-Boot-Kriegs gegriffen. Nach der Versenkung des Passierschiff
"Lusitania" 1915, bei der fast 1200 Menschen umkamen (darunter 125 Amerikaner), war diese Art der Kriegsführung
aus Sorge vor einer weiteren Belastung der Beziehungen zu den USA vorläufig
ausgesetzt worden. Als Konsequenz der Wiederaufnahme der U-Boot-Angriffe erklärten
die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich am 6. April 1917 den Krieg.
17. Juli - Aufgrund einer starken antideutschen Stimmung in Großbritannien während
des Ersten Weltkrieges beschloss König George V. seinen Familiennamen von
Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor, nach dem gleichlautenden Schloss, zu ändern. Zudem legte er alle deutschen Adelstitel nieder. Um seine Loyalität zur Nation
und seine Unterstützung der britischen Soldaten zu dokumentieren, unternahm
der Monarch zahlreiche Truppenbesuche an die Westfront. Zuvor hatte er sich
auch für eine faire Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen eingesetzt. Später beschloss Königin Elisabeth, dass alle künftigen britischen Thronfolger
den Namen Windsor beibehalten sollten.
19. Juli - Der deutsche Chirurg Ferdinand Sauerbruch stellt eine Armprothese vor,
bei der die Finger über Züge mit der Muskulatur im Armstumpf verbunden sind. Dazu wurde bei dem verbliebenen Armstumpf durch das Muskelfleisch ein von Haut ausgekleideter Kanal gelegt, durch den ein Bolzen eingeführt wurde. Damit konnte die Bewegung der verbliebenen Muskulatur im Armstumpf auf die Prothesenteile, insbesondere der Hand, übertragen werden. Die Hand wie auch die Finger waren so steuerbar. Der Sauerbruch-Arm und die Sauerbruch-Hand zeichnen sich durch eine besondere
Beweglichkeit aus, deren Erfolg ihn zum bekanntesten Chirurgen der damaligen
Zeit machten. Die hohen Kosten für die Prothese konnten jedoch nur wenige Betroffene aufbringen, so dass ihre Anwendung von vornherein nur begrenzt war. Durchgesetzt hat die Sauerbruch-Prothese sich auch deshalb nicht, weil in diesem Kanal oft Entzündungen und Infektionen auftraten. Der Begriff Prothese stammt übrigens von dem griechischen Wort "próthesis"
("das Voransetzen") ab und dient als Bezeichnung für (mechanische) Vorrichtungen,
die aus funktionalen und kosmetischen Gründen verlorene oder nicht vorhandene
Körperteile ersetzen.
1. August - Der US-Senat verabschiedete ein Gesetz, das Herstellung, Vertrieb und
Transport aller rauschverursachenden Getränke untersagte. In der Folge
kam es zu einem starken Anstieg von Alkohol-Schmuggel und Hausmacherdestillation.
Verbrechersyndikate beherrschten das gesamte Vergnügungswesen. In Städten
wie Chicago, New York und Philadelphia kontrollierten sie sogar die Stadtverwaltung
und die Polizei. In der Folge wurden bis 1930 eine halbe Million US-Amerikaner
verhaftet. Ursprünglich wurde das Alkoholverbot von den Ärzten befürwortet,
Ende der 1920er Jahre änderten sie ihre Meinung. Die illegale Herstellung
von minderwertigem Alkohol war zur Volksgefahr geworden. Das Gesetz wurde
1933 aufgehoben.
15. Oktober - In den Festungsanlagen des Schlosses Vincennes wurde die niederländische Tänzerin Mata Hari
wegen Hochverrat, von einem Erschießungs-Kommando getötet, weil sie als Spionin für den deutschen
Geheimdienst gearbeitet hatte. Margareta Geertruida Zellem tritt am 13 Mai 1905 in Paris erstmals als Tänzerin Mata Hari auf. Ihr Schleiertanz, bei dem sie sich am Ende fast gänzlich entkleidet, wird von Anfang an eine Sensation und ein großer Erfolg. Daneben gilt sie heute als bekannteste Spionin aller Zeiten. Ab 1916 arbeitete sie als Doppelspionin
für Deutschland und Frankreich, wobei die genauen Umstände ihrer Tätigkeit
ungeklärt sind. Sie wurde am 25. Juli 1917 wegen Doppelspionage und Hochverrats vom französischen Militärgerichts zum Tode verurteilt.
