Chronologische Weltgeschichte - Die Jahre 1901 - 1910
1901
In Berlin eröffnete das erste literarische Kabarett seine Pforten. Der Schriftsteller Ernst von Wolzogen war Gründer des "Bunten Theater - Überbrettl", das 650 Plätze hatte und rasch zu einem großen Erfolg wurde. Sein Vorbild inspirierte bald die Gründung zahlreicher weiterer Kleinkunstbühnen.
15. März - Zum ersten Mal sind Werke des Malers Vincent van Goghs aus allen Schaffensperioden in der Galerie Bernheim-Jeune in Paris zu bewundern. Insgesamt 71 expressionistische Gemälde des Malers sind zu sehen, darunter auch das Spätwerk "Fräulein Gachet im Garten" (Musée d'Orsay), das 1890 im Todesjahr van Goghs entstand.
17. Juni - In Berlin beginnt unter Beratung von Konrad Duden, die 2. "Konferenz zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung". Am Ende der Konferenz einigen sich die Beteiligten auf ein amtliches Regelwerk für den Behördengebrauch in Deutschland, die Schweiz und Österreich. Die Ergebnisse der II. Orthographischen Konferenz werden in einem Wörterbuch manifestiert. Der „Duden” verbreitet damit die erste für den ganzen deutschen Sprachraum einheitlich geregelte amtliche Rechtschreibung. Zur Unterstützung seiner Arbeit stellt der Verlag von Konrad Duden redaktionelle Mitarbeiter zur Seite. Die Dudenredaktion ist geboren.
14. November - Der Wiener Arzt Karl Landsteiner gab seine Entdeckung der drei Blutgruppen A, B und 0 bekannt. Ein Jahr später wurde die vierte und seltenste Blutgruppe AB entdeckt. Die Entdeckung ermöglichte die Bluttransfusion, verbesserte damit die Operationstechnik entscheidend und konnte in der Gerichtsmedizin etwa für den Vaterschaftsnachweis oder die Identifikation von Blutflecken erfolgreich angewandt werden. Bis dahin starben viele Menschen während einer Blutübertragung, niemand wusste die Ursache. Landsteiner erhielt 1930 den Nobelpreis. Mit dem Amerikaner Alexander Solomon Wiener entdeckte er 1940 das Rhesus-Faktor-System, mit dessen Kenntnis Zwischenfälle bei der Blutübertragung endgültig vermeidbar wurden.
Nach der Ermordung des US-amerikanischen Präsidenten William McKinley wurde der Rechtsanwalt Theodore Roosevelt zum 26. US-amerikanischen Präsidenten gewählt. Roosevelt war mit 42 Jahren das jüngste Staatsoberhaupt in der Geschichte der USA. Roosevelt setzte die imperialistische Außenpolitik seines Vorgängers fort. Roosevelt überlebte während seiner Amtszeit ein Attentat. Er engagierte sich für die Kontrolle der südamerikanischen Staaten durch die USA. Roosevelt setzte sich für die Fertigstellung des von Frankreich 1879 begonnenen Panamakanals ein. Für seine Bemühungen um die Beendigung des Russisch-Japanischen Kriegs im Frieden von Portsmouth (1905) erhielt Roosevelt den Friedensnobelpreis.
Die erste Verleihung der Nobelpreise geht an Conrad Röntgen (Physik), Adolph von Behring (Medizin), Henri Dunant und Frederic Passy (Frieden).
Den ersten Motorflug der Geschichte unternimmt der Deutsch-Amerikaner Gustav Weißkopf (Gustave Whitehead). Er fliegt seinen Eindecker 12 m hoch und 900 m weit.
Der Staubsauger, die erste elektrische Schreibmaschine, der Rasierapparat werden erfunden.
Dem Italiener Marconi gelingt die transatlantische drahtlose Telegraphie.
Die Meteorologen Süring und Berson steigen mit einem Freiballon auf über 10´000 m Höhe auf.
Thomas Mann schreibt "Die Buddenbrooks".
Henri de Toulouse-Lautrec stirbt.
1.3. Die Schwebebahn im heutigen Wuppertal wird mit dem ersten Teilstück in Betrieb genommen und fährt noch heute. Sie transportiert ihre Fahrgäste (am Eröffnungstag waren es bereits 10,000) seit Anbeginn so gut wie unfallfrei.
Im Leipziger Kristallpalast geht am 22.10. die erste deutsche Automobilausstellung zu Ende.
In Dresden wird das größte Fernheizwerk Europas in Betrieb genommen.
1902
21. Dezember - In Berlin wird der erste Verkehrspolizist eingesetzt, um den immer raschen anwachsenden Straßenverkehr zu regeln. Er bezieht Posten an der viel befahrenen Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße.
Robert Bosch erfindet die Zündkerze und Louis Renault die Trommelbremse.
Mauser verbessert die von ihm erfundene Repetierpistole.
Auf der Karibikinsel Martinique sterben 26´000 Menschen beim Ausbruch des Vulkans Pelée.
Eine Ärztekommission, u.a. mit Robert Koch, stellt fest, daß Malaria durch die Anopheles-Stechmücke übertragen wird.
1903
1. März - Die Polizeidirektion Dresden führt den Fingerabdruck zur Kontrolle und Überführung von verdächtigen Personen ein.
21. März - Von sozialdemokratischer Seite wird im Reichstag die endgültige Abschaffung der Sklaverei in den Kolonialgebieten gefordert. Offiziell bereits verboten, ist die Sklaverei in den Kolonien dennoch weit verbreitet.
16. Juni - Henry Ford gründet in Michigan die Ford Motor Company, welche mit der Produktion des Ford Modell A den Kraftfahrzeugbau aufnimmt. Das ursprüngliche Modell A, war das erste Automobil, das von Ford im Jahr 1903 produziert wurde. 1.750 Autos von Modell A und seinen Nachfolgern AC und C wurden von 1903 bis 1905 gebaut. Das Auto wurde als zweisitziger Runabout oder viersitziges Tonneau-Modell angeboten, wahlweise mit Verdeck. Der 2-Zylinder-Boxermotor war mittig im Fahrzeug untergebracht und erzeugte 6 Kilowatt (8 PS). Über ein 3-Gang-Planetengetriebe wurden die Hinterräder angetrieben, wie später auch im Modell T. Das Auto wog 562 Kilogramm und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h. Der Radstand war 72 Zoll (1,8 m). Es kostete 750 $ und konnte für 100 $ mit einem hinteren Sitz und einem Verdeck aus Gummi für 30 $ oder Leder für 50 $ ausgestattet werden. Für die Entwicklung hatte die Firma fast ihr gesamtes Ausgangs-Investitionskapital in Höhe von 28.000 $ ausgegeben. Auf dem Bankkonto waren nur 223,65 $ verblieben, als das erste Modell A verkauft wurde.
19. Juli - In Paris endet eine Rad-Rundfahrt durch Frankreich, die über sechs Etappen in einem Zeitraum von drei Wochen führte. Sieger der ersten "Tour de France" der Geschichte wurde der favorisierte Franzose Maurice Garin mit einem Stundenmittel von 25,679 km/h. Er gewann die erste Etappe sowie zwei weitere und setzte sich in der Gesamtwertung schließlich mit dem größten Vorsprung der Geschichte vor dem zweitplatzierten Lucien Pothier durch. Von den 60 gestarteten Fahrern erreichten nur 21 das Ziel in Paris, der Letztplatzierte hatte einen Rückstand von beinahe 65 Stunden. Initiator der ersten Tour de France war der Jornalist und Zeitungsverleger Henri Desgrange er wollte eine Auflagensteigerung seiner Zeitung L’Auto. Ein Redakteur –Géo Lefèvre– machte am 20. November 1902 den Vorschlag einer Fahrradtour durch Frankreich in mehreren Etappen mit Ruhetagen dazwischen.
Der US-Senat ratifizierte den Hay-Herrán-Vertrag über die Rechte zum Bau eines Kanals in der Landenge von Panama. Die USA erwarben für 40 Millionen Dollar die Rechte an dem Projekt und vollendeten 1914 den Kanal in seiner heutigen Form. Bereits 1534 gab Karl I. von Spanien ein Gutachten für einen Kanalbau zur Verkürzung der Seestrecke durch Mittelamerika in Auftrag. Erst 1879 jedoch machte sich Frankreich unter Leitung des Suezkanal-Erbauers Ferdinand de Lesseps an die Arbeit. Seit 1903 stand die Wasserstraße und eine mehrere Kilometer breite Schutzzone im Umland unter amerikanischer Hoheit. Der damals junge Staat Panama war damit faktisch in zwei Teile getrennt, ein Zustand, der immer wieder zu Diskussionen führte. 1977 einigten sich der damalige US-Präsident Jimmy Carter und der panamaische Machthaber Omar Torrijos auf die Übergabe des Kanals an die mittelamerikanische Republik zum Ende des Jahres 1999.
21. September - Dr. August Oetker lässt sich das Verfahren zur Herstellung von Backpulver patentieren. Backpulver ist im Prinzip, ein Triebmittel das unter Einwirken von Wasser und Wärme gasförmiges Kohlenstoffdioxid im Teig freisetzt wodurch kleine Gasbläschen entstehen und der Teig aufgelockert wird. Das Backpulver an sich wurde bereits 1854 von Eben Norton Horsford erfunden, wobei er vom Bonner Unternehmer Ludwig Clamor Marquart unterstützt wurde, der das Backpulver als erster industriell produzierte. 1854 gründete Horsford die Rumford Chemical Work und ließ sich das von ihm verbesserte Mittel als "baking powder" patentieren. Da sich Backwaren (einschl. Brot) nun leichter industriell herstellen ließen und haltbarer waren, führte der einsetzende US-amerikanische Bürgerkrieg zu einer großen Nachfrage nach Backpulver. Der Erfolg des modernen Backpulvers begann schließlich mit August Oetker. Oetker entwickelte nicht nur die Rezeptur weiter, sondern vermarktete das Produkt auch geschickt dazu gehörte auch die Portionierung. Für 10 Pfennig erhielt die Hausfrau eine Portion Backpulver, die für 500 g Mehl genau ausreichte. Um die korrekte Menge zu bestimmen, hatte Oetker zahlreiche Backaktionen von seiner Frau durchführen lassen. Denn lediglich das genaue Verhältnis von Mehl zum Triebmittel hatte bis zu diesem Zeitpunkt das Backen ungemein erschwert. Ungenauigkeiten bei den anderen Zutaten wie Eier, Butter und Zucker ließen sich leichter verschmerzen. Ab 1893 füllte er sein Backpulver Backin ab, 1898 ging er zur Massenproduktion über, und am 21. September 1903 ließ er sich das entsprechende Verfahren patentieren. Noch heute wird das Backpulver von der Dr. August Oetker KG in unveränderter Rezeptur hergestellt.
