Chronologische Weltgeschichte - Die Jahre 1601 - 1700
1601
Die Schallgeschwindigkeit in der Luft wird erstmals von Bacon gemessen.
Galilei erkennt grundsätzlich das Massenträgheitsgesetz.
1602
Gewehre mit Feuersteinschloß verdrängen ihre Luntenschloß-Vorgänger
In Hameln wird das bürgerliche "Rattenfängerhaus" im Renaissancestil gebaut.
In Augsburg wird das Zeughaus von Elias Holl mit der Bronzegruppe des Heiligen Michael von Hans Reichel fertiggestellt.
1603
Der durch Erhitzung von Kohle entstehende Koks wird von Hugh Platt entdeckt.
In Kassel wird das erste feste Theater in Deutschland errichtet.
1604
Johannes Keppler erklärt die Lichtbrechung in der Augenlinse und gibt eine optische Theorie zur Brille ab. Gleichzeitig erläutert er die atmosphärische Aberration (Lichtbrechung in der Lufthülle der Erde) aufgrund astronomischer Beobachtungen.
17. Oktober - Der Astronom Johannes Kepler beobachtet im ca 20.000 Lichtjahre entfernten Sternbild Schlangenträger, die Supernova 1604 „Keplers Stern“, die bislang letzte entdeckte Supernova in unserer Milchstraße. Eine Supernova ist das schnell eintretende, helle Aufleuchten eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit durch eine Explosion, bei der der Stern selbst vernichtet wird. Die Leuchtkraft des Sterns nimmt dabei millionen- bis milliardenfach zu und wird für kurze Zeit so hell wie eine ganze Galaxie. Noch heute sind die "Überreste" mit dem Weltraumteleskop "Hubble" zu beobachten.
1. November - In London wird William Shakespeares Tragödie Othello uraufgeführt. Wie die kurz davor geschriebenen Stücke Hamlet, Macbeth und König Lear ist auch The Tragœdy of Othello, the Moor of Venice eine Tragödie. Die deutsche Erstaufführung fand 1766 in Hamburg statt. Die Handlung: Othello ist ein dunkelhäutiger Prinz, und der oberste General der venedischen Armee. Er ist mit der weißen Dedsdemona verheiratet, Tochter eines Senators der gegen die Verbindung ist. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich seine schöne Tochter wahrhaftig in den dunkelhäutigen Mann verliebt hat und beschuldigt Othello der Hexerei. Othello erklärt sich jedoch vor dem Herzog und den anderen Senatoren. Desdemona liebt ihn aufrichtig, verzaubert durch seine ehemaligen Heldentaten. Der hochrangige Soldat Iago aus Othellos Armee ist wütend, weil Othello einen jüngeren Soldaten namens Michael Cassio vor ihm befördert hat. Als dieser sich bei Iago über die Hochzeit beklagt, weil er selbst insgeheim in Desdemona verliebt ist, spinnt Iago eine Intrige. Er überredet Rodrigo mit Cassio zu streiten. Rodrigo macht Cassio betrunken und fordert ihm zum Kampf heraus. Othello ist gezwungen, Cassio zur Strafe wieder herabzustufen. Da rät ihm Iago, er solle sich an Desdemona wenden, damit diese ein gutes Wort bei Othello einlegt. Derweil versucht Iago Othello davon zu überzeugen, dass Cassio eine Affäre mit seiner Frau hat. Iago bringt Emilia, seine eigene Frau und Desdemonas Zofe, dazu, ein Tuch, dass Othello Desdemona geschenkt hat, zu stehlen und es in Cassios Räumlichkeiten zu legen, als Beweis für die Affäre. Othello ist außer sich und fängt an, Desdemona das Leben schwer zu machen, indem er sie vor anderen schlägt. Desdemona weiß nicht, was los ist. Iago hetzt Rodrigo weiterhin gegen Cassio auf, damit dieser schließlich auf Cassio losgeht. Beide werden dabei schwer verletzt. Iago tut, als ob er Cassio helfen will und ersticht dabei heimlich Rodrigo, damit dieser nichts ausplaudern kann. Stattdessen beschuldigt er die Prostituierte Bianca, mit der Cassio zusammen war, dass sie Cassios Ermordung durch Rodrigo geplant hat. In der Nacht konfrontiert Othello Desdemona mit der angeblichen Affäre. Trotz ihrer Liebsschwüre ist er nicht von seinem Irrtum abzubringen und erwürgt sie. Emilia taucht auf und ruft nach Hilfe. Der Herzog, seine Männer und Iago tauchen auf. Othello will sich rechtfertigen, doch als Othello das Tuch zeigt, wird Emilia klar, dass Iago das ganze geplant hat. Sie verrät ihn, worauf er sie tötet. Othello ist am Boden, als ihm sein Fehler klar wird. Er stürzt sich auf Iago, wird aber von den Wachen aufgehalten. Bevor diese ihn in Haft nehmen können, nimmt sich Othello das Leben, indem er sich mit einem Dolch ersticht.
1605
In Madrid veröffentlichte Miguel de Cervantes am 11. Oktober 1605, den ersten Teil seines Romans über den Ritter von der traurigen Gestalt, der mit seinem Knappen Sancho Pansa und seinem Pferd Rosinante auf Abenteuerfahrt geht. Der zweite Teil erschien erst Jahre später. Der Roman ist eine Satire auf die zeitgenössischen Ritterromane. Die Hauptfigur Don Quijote wurde zur bekanntesten Figur der spanischen Literatur, die Szene vom Kampf gegen Windmühlenflügel zum oft bemühten Zitat für aussichtsloses Handeln.