18. Dezember - Gründung der UFA in Berlin. Am 18. Dezember 1917 wurden zahlreiche
Betriebe der deutschen Filmindustrie zur "Universum Film AG" (Ufa) zusammengefasst,
um die Beeinflussung der Bevölkerung durch dieses Medium besser steuern zu
können - zum Beispiel mit Durchhalteparolen während des Ersten Weltkrieges.
21. Februar - Im Zoo von Cincinnati stirbt Incas, der letzte Karolinasittich. Seither gilt die einzige Papageienart Nordamerikas als ausgestorben. Karolinasittiche erreichten eine Körperlänge von 30 bis 32 Zentimeter.Die Grundfärbung des Gefieders war grün. Der Scheitel bis zum Nacken, die Ohrdecken und das Kinn waren gelb. Vorderkopf und die Augenpartie waren dagegen rotorange gefiedert. Die großen Flügeldecken waren olivfarben mit einem grüngelblichen Saum. Der mit ca 14 cm verhältnismäßig lange Schwanz war an der Oberseite grün, an der Unterseite dagegen grau.
21. April - Der Flieger Manfred Freiherr von Richthofen wurde nach mittlerweile 80
Abschüssen selbst getroffen und fiel unter ungeklärten Umständen. Seine
beschädigte Maschine landete zwar hinter den englischen Linien, es konnte
jedoch nur seine Leiche kann geborgen werden. Der mysteriöse Absturz Richthofens und sein 1917 erschienenes Buch "Der rote Kampfflieger" trugen zur Legendenbildung
um den "Roten Baron" bei. Sowohl in der Wehrmacht als auch in der Bundeswehr
wurden Jagdgeschwader nach Richthofen benannt. Der erfolgreichste Kampfflieger
des Ersten Weltkriegs bekannte: "Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute". Den berühmten Beinamen "Der Rote Baron" erhielt von Richthofen, der einen Großteil seiner Einsätze in mehr oder weniger rot gestrichenen Flugzeugen flog, erst nach dem Krieg. Er geht auf ein englisches Nachkriegsbuch zurück, das seinen Titel „Freiherr“, den es im Englischen nicht gibt, mit „Baron“ übersetzte.
16. Juli - Der russische Zar Nikolaus II wird mit seiner gesamten Familie im Ort
Jekaterinburg - dem heutigen Swerdlowsk - ermordet. In seiner Amtszeit galt er als leicht beeinflussbar, unter anderem durch Grigori Rasputin, den angeblichen Wundertäter, der als Günstling an seinem Hofe lebte. Unter dem Druck der Februarrevolution von 1917 musste Nikolaus II. abdanken. Am 16. Juli 1918 wurden er und seine Familie auf Befehl Lenins von den ihn bewachenden bolschwistischen Truppen bei Jekaterinburg ermordet. Mit dem Mord geht die 300-jährige Herrschaftsgeschichte der Zarenfamilie
zu Ende.
18. Januar - Demonstrativ, am Tag und dem Ort der Ausrufung
des Deutschen Kaiserreiches, wurde im Spiegelsaal von Versailles die Friedenskonferenz
eröffnet, die den Ersten Weltkrieg beenden sollte. Delegierte aus 27 Staaten
der Alliierten berieten über das zukünftige Europa. Die Mittelmächte waren
nicht vertreten, der Text des "Friedensvertrages" wurde ihnen später zugestellt
mit einem Ultimatum, das die Annahme binnen fünf Tagen forderte. Vor allem
hatte die französische Regierung auf diese demütigende Behandlung der Mittelmächte
gedrungen. Die Schmach von 1870/71, als Frankreich im Deutsch-Französischen
Krieg vernichtend geschlagen worden war, sollte 1919 endlich ausgemerzt werden.
Dabei entstand in Versailles bei weitem keine Friedensordnung. Der Versailler
Vertrag trug vielmehr mit dazu bei, die Voraussetzungen für einen neuerlichen
europäischen Waffengang zu schaffen.