1. Oktober - Reinhold Burger erhält in Deutschland ein Patent auf die von ihm erforschte Isolierkanne. Nach dessen späterem Verkauf werden ab dem Jahr 1920 Thermoskannen als Produkt serienweise hergestellt. Ohne das Wissen und Erlaubnis der Erfinder experimentierte Burger an der Herstellung alltagstauglicher, doppelwandiger Vakuum-Glasgefäße auf Grundlage der mittlerweile als Dewargefäß bezeichneten Behälter. 1903 ließ er sich die Thermoskanne patentieren. Der Eismaschinenfabrikant Carl von Linde (1842-1934) beauftragte Burger damit, ihm geeignete isolierende Behälter für den Transport verflüssigter Luft mit Temperaturen von -194,5 °C zu entwickeln. Das Ergebnis war eine Glasflasche in einem stabilen, leichten Metallgehäuse, mit einem Zwischenwand-Vakuum und Innenverspiegelung. In den folgenden Monaten arbeitete Burger daran, diese Erfindung alltagstauglich zu machen: Er stabilisierte das doppelwandige Glasgefäß durch Verstrebungen mit einem leichten aber stabilen Metallgehäuse, versah die Flasche mit einem Korken und einem aufsteckbaren Trinkbecher und gab ihr den Namen „Thermosflasche“. Unter der DRP-Nr. 170057 registrierte das Kaiserliche Patentamt am 1. Oktober 1903 Reinhold Burgers Erfindung. Den Namen „Thermosflasche“ ließ er 1904 als Warenzeichen schützen. Patentierungen in Frankreich, Großbritannien und den USA folgten bis 1906.
1. Dezember - In Washington D.C. wird der erste Western der Filmgeschichte vorgeführt: Der nur neun Minuten lange Streifen " Der Große Eisenbahnraub" wird zum Vorbild für eine endlose Reihe von Western- oder "Cowboy"-Filmen, die weltweit gedreht werden und bei denen es meist um den Kampf zwischen Gut und Böse geht - mit einem Sieg des Guten am Ende.
17. Dezember - Den amerikanischen Gebrüdern Orville und Wilbur Wright gelangen bei Kitty Hawk in North Carolina zum ersten Mal vier bemannte Flüge mit motorgetriebenen Flugzeugen. Die Flüge mit ihrem Doppeldecker "Flyer I" dauern allerdings nicht einmal eine Minute und der längste von ihnen legt eine von ca. 250 Metern zurück. Nach zahlreichen Gleitflügen mit dem Doppeldecker-Gleiter in der Zeit von 1901 bis 1903, wovon der längste über 622,5 m bei 26 s Flugzeit war, beantragten die Wrights am 23. März 1903 ein Patent ihres Flugzeugentwurfs und entschlossen sich, den Apparat mit einem Motor auszurüsten. Die Wrights entwickelten einen Propeller mit einem hohen Wirkungsgrad und ließen, da nirgends ein geeignetes Triebwerk zu bekommen war, sich in der Fahrradfabrik von Charlie Taylor eins herstellen. In kürzester Zeit entstand ein gerade einmal 77 kg schwerer, wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Benzinmotor, der 12 PS abgab. Am Vormittag des 17. Dezember 1903 war es dann so weit, Orville Wright eroberte mit dem Flyer die Lüfte. Er war 12 Sekunden lang in der Luft und legte dabei 37 m zurück (10,8 km/h). Unmittelbar folgte Wilbur, jeder flog an diesem Tag zweimal. Wilbur gelang dabei ein Flug von 59 Sekunden und 260 Meter Flugstrecke (16 km/h). Die Flugmaschine maß 12,3 m in der Spannweite, 6,4 m in der Länge und 2,8 m in der Höhe, sie bestand aus Holz und einer Stoffbespannung, ihr Fluggewicht betrug 340 kg und der Pilot lag unverändert auf der unteren Tragfläche.
In München wird durch Oskar von Miller das Deutsche Museum (für Technik) gegründet. Grundsteinlegung für das Gebäude (durch Kaiser Wilhelm) 1906, Fertigstellung zum 70. Geburtstag von Millers 1925.
Ein Elektro-Testzug fährt 208 km/h schnell.
In Tierversuchen wird die schädigende Wirkung von Röntgenstrahlen nachgewiesen.
In Paris startet die erste Tour de France.
In der Südsee stirbt der Maler Paul Gauguin.
In Berlin wird die AEG-Telefunken Allgemeine Electricitäts Gesellschaft durch Emil Rathenau gegründet.
Leipzig wird Deutscher Fußballmeister gegen Prag.
Bayern richtet ein Verkehrsministerium ein.
Auf der Leipziger Messe stellt Margarete Steiff Plüschtiere aus.
1904
17. Februar - Die Uraufführung von Giacomo Puccinis Oper „Madame Butterfly“ in der Mailänder Scala war nicht ungetrübt. Sie erntete Zwischen- und Buhrufe. Erst im zweiten Anlauf, nachdem Puccini die Oper erheblich gekürzt hatte, stellte sich triumphaler Erfolg ein. Bis heute fehlt sie in keinem Opernrepertoire, Die sentimentale Musik, in die Puccini Elemente traditioneller japanischer Musik einbaute, verhalf der japanischen Tragödie um die Geisha Cho-Cho-San und den US-amerikanischen Offizier Linkerton zu ihrer ungebrochenen Beliebtheit.
1. April - In Frankreich tritt ein Gesetz in Kraft, das die Arbeitszeit für Frauen und Personen unter 18 Jahren auf maximal zehn Stunden pro Tag begrenzt.
21. Mai - Repräsentanten von sieben europäischen Fussballverbänden gründeten in Paris den internationalen Fußballverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association). Erster Präsident dieser Vereinigung wurde der Franzose Robert Robert Guérm. England, das Mutterland des Fußballs, blieb wegen der französischen Beteiligung der Gründung fern. Die englischen Verbände hatten sich bereits 1863 zu einer Football Association zusammengeschlossen. Die FIFA ist zuständig für die alle vier Jahre stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft und die olympischen Fußballturniere. Die Mitgliederzahl beträgt mittlerweile 203. Sitz der Vereinigung ist Zürich.
Bild: ausschließlich zu enzyklopädischen Zwecken und im Zusammenhang stehenden Artikeln
16. Oktober - In Hamburg wird die älteste bekannte Fotopostkarte abgestempelt. Das abgebildete Motiv ist ein unbekanntes Dorf. Die ersten auf privat-wirtschaftlicher Basis hergestellten Karten wurden ab 1872 auf dem Postweg befördert. Etwa 1875 kam die erste Bildpostkarte auf den Markt, um 1914 traten endgültig Fotos an die Stelle kunstvoller Grafik. Die Herstellung und der Vertrieb der Bildpostkarten entwickelten sich zu einem florierenden Wirtschaftszweig. In Deutschland, das zum Branchenführer aufstieg, wurden 1899 etwa 90 Millionen Karten produziert.
18. Oktober - Auf der Berliner Museumsinsel wird das Kaiser-Friedrich-Museum eingeweiht. Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche Malerei und die Kunst der Renaissance. Die von Wilhelm Bode (1845-1929) arrangierte Präsentation sorgt für Aufsehen, denn in den einzelnen Räumen werden verschiedenartige Ausstellungsstücke einer Epoche gezeigt.
Hülsmeier meldet ein Radargerät zur Objektortung zum Patent für die (noch nicht so dringliche) Verkehrsüberwachung an. Es wird erst 30 Jahre später militärisch genutzt werden, weil es wegen des Anmeldethemas in Vergessenheit geraten war.
Der russische Pathologe I.P. Pawlow schafft mit seinen Versuchen an Hunden die Grundlagen der Theorie der bedingten Reflexe.
Die Flüssigkristalle werden entdeckt, mit der Sie heute an Ihrem Taschenrechner das Ergebnis von 1+1 blesen können.
Die Weltausstellung und die Olympischen Spiele finden in St. Louis / USA (letztere mit 94 Disziplinen) statt.
Die erste Fotographie wird von Arthur Korn von München nach Nürnberg telegraphiert.
In Paris wird am 21.5. die FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gegründet.
3.3. Kaiser Wilhelm II. bespricht eine "Edison-Walze" mit seinen Ansichten zum vorbildlichen Verhalten eines Deutschen und schafft somit das erste bis heute erhaltene politische Tondokument der Welt.
1905
15. Mai - Geburtsstunde der Stadt Las Vegas. In einer Freiluftauktion werden 44½ ha Land, parzelliert in 1.200 Grundstücke, im US-Bundesstaat Nevada an Spekulanten und Investoren versteigert. Die erste Siedlung wurde 1854 von den Mormonen gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte 1860 errichtete die US-Armee das Fort Baker. Dank seiner Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 $ einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, welche dieses aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 $ an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet.
1. April - Der Reichstag verabschiedet ein Gesetz über die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. Innerhalb von vier Jahren soll die Landstreitmacht um 10.000 Mann auf insgesamt rund 500.000 aufgestockt werden.
19. November - In Berlin wird der öffentliche Autobusverkehr aufgenommen. In der Nacht verkehren weiterhin Pferdebusse, nur am Tage werden die neuen Kraftomnibusse mit insgesamt 24 Sitzplätzen eingesetzt.
Albert Einstein berichtet über seine Spezielle Relativitätstheorie (siehe 1915).
Die Oper "Salome" von Richard Strauss kommt in Dresden zur Uraufführung
Das erste deutsche Kriegs-Unterseeboot läuft vom Stapel.
1906
15. März - Die zum Automobilbau entschlossenen Geschäftspartner Henry Royce und Charles Rolls lassen ihre neu gegründete Firma Rolls-Royce Limited in Manchester eintragen. Als erstes Modell wurde der 40/50 HP (1906–1925) auf einer öffentlichen Automobilmesse in London vorgestellt. Er kostete damals 305 Pfund. Das Fahrzeug verschaffte dem Unternehmen den Ruf, das beste Automobil der Welt zu bauen, da es einen neuen Langstreckenrekord aufstellte. Der erst ab 1907 als Silver Ghost bezeichnete Rolls-Royce 40/50 HP bewährte sich auch im Militäreinsatz. Der als „Lawrence von Arabien“ berühmt gewordene Lt. Col. T.E. Lawrence schrieb in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“ über dieses famose, zuverlässige Automobil: „Ein Rolls-Royce in der Wüste ist mehr wert als Rubine“. Ab 1911 trug er als Kühlerfigur den legendären „Spirit of Ecstasy“, eine Frauengestalt, für die Miss Eleanor Velasco Thornton dem Bildhauer Charles Sykes Modell gestanden haben soll. Der Ursprung der im deutschsprachigen Raum bekannten Bezeichnung „Emily“ für die Spirit of Ecstasy ist unbekannt. Eleanor Thornton jedenfalls wurde nie so genannt.
18. April - Um fünf Uhr morgens wurde die US-amerikanische Hafenstadt San Fransisco durch ein schweres Erdbeben erschüttert. Da die Telegrafenlinien und Wasserleitungen zerstört wurden, bekam die Feuerwehr die ausbrechenden Brände durch geborstene Gasleitungen nicht unter Kontrolle. 490 Straßenblöcke mit 28.130 Häusern im Stadtzentrum wurden vollständig zerstört. Über 225.000 Einwohner wurden obdachlos und mussten entweder mit Fähren die Stadt verlassen oder vorübergehend in einer Zeltstadt für 20.000 Einwohner im heutigen Golden Gate Park leben. In der größten Evakuierungsmaßnahme zur See vor Dünkirchen im 2. Weltkrieg wurden am 20. April insgesamt 20.000 Flüchtlinge mit der USS Chicago aus der Stadt transportiert. Die Stadt brannte vier Tage lang und wurde fast vollständig zerstört. Nationalgarde, Armee und Marine mussten eingesetzt werden, um Plünderungen zu verhindern und um die hunderttausend Flüchtlinge zu evakuieren. In den Flammen kamen etwa 3000 Menschen ums Leben.
Auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin am 3. Oktober wird SOS (drei kurz, drei lang, drei kurz: · · · − − − · · ·) als internationales Notrufzeichen festgelegt und nach der Bestätigung durch alle seefahrenden Nationen ab dem 1. Juli 1908 offiziell eingeführt.
Die Glühbirne mit Wolframfaden wird allgemein eingeführt (bislang wurden weniger haltbare Metallfäden benutzt).
Graf Ferdinand von Zeppelin legt mit seinem Luftschiff No.3 eine Strecke von 350 km (heil) zurück, und zwar in nur 6 Stunden.
16. Juli - Die Stuttgarter Elektrotechnik-Firma Robert Bosch führt eine neue Arbeitsordnung ein, in der eine achtstündige Arbeitszeit festgeschrieben ist. Darüber hinaus wird der 1.Mai zum arbeitsfreien Tag erklärt, allerdings ohne Lohnzahlung.
16. Oktober - Der arbeitslose Schuster Friederich Wilhelm Voigt beschlagnahmt als Hauptmann von Köpenick die dortige Stadtkasse.
Für seinen Coup hatte sich Voigt aus bei verschiedenen Trödlern erworbenen Teilen die Uniform eines Hauptmanns des preußischen 1. Garde-Regiments zu Fuß zusammengestellt. In dieser Verkleidung hielt er in einer ruhigen Gegend im Westen Berlins mittags zur Zeit desWachwechsels auf der Straße zwei Trupps mit Gardesoldaten an, unterstellte zehn Mann unter Hinweis auf eine nicht existierende Kabinettsorder „auf allerhöchsten Befehl“ seinem Kommando und fuhr mit ihnen in der Stadtbahn nach Köpenick, da es ihm, wie er den Soldaten erklärte, nicht möglich gewesen sei, „Kraftwagen zu requirieren“. Bei einem Zwischenhalt gab er den Männern Bier aus. Nach der Ankunft in Köpenick übergab er jedem Soldaten eine Mark und ließ sie auf dem Bahnhof zu Mittag essen. Anschließend erklärte er ihnen, er werde „den Bürgermeister und vielleicht noch andere Herren verhaften“. Sie marschierten dann zum Rathaus der damals noch selbstständigen Stadt Köpenick. Mit seiner Truppe besetzte Voigt das Gebäude, ließ alle Ausgänge abriegeln und untersagte den Beamten und Besuchern im Hause „jeglichen Verkehr auf den Fluren“. Sodann verhaftete er „im Namen Seiner Majestät“Oberstadtsekretär Rosenkranz und Bürgermeister Georg Langerhans wegen angeblich „unregelmäßiger Abrechnung bei Kanalarbeiten“, ließ sie in ihren
Dienstzimmern festsetzen und bewachen. Den anwesenden Beamten der Gendarmerie gab er den Befehl, die Umgebung abzusperren und für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen, wobei ersich „zur besseren Orientierung“ sogar eigens einen Gendarmen abstellen ließ. Den Kassenrendanten von Wiltburg wies er an, einen Rechnungsabschluss zu machen und erklärte ihm, den Bestand der Stadtkasse beschlagnahmen zu müssen. Nachdem das Geld, das in Teilen beim örtlichen Postamt abgehoben und herbeigeholt werden musste, abgezählt war, ließ er sich Beutel bringen, in die er es mit Hilfe des Rendanten, der die Beutel hielt und anschließend versiegelte, einfüllte. Der „beschlagnahmte“ Barbestand belief sich auf 3557,45 Mark (wobei 1,67 Mark zum Sollbestand des Kassenbuches fehlten). Eine vom Rendanten erbetene Quittung unterschrieb Voigt mit dem Nachnamen seines letzten Gefängnisdirektors („von Malzahn“) und dem Zusatz „H.i.1.G.R.“ („Hauptmann im ersten Garde-Regiment“). Schließlich ließ der falsche Hauptmann Langerhans und von Wiltburg in gemieteten Droschken unter militärischer Bewachung zur Neuen Wache nach Berlin bringen, nachdem er ihnen zuvor das Ehrenwort abgenommen hatte, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Presseberichten zufolge war es ihm zuvor auch gelungen, das Köpenicker Postamt für Telefonate nach Berlin eine Stunde lang sperren zu lassen. Erst nach dem Abtransport der Gefangenen konnten einige Stadtverordnete das Landratsamt telegrafisch in Kenntnis setzen. Nach Beendigung seiner Aktion gab der Hauptmann von Köpenick seiner Truppe den Befehl, das Rathaus noch eine halbe Stunde besetzt zu halten. Er selbst begab sich unter den Augen einer neugierigen Menschenmenge zurück zum Bahnhof. Im Bahnhofsrestaurant ließ er sich nach Zeitungsberichten „ein Glas Helles kredenzen, das er in einem Zuge leerte“, und verschwand mit der nächsten Bahn in Richtung Berlin. Kurz darauf beschaffte er sich bei einem Herrenausstatter zivile Kleidung. Zehn Tage später wurde er beim Frühstück verhaftet, nachdem ein ehemaliger Zellengenosse, der von Voigts Plänen wusste, der Polizei in Erwartung der hohen Belohnung einen Tipp gegeben hatte. Vom Landgericht II in Berlin „wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und am 16. August 1908 vorzeitig aus der Haftanstalt Tegel entlassen.
17- Oktober - Dem Münchener Elektrophysiker Arthur Korn gelingt es , ein Portrait von Kronprinz Wilhelm über eine Strecke von 1800 Kilometern telegrafisch zu übertragen. Mit dieser ersten "Bild-Telegrafie" wird die Grundlage gelegt für die spätere Entwicklung der Telekopie und des Fax.
Die Germania-Werft in Kiel baut das erste deutsche Unterseeboot, das 30 m tief tauchen kann.
1907
15. Juni - Der Internationaler Gerichtshof in Den Haag wird gegründet. Am 15. Juni 1907 beschließt die Zweite Haager Friedenskonferenz die Einrichtung eines ständigen Gerichtshofes zur Beilegung internationaler Konflikte. Sitz des Internationalen Gerichtshofes wird – und ist bis heute – Den Haag.
16. Juni - Auf Erlaß des Zaren Nikolaus II. wird am 16. Juni die russische Duma erneut aufgelöst, nachdem die Polizei in der Nacht zuvor mehrere sozialdemokratische und sozialrevolutionäre Abgeordnete verhaftet hat. Zugleich wird ein neues Wahlgesetz erlassen, das den Konservativen bei Neuwahlen die Mehrheit sichern soll.
1. Oktober - Im Deutschen Reich werden einheitlich angebrachte Kraftfahrzeugkennzeichen eingeführt. Die Kennzeichen wurden unter anderem zur Identifizierung wegen zunehmender Fahrerflucht und anderen Verkehrsdelikten im Straßenverkehr eingeführt und traten in 26 Ländern des Deutschen Reichs für 10.115 Pkw, 15.954 Krafträder und 957 Lkw in Kraft die damals zugelassen wurden. Die Kennzeichen begannen bei einigen größeren Ländern mit einer römischen Ziffer für das Land, I = Preußen, II = Bayern bis VI = Reichsland Elsaß-Lothringen – gefolgt von einem Buchstaben für den Verwaltungsbezirk – I A = Berlin, II A = München, III A = Stuttgart … – und zum Schluss einer Ziffernfolge. In Obersachsen erfolgte die Kennung entgegengesetzt: ohne Buchstabenfolge, lediglich über römische Ziffern von I bis V. Die Kennzeichen einiger kleinerer Staaten erhielten ihrem Namen entsprechend ein oder zwei Buchstaben, wie A für Anhalt gefolgt von einer römischen Ziffer. Darunter die freien Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, mit den Kennzeichen HB, HH, HL, die mit Unterbrechung in der Besatzungszeit bis heute erhalten blieben. Das heutige System wurde in der Bundesrepublik Deutschland am 1. Juli 1956 eingeführt und nach der Wiedervereinigung 1990 mit leichter Verzögerung am 1. Januar 1991 auch auf die neuen Bundesländer übertragen. Seit dem 1. November 2000 durften von den Zulassungsstellen nur noch die neuen Euro-Kennzeichen ausgegeben werden.
21. Oktober - In der Nähe von Heidelberg fanden Arbeiter in einer Kiesgrube einen guterhaltenen Unterkiefer eines Menschen aus der Vorzeit, der zur Gattung Homo erectus gezählt wird. Weitere Funde ergaben ein komplettes Skelett, das "Homo heidelbergensis" genannt wurde. Es handelte sich um den bis dahin ältesten Menschenfund in Europa. Die Fundstelle wurde 20 Jahre lang überwacht. Die gefundenen fossilen Knochen wurden systematisch bestimmt. Er nahm an, dass der Homo Heidelbergensis eine Spezies war, die nach dem Homo erectus folgte und aus der sich später der Neandertaler und der Homo sapiens entwickelten.
Bild: José-Manuel Benito Álvarez
16. November - Das ehemalige Indianer-Territorium Oklahoma wird als 46. Bundesstaat den Vereinigten Staaten von Amerika angegliedert. Das Wort Oklahoma stammt aus der Choctaw-Sprache: okla 'der Mensch' und humma 'rot', die Zusammensetzung bedeutet so viel wie „Das Land des roten Mannes“. Obwohl die Regierung 1880 offiziell eine Besiedelung des Landes durch die Weißen untersagte, kam es seitens der Bevölkerung immer wieder zu Übertretungen der Grenzen. Im Jahr 1885 wurden schließlich Verhandlungen mit den Muskogee und den Seminolen aufgenommen, die dazu führten, dass am 22. April 1889 ca 8094 km² Land für Siedler freigegeben wurden. Die Folge war der „Oklahoma Land Run“, bei dem innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Siedler in das Land strömten und sozusagen über Nacht Oklahoma City entstand. Bereits im Vorfeld hatten viele der neuen Siedler, die sogenannten „Sooners“ (engl. „soon“, von „früh“), ihre Claims abgesteckt, was dem Staat den Beinamen „Sooner State“ einbrachte.
Der US-Präsident Roosevelt erhält wegen seiner Schlichtung im russisch-japanischen Krieg den Friedensnobelpreis.
Hugo Junkers erfindet den Doppelkolbenmotor und Thomas Alva Edison das Betongußverfahren.
Die Farbspritzpistole wird erfunden.
Der erste senkrecht gestartete Helikopterflug des französischen Fahrradhändlers Cornu endet nach 30 Sekunden (Flughöhe: 30 cm) mit Totalverlust des Apparates.
Der erste Kreiselkompaß wird in einem Schiff eingebaut.