1606
12. April - Um die Personalunion zwischen England und Schottland hervorzuheben, bestimmt König James I./VI. per Dekret eine gemeinsame Flagge der beiden Länder. Der Union Jack ist eine Überlagerung des englischen Georgskreuz (rotes Kreuz auf weißem Grund) mit dem schottischen
Andreaskreuz (weißes Andreaskreuz auf blauem Grund). Nach dem englischen Bürgerkrieg wurde die Flagge Englands bis 1654 um die Irische Harfe ergänzt, welche sich bis 1660 in der Flaggenmitte befand. Von 1660 bis 1801 wurde dann wieder der ursprüngliche Union Jack benutzt. 1707 erfolgte die endgültige Vereinigung Schottlands und Englands im Act of Union 1707. 1801 wurde mit der politischen Integration der Nachbarinsel Irland auch die damalige Irische Flagge (rotes Andreaskreuz auf weißem Hintergrund, das sogenannte St. Patrick's Cross) in den Union Jack aufgenommen. Die Asymmetrie des Union Jack rührt daher, dass das schottische Andreaskreuz und das irische St. Patricks Cross gleichberechtigt "nebeneinander" stehen sollen. Heraldisch erreicht man das, indem man die entsprechenden Symbole nicht mittig übereinanderlegt, sondern gegeneinander "verschiebt". Das englische St. George Cross zum Beispiel liegt zentral auf allen anderen Kreuzen, was die Dominanz Englands über die Länder Schottland und Irland symbolisiert. 1809 wurde der Union Jack durch das Parlament zur britischen Nationalflagge erklärt.
Schiffe der London Company landeten in der Chesapeake-Bucht im heutigen Virginia und gründeten daraufhin mit Jamestown die älteste britische Siedlung in Nordamerika. Der Anbau von Tabakpflanzen entwickelte sich zum lukrativsten Geschäft in dieser Region.
Der Niederländer Janszoon entdeckt Australien.
William Shakespeare veröffentlicht King Lear und MacBeth.
Mannheim wird durch Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz gegründet und erhält im Folgejahr das Stadtrecht. Die Stadtanlage wird durch die Feste Friedrichsburg und acht Bastionen geschützt.
1608
In deutschen Schulordnungen ist die Prügelstrafe als primäres Züchtigungsmittel verankert.
1609
Johannes Keppler veröffentlicht die ersten beiden der nach ihm benannten Gesetze über die Umlaufbahnen der Planeten.
In Straßburg und Wolfenbüttel erscheinen die ersten regelmäßigen Wochenzeitungen.
11. September, Henry Hudson entdeckt die Insel Manhattan und befährt den nach ihm benannten Strom (Hudson River) flussaufwärts.
1610
Galilei entdeckt mit einem nach Lipperhey konstruierten Fernrohr die Jupitermonde, Andeutungen des Saturnringes, die Milchstraße als Sternenhaufen und die Sonnenflecken.
In Hamburg gründet man nach spanischem Vorbild eine Klassenlotterie.
1611
20. April - In London fand die erste urkundlich erwähnte Aufführung von William Shakespeares Trauerspiel "Macbeth" statt. Das Drama in fünf Aufzügen hatte Shakespeare wahrscheinlich 1606 geschrieben. In dem Stück geht es um Machtgier, Egoismus, Mord und Geltungssucht. Macbeth scheut nicht vor Mord zurück, um König von Schottland zu werden. Dabei hilft ihm die Prophezeiung von "Hexen", die ihn vor eventuellen Widersachern warnen. Macbeths Frau, Lady Macbeth, drängt ihn zum Mord an König Duncan. Nach zahlreichen Morden siegt doch das Gute: Macbeth unterliegt dem rechtmäßigen Thronerben im Kampf.
An der Garonne-Mündung baut man den ersten (57 m hohen) Leuchtturm mit drehbarem Leuchtstrahl.
1615
Die erste Strafanstalt mit Arbeitszwang in einer Textilmanufaktur wird in Hamburg seiner Bestimmung übergeben.
1616
23. April William Shakespeare stirbt.
Die Inquisition setzt alle Kopernikanischen Schriften auf den Bücherindex, Galilei wird erneut ermahnt und verspricht Gehorsam.
1618
Beginn des Dreißigjährigen Krieges: In leben Deutschland etwa 16 Mio Menschen, am Ende werden es weniger als 10 Mio sein. In einigen besonders betroffenen Landesteilen wird der Verlust mehr als zwei Drittel betragen. Deutschland wird für deutlich mehr als ein Jahrhundert seine Wettbewerbsfähigkeit in Europa zugunsten der übrigen Großmächte (Frankreich, Holland, England; Spanien ist bereits abgewirtschaftet) verlieren.
23. Mai Prager Fenstersturz (der zweite nach 1419). Die mit einer Petition gegen die religiöse Unterdrückung bei den kaiserlichen Räten auf der Prager Burg erschienenen böhmischen Stände erheben den Vorwurf des Landesverrats unter Berufung auf den Majestätsbrief von Rudolf II. von 1609 und werfen die beiden kaiserlichen Räte aus dem 20 m hohen Burgfenster (landen unverletzt im Heuhaufen und entkommen).
1619
In Hamburg wird die erste Girobank gegründet.
1620
Das Schiff "Mayflower" stach in See. An Bord befanden sich 102 Puritaner - Zugehörige einer der bekanntesten Auswanderergruppen. Die Puritaner waren aus der Kirche von England ausgetreten, weil sie dort wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Die so genannten "Pilgrim Fathers" unterzeichneteten den Mayflower-Vertrag, die erste schriftliche amerikanische Verfassung. Die Reise der Mayflower ist das prominenteste Beispiel für die Besiedlung Amerikas durch Nordeuropäer und wird bisweilen fälschlich als deren Beginn dargestellt. Tatsächlich aber begann die Kolonialisierung Nordamerikas in der Neuzeit bereits Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Besiedlung von Neufundland. Die Stadt St. John's gilt mit der Inbesitznahme durch die englische Krone im Jahr 1583 als älteste britische Kolonie.
1623
In England ergeht zum Schutz von Erfindungen das erste Patentgesetz.
Wilhelm Schickard erfindet die erste Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten.
1625
Die Engländer halten das europäische Tabakmonopol und führen die Tabaksteuer ein.