18. Februar - Der Staatenausschuss der Weimarer
Nationalversammlung beschließt, dass die deutsche Nationalflagge die Farben Schwarz-Rot-Gold
tragen solle. Die neuen Nationalfarben gingen auf die Farbkombination
der Uniformen des Lützowschen Freikorps im Befreiungskrieg gegen Napoleon
zurück. Die Korps setzten sich zumeist aus Studenten zusammen, die sich gegen die Besatzung Deutschlands durch Frankreich formierten. Da die Freiwilligen unter dem preußischen Major Adolf von Lützow aus allen Teilen Deutschlands stammten und von dort höchst unterschiedliche Uniformen und Zivilkleidung mitbrachten, war die einzige Möglichkeit, eine einheitliche Bekleidung herzustellen, die unterschiedlich farbigen Uniformen schwarz einzufärben. Hinzu kamen goldene (messingfarbene) Knöpfe sowie schließlich rote Aufschläge und Vorstoß. Zur Popularisierung hat die Tatsache beigetragen, dass die Farben die gleichen wie die der Reichsfahne im Heiligen Römischen Reich waren. Die Farbzusammenstellung ergibt sich aus einem historisch verbürgten Ausspruch in den Befreiungskriegen:
Als erste Frau trat die sozialdemokratische
Abgeordnete Marie Juchacz ans Rednerpult der Deutschen Nationalversammlung
in Weimar. "Meine Herren und Damen!", so ihre Anrede, war ein heiterkeitserregendes
Novum. Denn erst mit der Weimarer Verfassung war das aktive und passive Wahlrecht
für "alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen"
eingeführt worden.
17. April - Die Fimproduktions- und Verleihgesellschaft "United Artists" wird von
den Schauspielern Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, Mary Pickford und dem
Regisseur David Ward Griffith gegründet. Die “United Artists Corporation”
war geplant als eigene Produktions- und Verleihgesellschaft. Das Ziel war,
Filme unabhängiger Filmemacher zu finanzieren und für deren Verleih zu sorgen."United Artists" wollte die Position der Schauspieler gegenüber der Filmindustrie
stärken und mehr Kontrolle über Gewinne und Gagen erlangen. Dank des Bekanntheitsgrades
der Gründungsmitglieder gelang es "United Artists", die enge Verflechtung
zwischen Produktion, Verleih und Spielstätten zu durchbrechen.
In Schwarzburg unterzeichnete der deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert
(1871-1925) die neue Verfassung des Deutschen Reiches, die Weimarer Verfassung,
die am 14. August 1919 in Kraft trat. Deutschland wurde zur Republik erklärt,
oberster Repräsentant war der Reichspräsident. Er ernannte und entließ den
Reichskanzler, hatte das Recht, den Reichstag aufzulösen und den Oberbefehl
über die Reichswehr. Mit 262 zu 75 Stimmen war die Reichsverfassung im Juli
von der Verfassungsgebenden Nationalversammlung verabschiedet worden.
Otto Lummitzsch gründet und leitet im Januar 1919 gründete die "Technische Abteilung" (TA), den Vorläufer des Technischen Hilfswerkes, die aus ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine und Armee sowie sonstigen Freiwilligen bestand. Da die TA und andere militärische Nothilfen aufgrund der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags nicht auf Dauer fortbestehen konnten, schuf er im Herbst 1919 die später dem Reichsministerium des Inneren untergeordnete zivile Hilfsorganisation der Technischen Nothilfe (TN).
Otto Lummitzsch wurde 1934 von den Nationalsozialisten der Leitung der TN enthoben, da er sich weigerte, sich von seiner "halbjüdischen" Frau scheiden zu lassen. Lummitzsch war bis Juni 1946 Direktor bei der Zentralverwaltung der AEG in Berlin. Danach betätigte er sich dort bis August 1950 als freier Ingenieur. 1950 wurde er ins Bundesministerium des Innern nach Bonn berufen und vom damaligen Innenminister Gustav Heinemann mit den Vorarbeiten und dem Wiederaufbau des Technischen Hilfswerks (THW) beauftragt, das drei Jahre später als "Bundesanstalt Technisches Hilfswerk" die endgültige Rechtsform einer nicht rechtsfähigen Bundesanstalt erhielt. Seit dieser Zeit leitete Lummitzsch als Direktor diese Institution, bis er am 15. April 1955 sein Amt wegen Überschreitung der Altersgrenze niederlegte. Von September 1952 bis zu seinem Ausscheiden war die Zahl der verpflichteten Helfer der Organisation von rund 6000 auf 40000 und die Zahl der Ortsverbände auf 377 angewachsen. Anlässlich seiner Abschiedsfeier überreichte ihm Innenminister Gerhard Schröder das Große Bundesverdienstkreuz.
15. März - In der Berliner Ausstellungshalle wurde ein Sport eingeführt, der
sich knapp zwanzig Jahre zuvor in den USA etabliert hatte: In 144 Stunden
versuchten Mannschaften von Rad-Rennfahrern, möglichst viele Runden auf der
Holzbahn der Halle zurückzulegen. Das "Sechs-Tage-Rennen" wurde zur
festen Institution des Berliner Sport- und Gesellschaftslebens.
16. Mai - Fast fünfhundert Jahre nach ihrer Hinrichtung als Ketzerin wurde Jeanne
d'Arc von Papst Benedikt XV. heilig gesprochen. Die junge Bauerntochter
war im Jahr 1429 aufgebrochen, um dem französischen Dauphin, dem späteren
Karl VII., auf den Thron zu verhelfen. In Männerkleidern zog die 17-Jährige
mit den Truppen des Dauphins in die Schlacht gegen die Engländer und verhalf
den Franzosen zum Sieg bei Orléans. Jeanne saß bei der Krönung Karls VII.
in Reims an seiner Seite. 1430 führte sie allein den Krieg gegen die Engländer
fort, wurde gefangen genommen und wegen Ketzerei und Hexerei vor ein geistliches
Gericht gestellt. Zunächst geständig, widerrief sie ihr Schuldeingeständnis
und wurde am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Benedikt XV. erklärte
sie zur Schutzpatronin Frankreichs.
Die VII. Olympischen Spiele beginnen im stark kriegszerstörten Antwerpen. 2600 Sportler aus 29 Ländern nehmen daran teil. Die ursprünglich 1916 für
Berlin vorgesehenen Bewerbe sind ausgefallen, werden aber in der Zählung berücksichtigt.
Nicht eingeladen sind die kriegsverursachenden Staaten Deutschland, Österreich,
Bulgarien, Türkei und Ungarn. Erstmals wird die olympische Flagge mit fünf
ineinander verschlungenen Ringen präsentiert. Pierre de Coubertin sagte 1931 über die Bedeutung der Fahne:„Ihre Gestalt ist symbolisch zu verstehen. Sie stellt die fünf Erdteile dar, die in der Olympischen Bewegung vereint sind; ihre sechs Farben entsprechen denen sämtlicher Nationalflaggen der heutigen Welt.“
Die erste Rolltreppe mit waagerecht laufenden Stufen, Handlauf und direktem
Zu- und Abgang wird von der US Firma Otis gebaut. 1895 wurde als Attraktion in einem Vergnügungspark auf Coney Island erstmals eine Fahrtreppe betrieben. Es handelte sich um eine Erfindung des US-Amerikaners Jesse W. Reno, dem am 15. März 1892 das beantragte Patent zuerkannt worden war. Seine Erfindung bestand zunächst lediglich aus einem Gummischrägband mit Holzplatten, also um ein schräges Förderband. Der wirtschaftliche Durchbruch geschah 1900 zur Pariser Weltausstellung. In den USA etablierte sich die Fahrtreppe schnell in Kaufhäusern und vor allem in Bahnhöfen der U-Bahn. Am 11. Juli 1925 installiert das Kaufhaus „Tietz“ (Kaufhof/Hohe Straße) in Köln die erste Rolltreppe Deutschlands.
15. Februar - Kam die erste Jazz-Schallplatte Deutschlands auf den Markt: der "Tiger
Rag", aufgenommen von der "Original Excentric Band" in Berlin. Der "Tiger
Rag" war eine in den USA bereits sehr erfolgreiche Dixieland-Nummer von Nick
la Rocca. Ebenfalls in Berlin trat im selben Jahr zum ersten Mal eine Jazzband
auf.