Der britische Physiker Lord Kelvin stirbt; er definierte den absoluten Nullpunkt und gab der thermodynamischen Temperaturskala seinen Namen.
1908
FBI wird gegründet -Die Behörde wurde ursprünglich als Bureau of Investigation (dt. „Ermittlungsbehörde“) am 26. Juli 1908 mit 34 sog. "Agents" durch Charles Joseph Bonaparte gegründet. Erst im Jahre 1934 wurde das Tragen von Schusswaffen offiziell erlaubt. Ab 1935 wurde das bis dahin genannte BI für die gesamten USA zuständig, womit es durch den Zusatz "Federal" seinen endgültigen Namen bekam. Das FBI ist für Verstöße gegen alle Bundesgesetze und für Verbrechen, in deren Zuge Staatsgrenzen innerhalb der USA überschritten werden, zuständig. Sein Einsatzschwerpunkt dient der Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz, Schutz vor terroristischen Aktivitäten, Unterstützung und Überwachung untergeordneter Behörden und Organisationen. Insgesamt umfasst der Tätigkeitsbereich mehr als 200 Verbrechenstypen. Die Bekämpfung und Verfolgung von Terrorismus, Drogenhandel, Gewalt-und Wirtschaftsverbrechen hat höchste Priorität. Zu den traditionellen Hauptaufgaben des FBI gehört auch die Aufklärung und Verfolgung von Spionage gegen die USA, so dass das FBI nicht nur eine Polizei- und Strafverfolgungsbehörde ist, sondern auch zur US-Nachrichtendienstgemeinde gehört. Mit der Aufgabe Spionageabwehr entspricht das FBI den deutschen Verfassungsschutzämtern, denen aber eigene Polizeibefugnisse fehlen. Seit den Anschlägen des 11. September kommt der Terrorismusbekämpfung größere Bedeutung im Aufgabenfeld des FBI zu.
Melitta Bentz gründet zusammen mit ihrem Mann Hugo das Unternehmen "Melitta", das die für die Erfinderin als Gebrauchsmuster geschützte Filtertüte wirtschaftlich verwerten soll. Das kaiserliche Patentamt erteilte am 20. Juni 1908 Gebrauchsmusterschutz, am 15. Dezember wurde das Unternehmen "Melitta" mit einem Eigenkapital von 73 Pfennigen in das Handelsregister eingetragen. Heute ist das von Melitta Bentz gegründete Unternehmen, die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG, eine internationale Gruppe mit 3.300 Beschäftigten, die von ihren Enkeln Thomas und Stephan geführt wird. Der Hauptsitz der Firma ist Minden.Um den Kaffeesatz im fertigen Kaffee zu vermeiden, experimentierte sie mit Löschblättern aus dem Schulheft ihres Sohnes, die sie in einen Messingtopf legte, dessen Boden sie mit Nägeln durchlöchert hatte. Als die Zubereitung von kaffeesatzfreiem Kaffee in ihrem Freundeskreis auf allgemeine Begeisterung stieß, entschloss sie sich, ihre Idee zu vermarkten.
Der erste Zeichentrickfilm wird in Paris vorgeführt. Er stammt von dem französischen Photographen und Karikaturisten Émile Cohl (1857-1938) und trägt den Titel "Fantasmagoria". Der aus 2.000 Einzelbildern bestehende Streifen hat eine Laufzeit von zwei Minuten.
Im internationalen Autorennen "rund um die Erde" New-York nach Paris gewinnt Hans Köppen nach 165 Tagen Fahrt auf einem Protos-Wagen (die Streckenführung ging quer durch Amerika und dann per Schiff nach Wladiwostok).
In der US-Autostadt Detroit läuft das erste Exemplar des Ford-T ("Tin Lizzy") aus der Montagehalle. Das Auto, das in Serienmontage hergestellt wird und für $ 850 verkauft wird, ist wenig später das erfolgreichste Auto in den Vereinigten Staaten.
Das Luftschiff Zeppelin No 4 explodiert in einer Windbö.
Das erste deutsche Motorflugzeug wird von August Euler (*1868, +1957) gebaut.
Londoner Zeitung "Daily Mirror" veröffentlichte das Bild eines Mannes, der am Tag zuvor in Paris Juwelen geraubt hatte. Ein Leser des "Daily Mirror" erkannte den in der Zeitung abgebildeten Dieb der daraufhin festgenommen wurde. Das Fahndungsfoto wurde erstmals per Bildtelegraf von Paris nach London übermittelt. Trotz des spektakulären Erfolges zeigte zunächst nur die Presse Interesse an der Bildtelegrafie Bei der deutschen Polizei wurde sie erst 1928 eingeführt. Der erste funktionstüchtige Bildtelegraf wurde 1847 von dem Engländer Bakewell konstruiert. Dabei wurde die zu übertragende Zeichnung mit nicht-leitender Tinte auf ein dünnes Metallblatt aufgetragen.
1909
13. Mai - In Mailand wird der erste Giro d’Italia gestartet, der nach acht zurückgelegten Etappen am 30. Mai wieder in Mailand enden wird. Der Giro d’Italia gilt heute als zweitwichtigstes Etappen-Radrennen der Welt. Der Herausgeber der Gazzetta dello Sport Eugenio Camillo Costamagna und die Redakteure Armando Cougnet und Tullo Morgagni waren, angeregt durch die Tour de France, die Initiatoren des ersten Giro. Die Finanzierung erfolgte mit Hilfe des italienischen Radsportverbands, des Corriere della Sera und verschiedener Firmensponsoren. Um 14:53 Uhr starteten in Mailand 127 Fahrer. 49 von ihnen erreichten dort am 30. Mai auch wieder das Ziel. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Gesamtsiegers Luigi Ganna, der auch drei Etappen zu seinen Gunsten entscheiden konnte, betrug 27,260 km/h. Die ebenfalls ausgetragene Teamwertung gewann das italienische Team Atala.
25. Juli - Der Franzose Louis Blériot überquert als erster Mensch fliegend den 33 Kilometer breiten Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien. Mit seinem selbstgebauten Flugzeug "Blériot XI" braucht er für die Strecke von Calais bis Dover 37 Minuten und 20 Sekunden, bei einer durchschnittlichen Flughöhe von 100 Metern. Blériot konnte damit den von der englischen Zeitung Daily Mail für die erste Kanalüberquerung ausgelobten Geldpreis von 1.000 Englischen Pfund, heute umgerechnet etwa 100.000 Euro, entgegennehmen. Dies war letztendlich die Lösung seiner finanziellen Probleme, da er praktisch sein ganzes Vermögen und auch das seiner Frau in seine Konstruktionen investiert hatte. Dieser
historische Flug leitete einen wahren Flugzeugboom ein. Über hundert Bestellungen für den Typ XI gingen unmittelbar nach dem Flug ein, hergestellt wurden letztlich insgesamt etwa 800 Stück. Blériot wurde somit zum ersten kommerziellen Flugzeughersteller.
12. Dezember - Der deutsche Chemiker der Bayer-AG, Fritz Hofmann, meldete das erste Patent zur Herstellung von Synthesekautschuk an. Das Patent wurde jedoch nicht genutzt, da Isopren-Kautschuk-Reifen nicht zu konkurrenzfähigen Preisen hergestellt werden konnten. Nach weiteren Forschungen entwickelte Hofmann Methylkautschuk, der sich als nicht lagerfähig erwies, weil er schnell oxydierte. Nach zahlreichen Versuchen wurde schließlich eine Lösung gefunden: Durch die Co-Polymerisation von Butadien und Styrol entstand ein Kautschuk, der sich in gleicher Weise für Reifen und technisch-verwendbare Gummiartikel eignete und dem Naturkautschuk ähnlich war. 1929 wurde dafür ein Patent erteilt, und am 5. Juli 1930 wurde der Kunst-Kautschuk auf "Buna" getauft sowie beim Reichspatentamt als Warenzeichen eingetragen.
In New York wurde die weltweit erste Filmzensur eingeführt. Nur wenige Jahre nach der Erfindung des Mediums zahlten jetzt Regisseure für jeweils 300 Meter begutachtetes Material 3,50 Dollar. Zur "Wahrung der öffentlichen Sittlichkeit" begutachtete fortan eine Komission jeden Film. Beanstandete Szenen mussten herausgeschnitten werden, ansonsten erhielt der Film ein nationales Aufführungsverbot. In der Argumentation gegen das immer populärer werdende Medium "Film" wurde die Zensur ins Leben gerufen, um dem Zerstreuungsangebot und der Bedienung der Schaulust Einhalt zu gebieten. Beides führe angeblich zu Realitätsverlust. Die im Film vermutete Gefahr der Verführung des Publikums, z.B. zur Vernachlässigung der eigenen politischen Interessen, der Flucht in Illusionswelten und der "Geistesverpöbelung" veranlasste schließlich die Schaffung der Zensur.
In Frankfurt/Main wurde die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet, die "Deutsche Luftschifffahrt Aktiengesellschaft" (DELAG). 1910 nahm die Gesellschaft erstmals den Passagierflugverkehr von Frankfurt nach Baden-Baden und nach Düsseldorf auf. Bis 1914 wurden auf 1.588 Flügen insgesamt 34.028 Personen ohne Unfälle befördert. Bereits vor Beginn des 1. Weltkrieges kaufte das Militär die meisten Zeppeline auf. Sie wurden vor allem gegen England eingesetzt, blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück, da sie den Jagdflugzeugen eine zu große Angriffsfläche boten.
1910
1. Februar - August Euler erhält die erste amtlich vorgeschriebene, international gültige Pilotenprüfung mit dem Flugzeugführerpatent „Deutschland Nr.1“. 1908 gründete Euler die "Euler-Flugmaschinenwerke" als erste deutsche Fabrik für Motorflugzeuge bei Darmstadt, erwarb die Lizenz für den Nachbau eines französischen Flugzeugtyps (Voisin-Doppeldecker) und gründete 1908 auf dem Truppenübungsplatz Griesheim bei Darmstadt den ersten Flugplatz Deutschlands. Auf seine Initiative kam am 10. Juni 1912 der erste amtliche Postflug zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt zustande.
19. Mai - Die Erde durchquert den Schweif des Halleyschen Kometen, was zahlreiche Menschen in Angst versetzt, weil Astronomen darin kurz zuvor das giftige Gas Dicyan entdeckt haben. Er ist sehr lichtstark und kehrt im Mittel alle 76 Jahre wieder. Zuletzt kam er 1986 in Erdnähe; seine nächste Wiederkehr wurde für das Jahr 2061 berechnet. Der Komet wurde nach dem Physiker Edmond Halley (1656–1742) benannt, der wegen seiner Verdienste um die Bahnbestimmung von Kometen 1720 königlicher Astronom und Leiter der Sternwarte in Greenwich wurde. Während das Auftauchen von Kometen bis zu dieser Zeit noch als unvorhersagbar galt, entdeckte Halley im Jahr 1705, dass der 1682 beobachtete Himmelskörper mit früheren Kometenerscheinungen identisch sein müsse, und sagte eine Wiederkehr für 1759 korrekt voraus.