1626
18. November - Die bedeutendste katholische Kirche, der Petersdom in Rom, wurde nach einer Bauzeit von 120 Jahren von Papst Urban VIII. geweiht. Sie enthält 44 Altäre, acht kleinere Kuppeln und ungefähr 800 Marmor-, Bronze- und Gipssäulen. An dem Bauwerk waren neun Künstler als Bauleiter beteiligt, unter ihnen Michelangelo, Rafael und Bramante. Bramante war der erste Bauleiter, von ihm stammt der Grundriss. Michelangelo entwarf vor allem die Riesenkuppel in Anlehnung an die Florentiner Domkuppel von Brunelleschi. Die Anlage des Petersplatzes schuf Bernini in den Jahren 1656 bis 1666. Die Kirche ist über dem Grab des Apostel Petrus erbaut, schon 324 befand sich an dieser Stelle eine von Konstantin I. errichtete Basilika. Der Petersdom ist mit 45 Altären die bis heute weltweit größte christliche Kirche .
Die Niederlande gründen am 4. Mai durch Peter Minnewit die Kolonie Neu-Amsterdam (New York).
1627
Der Bergbau wird durch Sprengungsverfahren unter Verwendung von Schwarzpulver rationalisiert .
1630
17. September - Gründung der Stadt Boston. Der erste Gouverneur der Massachusetts Bay Colony, John Winthrop, fasst die beiden nordamerikanischen Siedlungen Trimountaine und Shawmut im Nordosten der heutigen USA, die von Puritanern wenige Monate zuvor besiedelt waren, zum Ort namens Boston zusammen und gründet damit die Stadt. Der Name geht zurück auf eine Stadt gleichen Namens in Lincolnshire, England, aus der einige der Puritaner stammten. Die puritanischen Werte, insbesondere Arbeit, Bildung und Gottesfürchtigkeit stabilisierten die Gesellschaft in hohem Maße und sind auch noch heute Bestandteil des gesellschaftlichen Leitbildes in Boston und Neuengland. So wurde bereits 1635, wenige Jahre nach der Siedlungsgründung, eine erste Lateinschule und 1636 die Harvard University, die erste Universität Amerikas gegründet.
In Deutschland erscheinen erste Flugblätter gegen das Tabaktrinken (Rauchen).
In Paris werden erste Inserate in den Zeitungen aufgegeben.
15. November: Johannes Keppler, Erfinder des astronomischen Fernrohrs und Begründer der modernen Astronomie, stirbt.
1631
Der Vesuv bricht aus. Die bis zum 18. Dezember dauernde Eruption kostet etwa 4.000 Menschen das Leben. 40.000 Menschen bringen sich aus den umliegenden Orten nach Neapel in Sicherheit.
Errichtung des Tadsch Mahal. Mumtaz Mahal stirbt bei der Geburt ihres 14. Kindes. Ihr Mann, der indische Großmogul Shah Jahan, ist über ihren Tod untröstlich und lässt mit der Errichtung eines Grabmals für sie beginnen. Die Errichtung des Tadsch Mahal dauert bis 1648. Die Grabmoschee ist ein 58 m hohes und 56 m breites Mausoleum, das in Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf einer 100 m × 100 m großen Marmorplattform errichtet wurde. Des Weiteren wurde vor ihm ein 18 Hektar großer Garten angelegt, in dessen Zentrum sich ein längliches Wasserbecken befindet. Das Tadsch Mahal besteht aus Baumaterialien, die aus ganz Indien und Asien herangeschafft wurden. Über 1.000 Elefanten wurden zum Transport herangezogen, 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen wurden in den Marmor eingefügt. Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind leicht geneigt, damit sie im Falle eines Erdbebens vom Hauptgebäude weg stürzen.
1633
Die Inquisition beginnt in Rom die förmliche Befragung Galileo Galileis wegen dessen Lehre des heliozentrischen Weltbildes. Er muss dafür für 22 Tage in die Räumlichkeiten der Inquisition übersiedeln. Das heliozentrische Weltbild basiert auf der Annahme, dass sich die Planeten um die Sonne bewegen. Es steht im Gegensatz zum älteren, kirchlichen, geozentrischen Weltbild, in dem die Erde als Zentrum des Universums betrachtet wird. Galilei wird durch die Inquisition zum Widerruf seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse gezwungen und inhaftiert (später auf seinen Landsitz entlassen).
Die Pestepidemie führt zum Oberammergauer Passionsfestspiel-Gelübde dies besagt das Aufführungen alle 10 Jahre stattfinden werden.
1635
In Cambridge wird die erste nordamerikanische Universität mit dem Harvard-College gegründet
1639
In Hamburg wird die Promenade "Jungfernstieg" angelegt
1640
Der holländische Barockmaler Peter Paul Rubens stirbt am 30. Mai in Antwerpen.
Zum ersten Mal wird ein künstliches Trommelfell von Marcus Banzer implantiert.
Der bereits von Bacon vorgeschlagene Versuch, die Schallgeschwindigkeit in der Luft durch Beobachtung von Knall und Mündungsfeuer einer Kanone zu messen, wird von Mersenne in die Tat umgesetzt.
Werner Rollfinck wird erstmals das jahrhundertelang verbotene Öffnen von Leichen gestattet, hierzu dienen ausschließlich die Körper speziell dafür freigegebener Verbrecher.
1641
Die Luftpumpe wird von Otto von Guericke erfunden.
Der Sohn Galileis baut nach Entwürfen seines Vaters eine erste Pendeluhr.
1642
Rembrandt malt seine berühmte "Nachtwache".
Der Seefahrer Abel Tasman entdeckt Australien und das nach ihm benannte südlich davon gelegene "Eiland".
1643
In England erhebt der stets finanzschwache Karl I. eine allgemeine Getränkesteuer.
1647
In Berlin wird die Straße "Unter den Linden" angelegt.
1649
19. Mai - Die englische Armee rief unter der Führung Oliver Cromwells den Commonwealth of England aus und schaffte die Monarchie ab. Die neue Regierung bestand aus einem Staatsrat von 41 Mitgliedern. 1642 war zwischen den Anhängern des Parlaments und denen des Königs ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Das Parlamentsheer wurde aus Mitteln der Städte finanziert und von Oliver Cromwell zu einer schlagkräftigen Truppe ausgebaut. 1644 siegten die Parlamentstruppen über das königliche Heer. Cromwell ließ König Karl I. 1649 vor Gericht stellen und hinrichten. 1653 löste er das Parlament auf und regierte bis zu seinem Tod als uneingeschränkter Militärdiktator.
1650
Rembrandt malt "Der Mann mit dem Goldhelm".
1653
Englands erste geschriebene Verfassung, das Instrument of Government wird vom englischen Armeerat in London verkündet. Oliver Cromwell nimmt den Titel Lord protector of England, Scotland and Ireland an.
1654
In Florenz wird am 15. Dezember, mit der regelmäßigen Messung und Aufzeichnung der täglichen Temperatur begonnen.
Die Wirkungen von Luftdruck und Vakuum werden dem Regensburger Reichstag von Otto von Guericke durch die "Magdeburger Halbkugeln" demonstriert.
Der bis zum Ende des deutschen Reiches 1806 letztmalig tagende Reichstag verabschiedet in Regensburg am 17. Mai die erste deutsche Zivilprozessordnung.
1655
Ludwig Wilhelm I., spätererer Markgraf von Baden und als "Türkenlouis" zur Berühmtheit geworden, wird in Paris am 18. April geboren.
1656
1658
Huygens entwickelt die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
München erhält sein erstes Theater.
Bei der Untersuchung von Fröschen werden die roten Blutkörperchen entdeckt .
1660
Das Klosett mit Wasserspülung verbreitet sich von Frankreichs aus zunächst nach England.
Otto von Guericke sagt einen Sturm durch Barometer-Beobachtung voraus.
Friedrich Staedtler gründet in Nürnberg die erste Bleistift-Manufaktur.
1661
Die Bank von Stockholm gab erstmalig im 1661 Geldscheine heraus, um eine Panik unter der Bevölkerung wegen der Abwertung des Münzgeldes zu verhindern. Die damals verwendeten Münzen waren wirklich einzigartig, da sie deutlich von dem abweichen, was wir heute als Klein- oder Münzgeld bezeichnen. Eine 10-Daler-Platte war 30 x 70 cm groß und wog nahezu 20 kg. Da die großen und schweren Kupferplattenmünzen gelinde gesagt extrem unhandlich waren, fand das Papiergeld seinen Weg nach Schweden: Bei diesen ersten Ausprägungen des Papiergeldes handelte es sich um Scheine für zinslose Einlagekonten der Tauschstellen, Kassenscheine bzw. Solawechsel. Zahlreiche Kunden hinterlegten nämlich ihre Kupferplatten-münzen in den Kellern der Stockholm Banco und erhielten im Gegenzug hierfür Papiergeld. In Deutschland wurden mehr als vierzig Jahre später in Köln die ersten Banknoten herausgegeben, kurz danach gefolgt von Paris. Während Europa das Papiergeld erst im Siebzehnten Jahrhundert entdeckte, war es in Asien als Zahlungsmittel schon seit langem bekannt. Die ältesten überlieferten Geldscheine stammen aus dem China des Vierzehnten Jahrhunderts.
1662
Baubeginn von Schloß Versailles.
Der Kapillarkreislauf des Blutes wird mikroskopisch entdeckt.
1663
In Nordamerika wird die Kolonie North Carolina gegründet.
1666
Die erste Bluttransfusion im Tierversuch gelingt.
Boyle erkennt das hydrostatische Paradoxon, wonach der Druck einer Flüssigkeitssäule nur von der Höhe und nicht von der Form abhängig ist.
1667
Jean-Baptiste Denis führt in Paris die erste aufgezeichnete erfolgreiche Blutübertragung von Tierblut (einem Lamm) zum Menschen (einem 15-jährigen Jungen) durch. Der Junge überlebte die Transfusion. Nachdem bei drei weiteren Transfusionen auch zwei Todesfälle auftraten, wurde am 17. April 1668 gerichtlich festgelegt, dass Transfusionen erst nach Genehmigung durch die medizinische Fakultät der Universität Paris durchgeführt werden durften. Daraufhin wurde das Verfahren zunächst nicht mehr praktiziert.
1668
Die seit 1348 in Europa wütende Pest wird in einem ärztlichen Gutachten für Köln als beendet erklärt.
1669
In Nordamerika werden die Niagarafälle entdeckt.
1670
Uhren erhalten erstmals einen Minutenzeiger.
Willis entdeckt Diabetes durch Nachweis der Harnsüße.
1671
Das Pariser Café Procopio bietet ein umfassendes Sortiment von Speiseeis an.
Paris erhält eine Sternwarte, und Newton erfindet das Spiegelfernrohr.
1673
Feuerwehrschläuche kommen in Gebrauch.
1674
Die Gewichtszunahme von Metallen durch Oxidation und die durch Atmung verursachte Luftverschlechterung werden von Boyle beobachtet.
1675
Leuwenhook entdeckt mikroskopisch die Protozoen (Einzeller).
Römer berechnet aus der Verfinsterung der Jupitermonde die Lichtgeschwindigkeit auf 300.000 km/sec.
1676
Die älteste bis heute existierende öffentliche Feuerversicherungsanstalt wird mit der Hamburger Feuerkasse gegründet.
Das Kardangelenkwird von Robert Hooke erfunden.
In England wird die Sonntagsruhe gesetzlich geschützt.
1678
Aus Japan werden Chrysanthemen nach Holland eingeführt.
1679
12. Juli - Vom Parlament verabschiedet, genehmigt der englische König Karl II. die Habeas-Corpus-Akte. In dem neuen Staatsgesetz werden dem Volk in einem bisher nicht bekannten Ausmass seine Grundgesetze zugesichert. Um die Freiheit des einzelnen Bürgers zu sichern, darf man per Gesetz nicht mehr grundlos verhaftet werden oder ohne gerichtliche Untersuchung im Gefängnis festgehalten werden. Die Habeas-Corpus-Akte wurde später eine Grundlage für die amerikanische Verfassung. Zusammen mit der Magna Charta von 1215 ist die Habeas-Corpus-Akte neben weiteren einzelnen Gesetzen und dem ungeschriebenen Recht auch Grundlage für die Verfassungsordnung Großbritanniens.