Rückblickend wurde im Laufe der Zeit erkannt, dass der Komet seit 240 v. Chr. schon mindestens 25-mal beobachtet worden war. Eine der ersten bildlichen Darstellungen des Kometen findet sich auf dem Teppich von Bayeux (um 1070), die bekannteste ist vielleicht jene des Malers Giotto di Bondone (1266–1337), der den Kometen 1301 gesehen hat und ihn als Stern von Betlehem in dem Fresko Anbetung der Könige in der Cappella degli Scrovegni darstellte. Der Halleysche Komet war 1985 das Ziel von fünf Raumsonden der ESA, Japans und der Sowjetunion, teilweise in internationaler Absprache. Von diesen Sonden war die Giotto-Mission (benannt nach dem oben erwähnten mittelalterlichen Maler) die erfolgreichste, da ihr erstmals die direkte Beobachtung eines Kometenkerns gelang.
Der britische Polarforscher Robert Scott (1868-1912) bricht am 15. Juni zu seiner Expedition in die Antarktis auf. Damit beginnt der Wettlauf zwischen ihm und dem Norweger Roald Amundsen (1872-1928), der auf einer anderen Route ebenfalls den Südpol erreichen will.
Robert Edwin Peary erreicht am 6.4. als erster Mensch den Nordpol.
Fritz Hofmann gelingt die synthetische Herstellung von Kautschuk, eine Erfindung von militärstrategischer Bedeutung.
Der Franzose Louis Blériot fliegt mit einem Flugzeug in Ost-Westrichtung über den Ärmelkanal.
Die Firma General Electric startet die Vermarktung des ersten elektrischen Toasters.
Leo Baekeland bekommt den ersten massenhaft produzierten Kunststoff (Bakelit) patentiert.
20. Oktober - In Belfast läuft die "Olympic" der britischen White-Star-Linie vom Stapel. Das Schwesterschiff der RMS Titanic ist das einzige Schiff der Olympic-Klasse, das nicht einem Unglück zum Opfer fällt. Damals das mit 259 m Länge und 45.000 Bruttoregistertonnen größte Schiff der Welt bietet 850 Besatzungsmitgliedern Arbeit und 2.500 Passagieren Platz. In der Maschinenleistung und Höchstgeschwindigkeit bleibt der Luxus-Liner jedoch hinter der "Lusitania" zurück. Während des Ersten Weltkrieges diente die Olympic in den Jahren 1914 bis 1918 als Truppentransportschiff und überstand zwei besonders erwähnenswerte Kriegsereignisse: Im Oktober 1914, fuhr sie unbeschädigt durch ein Minenfeld um dem sinkenden Schlachtschiff HMS Audacious zu helfen. Am 12. Mai 1918, wurde in ca. 500 Meter Entfernung das deutsche U-Boot U 103 gesichtet, offensichtlich hatte die U-Boot-Besatzung den Dampfer nicht rechtzeitig bemerkt, um sich in optimale Angriffsposition zu bringen, und musste auf die rückwärtigen Torpedorohre zurückgreifen, welche aber nicht rechtzeitig feuerbereit waren. Kapitän Hayes ließ die Olympic Kurs auf U 103 nehmen, welches sich mit einem Nottauchmanöver zu retten versuchte. Doch der Dampfer rammte das Boot, seine Backbord-Schraube durchschlug den Druckkörper. Die Olympic ist damit das einzige Handelsschiff, welches jemals ein U-Boot versenken konnte. Dieser Vorfall mag als Vorbild für den Film „Assault on a Queen“ mit Frank Sinatra gedient haben.
14. November - Dem amerikanischen Flugpionier Eugene Burton Ely, gelingt erstmals der Start eines Flugzeuges von einer Plattform, die auf dem Kreuzer "USS Birmingham" errichtet worden war. Ely widmete sich ursprünglich dem noch in den Kinderschuhen steckenden Motorsport, bis er 1910 nach Portland zog wo er eine Anstellung als Vertreter bei einem Investor für einen der ersten Doppeldecker Flugzeuge fand. Er kaufte sich die Überreste eines Flugzeugwrack's reparierte es und lernte selbst das Fliegen. Als Teilnehmer mehrerer Flugshows, traf er auf Washington Chambers, der als Beauftragter für die Entwicklung der Marinefliegerei tätig war. Am 18. Januar 1911, landete Ely sein Flugzeug auf einer Plattform auf dem Panzerkreuzer "USS Pennsylvania", der in San Francisco vor Anker lag. Hierbei kam zum ersten Mal das von Hugh Armstrong Robinson entwickelte und noch gebräuchliche Fanghaken-System zum Einsatz.
1. Dezember - Eine Volkszählung im Deutschen Reich ergibt die Zahl von 64.925.993 Einwohnern. Das entspricht einer Steigerung von 7,1 Prozent seit 1905. Den größten Zuwachs verbuchte Hamburg mit 16,1 Prozent. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 120 Einwohnern pro Quadratkilometer. In den letzten 15 Jahren sind 130.000 Deutsche ausgewandert.
20. Dezember - Mit dem experimentellen Nachweis des Atomkerns gelang dem Wissenschaftler Ernest Rutherford eine der wichtigsten Entdeckungen der modernen Physik. Der Neuseeländer stellte bei seinen Versuchen fest, dass Alphateilchen (zweifach positiv geladene Heliumatome) beim Durchfliegen dünner Metallfolien von ihrer Bahn abgelenkt werden. Daher formulierte Rutherford die Annahme, dass das Atom "aus einer zentralen, punktförmig konzentrierten elektrischen Ladung besteht, die von einer gleichförmig sphärischen Ladungsverteilung des entgegengesetzten Vorzeichens und des gleichen Betrages umgeben ist". 1911 leitete der Physiker aus seinen Experimenten und Beobachtungen das erste Modell des Atomkerns ab. Bereits 1908 war er für die Entdeckung des Gesetzes des radioaktiven Zerfalls mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden.
Rassenunruhen in den USA, nachdem der Schwarze Jack Johnson Boxweltmeister im Schwergewicht wird.
Elektrische Waschmaschinen kommen in Gebrauch, ebenso Damenstrümpfe aus Kunstseide.



17. Juni - In Berlin beginnt unter Beratung von Konrad Duden, die 2. "Konferenz zur Vereinheitlichung der
deutschen Rechtschreibung". Am Ende der Konferenz einigen sich die Beteiligten auf ein amtliches Regelwerk für den Behördengebrauch in Deutschland, die Schweiz und Österreich. Die Ergebnisse der II. Orthographischen Konferenz werden in einem Wörterbuch manifestiert. Der „Duden” verbreitet damit die erste für den ganzen deutschen Sprachraum einheitlich geregelte amtliche Rechtschreibung. Zur Unterstützung seiner Arbeit stellt der Verlag von Konrad Duden redaktionelle Mitarbeiter zur Seite. Die Dudenredaktion ist geboren.
14. November - Der Wiener Arzt Karl Landsteiner gab seine Entdeckung der drei Blutgruppen
A, B und 0 bekannt. Ein Jahr später wurde die vierte und seltenste Blutgruppe
AB entdeckt. Die Entdeckung ermöglichte die Bluttransfusion, verbesserte damit
die Operationstechnik entscheidend und konnte in der Gerichtsmedizin etwa
für den Vaterschaftsnachweis oder die Identifikation von Blutflecken erfolgreich
angewandt werden. Bis dahin starben viele Menschen während einer Blutübertragung,
niemand wusste die Ursache. Landsteiner erhielt 1930 den Nobelpreis. Mit dem
Amerikaner Alexander Solomon Wiener entdeckte er 1940 das Rhesus-Faktor-System,
mit dessen Kenntnis Zwischenfälle bei der Blutübertragung endgültig vermeidbar
wurden.
Nach der Ermordung des US-amerikanischen Präsidenten William McKinley
wurde der Rechtsanwalt Theodore Roosevelt zum 26. US-amerikanischen Präsidenten
gewählt. Roosevelt war mit 42 Jahren das jüngste Staatsoberhaupt in der
Geschichte der USA. Roosevelt setzte die imperialistische Außenpolitik seines
Vorgängers fort. Roosevelt überlebte während seiner Amtszeit ein Attentat.
Er engagierte sich für die Kontrolle der südamerikanischen Staaten durch die
USA. Roosevelt setzte sich für die Fertigstellung des von Frankreich 1879
begonnenen Panamakanals ein. Für seine Bemühungen um die Beendigung des Russisch-Japanischen
Kriegs im Frieden von Portsmouth (1905) erhielt Roosevelt den Friedensnobelpreis.
21. März - Von sozialdemokratischer Seite wird im Reichstag die endgültige Abschaffung
der Sklaverei in den Kolonialgebieten gefordert. Offiziell bereits verboten,
ist die Sklaverei in den Kolonien dennoch weit verbreitet.
16. Juni - Henry Ford gründet in Michigan die Ford Motor Company, welche mit der Produktion des Ford Modell A den Kraftfahrzeugbau aufnimmt. Das ursprüngliche Modell A, war das erste Automobil, das von Ford im Jahr 1903 produziert wurde. 1.750 Autos von Modell A und seinen Nachfolgern AC und C wurden von 1903 bis 1905 gebaut. Das Auto wurde als zweisitziger Runabout oder viersitziges Tonneau-Modell angeboten, wahlweise mit Verdeck. Der 2-Zylinder-Boxermotor war mittig im Fahrzeug untergebracht und erzeugte 6 Kilowatt (8 PS). Über ein 3-Gang-Planetengetriebe wurden die Hinterräder angetrieben, wie später auch im Modell T. Das Auto wog 562 Kilogramm und hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h. Der Radstand war 72 Zoll (1,8 m). Es kostete 750 $ und konnte für 100 $ mit einem hinteren Sitz und einem Verdeck aus Gummi für 30 $ oder Leder für 50 $ ausgestattet werden. Für die Entwicklung hatte die Firma fast ihr gesamtes Ausgangs-Investitionskapital in Höhe von 28.000 $ ausgegeben. Auf dem Bankkonto waren nur 223,65 $ verblieben, als das erste Modell A verkauft wurde.
19. Juli - In Paris endet eine Rad-Rundfahrt durch Frankreich, die über sechs Etappen
in einem Zeitraum von drei Wochen führte. Sieger der ersten "Tour de France" der Geschichte wurde der favorisierte Franzose Maurice Garin mit einem Stundenmittel von 25,679 km/h. Er gewann die erste Etappe sowie zwei weitere und setzte sich in der Gesamtwertung schließlich mit dem größten Vorsprung der Geschichte vor dem zweitplatzierten Lucien Pothier durch. Von den 60 gestarteten Fahrern erreichten nur 21 das Ziel in Paris, der Letztplatzierte hatte einen Rückstand von beinahe 65 Stunden. Initiator der ersten Tour de France war der Jornalist und Zeitungsverleger Henri Desgrange er wollte eine Auflagensteigerung seiner Zeitung L’Auto. Ein Redakteur –Géo Lefèvre– machte am 20. November 1902 den Vorschlag einer Fahrradtour durch Frankreich in mehreren Etappen mit Ruhetagen dazwischen.