In Berlin wird der Botanische Garten angelegt.
In Hamburg entsteht das erste deutsche Kaffeehaus.
1681
In England werden Schecks ("Notes") eingeführt.
Papin erfindet den Überdruck-Kochtopf.
J.Moore beweist, dass die Erde mit mehr Wasser als mit Land bedeckt ist.
1683
Leewenhook entdeckt mikroskopisch Bakterien im menschlichen Speichel.
Newton erkennt die Gravitationsgesetze.
14. Juli - Ein türkisches Heer unter der Führung von Großwesir Kara Mustapha stösst bis Wien vor. 200.000 Mann belagern die Stadt, die von 16.000 Söldnern verteidigt wird. Die Türken treiben unterirdische Tunnel zu den Stadtmauern, die sie mit Pulver füllen. Es gelingt ihnen, große Breschen in die Mauern zu sprengen. Sie sind dabei, die Stadt zu erobern, als ein deutsches Ersatzheer unter der Führung des Prinzen Eugen von Savoyen und des Polenkönigs Sobiesky die Türken in die Flucht schlagen kann. Kara Mustapha zieht mit seiner Armee nach Belgrad, zurück bleibt das Zeltlager der Türken mit der Kriegskasse und vielen Säcken Kaffee. Kurz darauf eröffnen die ersten Wiener Kaffeehäuser.
1685
17. Januar - Johannes Diodato erhält als erster ein kaiserliches Privileg für den öffentlichen Ausschank von Kaffee und eröffnet in der Folge das erste Wiener Kaffeehaus. Nachdem Kaiser Leopold I. ab 1669 in Wien die Juden ausgewiesen hatte, brach die Silberversorgung für die kaiserliche Münze zusammen. Da ansässige Handelsleute die Lieferung nicht übernehmen konnten, wurde Diodatos Handelsgesellschaft engagiert. Von März bis Oktober 1671 war er dazu in der Türkei, konnte jedoch auch nicht für einen regelmäßigen Betrieb der Münze sorgen. Am 17. Januar 1685 erhielt er zum Dank für seine Kurierdienste von den Stadtoberen das Privileg, 20 Jahre lang als einziger Händler der Stadt "Thürkischen Gethränks Chava", verkaufen zu dürfen, und eröffnete in seinem Wohnhaus am Haarmarkt, heute Rotenturmstraße 14, das erste Wiener Kaffeehaus. Ein nur mit einfachen Holzbänken und kleinen Tischen ausgestattetes Zimmer wird zur besonderen Attraktion.
Der gelähmte Uhrmacher Stephan Fafler baut sich, um am Gottesdienst teilnehmen zu können, einen Rollstuhl mit Handkurbelantrieb.
1687
An der Leipziger Universität hört man die erste Vorlesung in deutscher (statt lateinischer) Sprache über den Nachahmenswert französischen Lebens-Stils.
In Jena baut der Mathematiker Weigel einen mit Gegengewichten arbeitenden Fahrstuhl.
Isaac Newton veröffentlicht sein Grundlagenwerk zur theoretischen Mechanik.
1688
In London werden Straßen erstmals mit Öllampen beleuchtet.
Die Gußtechnik für Spiegelglas wird nach jahrhundertelangen Versuchen endlich beherrscht.
1689
12. September - Zar Peter I., genannt "der Große", übernahm im Alter von 17 Jahren die Alleinherrschaft im Moskauer Kreml. Die voran gegangene Herrscherin - seine Halbschwester Sophie - war zuvor verbannt worden. Peter I. war vom technischen Entwicklungsstand Westeuropas beeindruckt. Er unternahm zahlreiche Reisen nach Westeuropa und leitete in Russland Reformen ein. Er schaffte zum Beispiel die altrussische Zeitrechnung ab, verbot die traditionelle Kleider- und Barttracht, strukturierte die Verwaltung um und rief zur Steigerung der Produktion auf.
Der Regensburger Reichstag beschließt den Reichskrieg gegen Frankreich. Anlass war der französische Einmarsch im Elsass und in der Pfalz, mit dem der französische "Sonnenkönig" Ludwig XIV. die Erbansprüche seiner Schwägerin Elisabeth Charlotte auf das Kurfürstentum der Pfalz durchsetzen wollte. Unter Ludwig XIV. wurde zum ersten Mal der Rhein als "natürliche Grenze Frankreichs" propagiert. Im folgenden Krieg legten französischen Truppen beiderseits des Rheins von der Schweiz bis zur Nordsee einen breiten "Wüstungsgürtel" an, um feindlichen Heeren die Versorgung unmöglich zu machen. Alle großen Städte wurden niedergebrannt, hunderte von Burgen und Festungen gesprengt, darunter auch das Heidelberger Schloß.
1690
Die Klarinette wird erfunden.
1691
In Paris wird das erste Adressbuch aufgelegt.
1693
Erste Klassifizierung der Tiere auf anatomischer Grundlage durch Ray, der Wale folgerichtig zu den Säugetieren zählt.
1699
Im preußischen Heer werden Gleichschritt und eiserne Ladestöcke für die Gewehre eingeführt.
1700
1. März - In den protestantischen Teilen des Heiligen Römischen Reiches und in Dänemark wird der Gregorianische Kalender eingeführt. Der vorige Tag war der 18. Februar.
Zar Peter der Große ersetzt die bis dahin in Russland geltende byzantinische Jahreszählung ab Erschaffung der Welt durch den julianischen Kalender mit Jahreszählung ab der Geburt Christi.

17. Oktober - Der Astronom Johannes Kepler beobachtet im ca 20.000 Lichtjahre entfernten Sternbild Schlangenträger, die Supernova 1604 „Keplers Stern“, die bislang letzte entdeckte Supernova in unserer Milchstraße. Eine Supernova ist das schnell eintretende, helle Aufleuchten eines Sterns am Ende seiner Lebenszeit durch eine Explosion, bei der der Stern selbst vernichtet wird. Die Leuchtkraft des Sterns nimmt dabei millionen- bis milliardenfach zu und wird für kurze Zeit so hell wie eine ganze Galaxie. Noch heute sind die "Überreste" mit dem Weltraumteleskop "Hubble" zu beobachten.
1. November - In London wird William Shakespeares Tragödie Othello uraufgeführt. Wie die kurz davor geschriebenen Stücke Hamlet, Macbeth und König Lear ist auch The Tragœdy of Othello, the Moor of Venice eine Tragödie. Die deutsche Erstaufführung fand 1766 in Hamburg statt. Die Handlung: Othello ist ein dunkelhäutiger Prinz, und der oberste General der venedischen Armee. Er ist mit der weißen Dedsdemona verheiratet, Tochter eines Senators der gegen die Verbindung ist. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich seine schöne Tochter wahrhaftig in den dunkelhäutigen Mann verliebt hat und beschuldigt Othello der Hexerei. Othello erklärt sich jedoch vor dem Herzog und den anderen Senatoren. Desdemona liebt ihn aufrichtig, verzaubert durch seine ehemaligen Heldentaten. Der hochrangige Soldat Iago aus Othellos Armee ist wütend, weil Othello einen jüngeren Soldaten namens Michael Cassio vor ihm befördert hat. Als dieser sich bei Iago über die Hochzeit beklagt, weil er selbst insgeheim in Desdemona verliebt ist, spinnt Iago eine Intrige. Er überredet Rodrigo mit Cassio zu streiten. Rodrigo macht Cassio betrunken und fordert ihm zum Kampf heraus. Othello ist gezwungen, Cassio zur Strafe wieder herabzustufen. Da rät ihm Iago, er solle sich an Desdemona wenden, damit diese ein gutes Wort bei Othello einlegt. Derweil versucht Iago Othello davon zu überzeugen, dass Cassio eine Affäre mit seiner Frau hat. Iago bringt Emilia, seine eigene Frau und Desdemonas Zofe, dazu, ein Tuch, dass Othello Desdemona geschenkt hat, zu stehlen und es in Cassios Räumlichkeiten zu legen, als Beweis für die Affäre. Othello ist außer sich und fängt an, Desdemona das Leben schwer zu machen, indem er sie vor anderen schlägt. Desdemona weiß nicht, was los ist. Iago hetzt Rodrigo weiterhin gegen Cassio auf, damit dieser schließlich auf Cassio losgeht. Beide werden dabei schwer verletzt. Iago tut, als ob er Cassio helfen will und ersticht dabei heimlich Rodrigo, damit dieser nichts ausplaudern kann. Stattdessen beschuldigt er die Prostituierte Bianca, mit der Cassio zusammen war, dass sie Cassios Ermordung durch Rodrigo geplant hat. In der Nacht konfrontiert Othello Desdemona mit der angeblichen Affäre. Trotz ihrer Liebsschwüre ist er nicht von seinem Irrtum abzubringen und erwürgt sie. Emilia taucht auf und ruft nach Hilfe. Der Herzog, seine Männer und Iago tauchen auf. Othello will sich rechtfertigen, doch als Othello das Tuch zeigt, wird Emilia klar, dass Iago das ganze geplant hat. Sie verrät ihn, worauf er sie tötet. Othello ist am Boden, als ihm sein Fehler klar wird. Er stürzt sich auf Iago, wird aber von den Wachen aufgehalten. Bevor diese ihn in Haft nehmen können, nimmt sich Othello das Leben, indem er sich mit einem Dolch ersticht.
In Madrid veröffentlichte Miguel de Cervantes am 11. Oktober 1605, den ersten Teil seines Romans
über den Ritter von der traurigen Gestalt, der mit seinem Knappen Sancho Pansa
und seinem Pferd Rosinante auf Abenteuerfahrt geht. Der zweite Teil erschien
erst Jahre später. Der Roman ist eine Satire auf die zeitgenössischen Ritterromane. Die Hauptfigur Don Quijote wurde zur bekanntesten Figur der spanischen Literatur,
die Szene vom Kampf gegen Windmühlenflügel zum oft bemühten Zitat für aussichtsloses
Handeln.
Andreaskreuz (weißes Andreaskreuz auf blauem Grund). Nach dem englischen Bürgerkrieg wurde die Flagge Englands bis 1654 um die Irische Harfe ergänzt, welche sich bis 1660 in der Flaggenmitte befand. Von 1660 bis 1801 wurde dann wieder der ursprüngliche Union Jack benutzt. 1707 erfolgte die endgültige Vereinigung Schottlands und Englands im Act of Union 1707. 1801 wurde mit der politischen Integration der Nachbarinsel Irland auch die damalige Irische Flagge (rotes Andreaskreuz auf weißem Hintergrund, das sogenannte St. Patrick's Cross) in den Union Jack aufgenommen. Die Asymmetrie des Union Jack rührt daher, dass das schottische Andreaskreuz und das irische St. Patricks Cross gleichberechtigt "nebeneinander" stehen sollen. Heraldisch erreicht man das, indem man die entsprechenden Symbole nicht mittig übereinanderlegt, sondern gegeneinander "verschiebt". Das englische St. George Cross zum Beispiel liegt zentral auf allen anderen Kreuzen, was die Dominanz Englands über die Länder Schottland und Irland symbolisiert. 1809 wurde der Union Jack durch das Parlament zur britischen Nationalflagge erklärt.
Schiffe der London Company landeten in der Chesapeake-Bucht im heutigen
Virginia und gründeten daraufhin mit Jamestown die älteste britische Siedlung
in Nordamerika. Der Anbau von Tabakpflanzen entwickelte sich zum lukrativsten
Geschäft in dieser Region.
20. April - In London fand die erste urkundlich erwähnte Aufführung von William Shakespeares
Trauerspiel "Macbeth" statt. Das Drama in fünf Aufzügen hatte Shakespeare
wahrscheinlich 1606 geschrieben. In dem Stück geht es um Machtgier, Egoismus,
Mord und Geltungssucht. Macbeth scheut nicht vor Mord zurück, um König von
Schottland zu werden. Dabei hilft ihm die Prophezeiung von "Hexen", die ihn
vor eventuellen Widersachern warnen. Macbeths Frau, Lady Macbeth, drängt ihn
zum Mord an König Duncan. Nach zahlreichen Morden siegt doch das Gute: Macbeth
unterliegt dem rechtmäßigen Thronerben im Kampf.
Das Schiff "Mayflower" stach in See. An Bord befanden sich 102 Puritaner
- Zugehörige einer der bekanntesten Auswanderergruppen. Die Puritaner waren
aus der Kirche von England ausgetreten, weil sie dort wegen ihres Glaubens
verfolgt wurden. Die so genannten "Pilgrim Fathers" unterzeichneteten den
Mayflower-Vertrag, die erste schriftliche amerikanische Verfassung. Die Reise der Mayflower ist das prominenteste Beispiel für die Besiedlung Amerikas durch Nordeuropäer und wird bisweilen fälschlich als deren Beginn dargestellt. Tatsächlich aber begann die Kolonialisierung Nordamerikas in der Neuzeit bereits Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Besiedlung von Neufundland. Die Stadt St. John's gilt mit der Inbesitznahme durch die englische Krone im Jahr 1583 als älteste britische Kolonie.
18. November - Die bedeutendste katholische Kirche, der Petersdom in Rom, wurde nach
einer Bauzeit von 120 Jahren von Papst Urban VIII. geweiht. Sie enthält
44 Altäre, acht kleinere Kuppeln und ungefähr 800 Marmor-, Bronze- und Gipssäulen.
An dem Bauwerk waren neun Künstler als Bauleiter beteiligt, unter ihnen Michelangelo,
Rafael und Bramante. Bramante war der erste Bauleiter, von ihm stammt der
Grundriss. Michelangelo entwarf vor allem die Riesenkuppel in Anlehnung an
die Florentiner Domkuppel von Brunelleschi. Die Anlage des Petersplatzes schuf
Bernini in den Jahren 1656 bis 1666. Die Kirche ist über dem Grab des Apostel
Petrus erbaut, schon 324 befand sich an dieser Stelle eine von Konstantin
I. errichtete Basilika. Der Petersdom ist mit
45 Altären die bis heute weltweit größte christliche Kirche .
17. September - Gründung der Stadt Boston. Der erste Gouverneur der Massachusetts Bay Colony, John Winthrop, fasst die beiden nordamerikanischen Siedlungen Trimountaine und Shawmut im Nordosten der heutigen USA, die von Puritanern wenige Monate zuvor besiedelt waren, zum Ort namens Boston zusammen und gründet damit die Stadt. Der Name geht zurück auf eine Stadt gleichen Namens in Lincolnshire, England, aus der einige der Puritaner stammten. Die puritanischen Werte, insbesondere Arbeit, Bildung und Gottesfürchtigkeit stabilisierten die Gesellschaft in hohem Maße und sind auch noch heute Bestandteil des gesellschaftlichen Leitbildes in Boston und Neuengland. So wurde bereits 1635, wenige Jahre nach der Siedlungsgründung, eine erste Lateinschule und 1636 die Harvard University, die erste Universität Amerikas gegründet.
Errichtung des Tadsch Mahal. Mumtaz Mahal stirbt bei der Geburt ihres 14. Kindes. Ihr Mann, der indische Großmogul Shah Jahan, ist über ihren Tod untröstlich und lässt mit der Errichtung eines Grabmals für sie beginnen. Die Errichtung des Tadsch Mahal dauert bis 1648. Die Grabmoschee ist ein 58 m hohes und 56 m breites Mausoleum, das in Agra im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh auf einer 100 m × 100 m großen Marmorplattform errichtet wurde. Des Weiteren wurde vor ihm ein 18 Hektar großer Garten angelegt, in dessen Zentrum sich ein längliches Wasserbecken befindet. Das Tadsch Mahal besteht aus Baumaterialien, die aus ganz Indien und Asien herangeschafft wurden. Über 1.000 Elefanten wurden zum Transport herangezogen, 28 verschiedene Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen wurden in den Marmor eingefügt. Die vier um das Hauptgebäude herum angeordneten Minarette sind leicht geneigt, damit sie im Falle eines Erdbebens vom Hauptgebäude weg stürzen.
Die Inquisition beginnt in Rom die förmliche Befragung Galileo Galileis wegen dessen Lehre des heliozentrischen Weltbildes. Er muss dafür für 22 Tage in die Räumlichkeiten der Inquisition übersiedeln. Das heliozentrische Weltbild basiert auf der Annahme, dass sich die Planeten um die Sonne bewegen. Es steht im Gegensatz zum älteren, kirchlichen, geozentrischen Weltbild, in dem die Erde als Zentrum des Universums betrachtet wird. Galilei wird durch die Inquisition zum Widerruf seiner wissenschaftlichen
Erkenntnisse gezwungen und inhaftiert (später auf seinen Landsitz entlassen).
19. Mai - Die englische Armee rief unter der Führung Oliver Cromwells den Commonwealth
of England aus und schaffte die Monarchie ab. Die neue Regierung bestand
aus einem Staatsrat von 41 Mitgliedern. 1642 war zwischen den Anhängern des
Parlaments und denen des Königs ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Das Parlamentsheer
wurde aus Mitteln der Städte finanziert und von Oliver Cromwell zu einer schlagkräftigen
Truppe ausgebaut. 1644 siegten die Parlamentstruppen über das königliche Heer.
Cromwell ließ König Karl I. 1649 vor Gericht stellen und hinrichten. 1653
löste er das Parlament auf und regierte bis zu seinem Tod als uneingeschränkter
Militärdiktator.
Die Bank von Stockholm gab erstmalig im 1661 Geldscheine heraus, um eine Panik unter der Bevölkerung wegen der Abwertung des Münzgeldes zu
verhindern. Die damals verwendeten Münzen waren wirklich einzigartig, da sie deutlich von dem abweichen, was wir heute als Klein- oder Münzgeld bezeichnen. Eine 10-Daler-Platte war 30 x 70 cm groß und wog nahezu 20 kg. Da die großen und schweren Kupferplattenmünzen gelinde gesagt extrem unhandlich waren, fand das Papiergeld seinen Weg nach Schweden: Bei diesen ersten Ausprägungen des Papiergeldes handelte es sich um Scheine für zinslose Einlagekonten der Tauschstellen, Kassenscheine bzw. Solawechsel. Zahlreiche Kunden hinterlegten nämlich ihre Kupferplatten-münzen in den Kellern der Stockholm Banco und erhielten im Gegenzug hierfür Papiergeld. In Deutschland wurden mehr als vierzig Jahre
später in Köln die ersten Banknoten herausgegeben, kurz danach gefolgt von
Paris. Während Europa das Papiergeld erst im Siebzehnten Jahrhundert entdeckte,
war es in Asien als Zahlungsmittel schon seit langem bekannt. Die ältesten
überlieferten Geldscheine stammen aus dem China des Vierzehnten Jahrhunderts.
Jean-Baptiste Denis führt in Paris die erste aufgezeichnete erfolgreiche Blutübertragung von Tierblut (einem Lamm) zum Menschen (einem 15-jährigen Jungen) durch. Der Junge überlebte die Transfusion. Nachdem bei drei weiteren Transfusionen auch zwei Todesfälle auftraten, wurde am 17. April 1668 gerichtlich festgelegt, dass Transfusionen erst nach Genehmigung durch die medizinische Fakultät der Universität Paris durchgeführt werden durften. Daraufhin wurde das Verfahren zunächst nicht mehr praktiziert.
12. Juli - Vom Parlament verabschiedet, genehmigt der englische König
Karl II. die Habeas-Corpus-Akte. In dem neuen Staatsgesetz werden dem Volk in
einem bisher nicht bekannten Ausmass seine Grundgesetze zugesichert. Um
die Freiheit des einzelnen Bürgers zu sichern, darf man per Gesetz nicht mehr
grundlos verhaftet werden oder ohne gerichtliche Untersuchung im Gefängnis festgehalten
werden. Die Habeas-Corpus-Akte wurde später eine Grundlage für die amerikanische
Verfassung. Zusammen mit der Magna Charta von 1215 ist die Habeas-Corpus-Akte
neben weiteren einzelnen Gesetzen und dem ungeschriebenen Recht auch Grundlage
für die Verfassungsordnung Großbritanniens.
14. Juli - Ein türkisches Heer unter der Führung von Großwesir Kara Mustapha stösst
bis Wien vor. 200.000 Mann belagern die Stadt, die von 16.000 Söldnern
verteidigt wird. Die Türken treiben unterirdische Tunnel zu den Stadtmauern,
die sie mit Pulver füllen. Es gelingt ihnen, große Breschen in die Mauern
zu sprengen. Sie sind dabei, die Stadt zu erobern, als ein deutsches Ersatzheer
unter der Führung des Prinzen Eugen von Savoyen und des Polenkönigs Sobiesky
die Türken in die Flucht schlagen kann. Kara Mustapha zieht mit seiner
Armee nach Belgrad, zurück bleibt das Zeltlager der Türken mit der Kriegskasse
und vielen Säcken Kaffee. Kurz darauf eröffnen die ersten Wiener Kaffeehäuser.
17. Januar - Johannes Diodato erhält als erster ein kaiserliches Privileg für den öffentlichen Ausschank von Kaffee und eröffnet in der Folge das erste Wiener Kaffeehaus. Nachdem Kaiser Leopold I. ab 1669 in Wien die Juden ausgewiesen hatte, brach die Silberversorgung für die kaiserliche Münze zusammen. Da ansässige Handelsleute die Lieferung nicht übernehmen konnten, wurde Diodatos Handelsgesellschaft engagiert. Von März bis Oktober 1671 war er dazu in der Türkei, konnte jedoch auch nicht für einen regelmäßigen Betrieb der Münze sorgen. Am 17. Januar 1685 erhielt er zum Dank für seine Kurierdienste von den Stadtoberen das Privileg, 20 Jahre lang als einziger Händler der Stadt "Thürkischen Gethränks Chava", verkaufen zu dürfen, und eröffnete in seinem Wohnhaus am Haarmarkt, heute Rotenturmstraße 14, das erste Wiener Kaffeehaus. Ein nur mit einfachen Holzbänken und kleinen Tischen ausgestattetes Zimmer wird zur besonderen Attraktion.
12. September - Zar Peter I., genannt "der Große", übernahm im Alter von 17 Jahren die
Alleinherrschaft im Moskauer Kreml. Die voran gegangene Herrscherin -
seine Halbschwester Sophie - war zuvor verbannt worden. Peter I. war vom technischen
Entwicklungsstand Westeuropas beeindruckt. Er unternahm zahlreiche Reisen
nach Westeuropa und leitete in Russland Reformen ein. Er schaffte zum Beispiel
die altrussische Zeitrechnung ab, verbot die traditionelle Kleider- und Barttracht,
strukturierte die Verwaltung um und rief zur Steigerung der Produktion auf.
Der Regensburger Reichstag beschließt den
Reichskrieg gegen Frankreich. Anlass war der französische Einmarsch im
Elsass und in der Pfalz, mit dem der französische "Sonnenkönig" Ludwig XIV.
die Erbansprüche seiner Schwägerin Elisabeth Charlotte auf das Kurfürstentum
der Pfalz durchsetzen wollte. Unter Ludwig XIV. wurde zum ersten Mal der Rhein
als "natürliche Grenze Frankreichs" propagiert. Im folgenden Krieg legten
französischen Truppen beiderseits des Rheins von der Schweiz bis zur Nordsee
einen breiten "Wüstungsgürtel" an, um feindlichen Heeren die Versorgung unmöglich
zu machen. Alle großen Städte wurden niedergebrannt, hunderte von Burgen und
Festungen gesprengt, darunter auch das Heidelberger Schloß.