Der US-Senat ratifizierte den Hay-Herrán-Vertrag über die Rechte zum Bau
eines Kanals in der Landenge von Panama. Die USA erwarben für 40 Millionen
Dollar die Rechte an dem Projekt und vollendeten 1914 den Kanal in seiner
heutigen Form. Bereits 1534 gab Karl I. von Spanien ein Gutachten für einen
Kanalbau zur Verkürzung der Seestrecke durch Mittelamerika in Auftrag. Erst
1879 jedoch machte sich Frankreich unter Leitung des Suezkanal-Erbauers Ferdinand
de Lesseps an die Arbeit. Seit 1903 stand die Wasserstraße und eine mehrere
Kilometer breite Schutzzone im Umland unter amerikanischer Hoheit. Der damals
junge Staat Panama war damit faktisch in zwei Teile getrennt, ein Zustand,
der immer wieder zu Diskussionen führte. 1977 einigten sich der damalige US-Präsident
Jimmy Carter und der panamaische Machthaber Omar Torrijos auf die Übergabe
des Kanals an die mittelamerikanische Republik zum Ende des Jahres 1999.
21. September - Dr. August Oetker lässt sich das Verfahren zur Herstellung von Backpulver patentieren. Backpulver ist im Prinzip, ein Triebmittel das unter Einwirken von Wasser und Wärme gasförmiges Kohlenstoffdioxid im Teig freisetzt wodurch kleine Gasbläschen entstehen und der Teig aufgelockert wird. Das Backpulver an sich wurde bereits 1854 von Eben Norton Horsford erfunden, wobei er vom Bonner Unternehmer Ludwig Clamor Marquart unterstützt wurde, der das Backpulver als erster industriell produzierte. 1854 gründete Horsford die Rumford Chemical Work und ließ sich das von ihm verbesserte Mittel als "baking powder" patentieren. Da sich Backwaren (einschl. Brot) nun leichter industriell herstellen ließen und haltbarer waren, führte der einsetzende US-amerikanische Bürgerkrieg zu einer großen Nachfrage nach Backpulver. Der Erfolg des modernen Backpulvers begann schließlich mit August Oetker. Oetker entwickelte nicht nur die Rezeptur weiter, sondern vermarktete das Produkt auch geschickt dazu gehörte auch die Portionierung. Für 10 Pfennig erhielt die Hausfrau eine Portion Backpulver, die für 500 g Mehl genau ausreichte. Um die korrekte Menge zu bestimmen, hatte Oetker zahlreiche Backaktionen von seiner Frau durchführen lassen. Denn lediglich das genaue Verhältnis von Mehl zum Triebmittel hatte bis zu diesem Zeitpunkt das Backen ungemein erschwert. Ungenauigkeiten bei den anderen Zutaten wie Eier, Butter und Zucker ließen sich leichter verschmerzen. Ab 1893 füllte er sein Backpulver Backin ab, 1898 ging er zur Massenproduktion über, und am 21. September 1903 ließ er sich das entsprechende Verfahren patentieren. Noch heute wird das Backpulver von der Dr. August Oetker KG in unveränderter Rezeptur hergestellt.
1. Dezember - In Washington D.C. wird der erste Western der Filmgeschichte vorgeführt:
Der nur neun Minuten lange Streifen " Der Große Eisenbahnraub" wird zum Vorbild für
eine endlose Reihe von Western- oder "Cowboy"-Filmen, die weltweit gedreht
werden und bei denen es meist um den Kampf zwischen Gut und Böse geht - mit
einem Sieg des Guten am Ende.
17. Dezember - Den amerikanischen Gebrüdern Orville und Wilbur Wright gelangen bei Kitty
Hawk in North Carolina zum ersten Mal vier bemannte Flüge mit motorgetriebenen
Flugzeugen. Die Flüge mit ihrem Doppeldecker "Flyer I" dauern allerdings
nicht einmal eine Minute und der längste von ihnen legt eine von ca. 250 Metern
zurück. Nach zahlreichen Gleitflügen mit dem Doppeldecker-Gleiter in der Zeit von 1901 bis 1903, wovon der längste über 622,5 m bei 26 s Flugzeit war, beantragten die Wrights am 23. März 1903 ein Patent ihres Flugzeugentwurfs und entschlossen sich, den Apparat mit einem Motor auszurüsten. Die Wrights entwickelten einen Propeller mit einem hohen Wirkungsgrad und ließen, da nirgends ein geeignetes Triebwerk zu bekommen war, sich in der Fahrradfabrik von Charlie Taylor eins herstellen. In kürzester Zeit entstand ein gerade einmal 77 kg schwerer, wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Benzinmotor, der 12 PS abgab. Am Vormittag des 17. Dezember 1903 war es dann so weit, Orville Wright eroberte mit dem Flyer die Lüfte. Er war 12 Sekunden lang in der Luft und legte dabei 37 m zurück (10,8 km/h). Unmittelbar folgte Wilbur, jeder flog an diesem Tag zweimal. Wilbur gelang dabei ein Flug von 59 Sekunden und 260 Meter Flugstrecke (16 km/h). Die Flugmaschine maß 12,3 m in der Spannweite, 6,4 m in der Länge und 2,8 m in der Höhe, sie bestand aus Holz und einer Stoffbespannung, ihr Fluggewicht betrug 340 kg und der Pilot lag unverändert auf der unteren Tragfläche.
17. Februar - Die Uraufführung von Giacomo
Puccinis Oper „Madame Butterfly“ in der Mailänder Scala war nicht ungetrübt.
Sie erntete Zwischen- und Buhrufe. Erst im zweiten Anlauf, nachdem Puccini
die Oper erheblich gekürzt hatte, stellte sich triumphaler Erfolg ein. Bis
heute fehlt sie in keinem Opernrepertoire, Die sentimentale Musik, in die
Puccini Elemente traditioneller japanischer Musik einbaute, verhalf der japanischen
Tragödie um die Geisha Cho-Cho-San und den US-amerikanischen Offizier Linkerton
zu ihrer ungebrochenen Beliebtheit.
21. Mai - Repräsentanten von sieben europäischen Fussballverbänden
gründeten in Paris den internationalen Fußballverband FIFA (Fédération
Internationale de Football Association). Erster Präsident dieser Vereinigung
wurde der Franzose Robert Robert Guérm. England, das Mutterland des Fußballs,
blieb wegen der französischen Beteiligung der Gründung fern. Die englischen
Verbände hatten sich bereits 1863 zu einer Football Association zusammengeschlossen.
Die FIFA ist zuständig für die alle vier Jahre stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft
und die olympischen Fußballturniere. Die Mitgliederzahl beträgt mittlerweile
203. Sitz der Vereinigung ist Zürich.
16. Oktober - In Hamburg wird die älteste bekannte Fotopostkarte abgestempelt. Das
abgebildete Motiv ist ein unbekanntes Dorf. Die ersten auf privat-wirtschaftlicher
Basis hergestellten Karten wurden ab 1872 auf dem Postweg befördert. Etwa
1875 kam die erste Bildpostkarte auf den Markt, um 1914 traten endgültig
Fotos an die Stelle kunstvoller Grafik. Die Herstellung und der Vertrieb
der Bildpostkarten entwickelten sich zu einem florierenden Wirtschaftszweig.
In Deutschland, das zum Branchenführer aufstieg, wurden 1899 etwa 90 Millionen
Karten produziert.
18. Oktober - Auf der Berliner Museumsinsel wird das Kaiser-Friedrich-Museum eingeweiht. Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche Malerei und die Kunst der
Renaissance. Die von Wilhelm Bode (1845-1929) arrangierte Präsentation sorgt
für Aufsehen, denn in den einzelnen Räumen werden verschiedenartige Ausstellungsstücke
einer Epoche gezeigt.
15. Mai - Geburtsstunde der Stadt Las Vegas. In einer Freiluftauktion werden 44½ ha Land, parzelliert in 1.200 Grundstücke, im US-Bundesstaat Nevada an Spekulanten und Investoren versteigert. Die erste Siedlung wurde 1854 von den Mormonen gegründet, aber schon drei Jahre später wieder aufgegeben. Mitte 1860 errichtete die US-Armee das Fort Baker. Dank seiner Quellen wurde Las Vegas zu einem wichtigen Zwischenstopp für Wagentrecks und die Eisenbahn auf ihrem Weg zwischen Kalifornien im Westen und New Mexico im Osten. 1903 verkaufte die Rancherwitwe Helen Stewart für 55.000 $ einen Großteil ihres Farmgrundstücks an die Eisenbahngesellschaft, welche dieses aufgrund der regen Nachfrage parzellierte und am 15. Mai 1905 für insgesamt 265.000 $ an Spekulanten und Investoren versteigerte. Die Stadt Las Vegas war damit offiziell gegründet.
19. November - In Berlin wird der öffentliche Autobusverkehr aufgenommen. In der
Nacht verkehren weiterhin Pferdebusse, nur am Tage werden die neuen Kraftomnibusse
mit insgesamt 24 Sitzplätzen eingesetzt.
15. März - Die zum Automobilbau entschlossenen Geschäftspartner Henry Royce und Charles Rolls lassen ihre neu gegründete Firma Rolls-Royce Limited in Manchester eintragen. Als erstes Modell wurde der 40/50 HP (1906–1925) auf einer öffentlichen Automobilmesse in London vorgestellt. Er kostete damals 305 Pfund. Das Fahrzeug verschaffte dem Unternehmen den Ruf, das beste Automobil der Welt zu bauen, da es einen neuen Langstreckenrekord aufstellte. Der erst ab 1907 als Silver Ghost bezeichnete Rolls-Royce 40/50 HP bewährte sich auch im Militäreinsatz. Der als „Lawrence von Arabien“ berühmt gewordene Lt. Col. T.E. Lawrence schrieb in seinem Buch „Die sieben Säulen der Weisheit“ über dieses famose, zuverlässige Automobil: „Ein Rolls-Royce in der Wüste ist mehr wert als Rubine“. Ab 1911 trug er als Kühlerfigur den legendären „Spirit of Ecstasy“, eine Frauengestalt, für die Miss Eleanor Velasco Thornton dem Bildhauer Charles Sykes Modell gestanden haben soll. Der Ursprung der im deutschsprachigen Raum bekannten Bezeichnung „Emily“ für die Spirit of Ecstasy ist unbekannt. Eleanor Thornton jedenfalls wurde nie so genannt.
18. April - Um fünf Uhr morgens wurde die US-amerikanische Hafenstadt San Fransisco
durch ein schweres Erdbeben erschüttert. Da die Telegrafenlinien und Wasserleitungen
zerstört wurden, bekam die Feuerwehr die ausbrechenden Brände durch geborstene Gasleitungen nicht unter
Kontrolle. 490 Straßenblöcke mit 28.130 Häusern im Stadtzentrum wurden vollständig zerstört. Über 225.000 Einwohner wurden obdachlos und mussten entweder mit Fähren die Stadt verlassen oder vorübergehend in einer Zeltstadt für 20.000 Einwohner im heutigen Golden Gate Park leben. In der größten Evakuierungsmaßnahme zur See vor Dünkirchen im 2. Weltkrieg wurden am 20. April insgesamt 20.000 Flüchtlinge mit der USS Chicago aus der Stadt transportiert. Die Stadt brannte vier Tage lang und wurde fast vollständig
zerstört. Nationalgarde, Armee und Marine mussten eingesetzt werden, um
Plünderungen zu verhindern und um die hunderttausend Flüchtlinge zu evakuieren.
In den Flammen kamen etwa 3000 Menschen ums Leben.
Für seinen Coup hatte sich Voigt aus bei verschiedenen Trödlern erworbenen Teilen die Uniform eines Hauptmanns des preußischen 1. Garde-Regiments zu Fuß zusammengestellt. In dieser Verkleidung hielt er in einer ruhigen Gegend im Westen Berlins mittags zur Zeit desWachwechsels auf der Straße zwei Trupps mit Gardesoldaten an, unterstellte zehn Mann unter Hinweis auf eine nicht existierende Kabinettsorder „auf allerhöchsten Befehl“ seinem Kommando und fuhr mit ihnen in der Stadtbahn nach Köpenick, da es ihm, wie er den Soldaten erklärte, nicht möglich gewesen sei, „Kraftwagen zu requirieren“. Bei einem Zwischenhalt gab er den Männern Bier aus. Nach der Ankunft in Köpenick übergab er jedem Soldaten eine Mark und ließ sie auf dem Bahnhof zu Mittag essen. Anschließend erklärte er ihnen, er werde „den Bürgermeister und vielleicht noch andere Herren verhaften“. Sie marschierten dann zum Rathaus der damals noch selbstständigen Stadt Köpenick. Mit seiner Truppe besetzte Voigt das Gebäude, ließ alle Ausgänge abriegeln und untersagte den Beamten und Besuchern im Hause „jeglichen Verkehr auf den Fluren“. Sodann verhaftete er „im Namen Seiner Majestät“Oberstadtsekretär Rosenkranz und Bürgermeister Georg Langerhans wegen angeblich „unregelmäßiger Abrechnung bei Kanalarbeiten“, ließ sie in ihren
Dienstzimmern festsetzen und bewachen. Den anwesenden Beamten der Gendarmerie gab er den Befehl, die Umgebung abzusperren und für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen, wobei ersich „zur besseren Orientierung“ sogar eigens einen Gendarmen abstellen ließ. Den Kassenrendanten von Wiltburg wies er an, einen Rechnungsabschluss zu machen und erklärte ihm, den Bestand der Stadtkasse beschlagnahmen zu müssen. Nachdem das Geld, das in Teilen beim örtlichen Postamt abgehoben und herbeigeholt werden musste, abgezählt war, ließ er sich Beutel bringen, in die er es mit Hilfe des Rendanten, der die Beutel hielt und anschließend versiegelte, einfüllte. Der „beschlagnahmte“ Barbestand belief sich auf 3557,45 Mark (wobei 1,67 Mark zum Sollbestand des Kassenbuches fehlten). Eine vom Rendanten erbetene Quittung unterschrieb Voigt mit dem Nachnamen seines letzten Gefängnisdirektors („von Malzahn“) und dem Zusatz „H.i.1.G.R.“ („Hauptmann im ersten Garde-Regiment“). Schließlich ließ der falsche Hauptmann Langerhans und von Wiltburg in gemieteten Droschken unter militärischer Bewachung zur Neuen Wache nach Berlin bringen, nachdem er ihnen zuvor das Ehrenwort abgenommen hatte, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Presseberichten zufolge war es ihm zuvor auch gelungen, das Köpenicker Postamt für Telefonate nach Berlin eine Stunde lang sperren zu lassen. Erst nach dem Abtransport der Gefangenen konnten einige Stadtverordnete das Landratsamt telegrafisch in Kenntnis setzen. Nach Beendigung seiner Aktion gab der Hauptmann von Köpenick seiner Truppe den Befehl, das Rathaus noch eine halbe Stunde besetzt zu halten. Er selbst begab sich unter den Augen einer neugierigen Menschenmenge zurück zum Bahnhof. Im Bahnhofsrestaurant ließ er sich nach Zeitungsberichten „ein Glas Helles kredenzen, das er in einem Zuge leerte“, und verschwand mit der nächsten Bahn in Richtung Berlin. Kurz darauf beschaffte er sich bei einem Herrenausstatter zivile Kleidung. Zehn Tage später wurde er beim Frühstück verhaftet, nachdem ein ehemaliger Zellengenosse, der von Voigts Plänen wusste, der Polizei in Erwartung der hohen Belohnung einen Tipp gegeben hatte. Vom Landgericht II in Berlin „wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, wurde er von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und am 16. August 1908 vorzeitig aus der Haftanstalt Tegel entlassen.
15. Juni - Der Internationaler Gerichtshof in Den Haag wird gegründet. Am 15.
Juni 1907 beschließt die Zweite Haager Friedenskonferenz die Einrichtung eines
ständigen Gerichtshofes zur Beilegung internationaler Konflikte. Sitz des
Internationalen Gerichtshofes wird – und ist bis heute – Den Haag.
16. Juni - Auf Erlaß des Zaren Nikolaus II. wird am 16. Juni die russische Duma erneut aufgelöst,
nachdem die Polizei in der Nacht zuvor mehrere sozialdemokratische und sozialrevolutionäre
Abgeordnete verhaftet hat. Zugleich wird ein neues Wahlgesetz erlassen,
das den Konservativen bei Neuwahlen die Mehrheit sichern soll.
1. Oktober - Im Deutschen Reich werden einheitlich angebrachte Kraftfahrzeugkennzeichen eingeführt. Die Kennzeichen wurden unter anderem zur Identifizierung wegen zunehmender Fahrerflucht und anderen Verkehrsdelikten im Straßenverkehr eingeführt und traten in 26 Ländern des Deutschen Reichs für 10.115 Pkw, 15.954 Krafträder und 957 Lkw in Kraft die damals zugelassen wurden. Die Kennzeichen begannen bei einigen größeren Ländern mit einer römischen Ziffer für das Land, I = Preußen, II = Bayern bis VI = Reichsland Elsaß-Lothringen – gefolgt von einem Buchstaben für den Verwaltungsbezirk – I A = Berlin, II A = München, III A = Stuttgart … – und zum Schluss einer Ziffernfolge. In Obersachsen erfolgte die Kennung entgegengesetzt: ohne Buchstabenfolge, lediglich über römische Ziffern von I bis V. Die Kennzeichen einiger kleinerer Staaten erhielten ihrem Namen entsprechend ein oder zwei Buchstaben, wie A für Anhalt gefolgt von einer römischen Ziffer. Darunter die freien Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, mit den Kennzeichen HB, HH, HL, die mit Unterbrechung in der Besatzungszeit bis heute erhalten blieben. Das heutige System wurde in der Bundesrepublik Deutschland am 1. Juli 1956 eingeführt und nach der Wiedervereinigung 1990 mit leichter Verzögerung am 1. Januar 1991 auch auf die neuen Bundesländer übertragen. Seit dem 1. November 2000 durften von den Zulassungsstellen nur noch die neuen Euro-Kennzeichen ausgegeben werden.
21. Oktober - In der Nähe von Heidelberg fanden Arbeiter in einer Kiesgrube einen guterhaltenen
Unterkiefer eines Menschen aus der Vorzeit, der zur Gattung Homo erectus gezählt
wird. Weitere Funde ergaben ein komplettes Skelett, das "Homo heidelbergensis"
genannt wurde. Es handelte sich um den bis dahin ältesten Menschenfund
in Europa. Die Fundstelle wurde 20 Jahre lang überwacht. Die gefundenen fossilen
Knochen wurden systematisch bestimmt. Er nahm an, dass der Homo Heidelbergensis
eine Spezies war, die nach dem Homo erectus folgte und aus der sich später
der Neandertaler und der Homo sapiens entwickelten.
16. November - Das ehemalige Indianer-Territorium Oklahoma wird als 46. Bundesstaat den
Vereinigten Staaten von Amerika angegliedert. Das Wort Oklahoma stammt aus der Choctaw-Sprache: okla 'der Mensch' und humma 'rot', die Zusammensetzung bedeutet so viel wie „Das Land des roten Mannes“. Obwohl die Regierung 1880 offiziell eine Besiedelung des Landes durch die Weißen untersagte, kam es seitens der Bevölkerung immer wieder zu Übertretungen der Grenzen. Im Jahr 1885 wurden schließlich Verhandlungen mit den Muskogee und den Seminolen aufgenommen, die dazu führten, dass am 22. April 1889 ca 8094 km² Land für Siedler freigegeben wurden. Die Folge war der „Oklahoma Land Run“, bei dem innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Siedler in das Land strömten und sozusagen über Nacht Oklahoma City entstand. Bereits im Vorfeld hatten viele der neuen Siedler, die sogenannten „Sooners“ (engl. „soon“, von „früh“), ihre Claims abgesteckt, was dem Staat den Beinamen „Sooner State“ einbrachte.
FBI wird gegründet -Die Behörde wurde ursprünglich als Bureau of Investigation (dt. „Ermittlungsbehörde“) am 26. Juli 1908 mit 34 sog. "Agents" durch Charles Joseph Bonaparte gegründet. Erst im Jahre 1934 wurde das Tragen von Schusswaffen offiziell erlaubt. Ab 1935 wurde das bis dahin genannte BI für die gesamten USA zuständig, womit es durch den Zusatz "Federal" seinen endgültigen Namen bekam. Das FBI ist für Verstöße gegen alle Bundesgesetze und für Verbrechen, in deren Zuge Staatsgrenzen innerhalb der USA überschritten werden, zuständig. Sein Einsatzschwerpunkt dient der Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz, Schutz vor terroristischen Aktivitäten, Unterstützung und Überwachung untergeordneter Behörden und Organisationen. Insgesamt umfasst der Tätigkeitsbereich mehr als 200 Verbrechenstypen. Die Bekämpfung und Verfolgung von Terrorismus, Drogenhandel, Gewalt-und Wirtschaftsverbrechen hat höchste Priorität. Zu den traditionellen Hauptaufgaben des FBI gehört auch die Aufklärung und Verfolgung von Spionage gegen die USA, so dass das FBI nicht nur eine Polizei- und Strafverfolgungsbehörde ist, sondern auch zur US-Nachrichtendienstgemeinde gehört. Mit der Aufgabe Spionageabwehr entspricht das FBI den deutschen Verfassungsschutzämtern, denen aber eigene Polizeibefugnisse fehlen. Seit den Anschlägen des 11. September kommt der Terrorismusbekämpfung größere Bedeutung im Aufgabenfeld des FBI zu.
Melitta Bentz gründet zusammen mit ihrem Mann Hugo das Unternehmen "Melitta", das die für die Erfinderin als Gebrauchsmuster geschützte Filtertüte wirtschaftlich verwerten soll. Das kaiserliche Patentamt erteilte am 20. Juni 1908 Gebrauchsmusterschutz, am 15. Dezember wurde das Unternehmen "Melitta" mit einem Eigenkapital von 73 Pfennigen in das Handelsregister eingetragen. Heute ist das von Melitta Bentz gegründete Unternehmen, die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG, eine internationale Gruppe mit 3.300 Beschäftigten, die von ihren Enkeln Thomas und Stephan geführt wird. Der Hauptsitz der Firma ist Minden.Um den Kaffeesatz im fertigen Kaffee zu vermeiden, experimentierte sie mit Löschblättern aus dem Schulheft ihres Sohnes, die sie in einen Messingtopf legte, dessen Boden sie mit Nägeln durchlöchert hatte. Als die Zubereitung von kaffeesatzfreiem Kaffee in ihrem Freundeskreis auf allgemeine Begeisterung stieß, entschloss sie sich, ihre Idee zu vermarkten.
Der erste Zeichentrickfilm wird in Paris vorgeführt. Er stammt von
dem französischen Photographen und Karikaturisten Émile Cohl (1857-1938) und
trägt den Titel "Fantasmagoria". Der aus 2.000 Einzelbildern bestehende
Streifen hat eine Laufzeit von zwei Minuten.
In der US-Autostadt Detroit läuft das erste Exemplar des Ford-T ("Tin
Lizzy") aus der Montagehalle. Das Auto, das in Serienmontage hergestellt
wird und für $ 850 verkauft wird, ist wenig später das erfolgreichste Auto
in den Vereinigten Staaten.
13. Mai - In Mailand wird der erste Giro d’Italia gestartet, der nach acht zurückgelegten Etappen am 30. Mai wieder in Mailand enden wird. Der Giro d’Italia gilt heute als zweitwichtigstes Etappen-Radrennen der Welt. Der Herausgeber der Gazzetta dello Sport Eugenio Camillo Costamagna und die Redakteure Armando Cougnet und Tullo Morgagni waren, angeregt durch die Tour de France, die Initiatoren des ersten Giro. Die Finanzierung erfolgte mit Hilfe des italienischen Radsportverbands, des Corriere della Sera und verschiedener Firmensponsoren. Um 14:53 Uhr starteten in Mailand 127 Fahrer. 49 von ihnen erreichten dort am 30. Mai auch wieder das Ziel. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Gesamtsiegers Luigi Ganna, der auch drei Etappen zu seinen Gunsten entscheiden konnte, betrug 27,260 km/h. Die ebenfalls ausgetragene Teamwertung gewann das italienische Team Atala.
25. Juli - Der Franzose Louis
Blériot überquert als erster Mensch fliegend den 33 Kilometer breiten Ärmelkanal zwischen
Frankreich und Großbritannien. Mit seinem selbstgebauten Flugzeug "Blériot XI" braucht
er für die Strecke von Calais bis Dover 37 Minuten und 20 Sekunden, bei einer durchschnittlichen Flughöhe von 100 Metern. Blériot konnte damit den von der englischen Zeitung Daily Mail für die erste Kanalüberquerung ausgelobten Geldpreis von 1.000 Englischen Pfund, heute umgerechnet etwa 100.000 Euro, entgegennehmen. Dies war letztendlich die Lösung seiner finanziellen Probleme, da er praktisch sein ganzes Vermögen und auch das seiner Frau in seine Konstruktionen investiert hatte. Dieser
historische Flug leitete einen wahren Flugzeugboom ein. Über hundert Bestellungen für den Typ XI gingen unmittelbar nach dem Flug ein, hergestellt wurden letztlich insgesamt etwa 800 Stück. Blériot wurde somit zum ersten kommerziellen Flugzeughersteller.
12. Dezember - Der deutsche Chemiker der Bayer-AG, Fritz Hofmann, meldete das erste Patent
zur Herstellung von Synthesekautschuk an. Das Patent wurde jedoch nicht
genutzt, da Isopren-Kautschuk-Reifen nicht zu konkurrenzfähigen Preisen hergestellt
werden konnten. Nach weiteren Forschungen entwickelte Hofmann Methylkautschuk,
der sich als nicht lagerfähig erwies, weil er schnell oxydierte. Nach zahlreichen
Versuchen wurde schließlich eine Lösung gefunden: Durch die Co-Polymerisation
von Butadien und Styrol entstand ein Kautschuk, der sich in gleicher Weise
für Reifen und technisch-verwendbare Gummiartikel eignete und dem Naturkautschuk
ähnlich war. 1929 wurde dafür ein Patent erteilt, und am 5. Juli 1930 wurde
der Kunst-Kautschuk auf "Buna" getauft sowie beim Reichspatentamt als Warenzeichen
eingetragen.
In New York wurde die weltweit erste Filmzensur eingeführt. Nur wenige
Jahre nach der Erfindung des Mediums zahlten jetzt Regisseure für jeweils
300 Meter begutachtetes Material 3,50 Dollar. Zur "Wahrung der öffentlichen
Sittlichkeit" begutachtete fortan eine Komission jeden Film. Beanstandete
Szenen mussten herausgeschnitten werden, ansonsten erhielt der Film ein nationales
Aufführungsverbot. In der Argumentation gegen das immer populärer werdende
Medium "Film" wurde die Zensur ins Leben gerufen, um dem Zerstreuungsangebot
und der Bedienung der Schaulust Einhalt zu gebieten. Beides führe angeblich
zu Realitätsverlust. Die im Film vermutete Gefahr der Verführung des Publikums,
z.B. zur Vernachlässigung der eigenen politischen Interessen, der Flucht in
Illusionswelten und der "Geistesverpöbelung" veranlasste schließlich die Schaffung
der Zensur.
In Frankfurt/Main wurde die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet,
die "Deutsche Luftschifffahrt Aktiengesellschaft" (DELAG). 1910 nahm die
Gesellschaft erstmals den Passagierflugverkehr von Frankfurt nach Baden-Baden
und nach Düsseldorf auf. Bis 1914 wurden auf 1.588 Flügen insgesamt 34.028
Personen ohne Unfälle befördert. Bereits vor Beginn des 1. Weltkrieges kaufte
das Militär die meisten Zeppeline auf. Sie wurden vor allem gegen England
eingesetzt, blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück, da sie den Jagdflugzeugen
eine zu große Angriffsfläche boten.
1. Februar - August Euler erhält die erste amtlich vorgeschriebene, international gültige Pilotenprüfung mit dem Flugzeugführerpatent „Deutschland Nr.1“. 1908 gründete Euler die "Euler-Flugmaschinenwerke" als erste deutsche Fabrik für Motorflugzeuge bei Darmstadt, erwarb die Lizenz für den Nachbau eines französischen Flugzeugtyps (Voisin-Doppeldecker) und gründete 1908 auf dem Truppenübungsplatz Griesheim bei Darmstadt den ersten Flugplatz Deutschlands. Auf seine Initiative kam am 10. Juni 1912 der erste amtliche Postflug zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt zustande.
Rückblickend wurde im Laufe der Zeit erkannt, dass der Komet seit 240 v. Chr. schon mindestens 25-mal beobachtet worden war. Eine der ersten bildlichen Darstellungen des Kometen findet sich auf dem Teppich von Bayeux (um 1070), die bekannteste ist vielleicht jene des Malers Giotto di Bondone (1266–1337), der den Kometen 1301 gesehen hat und ihn als Stern von Betlehem in dem Fresko Anbetung der Könige in der Cappella degli Scrovegni darstellte. Der Halleysche Komet war 1985 das Ziel von fünf Raumsonden der ESA, Japans und der Sowjetunion, teilweise in internationaler Absprache. Von diesen Sonden war die Giotto-Mission (benannt nach dem oben erwähnten mittelalterlichen Maler) die erfolgreichste, da ihr erstmals die direkte Beobachtung eines Kometenkerns gelang.
20. Oktober - In Belfast läuft die "Olympic" der britischen White-Star-Linie vom Stapel.
Das Schwesterschiff der RMS Titanic ist das einzige Schiff der Olympic-Klasse, das nicht einem Unglück zum Opfer fällt. Damals das mit 259 m Länge und 45.000 Bruttoregistertonnen größte Schiff der
Welt bietet 850 Besatzungsmitgliedern Arbeit und 2.500 Passagieren Platz.
In der Maschinenleistung und Höchstgeschwindigkeit bleibt der Luxus-Liner
jedoch hinter der "Lusitania" zurück. Während des Ersten Weltkrieges diente die Olympic in den Jahren 1914 bis 1918 als Truppentransportschiff und überstand zwei besonders erwähnenswerte Kriegsereignisse: Im Oktober 1914, fuhr sie unbeschädigt durch ein Minenfeld um dem sinkenden Schlachtschiff HMS Audacious zu helfen. Am 12. Mai 1918, wurde in ca. 500 Meter Entfernung das deutsche U-Boot U 103 gesichtet, offensichtlich hatte die U-Boot-Besatzung den Dampfer nicht rechtzeitig bemerkt, um sich in optimale Angriffsposition zu bringen, und musste auf die rückwärtigen Torpedorohre zurückgreifen, welche aber nicht rechtzeitig feuerbereit waren. Kapitän Hayes ließ die Olympic Kurs auf U 103 nehmen, welches sich mit einem Nottauchmanöver zu retten versuchte. Doch der Dampfer rammte das Boot, seine Backbord-Schraube durchschlug den Druckkörper. Die Olympic ist damit das einzige Handelsschiff, welches jemals ein U-Boot versenken konnte. Dieser Vorfall mag als Vorbild für den Film „Assault on a Queen“ mit Frank Sinatra gedient haben.
14. November - Dem amerikanischen Flugpionier Eugene Burton Ely, gelingt erstmals der Start eines Flugzeuges von einer Plattform, die auf dem Kreuzer "USS Birmingham" errichtet worden war. Ely widmete sich ursprünglich dem noch in den Kinderschuhen steckenden Motorsport, bis er 1910 nach Portland zog wo er eine Anstellung als Vertreter bei einem Investor für einen der ersten Doppeldecker Flugzeuge fand. Er kaufte sich die Überreste eines Flugzeugwrack's reparierte es und lernte selbst das Fliegen. Als Teilnehmer mehrerer Flugshows, traf er auf Washington Chambers, der als Beauftragter für die Entwicklung der Marinefliegerei tätig war. Am 18. Januar 1911, landete Ely sein Flugzeug auf einer Plattform auf dem Panzerkreuzer "USS Pennsylvania", der in San Francisco vor Anker lag. Hierbei kam zum ersten Mal das von Hugh Armstrong Robinson entwickelte und noch gebräuchliche Fanghaken-System zum Einsatz.
20. Dezember - Mit dem experimentellen Nachweis des Atomkerns gelang dem Wissenschaftler
Ernest Rutherford eine der wichtigsten Entdeckungen der modernen Physik. Der Neuseeländer stellte bei seinen Versuchen fest, dass Alphateilchen (zweifach
positiv geladene Heliumatome) beim Durchfliegen dünner Metallfolien von ihrer
Bahn abgelenkt werden. Daher formulierte Rutherford die Annahme, dass das
Atom "aus einer zentralen, punktförmig konzentrierten elektrischen Ladung
besteht, die von einer gleichförmig sphärischen Ladungsverteilung des entgegengesetzten
Vorzeichens und des gleichen Betrages umgeben ist". 1911 leitete der Physiker
aus seinen Experimenten und Beobachtungen das erste Modell des Atomkerns ab.
Bereits 1908 war er für die Entdeckung des Gesetzes des radioaktiven Zerfalls
mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden.