Chronologische Weltgeschichte - Die Jahre 1991 - 2000
1991
17. Januar - Truppen aus 31 Staaten beginnen "Operation Desert Storm" die ihren seit Monaten angedrohten Angriff auf den Irak, um ihn zum Rückzug aus Kuwait zu zwingen. Irakisches Militär hatte das Scheichtum am 2. August 1990 besetzt. Intensive Vermittlungsbemühungen fruchteten nicht und so begann "Operation Desert Storm". Der Irak zog sich zurück und am 28. Februar wurden die Kämpfe beendet.
1. Februar - Vor dem Parlament kündigte der südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk an, innerhalb von fünf Monaten die wichtigsten Gesetze zur Rassentrennung aufzuheben. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren in dem afrikanischen Land systematisch immer weitere Gesetze eingeführt worden, um die schwarze Bevölkerungsmehrheit von der politischen und wirtschaftlichen Macht fernzuhalten. Ab 1986 verhängten viele westliche Staaten, darunter die USA, Sanktionen gegen Südafrika, um eine Aufhebung der Rassentrennung zu erreichen. Die Freilassung von Nelson Mandela 1990 nach mehr als zwanzig Jahren Haft und die Beendigung des bewaffneten Kampfes durch den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) läuteten das Ende der Apartheid ein.
21. März - Die Bundesregierung entscheidet sich gegen die Inbetriebnahme des Schnellen Brüters in Kalkar. Der Kernreaktor, der schwer spaltbares Uran 238 in das waffenfähige, hochgiftige und radioaktive Plutonium 239 umwandelt, wird nach einer Bauzeit von 18 Jahren und Baukosten von mehr als 7 Milliarden Mark stillgelegt. Ausschlaggebend für den Beschluss der Bundesregierung sind Sicherheitsbedenken und die jahrelangen Proteste der Bevölkerung gegen das Projekt.
21. Mai - Als erstes Bundesland führte Hamburg eine behördliche Genehmigung für die Züchtung und Haltung besonders aggressiver Hunderassen, wie zum Beispiel (Pit -)Bullterrier, ein. Der Besitz der umstrittenen Tiere wurde Vorbestraften, Drogensüchtigen und Zuhältern verboten. Nach verschiedenen Vorfällen mit Kampfhunden erfuhr die Regelung der Hundehaltung 2000 eine erhebliche Verschärfung. Damals war in Hamburg ein sechsjähriger Junge von einem Kampfhund angefallen und zu Tode gebissen worden. Daraufhin wurde in vielen Bundesländern z.B. eine Maulkorbpflicht für bestimmte Hunderassen eingeführt. Dagegen regte sich vehementer Protest unter den Hundehaltern.
Der Deutsche Bundestag beschließt nach langer kontroverser Debatte die Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin. 1994 wurde das Berlin/Bonn-Gesetz beschlossen. Ursprünglich sollten die Bundesministerien bereits 1995 nach Berlin umziehen, dieser Zeitplan konnte aber nicht eingehalten werden. Stattdessen erging ein Kabinettsbeschluss, in dem festgelegt wurde, dass der Umzug bis 2000 abgeschlossen sein sollte und ein Budget von 20 Milliarden DM (10,2 Milliarden EUR) nicht überschritten werden dürfe.
19. August - Konservative kommunistische Spitzenfunktionäre ließen über "Radio Moskau" verbreiten, dass Michail Gorbatschow aufgrund seiner "angegriffenen Gesundheit" seine Ämter niedergelegt habe. Während Gorbatschow in seinem Sommerhaus festgehalten wurde, bildeten die reformfeindlichen Putschisten ein "Notstandskomitee". Es beauftragte KGB-Soldaten mit der Verhaftung Boris Jelzins und der Erstürmung des Parlaments in Moskau. Als Panzer durch die Straßen rollten, bildete eine protestierende Menschenmenge einen Ring um das Parlamentsgebäude. In vorderster Front stand Jelzin, der den Putsch verurteilte und zum Generalstreik aufrief. Die Armee verweigerte die Befehle des "Notstandskomitees" und der Staatsstreich brach bereits nach drei Tagen in sich zusammen. Gorbatschow kehrte - wenn auch nur noch für kurze Zeit - in den Kreml zurück.
19.- 21. August - Der Putsch einiger Hardliner gegen den Sowjet Führer Michail Gorbatschow endet mit der Festnahme von sieben der Verschwörer. 3 Tage zuvor verkündete die Gruppe über "Radio Moskau", dass Gorbatschow erkrankt sei und daher von seinen politischen Ämtern befreit worden war. Gorbatschow selbst war zu Beginn des Putschversuches im Urlaub auf der Halbinsel Krim. Dort wurde er am Nachmittag des 18. August bis zum 21. August festgesetzt und isoliert, nachdem er seine Zustimmung zur Verhängung des Notstandes und die Übertragung seiner Vollmachten an den Vizepräsidenten verweigerte. Die reformfeindlichen Putschisten gründeten ein "Notstandskomitee". Es beauftragte KGB-Soldaten mit der Verhaftung Boris Jelzins und der Erstürmung des Parlaments in Moskau. Der Putsch war nicht erfolgreich, da es an Loyalität der Streitkräfte gegenüber den Putschisten fehlte. Somit konnte der Widerstand gegen den Putschversuch, der hauptsächlich vom Präsidenten Russlands Boris Jelzin aus dem Regierungsgebäude geführt wurde, nicht niedergeschlagen werden. Ein geplanter Angriff auf das Regierungsgebäude durch ALFA, die militärische Spezialeinheit des KGB, scheiterte, als die Mitglieder der Spezialeinheit einstimmig den Befehl verweigerten. Eine zur Regierungsseite übergelaufene Panzerschwadron umstellte das Regierungsgebäude, die Waffen nach außen gerichtet. Nach der Festnahme der gescheiterten Verschwörer kehrt Gorbatschow noch am selben Tag aus seinem Ferienhaus zurück. Die Führer des Putschversuches waren Mitglieder einer konservativen Junta des reaktionären Flügels der KPdSU, in deren Augen die wirtschaftliche Umgestaltung zu weit ging und eine rechte Abweichung vom Kommunismus seine Abschaffung bedeute. Weiterhin fürchteten sie, dass der von Gorbatschow neu ausgehandelte Unionsvertrag den Republiken zu viel Macht gebe. Obgleich der Putschversuch in nur drei Tagen scheiterte und Gorbatschow wieder eingesetzt wurde, machte das Ereignis Gorbatschows Hoffnungen hinsichtlich des Fortbestehens einer, wenn auch dezentralisierten, Staatenunion zunichte und beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion.
16. September - Die Schweiz schafft die Todesstrafe im Militärstrafrecht ab. Die letzte zivile Hinrichtung in der Schweiz war an dem dreifachen Mörder Hans Vollenweider im Kanton Obwalden vollzogen worden.Er wurde 1939
festgenommen und nachzahlreichen Gerichtsverhandlungen zum Tode verurteilt. Am 18.Oktober 1940wurde er in Sarnen durch eine Guillotine hingerichtet. Nicht einmal zwei Jahre später wurde am 1.Januar 1942 die Todesstrafe gänzlich für zivile Straftaten abgeschafft. Liberale Kantone, die die Todesstrafe bereits abgeschafft hatten, konnten einen Verfassungsartikel, der die Todesstrafe in der ganzen Schweiz verbot, durchsetzen. Es sollte aber noch weitere 50 Jahre dauern, bis die Todesstrafe auch im Militärstrafrecht abgeschafft wurde.
17. September - Linus Torvalds veröffentlicht die erste Version von Linux (Version 0.01) auf einem öffentlichen FTP-Server und schafft damit die Grundlage zur weltweiten Entwicklung dieses neuen Open-Source-Betriebssystems. Linus Torvalds kündigte im Juni 1996 ein Logo für Linux an: Den Pinguin. Entscheidend bei der Auswahl war 1993 ein Aquariumsbesuch in Canberra während einer Auslandsreise nach Australien. Der ursprüngliche Entwurf für Tux erfolgte dann ebenfalls 1996 durch Larry Ewing mit GIMP, einem freien Bildbearbeitungspaket das von Ewing entwickelt wurde. Heute assoziieren Menschen, die sich mit IT beschäftigen, den Pinguin mit dem freien Betriebssystem Linux. Ein oft gehörter Spruch lautet: „Da Pinguine nicht fliegen können, können sie auch nicht abstürzen“. Tux steht also auch für Stabilität.
19. September - Bergwanderer entdeckten im Schmelzwasser des Similaun-Gletschers in den Ötztaler Alpen die mumifizierte Leiche eines Mannes. Der Mann hatte in der Bronzezeit gelebt und sein Körper war rund 5300 Jahre im Eis bewahrt worden. "Ötzi" war 1,60 m groß, hatte einen Bart und welliges dunkelbraunes Haar. Er wog nur 45 kg, weil er Würmer hatte. Die zehren aus. Verlaust war er auch. Außerdem hatte er eine gebrochene Nase, ein paar Rippenbrüche, Gelenkarthrose, Gefäßverkalkung und einen Bandscheibenvorfall. In der Steinzeit war ein 40-Jähriger eben ein alter Mann. Aber perfekte Zähne hatte er. Nur ein bisschen abgekaut. Seine Kleidung war der alpinen Region angepasst: "Er hat eine Fellkleidung getragen, sehr sauber und sorgfältig genähte Fellkleidung, eine Art Hemd, dass seinen Oberkörper beschützte, einen Lendenschurz und zwei Beinlinge, die er mit Hilfe von zwei Strapsen am Gürtel befestigte. Und auf dem Kopf hatte er eine Bärenfellmütze und um die Schultern hatte er noch einen großen aus Grasblättern geflochtenen Mantel. Das war seine Grundkleidung. Dann führte er noch einen Rucksack mit sich. Das Holzgestell desselbigen hat sich auch noch erhalten, zwei Birkenrindengefäße, die er mit sich trug, und dann kommt noch die Werkzeug- und Waffenausrüstung, bestehend aus Bogen, aus einem Köcher voller Pfeilen, einem kleinen Feuersteindolch und einer Axt mit einer Kupferklinge." Um so viele Einzelheiten über den Toten aus der Kupferzeit herauszufinden, waren die raffiniertesten Untersuchungen nötig. Röntgen, Kernspintomographie und C-14-Analyse gaben Auskunft über Ötzis Körper. Um seine Lebensumstände zu erhellen, wurden wieder andere Methoden angewandt: "Es geht los bei den Pollen, die in seiner Kleidung drinsitzen, Getreidepollen. Die Botaniker der Universität Innsbruck haben sehr viele Pollenanalysen in den Moorgebieten in den Hochalpen durchgeführt und haben zeigen können, dass diese Weidewirtschaft praktisch im fünften Jahrtausend vor Christi Geburt schon einsetzt. Da tauchen gewisse Pflanzen auf, die vorher nicht üblich waren durch das Abwieden der Schafe und Ziegen." Diese Untersuchungen revidierte die Meinung, die man bisher über das Leben der prähistorischen Alpenbewohner hatte: "Bislang war man der Meinung, dass die Alpen hauptsächlich wegen dem Kupfer in den Metallzeiten besiedelt wurden. Heute neigt man mehr und mehr dazu, dass die Weiden hoch droben über der Waldgrenze eine große Rolle bei der Besiedlung der Alpen gespielt haben, am Anfang nutzte man das als Jagdgebiete im Mesolithikum, und dann, ab dem 6./5. Jahrtausend, als die Menschen zu Bauern wurden, hat man das als Sommerweiden benutzt." Bis heute hat die "Ötzi"-Forschung etwa 25 Millionen Mark gekostet und sie ist noch lange nicht abgeschlossen. Seine vorläufig letzte Ruhestätte hat der Tote vom Hauslabjoch inzwischen in Bozen gefunden. Das archäologische Landesmuseum wurde extra für ihn in ein neues Gebäude verlegt, in dem die Mumie unter perfekten Bedingungen aufbewahrt werden kann.
Neonazis überfallen in Hoyerswerda vietnamesische Strassenhändler und wenig später auch die Asylbewerber-Unterkunft und das Ausländerwohnheim der Stadt. Die Ausschreitungen sind der Auftakt zu einer Welle von ausländerfeindlichen Gewalttaten in allen Teilen der Bundesrepublik.
Ein australisches Biotechnik-Unternehmen gibt bekannt, dass es gelungen ist, ein für die Blaufärbung in Petunien verantwortliches Gen zu isolieren, was die Züchtung von blauen Rosen ermöglicht. Hierbei wird ein Gen, in dem ein bestimmter Biosyntheseschritt codiert ist, in eine andere Pflanze übertragen. In der Regel entfernt man hierbei allerdings nicht die Originalgene. Nach Angaben von Professor Dr. Joseph Mol von der Freien Universität Amsterdam gibt es die blaue Rose bald zu kaufen, denn die gentechnischen Erfolge mit blauen Nelken seien sehr erfolgsversprechend.
Mit ihrem Sieg im Finale des Tennisturniers von Manhattan Beach über Chris Evert wird Steffi Graf neue Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste der Damen und löst damit Martina Navrátilová ab. Sie wird diese Position 377 Wochen lang halten.
17.1.-27.2. Unter militärischer Führung der USA erobert eine aus 37 Nationen bestehende Armee der UNO das vom Irak besetzte Kuweit zurück. Die Verlierer verfahren nach dem bewährten Prinzip der verbranndten Erde und stecken 727 Ölquellen in Brand, die zu löschen ein ganzes Jahr dauern wird.
Am 13. März wird Erich Honecker in einer Nacht- und Nebelaktion von russischem Militär aus Berlin nach Moskau ausgeflogen, wo er sich in weitere ärztliche Behandlung begibt. Als diese abgeschlossen ist, wird er zum Verlassen des Landes aufgefordert und flüchtet sich am 12.12. in die Botschaft Chiles, wo er vergeblich um politisches Asyl nachsucht.
31.3. Der Warschauer Pakt wird aufgelöst. Die GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), deren Präsident Boris Jelzin wird, löst im Dezember mit 15 Mitgliedern die UdSSR ab, die für aufgelöst und Michail Gorbatschow für abgesetzt erklärt wird. Tschetschenien erklärt seine Unabhängigkeit von Rußland.
Die Staats- und Regierungschefs der EG beschließen auf ihrem Gipfeltreffen in Maastricht am 11.12. die Bildung der EU Europäischen Union.
Ausbruch des Bürgerkrieges in Jugoslawien durch die serbische Armee, die erst Slowenien und dann Kroatien überfällt. Verschiedene durch die EG vermittelte Waffenstillstände werden nicht eingehalten.
In Deutschland ist der Einsatz deutscher Soldaten in Kuweit - der erste Kriegseinsatz nach dem 2. Weltkrieg - heftig umstritten.
Der Bundestag votiert nach heftiger Debatte am 20.6. mit 388 gegen 320 Stimmen für Berlin als Hauptstadt Deutschlands.
Unter dem Beifall der Bevölkerung begehen rechtsradikale Jugendliche in Hoyerswerda Gewalttaten gegen Asylbewerber, die erst mit massivem Einsatz von Polizei und Bundesgrenzschutz und der Evakuierung der Betroffenen beendet werden können. In vielen Städten der Bundesrepublik kommt es zu regelrechten Hetzjagden auf Ausländer durch Rechtsextremisten.
Nach 18 Jahren Bauzeit und 7 mrd DM Investition entscheidet sich die Bundesregierung gegen die Inbetriebnahme des "Schnellen Brüters" in Kalkar.
30. April - Nach 28 Produktionsjahren rollt der letzte von der Treuhand mit DM 3.000 subventionierte "Trabbi" Trabant 601 in Zwickau vom Band (wurde seit 1964 produziert).
Der letzte seit 1959 bei der Bundeswehr eingesetzte Starfighter F 104 wird außer Dienst gestellt. Von den 700 bezogenen Maschinen sind über 250 im Übungsbetrieb abgestürzt, wobei viele Piloten ihr Leben verloren.
1. Oktober - Das Kappen der Telefon-, Strom- und Wasserversorgung ist Auftakt der Schlacht um Dubrovnik zwischen der Jugoslawischen Volksarmee und kroatischen Verteidigern der Stadt im Kroatienkrieg.
21. November - Nach 133 Tagen auf See erreicht Gérard d'Aboville nach seiner Pazifiküberquerung mit seinem Einmann-Ruderboot die amerikanische Westküste.
1992
18. Januar - Der amerikanische Regisseur Oliver Stone wird für seinen Film "JFK" mit dem "Golden Globe" ausgezeichnet. Der "Golden Globe" gilt als der wichtigste Filmpreis nach dem "Oscar". Mit seinem Film hatte Stone die Diskussion über die Hintergründe des Mordes an Präsident John F. Kennedy 1963 in Dallas erneut in Gang gebracht. Neue Antworten auf die zahllosen ungeklärten Fragen konnte der Film allerdings nicht geben.
Ein neues Gesetz erlaubt deutschen Verbrauchern, Folien und Kartonagen die Verkaufsverpackungen zusätzlich umhüllen, im Laden zurückzulassen. Der Händler muss die Umverpackungen einer Wiederverwendung zuführen. Die Bundesregierung will mit dieser Verordnung die rund 15 Mio. Tonnen Müll reduzieren, die jährlich in Deutschland anfallen.
19. August - Bei einer bundesweiten Aktion beantragten insgesamt 250 schwule und lesbische Paare bei den Standesämtern vergeblich das Aufgebot zur Eheschließung. Im Juli 1992 hatten der SVD (Schwulen- und Lesben Verband Deutschland) und die "Schwulen Juristen" zu der Aktion aufgerufen. Ziel war es primär, auf die rechtlose Situation gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften aufmerksam zu machen. Die Aktion entfachte eine immer noch andauernde öffentliche und politische Diskussion des Themas "Homoehe". 2001 trat das Lebenspartner-schaftsgesetz (LPartG) in Kraft, das die familienrechtliche Gleichstellung regelt, sich aber auch auf das Erb- oder Mietrecht bezieht. Eine standesamtliche Trauung wird für gleichgeschlechtliche Paare aber auch nach Inkrafttreten des Gesetzes unzulässig sein.
Vom Weltraumhafen Baikonur in Kasachstan startet die Rakete Sojus TM-14. Ziel: Die russische Raumstation MIR. An Bord befinden sich Alexander Viktorenko , Alexander Kaleri und erstmals ein Deutscher, der Flieger Klaus - Dietrich Flade. Es werden insgesamt 14 Experimente aus den Bereichen Medizin, Biologie, Physik und Materialforschung durchgeführt. Die Raumfahrer untersuchen unter anderem die thermodynamischen Eigenschaften verschiedener Substanzen. Außerdem werden Veränderungen im Erbgut (Chromosomenanalyse), der Schlaf - Wachrhythmus, physische und psychische Leistungsfähigkeit, die Funktion des Gleichgewichtsorgans, Merkleistung des Kurzzeitgedächtnisses, Verteilung von Körperflüssigkeit in Muskeln und Gefäßen sowie die Hormonregulation im menschlichen Organismus erforscht. Klade kehrt nach sechs Tagen wohlbehalten zur Erde zurück.
Schwere Rassenunruhen im amerikanischen Los Angeles (58 Tote), ausgelöst durch einen nachträglich erwiesenen Übergriff von weißen Polizisten gegen einen Schwarzen, den es zu überprüfen galt.
Weil der größte Teil der von der UNO organisierten humanitären Hilfe für das im Bürgerkrieg liegende Somalia von Rebellen gestohlen und der Bevölkerung vorenthalten wird, interveniert am 8.12. die UNO mit Truppen unter US-amerikanischer Führung. Auch Deutsche sind beteiligt.
Nachdem sich der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien immer mehr ausweitet und an Heftigkeit zunimmt, interveniert die UNO mit Truppen ohne aktiven Kampfeinsatz-Befehl.
In Südafrika verkündet Präsident Frederik de Klerk das endgültige Ende der Politik der Apartheid, der ANC-Präsident Nelson Mandela (Führer der schwarzen Opposition) bestätigt den gemeinsam getroffenen Beschluss, der auf der Grundlage eines Volksentscheids der weißen Bevölkerung zustandegekommen ist.
In Dänemark votiert die Bevölkerung mit einer ernüchternden Mehrheit von 50,7% gegen den Ausbau der EG zur EU; als Folge breitet sich in anderen EG-Mitgliedsstaaten Zweifel am Sinn und Zweck der EU aus. Der Maastrichter Vertrag vom 11.12.1991 gerät in Gefahr zu scheitern.
Die "Gauck-Behörde" nimmt ihre Arbeit auf. Sie verwaltet die STASI-Akten über den Großteil der Bürger der ehemaligen DDR. Betroffen sind mindestens 6 mio Personen. Ab dem 1.1. hat jeder von ihnen das gesetzlich verankerte Recht, sein eigenes Dossier einzusehen. Eine Reihe von Personen des sogenannten Öffentlichen Lebens ziehen sich aus diesem freiwillig zurück, nachdem sie von diesem Recht Gebrauch gemacht haben. Andere muß man erst auf diese Möglichkeit hinweisen.
Nach 232 Tagen Aufenthalt in der Moskauer Botschaft Chiles wird Erich Honecker an die deutschen Behörden ausgeliefert.
Nach mehrern gewalttätigen Übergriffen und Mordanschlägen Rechtsradikaler gegen in Deutschland lebende Ausländer, zuletzt mit drei Toten in Mölln, kommt es ab November zu nachhaltigen Sympathiekundgebungen und Protestaktionen der Bevölkerung gegen Ausländerhaß mit bis zu 300.000 Teilnehmern.
Mit Einweihung des letzten Teilstückes des Rhein-Main-Donau-Kanals wird der sechstlängste Kanal der Welt (Gesamtlänge 3.500 km von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer) fertiggestellt. Er geht zurück auf eine Konzeption von Karl I. (der Große), die damals (Ende des 8.Jhdt.) wegen technischer Probleme zwar begonnen, aber nicht zu Ende geführt werden konnte. Seine Wirtschaftlichkeit ist nachhaltig umstritten.
In den neuen Bundesländern der BRD nimmt die Unzufriedenheit über die Abwicklungspraktik der Treuhand-Gesellschaft zu. Man verdächtigt die West-BRD, die Ost-BRD aus Wettbewerbsgründen "totmachen" zu wollen. (Als sich später einschlägige Konkurse bei den westlichen Käufern herausstellen, erscheint weder dieser Verdacht unbegründet, noch könnte man sagen, die "Treuhand" hätte in allen Punkte ihrem Namen gemäß gehandelt).
12. April - Der erste Walt Disney-Vergnügungspark in Europa, das jetzige Disneyland Resort Paris, eröffnet in Marne-la-Vallée 30 Kilometer östlich von Paris.
19. Oktober - Die ehemaligen Bundestagsabgeordneten der Grünen, Petra Kelly und Gerd Bastian, wurden am 19.Oktober 1992 erschossen in ihrer Wohnung in Bonn aufgefunden. Nach den Ermittlungen der Polizei hatte Bastian zunächst seine Lebensgefährtin und dann sich selbst erschossen. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich um einen geplanten Tod der beiden Politiker oder um Mord handelte. Kelly gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Grünen und war eine der führenden Köpfe der deutschen Friedensbewegung der Siebziger und Achtziger Jahre. 1991 war sie bei den Wahlen für den Posten einer Vorstandssprecherin ihrer Partei klar gescheitert.
Aufgrund technischer Mängel stürzt eine Boing 747 Frachtmaschine der israelischen El Al in ein Wohnhaus bei Amsterdam und verwüstet zwei Hochhausblocks, in denen über 70 Menschen sterben. Als Ursache werden Ermüdungserscheinungen bei der Triebwerksaufhängung ermittelt.
1. November - In Frankreich trat ein Gesetz in Kraft, das das Rauchen an öffentlichen Plätzen verbietet, Zuwiderhandelnde müssen mit einem Bußgeld bis zu 6.000 Francs rechnen. Das Gesetz gibt auch Nichtrauchern in geschlossenen Räumen den Vorrang. In Betrieben oder in Lokalen darf nur in Raucherzonen geraucht werden. Auch Zigarettenwerbung wurde verboten. Seit der Einführung des Gesetzes fiel der Zigarettenkonsum erheblich. Rauchten 1992 noch 43,9 Prozent der französischen Bevölkerung, sind es jetzt nur noch 39 Prozent. Ob die abnehmenden Raucherzahlen auf das Gesetz zurückzuführen sind, ist allerdings unklar.
1993
1. Januar - Beginn des Europäischen Binnenmarktes: Innerhalb der EG werden fast alle Grenzkontrollen abgeschafft. Und die Zinsabschlagsteuer in Kraft
18. Januar - Deutschlands politisches Wochenmagazin "Der Spiegel" erhält Konkurrenz: In München erschien erstmals der "Focus" - bunt, mit kurzen Artikeln und anschaulichen Graphiken. Das Magazin hatte sich zur allgemeinen Überraschung schon bald auf dem Markt etabliert.
20. März - Der ostdeutsche Boxer Henry Maske schlug den seit 1987 amtierenden Titelverteidiger Charles Williams nach zwölf Runden und wurde neuer Weltmeister im Halbschwergewicht. Sein Sieg führte zu einer Renaissance des Boxsports in Deutschland. Maskes Karriere begann, als er als 13jähriger mit dem Spartakiasieg den größtmöglichen Erfolg in seiner Altersklasse erreichte. 1983 wurde er DDR-Meister und gewann bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille. 1989 wurde er Amateur-Weltmeister und wechselte 1990 ins Profilager. Maskes Art zu Boxen begeisterte das Publikum. In seinem letzten Profikampf am 23. November 1996 kam es zur ersten Niederlage seiner Karriere. Maske nahm Abschied vom Ring.
16. April - Der Solidarpakt trat in Kraft, nachdem der Bundesrat ihm zugestimmt hatte. Er war zuvor von Bundesregierung, SPD und den Ministerpräsidenten der Bundesländer zur Finanzierung der Deutschen Einheit ausgehandelt worden. Mit dem Bund-Länder-Finanzausgleich und der Einführung von 7,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Lohn- und Einkommenssteuer sollte der Solidarpakt realisiert werden. Seit 1995 erfolgen jährlich Finanztransfers von 56,8 Milliarden Mark nach "Ost" Deutschland.
1. Juli - In Deutschland werden die bisher gültigen vierstelligen Postleitzahlen durch fünfstellige ersetzt. Die Aktion bringt auch eine Vereinheitlichung des Postleit-Systems im wiedervereinigten Deutschland.
17. September - Der Vorstand des Daimler-Benz-Konzerns in Stuttgart kündigte Umsatzverluste in einer Höhe von 1,8 Milliarden Mark in drei von vier Unternehmensbereichen an. In der Konsequenz wurde ein Abbau von etwa 44.000 Arbeitsplätzen geplant, davon ca.35.000 in Deutschland.
Der russische Staatspräsident Boris Jelzin löste das russische Parlament auf und kündigte Neuwahlen für Dezember desselben Jahres an. Grund: Die Parlamentsmehrheit aus Kommunisten und Nationalisten widersetzte sich seinen Reformvorhaben. Mit der Auflösung des Parlaments beging Jelzin Verfassungsbruch. Seine Gegner weigerten sich, das Parlament zu räumen, und bereiteten einen Putsch gegen Jelzin vor. Doch Jelzin ließ im Oktober das Weiße Haus, das Moskauer Parlament, stürmen. Damit schaffte er es zwar, den Aufruhr zu ersticken, musste aber über hundert Tote in Kauf nehmen. Im Dezember 1993 fanden erstmals in Russland freie Wahlen mit mehreren konkurrierenden Parteien statt.
1. November - Trotz vehementer Proteste gegen die Maastricht-Kriterien trat der Vertrag zur Gründung der Europäischen Union in Kraft. Er besiegelte die stufenweise Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion in Westeuropa. Im Vertrag ist u.a. festgelegt, welche Qualifikationen die einzelnen EU-Länder zur Teilnahme erfüllen müssen. Diese Bedingungen sind in den Konvergenzkriterien geregelt. Die Verantwortung für die Geldpolitik wird ab diesem Zeitpunkt von den Zentralbanken der Länder auf die Europäische Zentralbank (EZB) übertragen. Diese ist politisch unabhängig und hat als wichtigstes Ziel die Sicherung einer stabilen Währung.
14. November - Für die Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur wurde als erstes nationales Mahnmal im vereinigten Deutschland die umgebaute Neue Wache in Berlin eingeweiht. Das Gebäude, das sich in Berlin am Boulevard "Unter den Linden" befindet, wurde vom preußischen Baumeister Karl Friedrich Schinkel in den Jahren von 1816 bis 1818 gebaut. Das Innere der "Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland" wurde nach Plänen der Architekten Heinz Hilmer und Christoph Sattler im Wesentlichen auf den Zustand von 1931 zurückgeführt. Auf persönlichen Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl wurde in der Mitte des Raumes ein vergrößerter Abguss der "Pieta" von Käthe Kollwitz aufgestellt.
Die politischen Verantwortlichen für die Todesschüsse von Soldaten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf so genannte Republikflüchtige an der inner-deutschen Grenze, mussten sich vor Gericht verantworten. Der ehemalige DDR-Verteidigungsminister Heinz Kessler (li), sein Stellvertreter Fritz Streletz (2.v.l) und der frühere Bezirkschef der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) von Suhl, Hans Albrecht (3.v.l), wurden vom Berliner Landgericht wegen Totschlags zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und siebeneinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die vorsätzliche Tötung von unbewaffneten Menschen, die die DDR verlassen wollten, ein Verstoß gegen völkerrechtlich geschützte Menschenrechte war.
In Andorra wird nach einer Volksabstimmung die erste demokratische Verfassung eingeführt. Rund 75% der Abstimmungsberechtigten stimmen der Ablösung des bisherigen Feudalsystems zu, dass über 700 Jahre lang die Regierung des kleinen Pyrenäenstaates stellte. Die neue Verfassung sieht ein Mehrparteiensystem und eine parlamentarische Demokratie vor, zudem werden erstmals Gewerkschaften zugelassen.
Das Strafverfahren gegen den todkranken Erich Honecker wird in Hinblick auf seinen Gesundheitszustand eingestellt, und man läßt ihn zu seiner Familie nach Chile ausreisen.
In Solingen fallen fünf türkische Frauen und Mädchen dem bisher folgenschwersten Brandanschlag aus Ausländerhaß und Rechtsextremismus zum Opfer.
In Schleswig-Holstein wird Heide Simonis erste weibliche Regierungschefin in Deutschland, nachdem Björn Engholm über die Barschel-Affäre gestolpert ist. Rudolf Scharping wird neuer SPD-Vorsitzender.
Die Bundespost führt neue 5-stellige Postleitzahlen ein.
Bei den Chemie-Werken Hoechst kommt es in weniger als zwei Monaten zu mindestens 8 Chemie-Unfällen. Auch die Geschäftsleitung des Unternehmens kann angesichts massenweiser Bergung verseuchter Erde die Pannen nicht weiter als harmlos schönen.
Der Bundestag billigt den Einsatz deutscher Soldaten unter UNO-Kommando in Somalia. Er ist auf humanitäre Aufgaben beschränkt und wird auch genau so durchgeführt, sagt Verteidigungsminister Rühe.
Im Herbst wird bekannt, dass in Deutschland gespendetes Blutplasma wohl aus Kostengründen nicht genauestens kontrolliert wurde und wird. Die Folge ist eine Verseuchung mehrerer tausend Blutempfänger mit dem AIDS-Virus. Eigentliche Ursache ist, dass Blutspenden durch klinisch so gut wie nie kontrollierte Privatfirmen eingebracht wurden. Da deren Aufgabe in Gewinnmaximierung und Kostenminimierung besteht, hätte man das eigentlich ahnen können.
Die weltranglistenerste Tennisspielerin Monika Seles wird beim internationalen Damenturnier in Hamburg bei einem Attentat durch einen Messerstich schwer verletzt.
Im US-Bundesstaat Texas belagert die US-Polizei ein Gelände der Davidianer-Sekte, weil sich diese geweigert hatte, auf Schusswaffen durchsucht zu werden. Am 51. Belagerungstag gewinnt die Polizei, weil sich die etwa 100 Sektenmitglieder selbst in die Luft sprengen.
Auch Österreich ist jetzt vom international operierenden Terrorismus erreicht: am 3.12. wird der Bürgermeister von Wien, Helmut Zilk, durch eine Briefbombe an der Hand schwer verletzt.
Jahr 1994
20. Februar - Die Schweizer beschliessen in einer Volksabstimmung, den Alpentransitverkehr bis 2004 vollständig auf die Schiene zu verlagern. 51,9 Prozent der Schweizer stimmten für die umweltfreundliche Initiative. Entgegen der Empfehlung des Bundesrates, der Schweizer Regierung, folgten 16 der 23 Kantone diesem positiven Votum. Die Schweiz ist Transitland auf dem Weg nach Italien. 1997 rollten mehr als sieben Millionen Lastwagen über die Alpen. Die meistbenutzte Strecke war dabei die Strecke über den Brennerpaß von Österreich nach Italien. Sie wurde von 1,2 Millionen LKW genutzt. Zuvor hatte die Schweiz jahrelang den Transit von Schwergüterverkehr verboten.
14. März - Der US-amerikanische Computerhersteller Apple-Macintosh stellt am 14. März sein neustes Modell vor: den "Power PC". Dabei handelte es sich um eine neue Generation von Personalcomputern. Das Herz des Rechners basierte auf dem neuentwickelten Prozessor Power-PC-601. Seine so genannte "RISC"-Technologie erhöhte die Geschwindigkeit des Prozessors durch beschleunigte Takt-Frequenzen und einen vereinfachten Befehlssatz. Durch den "Power-PC" wurde Apple-Macintosh erstmals durchgehend IBM-kompatibel. Das heißt, dass mit so genannten Emulationsprogrammen Software, die eigentlich für IBM-PC's geschrieben wurde, nun auch auf Apple-Macintosh-PC's ausgeführt werden konnte. Obwohl Kritiker den "Power-PC" lobten, fiel der Marktanteil Apple-Macintoshs auf unter zehn Prozent zurück.
22. April - Mit der Festnahme von Arno Funke, der zuvor als anonymer Kaufhauserpresser "Dagobert" Schlagzeilen gemacht hat, endet einer der am längsten dauernden Erpressungsfälle in Deutschland.
11.Juni - § 175 des Strafgesetzbuches wird aufgehoben, nach dem Homosexualität unter Strafe gestanden hatte. Diesem Beschluss war eine lange und erbitterte Diskussion vorausgegangen. Zum Schutz von Jugendlichen unter 16 vor sexuellem Missbrauch wurden aber gesetzliche Vorkehrungen getroffen.
21. September - Im Münchner Stadtteil Trudering stürzt ein Linienbus in einen sich plötzlich öffnenden acht Meter tiefen Krater, der durch Arbeiten an einem neuen U-Bahn-Tunnel entstand. Drei Menschen sterben, 36 Fahrgäste erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Im anschliessenden "Todeskrater-Prozess" standen fünf Bauingenieure und Poliere vor Gericht. Nach Ansicht der Verteidiger ist der massive Wasser- und Gerölleinbruch an der Baustelle nicht vorhersehbar gewesen, auch die Anwesenheit eines Ingenieurs hätte das Unglück nicht verhindern können. Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich die diensthabenden Bauleiter auf dem Oktoberfest.
16. November - der letzte Buß- und Bettag, als arbeitsfreier Feiertag. Um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung auszugleichen wird die Arbeitsfreiheit der Arbeitnehmer mit Wirkung ab 1995 getrichen. Lediglich im Freistaat Sachsen besteht er bis heute als gesetzlicher Feiertag weiter, dafür bezahlen in Sachsen abhängig Beschäftigte (nicht jedoch deren Arbeitgeber) einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als im restlichen Bundesgebiet.
17. November - Der Zeichentrick-Film "König der Löwen" hatte in Deutschland Premiere. Die Disney-Produktion, die in 26 Sprachen übersetzt wurde, spielte in den USA innerhalb von zehn Wochen 250 Millionen Dollar ein. Es wurde eine der erfolgreichsten Disney-Produktionen. Erstmals nach einer Original-Geschichte wurde von der abenteuerlichen Reise Simbas erzählt, der als Prinz die Nachfolge seines Vaters antreten soll. Er sucht seinen Platz im Kreislauf der Natur - immer in den Fussspuren seines Vaters, des großen Königs Mufasa. Für die Filmmusik erhielt der deutsche Komponist Hans Zimmer einen Oscar, einen Grammy und einen Golden Globe. Vom Soundtrack werden über acht Millionen Exemplare verkauft.
Die Finnen entscheiden sich in einer Volksabstimmung für einen Beitritt zur EU.
Im jugoslawischen Bürgerkrieg bombardieren amerikanische Flugzeuge erstmals serbische Stellungen und zwingen diese zum Rückzug aus der unmittelbaren Umgebung des eingeschlossenen Sarajewo.
Ein radikaler israelischer Siedler schießt mit einer automatischen Waffe in einer Moschee in Hebron in eine beim Morgengebet versammelte Menge Palästinenser und tötet dabei mindestens 50 von ihnen. Auch dieser Amoklauf kann den Friedensprozess in Nahost nicht unterbrechen.
In Ruanda entbrennt ein höchst blutiger Stammeskrieg zwischen Tutsi-Minderheit und Hutu-Mehrheit mit über 1 mio Opfern.
In Südafrika werden erstmals in der Landesgeschichte freie Wahlen für alle Bürger abgehalten, aus denen Nelson Mandela als Sieger hervorgeht und am 9.5. erster farbiger Präsident Südafrika's wird.
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts dürfen Besitz und Konsum "kleiner Mengen weicher Drogen" (Haschisch) nicht mehr verfolgt und bestraft werden, da die Schuld "in aller Regel" gering sei. Der Handel mit ihnen bleibt weiterhin verfolgungswürdiger Strafbestand.
Im Januar verliert der französische Frachter "Sherbo" (es hätte auch ein beliebiger anderer Frachter sein können) an der Antlantikküste einige Container mit "irgendwas" (da jederzeit immer "irgendwas" verloren worden war, gab es keinen Grund zu irgendeinem Alarm). Das Verlustgut stellt sich als hochgiftiges Pflanzenschutzmittel "Apron Plus" heraus, das wenig später an die Küstenstrände der Nordsee in wenig haltbarer Tütenform angespült wird. Wochenlang wird das giftige Treibgut von freiwilligen Helfern eingesammelt.
Über 900 Menschen kommen um, als die "Ro-Ro"-Fähre "Estonia" vor Finnland bei schwerer See voll Wasser läuft und innerhalb kürzester Zeit sinkt. Als Unglücksursache wird das Abreißen der Bugklappe vermutet (was schon 1987 zum Kentern der "Herald of Free Enterprise" geführt hatte).
Für die Astronomie wird es als Jahrtausendereignis gewertet, dass man den Einschlag des Kometen "Shoemaker-Levy9" auf dem Jupiter beobachten kann.
15. Dezember - Die Eisenhütten von Völklingen im Saarland kommen auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. 1873 gründete der Hütteningenieur Julius Buch bei Völklingen an der Saar ein Stahlwerk. Nach sechs Jahren musste er sein Werk schließen, da es sich wegen der hohen Zölle für das Roheisen nicht mehr für die Verhüttung rentierte. Im Jahr 1881 kam es unter Carl Röchling zu einem Neuanfang. Er kaufte die stillgelegten Anlagen, und zwei Jahre später konnte der erste Hochofen in Betrieb gehen. 1890 waren die „Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke“ der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands. 1986 wurden die Hochöfen der Völklinger Hütte stillgelegt und als Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Nach kontinuierlicher Instandsetzung und Begehbarmachung folgte die Nutzung als musealer Betrieb.
18. Dezember - Höhlenforscher entdecken nahe der südfranzösischen Stadt Vallon-Pont-d’Arc im Flusstal der Ardèche, die Chauvet-Höhle, die rund 30.000 Jahre alte Höhlenmalereien enthält. Sie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit zu Pilzbefall und damit zur Gefährdung der Malereien führen könnte. Nach überwiegender Meinung von Experten handelt es sich hier um die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien und Höhlenzeichnungen der Welt. Sie kann nur durch einen fast senkrecht nach unten verlaufenden Schacht erreicht, aber über eine Strecke von rund 500 Meter weitgehend leicht begangen werden. Deren horizontale Ausdehnung erstreckt sich über rund 240x100 Meter, sie umfasst vier große Säle von 15 bis 30 Metern Höhe, der größte Saal misst fast 40x60 Meter. Über mehr als 70m kann man die Fußspur eines etwa 12–13jährigen Heranwachsenden verfolgen, der von einem – ebenfalls barfüssigen – Erwachsenen begleitet war. Der Jugendliche schlug seine Brandfackel in regelmäßigen Abständen an die Höhlenwand, um die Helligkeit zu steigern. Die C14-Prüfung der Kohlereste ergab ein Alter von 26.000 Jahren: Die älteste derzeit datierbare menschliche Fußspur der Welt. Der hervorragende Erhaltungszustand der Kunstwerke und des Höhlenbodens verwehrt es zumindest für die nächsten Jahrzehnte, die Höhle für allgemeine Besuche zu öffnen. Derzeit ist eine Gruppe von 19 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen an der Arbeit, um der Höhle einige ihrer Geheimnisse zu entlocken. Die Arbeit vor Ort ist dabei sehr genau reglementiert und wird mittels Klimasensoren überwacht, um das vorhandene Höhlenklima nicht in Gefahr zu bringen.
Nach siebenjähriger Bauzeit eröffnen Königin Elisabeth II. von Großbritannien und Frankreichs Staatspräsident Mitterand den 50 km langen Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal.
Als erster Deutscher holt sich mit nur einem Punkt Vorsprung Michael Schumacher den Weltmeistertitel in der Formel 1.
Gestorben:
22.4.: der ehemalige US-Präsident Richard Nixon (*1913)
19.5.: Jaqueline Kennedy-Onassis (*1929)
29.4.: der ehem. Staats- und Parteichef der ehem. DDR Erich Honecker (*1912)
1995
17. Januar - Nur 20 Sekunden dauerte das Erdbeben in Kobe/Japan, das mit der Stärke 7,2 auf der nach oben offenen Richterskala gemessen wurde. Betroffen war der japanische Ballungsraum Osaka/Kobe. Bei dieser Naturkatastrophe kamen 5.200 Menschen ums Leben. 27.000 Menschen wurden verletzt. Daneben zog das Erbeben eine Beschädigung von 56.000 Gebäuden nach sich und war seit 1923 die stärkste gemessene seismische Aktivität.
21. Februar - Dem Ballonfahrer Steve Fossett gelingt als Erstem die Überquerung des Pazifik in einem Ballon. Nach viertägiger Fahrt landet der in Südkorea gestartete Abenteurer und Milliardär in der kanadischen Provinz Saskatchewan.
Mississippi ratifiziert am 16. März 1995 als letzter US-Bundesstaat den 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten zur Abschaffung der Sklaverei, nachdem es die Ratifizierung 1865 abgelehnt hat.
Der 13. Artikel lautet:
- Weder Sklaverei noch Zwangsarbeit, ausgenommen als Strafe für ein Verbrechen aufgrund eines rechtmäßigen Urteils, sollen in den Vereinigten Staaten von Amerika und allen Orten, die ihrer Rechtsprechung unterliegen, existieren.
- Der Kongress erhält die Befugnis, diesen Zusatz mit angemessenen Gesetzen durchzusetzen
16. Mai - In Tokio nahm die Polizei den Gründer und Anführer der radikalen Aum-Shinrikyo-Sekte, Shoko Asahara, fest. Der Guru der 1987 ins Leben gerufenen Sekte "Höchste Wahrheit" wurde für Giftgasanschläge auf die Tokioter U-Bahn verantwortlich gemacht. Dabei waren am 20. März 1995 zwölf Tote und mehr als 5500 Verletzte dem Nervengas Sarin zum Opfer gefallen. Bei einem zweiten Attentat nur einen Monat später wurden 300 Menschen im Hauptbahnhof von Yokohama verletzt. Asahara und neun seiner Jünger wurden des Mordes angeklagt. Shoko Asaharas Aum-Bewegung gehört zu den reichsten Religionsgemeinschaften Japans. Der Glaube der Sekte basiert auf einer Endzeitlehre: Der Apokalypse sollen nur 20 Prozent der Menschen entgehen und in ein besseres Leben eintreten können.
16. Mai - Das Bundesverfassungsgericht erklärt in seinem Kruzifix-Beschluss Teile der Bayerischen Volksschulordnung für verfassungswidrig, wonach in jedem Klassenzimmer der Volksschulen in Bayern ein Kruzifix oder zumindest ein Kreuz anzubringen sei. Beschwerdeführend waren drei Schüler sowie deren Eltern, die Anhänger der anthroposophischen Weltanschauung und gegen eine christliche Einwirkung auf ihre Kinder durch die Kruzifixe waren. Das Gericht sah die durch das Grundgesetz uneingeschränkt gewährte Religions- und Glaubensfreiheit der Schüler aus Art. 4 GG verletzt, hier die sog. negative Glaubensfreiheit. In diese dürfe der einfache (Landes-)Gesetzgeber nicht im Rahmen sonst oft vorhandener Grundrechtsschranken eingreifen. Darüber hinaus hob das Gericht hervor, dass der Staat nicht nur eine religiöse Neutralitätspflicht aus der Verfassung habe (Art. 4 GG und Art. 140 GG, Art. 137 Abs. 1 Weimarer Reichsverfassung). Er könne sich vielmehr nicht selbst auf Religionsfreiheit oder eine bestimmte Weltanschauung berufen (hier also die christliche), da ein Staat als solches weder einer Religion angehören, noch Grundrechte für sich in Anspruch nehmen kann.
17. Juli - GPS, das satellitengestützte Navigations-system zur weltweiten Positionsbestimmung, erhält offiziell den Status volle Betriebsbereitschaft 24 Satelliten kreisen ständig in Bahnen mit einen Abstand von ca. 20.000 Kilometer um den Mittelpunkt der Erde. Es wurde seit den 1970er-Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt und löste ab etwa 1985 das alte Satellitennavigationssystem NNSS der US-Marine ab, ebenso die Vela-Satelliten zur Ortung von Atombombenexplosionen. GPS war ursprünglich zur Positionsbestimmung und Navigation im militärischen Bereich (in Waffensystemen, Kriegsschiffen, Flugzeugen) usw. vorgesehen. Ein Vorteil ist dabei, dass GPS-Empfänger nur Signale empfangen und nicht senden. So kann navigiert werden ohne dass der Feind Informationen über den eigenen Standort erhält. GPS ist seit Mitte der 1990er-Jahre voll funktionsfähig und stellt seit der Abschaltung der künstlichen Signalverschlechterung (Selective Availability) im Mai 2000 auch für zivile Zwecke eine Ortungsgenauigkeit in der Größenordnung von oft besser als 10 Meter sicher. Die Genauigkeit lässt sich durch Differenzmethoden auf Zentimeter steigern, für spezielle Anwendungen in der Geodäsie lassen sich auch noch genauere Messungen erzielen. GPS hat sich als das weltweit wichtigste Ortungsverfahren etabliert und wird in Navigationssystemen weitverbreitet genutzt.
Im jugoslawischen Bürgerkrieg bilden die UN-Truppen eine Schnelle Eingreiftruppe zum Schutz der eigenen Soldaten, die zeitweise von den Serben als lebende Schutzschilder in Geiselhaft benutzt werden. Nach verschiedenen serbischen Überfällen auf UN-Schutzzonen löst ein Granatenangriff auf den Markt von Sarajewo die bis dahin schwersten Bombenangriffe der Nato gegen serbische Stellungen aus. Sie führen zu serbischer Verhandlungsbereitschaft.
11. September - Die HMS Queen Elizabeth 2, das Flaggschiff der Cunard-Line, wird von einem Kaventsmann getroffen, eine außergewöhnlich hohe, meist einzelne ozeanische Wasserwelle. Mit Höhen von über 25 Metern werden solche Monsterwellen etwa doppelt so hoch wie gewöhnliche hohe Wellen auf See. Durch diese enorme Höhe und ihr plötzliches Auftreten stellen Monsterwellen selbst für große Schiffe eine Gefahr dar. Der Vorfall verläuft glimpflich, führt jedoch dazu, dass Freakwaves oder Kaventsmänner nicht mehr als Seemannsgarn abgetan, sondern wissenschaftlich ernst genommen werden.
21. November - Ein Friedensabkommen für Bosnien kam zustande: Bosnien blieb ein einheitlicher, zentral regierter Staat, wurde aber strukturell geteilt in eine serbische Republik und eine kroatisch-moslemische Föderation. Darauf einigten sich die Präsidenten Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens und Serbiens unter Vermittlung der USA im amerikanischen Dayton. Der Krieg war im April 1992 unmittelbar nach der Anerkennung Bosnien-Herzegowinas als souveräner Staat aus. Er forderte mindestens 200.000 Tote und noch mehr Verletzte, ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung wurde ausgelöscht. Über 50 Prozent der Gebäude wurden zerstört und weite Landstriche vermint. Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch lagen über 95 Prozent des Landes brach.
Auf dem Mannheimer Parteitag der SPD wird Oskar Lafontaine überraschend zum Parteivorsitzenden gewählt. Der saarländische Ministerpräsident hatte sich gegen den bisherigen Parteichef Rudolf Scharping gestellt und zum ersten Mal wurde ein amtierender Parteiführer abgewählt.
Am 21. November wird der durch den US-Amerikaner Richard C. Holbrooke mühevoll ausgehandelte Friedensvertrag für Bosnien-Herzegowina im amerikanischen Dayton unterzeichnet. Er beendet den seit 1991 ausgetragenen Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. An der internationalen Friedenstruppe der UNO werden auch 4.000 deutsche Soldaten beteiligt.
In 7 der 15 Staaten der EU Europäischen Union fallen die Grenzschranken zugunsten eines ungehinderten und unkontrollierten Verkehrs. Die Regelung gilt für die "Schengen-Staaten" (nach dem Abkommen im gleichnamigen luxemburgischen Ort von 1985) Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Spanien.
In Frankreich tritt Jaques Chirac die Nachfolge des zurückgetretenen schwerkranken Francois Mitterand an. Chirac verantwortet die neuerlichen Atombombentests in Mururoa und die vorübergehende Aussetzung des Schengener Abkommens über den freien Grenzverkehr, als Frankreich unter einer Serie von Bombenanschlägen zu leiden hat.
Die Steuerlast der Bundesbürger ist auf über 44% gestiegen. Von 1991 bis 1995 sind für die "Aufbauhilfe Ost" etwa eine Billion DM von den alten in die neuen Bundesländer geflossen. Der Schuldenberg des Bundes beträgt zu Jahresbeginn mehr als eine Billion DM. Erst im Juli wird zwischen Bundestag und Bundesrat ein Kompromiss zur Steuerentlastung ausgehandelt.
Bundesgesundheitsminister Seehofer setzt wegen der BSE-Seuche in England ("Rinderwahnsinn") ein Importverbot englischen Rindfleischs durch.
Der gegen den nachhaltigen Protest von Atomgegnern durch starke Polizeikräfte geschützte Transport von Atommüll des Kernkraftwerks Philippsburg ins 580 km entfernte Zwischenlager Gorleben mit dem eigens hierfür konstruierten Transportbehälter "Castor" kostet den Steuerzahler 55 mio DM, also etwa 100.000 DM je km.
Mit Erstaunen registriert die deutsche Bevölkerung, wie Vater Peter des Tennisprofis Steffi Graf wegen Verdachts der Steuerhinterziehung eingesperrt und auch gegen Kautionsangebot einfach nicht mehr freigelassen wird.
Ein schweres Erdbeben zerstört große Bereiche der japanischen Stadt Kobe und fordert weit über 5.000 Tote; es wären weit mehr geworden, wenn das Beben nicht zu nachtschlafener Zeit kurz vor 6:00 Ortszeit stattgefunden hätte.
Weit über 2.000 Opfer fordert ein Beben auf der russischen Insel Sachalin.
Die 1989 gestartete deutsch-amerikanische Raumsonde "Galileo" erreicht den Jupiter und setzt am 13.7. die Tochtersonde "Probe" ab, die in einem 75minütigen Fallschirmflug in dessen Atmosphäre eindringt und bis zum Verglühen niederschwebend Daten und Bilder funkt. Danach wird Galileo in eine Umlaufbahn gelenkt, in welcher der Satellit bis 1997 verbleiben und Daten schicken wird.
Im Juni dockt in einem ersten gemeinsamen Raumfahrtprogramm seit 1975 das amerikanische Shuttle "Atlantis" bei einer Umlaufgeschwindigkeit von 28.150 km/h handgesteuert an die russische Raumstation "Mir" an. An Bord der Kombination befinden sich jetzt 5 Tage lang 10 Astronauten.
660 km südlich von Kairo wird die bislang größte Grablege ägyptischer Pharaonen im "Tal der Könige" durch den amerikanischen Archäologen Kent Weeks entdeckt. Die 67 Grabkammern "der Prinzen" waren vermutlich für 50 Söhne des 1224 v. Chr. gestorbenen 90jährigen Ramses II. bestimmt. Weeks vermutet weitere 100 Grabkammern in einem noch nicht entdeckten Untergeschoss der Fundstätte.
1996
Der norwegische Supertanker Sea Empress, der unter liberischer Flagge fuhr, lief vor der Küste von Wales auf Grund. In den nächsten Tagen verlor der 133.000-Tonnen-Tanker ca. 70000 Tonnen Rohöl. Es wurde in einem 40 km langen Ölteppich auf das Meer hinausgeschwemmt. Die Verschmutzung der Flussufer und Vogelbrutgebiete auf zwei vorgelagerten Inseln hatte katastrophale Folgen für die Tierwelt. Der Untergang der Sea Empress war noch verheerender als das Schiffsunglück der Exxon Valdez. Bei ihrem Untergang 1989 in Alaska verendeten mehr als eine halbe Million Vögel und Tausende von Ottern. Als Grund für das Schiffsunglück wurde von der Reederei schlechtes Wetter angegeben.
Die amerikanische Raumsonde Mariner 4 startete am 28. November 1964 und flog als erste irdische Raumsonde überhaupt am 15. Juli 1965 am Mars in einer Entfernung von 9.844 Kilometern vorbei und liefert die ersten Nahaufnahmen eines fremden Planeten. Mariner 3 und 4 setzten erstmals eine TV-Kamera ein, jedoch war ihre Bildqualität sehr bescheiden. Ein Bild umfasste nur 200 Zeilen mit 200 Punkten. Die Bilder wurden beim Vorbeiflug auf einem Bandrekorder gespeichert, sie zeigten einen sehr mondähnlichen Mars, deckten aber nur 1 % der Oberfläche ab. Weiterhin wurde festgestellt, dass der Mars kein oder nur ein sehr schwaches Magnetfeld besitzt. Die Atmosphäre weist einen Bodendruck von maximal 30 mb auf und besteht zu 80–100 % aus Kohlendioxid und maximal 16 % Stickstoff oder 8 % Argon. Die Übertragung zur Erde dauerte pro Bild über 8 Stunden.
17. Februar - Die US-amerikanische Raumsonde NEAR startet auf dem Rücken einer Delta-II-Rakete zur Begegnung mit mehreren Asteroiden ins All.
Belgien wird tief erschüttert von einem Skandal bandenmäßig organisierter Kinderschändung.
Bundeskanzler Kohl feiert mit 14 Amtsjahren (seit 1982) die längste ununterbrochene Amtszeit eines Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland.
Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hält weiter an. Lübeck ist zum dritten Mal von einem Brandanschlag auf ein Ausländerheim betroffen, bei dem 10 Menschen umkommen.
Mit dem größten Polizeiaufgebot in der Geschichte der Bundesrepublik wird ein "CASTOR"-Transport mit hoch radioaktivem Material von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben gegen Atomkraftgegner gesichert.
Die Privatisierung der Deutschen Bundespost erreicht mit dem Gang der DT Deutsche Telekom AG an die Börse einen Höhepunkt. Mit dieser größten Börseneinführung aller Zeiten setzt eine internationale Hausse ein, das Interesse von Privatanlegern an Aktien steigt sprunghaft an. Bereits am 1.1. wird ein neues Telefon-Gebührensystem insbesondere zu Lasten älterer und behinderter Menschen eingeführt.
Die deutschen Ladenschlusszeiten werden gelockert.
Der von General Motors abgeworbene Chefeinkäufer der Volkswagen AG, der Spanier José Ignacio López de Arriortúa, wird der Industriespionage beschuldigt und muß bei VW seinen Hut nehmen.
Der Daimler-Benz Konzern beschließt die Auflösung und damit das Ende der 1883 gegründeten AEG, trennt sich von den defizitären niederländischen Fokker-Werken (die in Folge bankrott geht) und verkauft seine 80%ige Beteiligung an Dornier. Damit gibt der Konzern seine Ambitionen als Technologiekonzern auf. Für die Daimler-Benz Aerospace DASA wurde bereits im Vorjahr ein Sanierungskonzept beschlossen.
Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein Sparpaket, dessen Schwerpunkt der Abbau sozialer Leistungen ist.
Die Zahl der Arbeitslosen überschreitet die 4-mio-Marke.
In Berlin findet im Juli mit 750.000 Teilnehmern die größte Open-Air-Party aller Zeiten statt.
Die Olympischen Spiele in Atlanta mit 271 Disziplinen in 26 Sportarten sind jetzt voll und ganz unter kommerzieller Kontrolle. Allein die europäischen Fernseh-Übertragungsrechte kosten mit 275 mio US$ fast 300mal soviel wie vor knapp 30 Jahren 1968 in Mexiko City. Coca Cola & Co gewannen bei der Vergabe gegen Athen, das die Spiele zum hundertsten Geburtstag gerne an der Wiege von 1896 gehabt hätte. Sie werden ebenso wie die Spiele von 1972 in München durch ein Bombenattentat (diesmal rechtsextremistischer Amerikaner) und eine Unzahl von Attentatsdrohungen überschattet. Die gebürtige Leipzigerin Uta Pippig gewinnt als erste Frau zum dritten Mal hintereinander den "Boston-Marathon"-Lauf (und damit die Siegprämie von US $ 300.000).
Die 1981 geschlossene Ehe des englischen Kronprinzenpaares Charles und Lady Diana wird geschieden.
Der Manager und Vater der prominenten Tennis-Spitzensportlerin Steffi Graf, Peter, wird mit dem (berechtigten) Vorwurf der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe inhaftiert. Derweil erlebt die zusätzlich mit Verletzungsproblemen belastete Steffi einen Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere.
Die Schweizer Banken geraten unter internationale Kritik als bekannt wird, dass sie sich immer noch im Besitz von ca. 7 mrd DM in Gold aus dem Privatbesitz von Nazi-Opfern befinden.
Die Gesamtzahl der weltweit an der Immunschwäche-Epidemie AIDS Infizierten wird auf 22,6 mio geschätzt, mit 3 mio Neuinfizierten.
Das erste Sterbehilfe-Gesetz der Welt wird im nordaustralischen Darwin verabschiedet.
Der 1974 fertiggestellte Sears Tower in Chicago verliert seine Rolle als höchstes Gebäude der Welt an die 452 m hohen Petronas-Zwillingstürme im malaysischen Kuala Lumpur.
Die europäische Raumfahrtindustrie erlebt einen schweren Rückschlag, als die neu konstruierte ARIANE 5 mit 4 Satelliten an Bord auf ihrem Jungfernflug explodiert.
Die zivile Luftfahrt wird durch eine Reihe von Flugzeugabstürzen mit beinahe 2.000 Todesopfern schwer getroffen.
Am 1.7. wird in Wien ein Abkommen über die Reform zur Rechtschreibung der deutschen Sprache unterzeichnet.
21. Juni - Der Deutsche Bundestag beschließt , die bislang straffen Ladenschlusszeiten zu liberalisieren, die in Deutschland mehr als in anderen Staaten verhinderten, dass Arbeitnehmer nach Feierabend noch einkaufen konnten. 1. November - Neues Ladenschlussgesetz tritt in Kraft : Geschäfte dürfen bis 20 Uhr geöffnet haben.
Gestorben:
8.1.: der französische Staatspräsident Francois Mitterand (*1916)
2.2.: der Filmschauspieler Gene Kelly (eigtl. Eugene Curran)(*1912)
23.2.: der Fußball-Nationaltrainer Helmut Schön (*1915)
1997
20. Jamuar - US-Präsident Clinton tritt seine zweite Amtsperiode an. Ab August sieht er sich Vorwürfen, die Amerika über ein Jahr lang über die Maßen beschäftigen werden, wegen sexueller Belästigung von Untergebenen ausgesetzt.
23. Februar - Der schottische Embryologe Bill Ritchie präsentiert der verblüfften Öffentlichkeit und Fachwelt das geklonte Schaf "Dolly" als 100%-ige erste genetisch identische Kopie eines erwachsenen Säugetiers.
28. Februar - Mit 4,67 mio Arbeitslosen wird ein Nachkriegsrekord erreicht.
9.März - Erster Sieg eines "Silberpfeil" nach Rückkehr von Mercedes in den Formel-1-Motorsport seit 1955 mit dem Schotten David Coulhard auf McLaren-Mercedes beim Großen Preis von Australien.
23. März - Der ungewöhnlich stark leuchtende Komet Hale-Bopp erreicht den erdnächsten Punkt seiner 4.378 Jahre dauernden Umlaufbahn und erfreut (und ängstigt) insgesamt vier Wochen lang Millionen von Erdenbürgern.
31. März - Nach 374 Wochen in Folge auf Platz 1 wird die Weltranglistenerste im Damentennis, Steffie Graf, von der 16jährigen Schweizerin Martina Hingis abgelöst.
21. April - Mit einer Pegasus-Rakete werden vom Luftwaffenstützpunkt auf Gran Canaria aus erstmals 21 Urnen für eine Weltraumbestattung in die Erdumlaufbahn gebracht. Der Start erfolgt unter einem Flugzeug hängend. Beim zünden der Raketentriebwerke ist die Rakete horizontal ausgerichtet und fällt 5 Sekunden lang vom Flugzeug, bevor die erste Stufe zündet. An Bord befindet sich unter anderem Asche von Krafft Arnold Ehricke, der deutsch-amerikanische Raketentechniker der Konzepte der interplanetaren Raumfahrt und der Rohstoffgewinnung auf Mond und Mars entwickelte. Timothy Leary, ein US-amerikanischer Psychologe und Autor. Gerard Kitchen O’Neill ein US-amerikanischer Physiker und Raumfahrtvisionär der 1975 erstmals eine Konferenz für Technologien zur Kolonisation des Weltraums organisierte. Und Gene Roddenberry, der Drehbuchautor, Fernseh- und Filmproduzent und Schöpfer von Star Trek. Auch ein Teil der Asche des 2005 verstorbenen Schauspielers James Doohan, dem Darsteller von Scotty aus Raumschiff Enterprise, wurde am 28. April 2007 bei einem solchen Flug in den Weltraum mitgeführt.
25.April - Wider bessere Erkenntnisse und trotz 10 mrd höherer als veranschlagter Kosten hält die Bundesregierung am Projekt einer Transrapidstrecke von Hamburg nach Berlin fest.
31. April - Die 148-jährige Zusammenarbeit von Post und Bahn im Briefdienst wird eingestellt.
27. Mai - Der fast 50jährige Ost-West-Konflikt wird beigelegt, als die Regierungschefs der NATO-Staaten und der russische Präsident Jeltsin die "Grundakte über die Beziehungen zwischen der NATO und Rußland" unterzeichnen.
25. Juni - Die Karibikinsel Montserrat mit der bereits evakuierten Hauptstadt Plymouth wird durch einen neuerlichen (seit 1995) Ausbruch des Vulkans Soufriere unter meterhoher Asche begraben und unbewohnbar.
1. Juli - Großbritannien gibt Hongkong, seit 1843 britische Kronkolonie, in einem offiziellen Festakt an die Volksrepublik China zurück. Am 30.6. lief um 24 Uhr, der 1898 zwischen Großbritannien und China geschlossene Pachtvertrag über die Nutzung des Stadtgebietes von Hong Kong unwiderruflich ab. 1699 gelangte die britische Ostindien-Kompanie zum ersten Mal nach China. Im Jahr 1711 wurde ein fester Handelsstützpunkt in Guangzhou gegründet. Als die Briten begannen, Opium nach China einzuführen, führte dies zum ersten Opiumkrieg und schließlich zur Besetzung Hongkongs durch die Briten 1841. Ein Jahr später wurde das Gebiet mit dem Vertrag von Nanking offiziell von China an die Besatzer abgetreten, wodurch der Weg Hongkongs zur britischen Kronkolonie im Jahr 1843 geebnet wurde. Unmittelbar nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Ostasien, wurde Hongkong von der japanischen Armee angegriffen. Nach zweieinhalb Wochen Kampf mussten sich die Briten den Japanern ergeben. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Hongkong großteils zerstört und verarmt. Nach Ausrufung der Volksrepublik China flohen hunderttausende nach Hongkong, viele ausländische Firmen verlegten ihre Vertretungen von Shanghai nach Hongkong. Im Jahre 1982 begannen Gespräche zwischen den Premierministern des Vereinigten Königreichs und der Volksrepublik China über die Zukunft des Territoriums. Die britische Seite unter Margaret Thatcher hatte ursprünglich gehofft, dass die Politik der Öffnung in China dazu führen könnte, dass China die britische Herrschaft über das Gebiet akzeptiert. Das Gegenteil war der Fall, China verlangte nicht nur die Rückgabe des für 99 Jahre gepachteten Gebietes, sondern auch die Rückgabe der im Vertrag von Nanking abgetretenen Territorien, da es den Vertrag als unfair ablehnte. Deng Xiaoping entwickelte eine Doktrin, die als Ein Land, zwei Systeme bekannt ist. Sie sah vor, dass Hongkong am 1. Juli 1997 zu einer Sonderverwaltungszone Chinas werden würde. Nach Unterzeichnung dieser Vereinbarung am 19. Dezember 1984 zwischen der Volksrepublik China und dem Vereinigten Königreich brach eine erste Auswanderungswelle von Hongkongern aus. Im Juli 1989 wurde den Bürgern mitgeteilt, dass sie trotz britischen Passes kein ständiges Wohnrecht in Großbritannien eingeräumt bekämen. Ende 1993 brachen die sino-britischen Gespräche über Hongkong nach 17 Verhandlungsrunden ab, da Uneinigkeit über die Einführung demokratischer Wahlen im Legislativrat bestand. Im Juni 1994 verabschiedete der Legislativrat die von Gouverneur Lord Chris Patten vorgeschlagenen Wahlreformen. Am 1. Juli 1997 übernahm die Volksrepublik China die Kontrolle über Hongkong. Seitdem ist Hongkong eine Sonderverwaltungszone mit einem hohen Maß an Autonomie.
1. Juli - Eine Gesetzesreform in Deutschland beendet die rechtlichen Unterschiede zwischen ehelichen und nichtehelichen Kindern.
27. Juli - Der Radprofi Jan Ullrich gewinnt als erster Deutscher die Tour de France.
15. Oktober - Dem ehemaligen britischen Kampfflieger Andy Green gelingt es erstmals, mit einem Raketenauto das Überschalltempo von Mach 1,02 als Durchschnittsgeschwindigkeit bei zweimaligem Durchfahren der Rekordstrecke in der Wüste Nevada zu erreichen.
21. Oktober - Daimler-Benz muß eine ungeahnte Schlappe hinnehmen, als ein Kleinwagen der neuen "A-Klasse" den "Elch" genannten Kipptest nicht besteht und sich überschlägt. Es gelingt dem Unternehmen in den Folgemonaten dennoch, aus der Niederlage einen Verkaufserfolg zu machen. Hinter den Kulissen wurden schon längere Zeit firmeninterne Machtkämpfe geführt, denen Mercedes-Chef Helmut Werner am 16.1. zum Opfer fällt.
17. November - Bei einem Terroranschlag islamischer Extremisten kamen in Luxor 58 Touristen und 4 Ägypter ums Leben. Ein Selbstmordkommando der "Gamaa al- Islamiya" ("Islamische Gruppen") schoss vor dem weltberühmten Hatschepsut-Tempel in die Reihen der Touristen, die dort mit Reisebussen hingebracht worden waren. Die sechs Terroristen wurden kurz nach dem Anschlag getötet. Am Tatort hinterließen sie Flugblätter und andere Schriftstücke als Bekennerbriefe.
1. Dezember - Ein neues Transplantationsgesetz tritt in Kraft: Die Organentnahme bei Leichen ist nun, mit Einwilligung der Angehörigen, auch ohne Spenderausweis möglich.
11. Dezember - In Kyōto wird das Kyoto-Protokoll als Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der Klima-Rahmenkonvention (UNFCCC) unterschrieben: Das bis zum Jahr 2012 gültige Abkommen schreibt verbindliche Ziele für die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen fest, die als Auslöser der globalen Erwärmung gelten.
31. Dezember - Das Monopol der Deutschen Telekom endet .
Der amtierende Schachweltmeister Kasparow tritt gegen ein auf dem IBM-Supercomputer "Deep Blue" installiertes Schachprogramm an, spielt noch schlechter als der Computer und verliert.
In der Bundesrepublik wird Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt.
Die ohnehin schon altersschwache 11 Jahre alte 1986 installierte russische Raumstation Mir entgeht knapp einer Katastrophe, als eine Versorgungskapsel das Andocken verpatzt und ein Forschungsmodul der Mir rammt. Euphorisch wird dagegen die erfolgreiche Landung und Mission des amerikanischen Marsrobotors "Pathfinder" mit dem Erkundungsfahrzeug "Sojourner" auf dem 170 mio km entfernten Planeten Mars u.a. im Internet mit live-Aufnahmen von aller Welt verfolgt.
Im australischen Tasmanien kann das tatsächliche Alter eines dort vor etwa sechzig Jahren entdeckten Silberbaumgewächses auf etwa 43.000 Jahre bestimmt werden. Den botanischen Altersrekord hielt bis dato ein ca 13.000 Jahre altes Heidekraut in den USA.
1998
Die US-amerikanische Schauspielerin Meryl Streep erhält ihren Stern auf Hollywoods Walk Of Fame. Nach ersten Theaterarbeiten feierte sie Ende der 1970er Jahre ihren internationalen Durchbruch mit dem TV-Mehrteiler "Holocaust" und den Kinoproduktionen "Manhattan", "Die durch die Hölle gehen" und "Kramer gegen Kramer". Die Rolle der emanzipierten Ehefrau und Mutter in dem Melodram "Kramer gegen Kramer" (1979) brachte Meryl Streep den ersten Oskar ein. Den zweiten erhielt sie für die Titelrolle in Alan Pakulas "Sophie's Choice". Bis 1989 wurde sie acht mal für den Oskar nominiert. 1986 drehte sie gleich zwei ihrer besten Filme: "Jenseits von Afrika" und "Die emanzipierte Frau". In dem Familienepos "Das Geisterhaus" (1993) nach dem Roman von Isabel Allende spielte sie zum ersten Mal mit Glenn Close. Meryl Streep eine der erfolgreichsten Charakterschauspielerinnen Hollywoods. Sie besticht durch die Eindringlichkeit und die Wandlungsfähigkeit ihres Spiels.
19. Dezember - Der Report, den Kenneth Starr dem Kongress übergeben hatte, führte zu einem Amtsenthebungsverfahren, das Clinton - der die Affäre zwischenzeitlich gestanden hatte - jedoch für sich entscheiden konnte. Die Sexaffäre um den US-Präsidenten Bill Clinton hält das ganze Jahr die vorwiegend amerikanische Öffentlichkeit in Atem und reicht von ihrer Aufdeckung über das öffendliche Schuldbekenntnis Clintons bis zur Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens. Der amerikanische Präsident Bill Clinton sagte am 17 August, als erster Präsident überhaupt, unter Eid vor der Grand Jury aus. Es galt zu klären, ob Clinton in einer früheren Aussage vor Gericht einen Meineid geleistet hatte. Clinton hatte bestritten, sexuelle Beziehungen und eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky gehabt zu haben. Lewinsky dagegen hatte zehn Tage vor der Verhandlung dem Sonderermittler Kenneth Starr zu Protokoll gegeben, mehrmals im Weißen Haus mit Clinton oralen Sex gehabt zu haben.
27.1.: Auf Druck des Vatikans stellen die katholischen Bistümer keine gesetzlich geforderten Beratungsscheine zur Schwangerschaftsunterbrechung mehr aus.
1.4.: Die Mehrwertsteuer wird um einen Punkt von 15 auf 16% angehoben.
20.4.: Die RAF Rote Armee Fraktion verkündet nach 28 Jahren Terrortätigkeit mit über 30 Todesopfern ihre Selbstauflösung.
3.6.: Das wohl schwerste Zugunglück in der Geschichte der BRD ereignet sich mit 101 Todesopfern in Eschede, als der ICE "Wilhelm Röntgen" wegen eines Radbruchs bei voller Fahrt entgleist und in voller Länge an einem Brückenpfeiler zerschellt.
21.6.: Deutsche Hooligans verletzen bei Ausschreitungen während der Fußball-WM in Frankreich den Polizisten Daniel Niven lebensgefährlich. Deutschland scheidet bereits im Viertelfinale aus, Trainer Berti Vogts nimmt seinen Abschied.
11. August: Eine Wetterstation in der Weinlage Brauneberger Juffer-Sonnenuhr an der Mittelmosel nahe Bernkastel-Kues stellt die Rekordtemperatur von 41,2 °C im Schatten fest – die höchste bisher in der Bundesrepublik gemessene Lufttemperatur.
Im US-amerikanischen Bundesstaat Texas wird gegen internationale Proteste mit Karla Faye Tucker erstmals seit 1863 eine zum Tode verurteilte Frau hingerichtet.
Im italienischen Skigebiet verursacht am 3.2. ein amerikanischer Tiefflieger in unerlaubt niedriger Höhe und mit unzulässig hoher Geschwindigkeit das Seilbahn-Unglück von Cavalese mit 20 Toten, indem er das Tragkabel zertrennt. Die USA beanspruchen a priori sämtliche Untersuchungsrechte und sprechen den Piloten Richard Ashby im März 1999 von jeder Schuld frei. Weil er ein Videoband mit Aufnahmen des Unglücksfluges unterschlagen und hat vernichten lassen, wird er im Mai 1999 lediglich wegen Behinderung der Justiz verurteilt, ohne dass das eigentliche Verfahren neu aufgerollt wird.
Um den Sexualmord an Christina Nytsch aufzuklären, wird am 9.4. die bislang größte gentechnische-Reihenuntersuchung der BRD in der Umgebung des Mordopfers durchgeführt mit dem Ergebnis, den bis dahin unbekannten Täter aus 18.000 abgenommenen "genetischen Fingerabdrücken" eindeutig identifiziert zu haben.
Die mit eheblichen negativen Nebenwirkungen belastete Potenzpille Viagra kommt im Oktober in den bundesdeutschen Handel.
Der 77-jährige Astronaut John Glenn fliegt zum zweiten Mal in seinem Leben ins All. Er war am 20.2.1962 der erste Amerikaner überhaupt im All.
Der Start für den Zusammenbau der Internationalen Raumstation ISS wird am 30.1. vertraglich geregelt, im Sommer werden die ersten russischen und amerikanischen Module ins All gebracht, am 10.12. kehrt die erste amerikanische Besatzung ein. Am 3.6. findet der letzte amerikanische Shuttle-Flug zur problembeladenen russischen Raumstation MIR statt.
Die Fußball-WM in Frankreich ist von begleitender Gewalt und Nötigungsversuchen geprägt. Neben einem Streik der Air-France-Piloten gleich zu Beginn der Veranstaltung wird bekannt, dass über 100.000 illegale oder doppelt verkaufte Eintrittskarten in Umlauf sind.
1. November - Der "Europäische Gerichtshof für Menschenrechte" wird als ständig tagendes Gericht in Straßburg eingerichtet. Damit wurden die zuvor geltenden Mechanismen zur Durchsetzung der Menschenrechtskonvention abgelöst, zu denen die 1954 eingerichtete Europäische Menschenrechts-kommission und der frühere, eingeschränktere EGMR zählten. Nach einer Reform im Jahre 2010 wurde der Zweck verfolgt, es dem Gerichtshof zu erleichtern, unzulässige Beschwerden zurückzuweisen, um der chronischen Überbelastung Herr zu werden.Wesentliche Änderungen waren hierbei:
- Die Amtszeit der Richter stieg von sechs auf neun Jahre, dafür entfiel die Möglichkeit einer Wiederwahl.
- Der Gerichtshof tagt in Einzelrichterbesetzung, in Ausschüssen mit drei Richtern, in Kammern mit sieben Richtern und in einer Großen Kammer mit siebzehn Richtern.
- Der Einzelrichter kann Beschwerden, die keiner weiteren Überprüfung benötigen (without further examination), abweisen oder aus dem Register streichen.
- Die 3er-Ausschüsse können Beschwerden bei gefestigter Rechtsprechung in der Begründetheit entscheiden.
- Beschwerden, bei denen dem Beschwerdeführer kein erheblicher Nachteil entstanden ist, können für unzulässig erklärt werden.
Das Protokoll wurde bereits am 13. Mai 2004 verabschiedet, konnte jedoch nicht wie geplant in Kraft treten, da Russland als letztes Mitglied des Europarats die Ratifizierung lange Zeit verweigerte. Erst am 15. Januar 2010 machte die Duma den Weg für das 14. Zusatzprotokoll frei.
20. November - Sarja, das erste Modul der Internationalen Raumstation (ISS), wird mit einer russischen Proton-K Rakete von Baikonur aus gestartet. Die Pläne für eine große, internationale Raumstation gehen bis in die 1980er Jahre zurück. Die Station war damals noch unter den Namen Freedom oder Alpha in Planung. Die ISS befindet sich seit 1998 in Bau und ist zurzeit das größte künstliche Objekt im Erdorbit. Sie kreist in ca. 350 km Höhe mit einer Bahnneigung von 51,6° ca. alle 91 min um die Erde und soll nach ihrer geplanten Fertigstellung im Jahre 2011 maximale Abmessungen von etwa 110 m × 100 m × 30 m erreichen. Danach soll sie mindestens bis ins Jahr 2020 weiterbetrieben werden.
Gestorben:
14.5.: der amerikanische Sänger und Schauspieler Frank Sinatra
1999
21. März - Nach einem fast 20 tägigen Nonstopflug landen Bertrand Piccard und Brian Jones nach ihrer erfolgreichen Weltumrundung im dritten Versuch mit ihrem Heißluftballon Orbiter 3 in Ägypten. Es handelt sich um die erste Weltumrundung ohne Zwischenstop. Der erste Versuch am 12. Januar 1997 scheiterte an Kerosinverlust aus einem der Tanks. Beim 2. Versuch am 8. Februar 1998 scheiterte das Vorhaben wegen eines Überflugverbots Chinas. Im Dritten Anlauf schließlich, den sie am 1. März 1999 starteten, haben die beiden damit den mit 45.755 Kilometern längsten Flug der Luftfahrtgeschichte, sowohl in Dauer als auch in Entfernung verwirklicht und insgesamt sieben Weltrekorde aufgestellt. Bild: ChristianBier
Der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris ermordeten in der US-amerikanischen Kleinstadt Littleton 12 Mitschüler und einen Lehrer. Anschließend erschossen sie sich selbst. Die beiden gehörten einer rassistischen Gruppe, der so genannten "Trenchcoat Mafia" an und hatten ihre Tat zuvor im Internet angekündigt. Durch die Bluttat in Littleton wurde die Diskussion über Gewaltdarstellungen in den Medien verstärkt entfacht, vor allem als bekannt wurde, dass die Beiden begeisterte "Doom"- und "Quake"-Spieler waren und die Tat erschreckende Ähnlichkeiten mit Inhalten des Filmes "Jim Carroll - In den Straßen von New York" (1995) aufwies.
17. Juli - Beim schwersten Grubenunglück in der österreichischen Geschichte kamen in Lassing zehn Bergleute bei dem Versuch ums Leben, den durch einen Erdrutsch verschütteten Kollegen Georg Hainzl zu bergen. Nach neun Tagen konnte Hainzl als einziger Überlebender aus einem Stollen gerettet werden. An eine Lebensbergung glaubte man am 25. Juli offiziell nicht mehr: Zwei Tage zuvor hatte der Einsatzleiter gemeint, er sei der festen Überzeugung, dass alle tot seien. Dann der Sonntag, der 26. Juli. Fast alle TV-Teams hätten schon zusammengepackt gehabt, als kurz nach 20.00 Uhr aus dem Bohrloch eine Fontäne spritzte: "Zwei Bar, mehr nicht", meinte der Experte der deutschen Bohrfirma "Angers & Söhne", was nichts anderes hieß, als dass es in dem angebohrten Hohlraum noch Überlebenschancen gegeben hatte. Auf den "Ist da wer?"-Ruf in die Tiefe von OMV-Spezialist Leopold Abraham, der nicht wirklich mit einer Antwort rechnete, kam die legendäre Antwort: "Ja, ich bin's, der Georg." In einem Gerichtsverfahren wurden knapp zwei Jahre später der ehemalige Chef des Bergwerks und der Leiter der Aufsichtsbehörde wegen fahrlässiger Gemeingefährdung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Nach dem Prozessgutachten war der Bergbau im steiermärkischen Lassing nur ungenügend gesichert und das Unglück damit vorprogrammiert.
In den USA wird am 12.2./13.2. das "Impeachement"- Amtsenthebungs-verfahren gegen US-Präsident Clinton wegen der "Monicagate"-Sexaffäre mit seinem Freispruch vor dem Senat eingestellt und die mehr als einjährige Regierungskrise beendet.
Am 1.3. tritt der UN-Vertrag über das Verbot von Landminen in Kraft.
In den USA beschuldigen etwa 300.000 Indianer die Regierung der Misswirtschaft an treuhänderisch verwaltetem Indianerterritorium und beziffern den durch Korruption und Betrug hinterzogenen Verlust in einer Sammelklage auf etwa 10 mrd US $.
Die Türkei wird Ende August von einem der schwersten Erdbeben der europäischen Geschichte mit mehreren Nachbeben heimgesucht. Wegen verbreiteter Korruption im türkischen Bauwesen stürzen weit mehr Gebäude zusammen als technisch begründbar. Insgesamt dürfte die Zahl der Opfer bei über 40.000 Toten liegen.
Am 31.12. erklärt der russische Präsident Boris Jelzin seinen Rücktritt und übergibt die Amtsgeschäfte noch an demselben Tag an seinen designierten Nachfolger Wladimir Putin, der sich im Folgejahr zur Wahl stellen muß.
11.3.: Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine legt überraschend alle politischen Ämter nieder als Konsequenz aus seinem Zerwürfnisses mit Bundeskanzler Schröder. Hans Eichel wird am 12.4. neuer Bundesfinanzminister.
Am 19.4. wird mit Eröffnung des Reichstages Berlin auch de facto die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Nach Umzug von Bonn in die neue Hauptstadt wird der reguläre Bundestagsbetrieb am 6.9. in Berlin aufgenommen. Die Ressorts Verteidigung, Landwirtschaft, Bildung, Umweltschutz und Forschung verbleiben vorläufig in der "Bundesstadt" Bonn.
Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl gerät wegen einer Parteispenden- und Waffenhandels-Affäre in Millionenhöhe unter Druck. Zur Aufdeckung der Sachverhalte wird ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt.
Die Weltbevölkerung übersteigt (offiziell am 12.10.) die 6-Millarden-Marke.
Am 11.8. zieht eine totale Sonnenfinsternis entlang der Achse Straßburg-Ulm-Starnberg-Salzburg
Hunderttausende von schaulustigen Tagestouristen in ihren nur 12 km breiten Bann. Der Rückreiseverkehr führt zu einem kurzfristigen Verkehrsstau von 200 km Länge. Im deutschsprachigen Raum bewegte sich der Kernschatten um die Mittagszeit über die Großstädte Saarbrücken, Kaiserslautern, Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Stuttgart, Reutlingen, Ulm, Augsburg, Ingolstadt, München, Salzburg und, am äußersten nördlichen und südlichen Rand der Totalitätszone, Linz und Graz. In weiten Teilen dieses Gebietes bestand zur jeweiligen Totalitätszeit relativ dichte Bewölkung, sodass dort eine Beobachtung der eigentlichen Verdeckung für viele als schwer möglich bis unmöglich erschien.
Der Schwebebahnunfall von Wuppertal forderte beim Entgleisen des Gelenkzugs Nr.4 fünf Menschen das Leben, 47 wurden schwer verletzt.
Der Gelenkzug fuhr gegen 5:45 Uhr, als der erste Zug des Tages und voll besetzt, bei Streckenkilometer sieben in Wuppertal-Elberfeld mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h in ein bei einer Reperatur vorübergehend im Bereich der Fahrschiene am Tragegerüst angebrachtes und vergessenes, stählernes Bauteil („Kralle“). Bei diesem Aufprall riss das erste von vier Drehgestellen vom Wagendach des Fahrzeuges, das sich darauf nach rechts neigte, dann entgleiste und aus fast zehn Metern Höhe in die Wupper stürzte. Ein Teil des Zuges fiel dabei auf eine Fernwärmeleitungsbrücke, welche die Wupper an der Unglücksstelle überquerte. Das Drehgestell stürzte darauf in den in der Wupper liegenden Zug und durchschlug die Leichtbaukonstruktion. Es war bis dahin das schwerste Unglück in der Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn und das erste mit tödlichem Ausgang.
Am 24.3. kommen über 40 Menschen bei einer Brandkatastrophe im privat betriebenen Montblanc-Tunnel ums Leben, weil sich die aus den 60er Jahren stammenden Sicherheitseinrichtungen als unzureichend erweisen. Etwa zwei Monate später kommen am 29.5. beim Brand des Tauern-Tunnels 12 Menschen ums Leben.
Die erste Ballonfahrt rund um die Erde wird am 21.3. unter Führung von Bertrand Piccard erfolgreich beendet.
Die Fortsetzung der Filmtrilogie "Star Wars" von George Lucas kommt in die Kinos und macht allein im Merchandising mehr Umsatz als jeder Filmtitel vorher.
Zur erfolgreichen Simulation von Dinosaurierstimmen mittels Virtual Reality setzen Paläontologen des Sandia National Laboratory in New Mexico erstmals computertomographische Analysen eines fast 2 Meter langen kammbewehrten Parasaurolophus-Schädels ein.
Ab dem 26.3. sorgt der Computer-Virus "Melissa" für weltweites Chaos bei Internet-angeschlossenen Datensystemen.
Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf erhält im April als einer von weltweit 10 Wissenschaftlern den "Jahrhundertpreis" der amerikanischen James-S.-McDonell-Stiftung für seine bahnbrechenden Arbeiten zum Klimamodell des Golfstroms. Der Preis ist höher dotiert als ein Nobelpreis und wurde überhaupt zum ersten Mal vergeben.
Das japanische Gesundheitsministerium genehmigt am 16. Juni, erstmals den Verkauf der Antibabypille.
Jahr 2000
Der auf 4,5 Mrd. Jahre alt geschätzte Meteorit Tagish Lake tritt in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 2000 in die Erdatmosphäre ein und zog als helle Feuerkugel über Kanada hinweg, bevor er schließlich in den vereisten Tagish Lake einschlug. Die Auswertung von Satellitenaufnahmen ergab, dass der Meteorit eine Masse von 200 bis 250 Tonnen und einen Durchmesser von 4 bis 7 Metern besaß. Damit war der Tagish-Lake-Meteorit der bislang größte beobachtete Meteoritenfall in Kanada. Die Eintrittsgeschwindigkeit wurde auf 15 bis 16 km/s geschätzt. Seine Herkunft liegt wahrscheinlich im Asteroidengürtel. Die zu Hunderten gefundenen, insgesamt mehrere Kilogramm schweren und gut erhaltenen Bruchstücke haben hohe Anteile an Kohlenstoff, Schwefel und Stickstoff und ähneln in ihrer Zusammensetzung einem Kometenkern. Darüber hinaus enthalten sie außergewöhnlich viele so genannte Nanodiamanten, die noch vor der Entstehung des Sonnensystems bei der Explosion einer Supernova entstanden sein könnten.
In Finnland wird am 6.2. mit Tarja Halonen erstmals eine Frau zur Staatspräsidentin gewählt.
Der Europäische Gerichtshof entscheidet am 11.1., dass Frauen in der Bundeswehr ab 2001 auch Waffendienst leisten dürfen und nicht auf den Sanitätsdienst oder das Musikcorps beschränkt bleiben müssen. Eine hierzu erforderliche Zweidrittelmehrheit des Bundestages beschließt im Oktober die notwendig gewordene entsprechende Grundgesetz-Änderung.
Am 13.2. erhält die Dresdener Frauenkirche anlässlich des 55. Jahrestages der Zerstörung der Stadt durch alliierte Bombenangriffe ein neues, mit über 1 mio DM Spenden britischer Bürger finanziertes Kuppelkreuz. Die Spende wird vom Herzog von Kent überreicht.
Die diesjährige "Love-Parade" zieht im Juli weit über eine Million Raver und Techno-Fans nach Berlin, die dort 260 Müllwagen voll Abfall hinterlassen und an einem einzigen Tag für einen Gastronomie-Umsatz von über 250 mio DM sorgten.
Noch im Sommer waren alle Verantwortlichen - auf Großbritannien "mit dem Finger zeigend" - mit Stolz erfüllt, dass es in der BRD keinen Fall von BSE "Rinderwahnsinn" geben könne und werde. Im November wird dann der erste deutsche BSE Fall bekannt gegeben.
Obwohl das neue Millenium rein rechnerisch erst am 1.1.2001 zu beginnen hat, wird das Neue Jahrtausend weltweit am ersten Tag dieses Jahres aufwendig begrüßt. Zu diesem Jahrtausendwechsel gibt es etwas über 6 mrd Menschen auf der Welt. Zwei Drittel von ihnen haben noch niemals in ihrem Leben telefoniert, etwa 40% verfügen nicht über elektrischen Strom, ein Drittel lebt mehr oder weniger nomadierend unterhalb der Selbsternährungsgrenze - Armutsgrenze wäre ausgesprochen geschönt. Erstmals in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche, die das Jahr traditionell wie alle 25 Jahre mit einem "Heiligen Jahr" einläutet, gesteht mit Johannes Paul II. ein Papst Fehler der Kirche ein. Am 12.3. bittet er öffentlich um Vergebung für die Spaltung der christlichen Kirche, Gewalttaten während der Kreuzzüge und der Inquisition sowie Feindseligkeiten gegenüber anderen Religionen, insbesondere dem Judentum. Er bekräftigt seine Bußansprache mit einer am 20.3. beginnenden wohl mehr einen eigenen Jugendtraum erfüllenden als für die katholische Kirche dringlich dienlichen Pilgerreise in den Nahen Osten und nach Jerusalem. Es ist die 91. Auslandsreise des von Siechtum gezeichneten fast 80jährigen Polen Karol Wojtyla.
1. Juni - In Hannover beginnt mit der Expo 2000 die erste Weltausstellung in Deutschland. Sie stand unter dem Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“. Es sollten Visionen für die Zukunft vorgestellt und Modelle für das Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und Technik gegeben werden. Zudem sollten Lösungsmöglichkeiten für das Zusammenleben von mehr als sechs Milliarden Menschen veranschaulicht werden. Für die Expo 2000 wurde – erstmals neu auf Weltausstellungen – ein Themenpark errichtet, in dem in Erlebnislandschaften (Zukunft der Arbeit, Basic Needs, Das 21. Jahrhundert, Energie, Ernährung, Gesundheit, Kommunikation, Mensch, Mobilität, Planet of Visions, Umwelt, Wissen) Eindrücke von der Zukunft vermittelt wurden. Die einzelnen Länder stellten sich an Nationentagen und in ihren individuell eingerichteten Pavillons vor. Für Schlagzeilen sorgte Ernst August Prinz von Hannover, als er am 15. Juni gegen den türkischen Pavillon urinierte. Für allgemeine Aufregung sorgte auch der Bratwurstpreis, der in den Eröffnungstagen teilweise um 9,50 DM gelegen haben soll, woraufhin sich der Preis bereits zwei Tage nach der Eröffnung um 4 bis 5 DM eingependelt hatte. Die Expo führt mit weit über 2 Mrd DM zum größten Verlust, den jemals eine Weltausstellung eingefahren hat. Die Veranstalter und die politisch Verantwortlichen rechnen allerdings eine ganze Reihe teils fragwürdige Positionen wie erhöhte Steuereinnahmen dagegen, womit das offizielle Wirtschaftsergebnis als neutral angegeben werden kann.
Am 11.2. startet die US-Raumfähre ENDEAVOUR zu einer einzigartigen Mission zur dreidimensionalen ganzheitlichen Neuvermessung der Erdoberfläche unter Aussparung der für den Raumgleiter unerreichbaren Polarregionen. Zwischen 60 Grad nördlicher und 54 Grad südlicher Breite werden die bis dahin vorliegenden topographischen Daten derart verbessert, dass die Ungenauigkeiten der Messdaten von +/- 100 Höhenmetern auf +/- 6 Meter reduziert werden können. Die 3D-Erddaten dienen vor allem militärischen Zwecken zur präzisen Steuerung von Marschflugkörpern.
Am 2.11. beziehen mit dem Amerikaner Bill Shepherd und den Russen Juri Gidsenko und Sergej Krikaljow die ersten Astronauten die in diesem Jahr begonnene neue Raumstation ISS, die mit 200 mrd DM das bislang teuerste Forschungsprojekt der Menschheit darstellt. An ihm sind 16 Nationen beteiligt, darunter auch Deutschland.
Das Airbus-Konsortium startet mit dem Projekt A380 den Bau des größten Passagierflugzeuges der Welt, das ab 2005 auf drei Stockwerken über 600 Passagiere befördern soll.
Dem mit modernsten Unterwasser-Ortungsgeräten arbeitenden Team um den französischen Archäologen Franck Goddio gelingt es, in der Bucht von Abukir vor der ägyptischen Mittelmeerküste unter meterhohem Schlick die sensationell gut erhaltenen Reste zweier antiker Hafenstädte zu orten. Geradezu euphorisch begrüßt die Fachwelt die Entdeckung wichtiger bislang vermisster Teile von zum "Naos der Dekaden", einem Granitschrein des vierten vorchristlichen Jahrhunderts, gehörenden Hieroglyphentafeln.
20. November -Honda stellt den humanoiden Roboter ASIMO der Öffentlichkeit vor. Der humanoide Roboter kann sich auf zwei Beinen (bipedal) fortbewegen und führt dabei eine Bewegung aus, die dem menschlichen Gang ähnlich ist. ASIMO ist 1,20 Meter groß und wiegt 54 Kilogramm. Die integrierte Stromversorgung reicht für etwa 40 Minuten Betriebszeit, während sich der Roboter gehend fortbewegt. Auf der anderen Seite benötigt der Akku ca. 3 Stunden, bis er voll aufgeladen ist. ASIMO besitzt in der aktuellen Version 34 Freiheitsgrade. Am 13. Dezember 2005 wurde eine verbesserte Steuerung vorgestellt, die es dem Roboter erlaubt, sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 2,7 Kilometer pro Stunde (km/h) beim Gehen fortzubewegen (vorheriges Modell: 2,5 km/h). Diese Geschwindigkeit wird auf 1,6 km/h reduziert, wenn ASIMO etwas trägt. Außerdem kann ASIMO in der aktuellen Version mit bis zu 6 km/h „rennen“ (vorheriges Modell: 3 km/h). Die Phasen, in denen ASIMOs Füße dabei gleichzeitig den Boden nicht berühren, sind 80 Millisekunden (ms) lang (vorheriges Modell: 50 ms). ASIMO ist außerdem erstmals in der Lage, mit 5 km/h im Kreis zu rennen (Kreisradius: 2,5 m). „ASIMO“ ist ein Akronym für „Advanced Step in Innovative Mobility“. Auch steht das japanische Wort Asi für morgen und Mo für Mobilität. Offiziell bestreitet Honda einen Zusammenhang mit dem Namen des Science-Fiction-Schriftstellers Isaac Asimov. Auf japanisch wird das Wort „ashimo“ ausgesprochen und bedeutet „auch Beine“.
Die Olympischen Spiele im australischen Sydney verzaubern mit Charme und erstklassiger Organisation Sportler und Zuschauer gleichermaßen. Sie werden als die bislang besten und fröhlichsten in die Geschichte eingehen.
Nach 21 Jahren ist Ferrari wieder Weltmeister in der Formel 1, als Michael Schumacher am 8.10. im japanischen Suzuka seinem Erzrivalen Mika Häkkinen den entscheidenden Sieg abtrotzt.
Im Januar und Februar verseuchen zyanidhaltige Abfälle aus einer rumänischen Goldmine die Flüsse Theiß und Donau, weil über 100.000 Kubikmeter der Giftbrühe aus einem gebrochenen Speicherbecken austreten und zur größten Umweltkatastrophe seit Tschernobyl führen.
Im Februar wird Südostafrika weitflächig überflutet. Am schwersten wird Mosambique getroffen. In einer verspätet anlaufenden internationalen Hilfsaktion werden Tausende in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit durch Hubschrauber aus den Fluten gerettet, als der Wirbelsturm "Eline" am 22.2. die Katastrophe noch vergrößert. Die Überflutung richtet größere Schäden an als der gerade erst beendete 16jährige Bürgerkrieg.
Im Mai und im Sommer werden die USA von der größten Serie von Wald- und Buschbränden seit Menschengedenken heimgesucht.
Am 13.5. wird der Stadtteil Mekkelholt der niederländischen Grenzstadt Enschede durch die Explosion einer Feuerwerksfabrik um 15:25 Uhr in Schutt und Asche gelegt.
Im Juni löst der Tod eines sechsjährigen Jungen durch frei laufende Kampfhunde, die ihn auf einem Hamburger Schulgelände regelrecht zerfleischen, eine Welle unterschiedlichster und kontrovers diskutierter Landesverordnungen zum Schutz der Bürger vor diesen im Grunde genommen eigentlich waffenscheinpflichtigen Tieren aus.
Bei einer Brandkatastrophe im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn in Kaprun in Salzburg sterben, am 11 November, 155 Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche.
Beim Start vom Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle katapultiert sich am 25.7. eine Concorde ein auf der Rollbahn liegendes Metallstück in die eigenen Tanks und Motoren. Der vollgetankte manövrierunfähige Überschall-Jet stürzt zwei Minuten später ab, alle 109 Insassen kommen in dem Flammenmeer ums Leben. Für die verbleibenden 12 britischen und französischen Maschinen bedeutet dies das Aus der 24jährigen Karriere des mit zweifacher Schallgeschwindigkeit reisenden Passagierfugzeugs.
Im August wird Rußland von zwei Katastrophen getroffen, welche die Reputation des gerade erst neu gewählten Präsidenten Putin und seines Führungsstabes in Frage stellen: Am 12.8. sinkt mit der "Kursk" das Flaggschiff der russischen U-Boot-Flotte während eines Manövers in der Barentsee. Es hat sich womöglich selber durch einen eigenen im Kreis laufenden Torpedo versenkt. Geheimniskrämerei und Inkompetenzen verschleppen die Rettungsversuche für die 118 Eingeschlossenen, die alle ums Leben kommen. Am 27.8. löst ein Kabelbrand eine Feuersbrunst im 537 m hohen Moskauer Fernsehturm aus, weil die Feuerwehr den Strom zum Gebäude nur auf Weisung Putins abschalten durfte, welche erst mit dreistündiger Verspätung erteilt wurde.
17. August - Nach 14 Tagen und 173 Bieterrunden endete in Mainz die spektakuläre Versteigerung von deutschen Mobilfunk-Lizenzen für den neuen Handy-Standard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) mit einem Rekordergebnis von 98,8 Milliarden Mark. Der UMTS-Standard soll das Internet und den Mobilfunk zusammenführen und gilt als einer der wichtigsten konjunkturellen Wachstumsmotoren. Alle sechs bis zum Ende bietenden Firmen bzw. Konsortien erhielten je eine Lizenz mit zwei Frequenzblöcken. Die Telekom äusserte sich verärgert über den Verlauf der Auktion. Es habe sich um einen "Versteigerungsirrsinn" gehandelt. Bundesfinanzminister Hans Eichel erklärte, dass der Erlös der Auktion vollständig zur Schuldentilgung verwendet werde.
Am 11.11. kommt es um 9:15 Uhr zur größten Unfallkatastrophe in der österreichischen Geschichte, als die vollbesetzte Tunnelseilbahn von Kaprun zum Kitzsteinhorn kurz nach der Einfahrt in den Tunnel vermutlich wegen eines Raddefektes in Brand gerät. Durch den Schornsteineffekt entwickelt sich der lokale Brand zum Inferno, in dem 155 überwiegend junge Menschen bis zur Unkenntlichkeit verbrennen.
Der spektakulärste Geburtstag des Jahres ist der 100ste der englischen Königin-Mutter "Queen Mum" Elisabeth Bowes-Lyon vom 19.7.; die trinkfreudige, lebenslustig bis spleenige Mutter der amtierenden Queen Elisabeth II. und Witwe des 1952 an Lungenkrebs verstorbenen englischen Königs Georg VI. zeichnet sich bis in ihr hohes Alter besonders durch exorbitante Wettverluste bei Pferderennen aus.

17. Januar - Truppen aus 31 Staaten beginnen "Operation Desert
Storm" die ihren seit Monaten angedrohten Angriff auf den Irak, um ihn
zum Rückzug aus Kuwait zu zwingen. Irakisches Militär hatte das Scheichtum
am 2. August 1990 besetzt. Intensive Vermittlungsbemühungen fruchteten nicht
und so begann "Operation Desert Storm". Der Irak zog sich zurück und am 28.
Februar wurden die Kämpfe beendet.
1. Februar - Vor dem Parlament kündigte der südafrikanische
Präsident Frederik Willem de Klerk an, innerhalb von fünf Monaten die wichtigsten
Gesetze zur Rassentrennung aufzuheben. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
waren in dem afrikanischen Land systematisch immer weitere Gesetze eingeführt
worden, um die schwarze Bevölkerungsmehrheit von der politischen und wirtschaftlichen
Macht fernzuhalten. Ab 1986 verhängten viele westliche Staaten, darunter die
USA, Sanktionen gegen Südafrika, um eine Aufhebung der Rassentrennung zu erreichen.
Die Freilassung von Nelson Mandela 1990 nach mehr als zwanzig Jahren Haft
und die Beendigung des bewaffneten Kampfes durch den Afrikanischen Nationalkongress
(ANC) läuteten das Ende der Apartheid ein.
21. März - Die Bundesregierung entscheidet sich gegen die Inbetriebnahme des Schnellen
Brüters in Kalkar. Der Kernreaktor, der schwer spaltbares Uran 238 in
das waffenfähige, hochgiftige und radioaktive Plutonium 239 umwandelt, wird
nach einer Bauzeit von 18 Jahren und Baukosten von mehr als 7 Milliarden Mark
stillgelegt. Ausschlaggebend für den Beschluss der Bundesregierung sind Sicherheitsbedenken
und die jahrelangen Proteste der Bevölkerung gegen das Projekt.
19.- 21. August - Der Putsch einiger Hardliner gegen den Sowjet Führer Michail Gorbatschow
endet mit der Festnahme von sieben der Verschwörer. 3 Tage zuvor verkündete die Gruppe über "Radio Moskau", dass Gorbatschow erkrankt sei und daher von seinen politischen Ämtern befreit worden war. Gorbatschow selbst war zu Beginn des Putschversuches im Urlaub auf der Halbinsel Krim. Dort wurde er am Nachmittag des 18. August bis zum 21. August festgesetzt und isoliert, nachdem er seine Zustimmung zur Verhängung des Notstandes und die Übertragung seiner Vollmachten an den Vizepräsidenten verweigerte. Die reformfeindlichen Putschisten gründeten ein "Notstandskomitee".
Es beauftragte KGB-Soldaten mit der Verhaftung Boris Jelzins und der Erstürmung
des Parlaments in Moskau. Der Putsch war nicht erfolgreich, da es an Loyalität der Streitkräfte gegenüber den Putschisten fehlte. Somit konnte der Widerstand gegen den Putschversuch, der hauptsächlich vom Präsidenten Russlands Boris Jelzin aus dem Regierungsgebäude geführt wurde, nicht niedergeschlagen werden. Ein geplanter Angriff auf das Regierungsgebäude durch ALFA, die militärische Spezialeinheit des KGB, scheiterte, als die Mitglieder der Spezialeinheit einstimmig den Befehl verweigerten. Eine zur Regierungsseite übergelaufene Panzerschwadron umstellte das Regierungsgebäude, die Waffen nach außen gerichtet. Nach der Festnahme der gescheiterten Verschwörer kehrt
Gorbatschow noch am selben Tag aus seinem Ferienhaus zurück. Die Führer des Putschversuches waren Mitglieder einer konservativen Junta des reaktionären Flügels der KPdSU, in deren Augen die wirtschaftliche Umgestaltung zu weit ging und eine rechte Abweichung vom Kommunismus seine Abschaffung bedeute. Weiterhin fürchteten sie, dass der von Gorbatschow neu ausgehandelte Unionsvertrag den Republiken zu viel Macht gebe. Obgleich der Putschversuch in nur drei Tagen scheiterte und Gorbatschow wieder eingesetzt wurde, machte das Ereignis Gorbatschows Hoffnungen hinsichtlich des Fortbestehens einer, wenn auch dezentralisierten, Staatenunion zunichte und beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion.
festgenommen
und nachzahlreichen Gerichtsverhandlungen zum Tode verurteilt. Am 18.Oktober
1940wurde er in Sarnen durch eine Guillotine hingerichtet. Nicht einmal zwei
Jahre später wurde am 1.Januar 1942 die Todesstrafe gänzlich für zivile Straftaten
abgeschafft. Liberale Kantone, die die Todesstrafe bereits abgeschafft hatten,
konnten einen Verfassungsartikel, der die Todesstrafe in der ganzen Schweiz
verbot, durchsetzen. Es sollte aber noch weitere 50 Jahre dauern, bis die
Todesstrafe auch im Militärstrafrecht abgeschafft wurde.
17. September - Linus Torvalds veröffentlicht die erste Version von Linux (Version 0.01) auf einem öffentlichen FTP-Server und schafft damit die Grundlage zur weltweiten Entwicklung dieses neuen Open-Source-Betriebssystems. Linus Torvalds kündigte im Juni 1996 ein Logo für Linux an: Den Pinguin. Entscheidend bei der Auswahl war 1993 ein Aquariumsbesuch in Canberra während einer Auslandsreise nach Australien. Der ursprüngliche Entwurf für Tux erfolgte dann ebenfalls 1996 durch Larry Ewing mit GIMP, einem freien Bildbearbeitungspaket das von Ewing entwickelt wurde. Heute assoziieren Menschen, die sich mit IT beschäftigen, den Pinguin mit dem freien Betriebssystem Linux. Ein oft gehörter Spruch lautet: „Da Pinguine nicht fliegen können, können sie auch nicht abstürzen“. Tux steht also auch für Stabilität.
19. September - Bergwanderer entdeckten im Schmelzwasser des Similaun-Gletschers in den
Ötztaler Alpen die mumifizierte Leiche eines Mannes. Der Mann hatte in
der Bronzezeit gelebt und sein Körper war rund 5300 Jahre im Eis bewahrt
worden. "Ötzi" war 1,60 m groß, hatte einen Bart und welliges dunkelbraunes Haar.
Er wog nur 45 kg, weil er Würmer hatte. Die zehren aus. Verlaust war er auch.
Außerdem hatte er eine gebrochene Nase, ein paar Rippenbrüche, Gelenkarthrose,
Gefäßverkalkung und einen Bandscheibenvorfall. In der Steinzeit war ein 40-Jähriger
eben ein alter Mann. Aber perfekte Zähne hatte er. Nur ein bisschen abgekaut.
Seine Kleidung war der alpinen Region angepasst: "Er hat eine Fellkleidung
getragen, sehr sauber und sorgfältig genähte Fellkleidung, eine Art Hemd,
dass seinen Oberkörper beschützte, einen Lendenschurz und zwei Beinlinge,
die er mit Hilfe von zwei Strapsen am Gürtel befestigte. Und auf dem Kopf
hatte er eine Bärenfellmütze und um die Schultern hatte er noch einen großen
aus Grasblättern geflochtenen Mantel. Das war seine Grundkleidung. Dann führte
er noch einen Rucksack mit sich. Das Holzgestell desselbigen hat sich auch
noch erhalten, zwei Birkenrindengefäße, die er mit sich trug, und dann kommt
noch die Werkzeug- und Waffenausrüstung, bestehend aus Bogen, aus einem Köcher
voller Pfeilen, einem kleinen Feuersteindolch und einer Axt mit einer Kupferklinge."
Um so viele Einzelheiten über den Toten aus der Kupferzeit herauszufinden,
waren die raffiniertesten Untersuchungen nötig. Röntgen, Kernspintomographie
und C-14-Analyse gaben Auskunft über Ötzis Körper. Um seine Lebensumstände
zu erhellen, wurden wieder andere Methoden angewandt: "Es geht los bei den
Pollen, die in seiner Kleidung drinsitzen, Getreidepollen. Die Botaniker der
Universität Innsbruck haben sehr viele Pollenanalysen in den Moorgebieten
in den Hochalpen durchgeführt und haben zeigen können, dass diese Weidewirtschaft
praktisch im fünften Jahrtausend vor Christi Geburt schon einsetzt. Da tauchen
gewisse Pflanzen auf, die vorher nicht üblich waren durch das Abwieden der
Schafe und Ziegen." Diese Untersuchungen revidierte die Meinung, die man bisher
über das Leben der prähistorischen Alpenbewohner hatte: "Bislang war man der
Meinung, dass die Alpen hauptsächlich wegen dem Kupfer in den Metallzeiten
besiedelt wurden. Heute neigt man mehr und mehr dazu, dass die Weiden hoch
droben über der Waldgrenze eine große Rolle bei der Besiedlung der Alpen gespielt
haben, am Anfang nutzte man das als Jagdgebiete im Mesolithikum, und dann,
ab dem 6./5. Jahrtausend, als die Menschen zu Bauern wurden, hat man das als
Sommerweiden benutzt." Bis heute hat die "Ötzi"-Forschung etwa 25 Millionen
Mark gekostet und sie ist noch lange nicht abgeschlossen. Seine vorläufig
letzte Ruhestätte hat der Tote vom Hauslabjoch inzwischen in Bozen gefunden.
Das archäologische Landesmuseum wurde extra für ihn in ein neues Gebäude verlegt,
in dem die Mumie unter perfekten Bedingungen aufbewahrt werden kann.
Ein australisches Biotechnik-Unternehmen gibt bekannt, dass es gelungen
ist, ein für die Blaufärbung in Petunien verantwortliches Gen zu isolieren,
was die Züchtung von blauen Rosen ermöglicht. Hierbei wird ein Gen, in
dem ein bestimmter Biosyntheseschritt codiert ist, in eine andere Pflanze
übertragen. In der Regel entfernt man hierbei allerdings nicht die Originalgene.
Nach Angaben von Professor Dr. Joseph Mol von der Freien Universität Amsterdam
gibt es die blaue Rose bald zu kaufen, denn die gentechnischen Erfolge mit
blauen Nelken seien sehr erfolgsversprechend.
Am 13. März wird Erich Honecker in einer Nacht- und Nebelaktion von
russischem Militär aus Berlin nach Moskau ausgeflogen, wo er sich in weitere
ärztliche Behandlung begibt. Als diese abgeschlossen ist, wird er zum Verlassen
des Landes aufgefordert und flüchtet sich am 12.12. in die Botschaft Chiles,
wo er vergeblich um politisches Asyl nachsucht.
18. Januar - Der amerikanische Regisseur Oliver Stone
wird für seinen Film "JFK" mit dem "Golden Globe" ausgezeichnet. Der "Golden
Globe" gilt als der wichtigste Filmpreis nach dem "Oscar". Mit seinem Film
hatte Stone die Diskussion über die Hintergründe des Mordes an Präsident John
F. Kennedy 1963 in Dallas erneut in Gang gebracht. Neue Antworten auf die
zahllosen ungeklärten Fragen konnte der Film allerdings nicht geben.
19. August - Bei einer bundesweiten Aktion beantragten insgesamt 250 schwule und lesbische
Paare bei den Standesämtern vergeblich das Aufgebot zur Eheschließung. Im Juli 1992 hatten der SVD (Schwulen- und Lesben Verband Deutschland) und
die "Schwulen Juristen" zu der Aktion aufgerufen. Ziel war es primär, auf
die rechtlose Situation gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften aufmerksam
zu machen. Die Aktion entfachte eine immer noch andauernde öffentliche und
politische Diskussion des Themas "Homoehe". 2001 trat das Lebenspartner-schaftsgesetz
(LPartG) in Kraft, das die familienrechtliche Gleichstellung regelt,
sich aber auch auf das Erb- oder Mietrecht bezieht. Eine standesamtliche Trauung
wird für gleichgeschlechtliche Paare aber auch nach Inkrafttreten des Gesetzes
unzulässig sein.
Vom Weltraumhafen Baikonur in Kasachstan startet die Rakete Sojus TM-14. Ziel: Die russische Raumstation MIR. An Bord befinden sich Alexander Viktorenko
, Alexander Kaleri und erstmals ein Deutscher, der Flieger Klaus - Dietrich
Flade. Es werden insgesamt 14 Experimente aus den Bereichen Medizin, Biologie,
Physik und Materialforschung durchgeführt. Die Raumfahrer untersuchen unter
anderem die thermodynamischen Eigenschaften verschiedener Substanzen. Außerdem
werden Veränderungen im Erbgut (Chromosomenanalyse), der Schlaf - Wachrhythmus,
physische und psychische Leistungsfähigkeit, die Funktion des Gleichgewichtsorgans,
Merkleistung des Kurzzeitgedächtnisses, Verteilung von Körperflüssigkeit in
Muskeln und Gefäßen sowie die Hormonregulation im menschlichen Organismus
erforscht. Klade kehrt nach sechs Tagen wohlbehalten zur Erde zurück.
20. März - Der ostdeutsche Boxer Henry Maske schlug den seit 1987 amtierenden Titelverteidiger
Charles Williams nach zwölf Runden und wurde neuer Weltmeister im Halbschwergewicht. Sein Sieg führte zu einer Renaissance des Boxsports in Deutschland. Maskes
Karriere begann, als er als 13jähriger mit dem Spartakiasieg den größtmöglichen
Erfolg in seiner Altersklasse erreichte. 1983 wurde er DDR-Meister und gewann
bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille. 1989 wurde er Amateur-Weltmeister
und wechselte 1990 ins Profilager. Maskes Art zu Boxen begeisterte das Publikum.
In seinem letzten Profikampf am 23. November 1996 kam es zur ersten Niederlage
seiner Karriere. Maske nahm Abschied vom Ring.
17. September - Der Vorstand des Daimler-Benz-Konzerns in Stuttgart kündigte Umsatzverluste
in einer Höhe von 1,8 Milliarden Mark in drei von vier Unternehmensbereichen
an. In der Konsequenz wurde ein Abbau von etwa 44.000 Arbeitsplätzen geplant,
davon ca.35.000 in Deutschland.
Der russische Staatspräsident Boris Jelzin löste das russische Parlament
auf und kündigte Neuwahlen für Dezember desselben Jahres an. Grund: Die
Parlamentsmehrheit aus Kommunisten und Nationalisten widersetzte sich seinen
Reformvorhaben. Mit der Auflösung des Parlaments beging Jelzin Verfassungsbruch.
Seine Gegner weigerten sich, das Parlament zu räumen, und bereiteten einen
Putsch gegen Jelzin vor. Doch Jelzin ließ im Oktober das Weiße Haus, das Moskauer
Parlament, stürmen. Damit schaffte er es zwar, den Aufruhr zu ersticken, musste
aber über hundert Tote in Kauf nehmen. Im Dezember 1993 fanden erstmals in
Russland freie Wahlen mit mehreren konkurrierenden Parteien statt.
1. November - Trotz vehementer Proteste gegen die Maastricht-Kriterien trat der Vertrag
zur Gründung der Europäischen Union in Kraft. Er besiegelte die stufenweise
Verwirklichung einer Wirtschafts- und Währungsunion in Westeuropa. Im Vertrag
ist u.a. festgelegt, welche Qualifikationen die einzelnen EU-Länder zur Teilnahme
erfüllen müssen. Diese Bedingungen sind in den Konvergenzkriterien geregelt.
Die Verantwortung für die Geldpolitik wird ab diesem Zeitpunkt von den Zentralbanken
der Länder auf die Europäische Zentralbank (EZB) übertragen. Diese ist politisch
unabhängig und hat als wichtigstes Ziel die Sicherung einer stabilen Währung.
14. November - Für die Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur wurde
als erstes nationales Mahnmal im vereinigten Deutschland die umgebaute Neue
Wache in Berlin eingeweiht. Das Gebäude, das sich in Berlin am Boulevard
"Unter den Linden" befindet, wurde vom preußischen Baumeister Karl Friedrich
Schinkel in den Jahren von 1816 bis 1818 gebaut. Das Innere der "Zentralen
Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland" wurde nach Plänen der Architekten
Heinz Hilmer und Christoph Sattler im Wesentlichen auf den Zustand von 1931
zurückgeführt. Auf persönlichen Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Helmut
Kohl wurde in der Mitte des Raumes ein vergrößerter Abguss der "Pieta" von
Käthe Kollwitz aufgestellt.
Die politischen Verantwortlichen für die Todesschüsse von Soldaten der
Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf so genannte Republikflüchtige
an der inner-deutschen Grenze, mussten sich vor Gericht verantworten. Der
ehemalige DDR-Verteidigungsminister Heinz Kessler (li), sein Stellvertreter Fritz
Streletz (2.v.l) und der frühere Bezirkschef der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
(SED) von Suhl, Hans Albrecht (3.v.l), wurden vom Berliner Landgericht wegen Totschlags
zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und siebeneinhalb Jahren verurteilt. Das
Gericht kam zu dem Schluss, dass die vorsätzliche Tötung von unbewaffneten
Menschen, die die DDR verlassen wollten, ein Verstoß gegen völkerrechtlich
geschützte Menschenrechte war.
20. Februar - Die Schweizer beschliessen in einer Volksabstimmung,
den Alpentransitverkehr bis 2004 vollständig auf die Schiene zu verlagern. 51,9 Prozent der Schweizer stimmten für die umweltfreundliche Initiative.
Entgegen der Empfehlung des Bundesrates, der Schweizer Regierung, folgten
16 der 23 Kantone diesem positiven Votum. Die Schweiz ist Transitland auf
dem Weg nach Italien. 1997 rollten mehr als sieben Millionen Lastwagen über
die Alpen. Die meistbenutzte Strecke war dabei die Strecke über den Brennerpaß
von Österreich nach Italien. Sie wurde von 1,2 Millionen LKW genutzt. Zuvor
hatte die Schweiz jahrelang den Transit von Schwergüterverkehr verboten.
14. März - Der US-amerikanische Computerhersteller Apple-Macintosh stellt am 14. März sein neustes
Modell vor: den "Power PC". Dabei handelte es sich um eine neue Generation
von Personalcomputern. Das Herz des Rechners basierte auf dem neuentwickelten
Prozessor Power-PC-601. Seine so genannte "RISC"-Technologie erhöhte die Geschwindigkeit
des Prozessors durch beschleunigte Takt-Frequenzen und einen vereinfachten
Befehlssatz. Durch den "Power-PC" wurde Apple-Macintosh erstmals durchgehend
IBM-kompatibel. Das heißt, dass mit so genannten Emulationsprogrammen Software,
die eigentlich für IBM-PC's geschrieben wurde, nun auch auf Apple-Macintosh-PC's
ausgeführt werden konnte. Obwohl Kritiker den "Power-PC" lobten, fiel der
Marktanteil Apple-Macintoshs auf unter zehn Prozent zurück.
17. November - Der Zeichentrick-Film "König der Löwen" hatte in Deutschland Premiere. Die Disney-Produktion, die in 26 Sprachen übersetzt wurde, spielte in den
USA innerhalb von zehn Wochen 250 Millionen Dollar ein. Es wurde eine der
erfolgreichsten Disney-Produktionen. Erstmals nach einer Original-Geschichte
wurde von der abenteuerlichen Reise Simbas erzählt, der als Prinz die Nachfolge
seines Vaters antreten soll. Er sucht seinen Platz im Kreislauf der Natur
- immer in den Fussspuren seines Vaters, des großen Königs Mufasa. Für die
Filmmusik erhielt der deutsche Komponist Hans Zimmer einen Oscar, einen Grammy
und einen Golden Globe. Vom Soundtrack werden über acht Millionen Exemplare
verkauft.
15. Dezember - Die Eisenhütten von Völklingen im Saarland kommen auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste. 1873 gründete der Hütteningenieur Julius Buch bei Völklingen an der Saar ein Stahlwerk. Nach sechs Jahren musste er sein Werk schließen, da es sich wegen der hohen Zölle für das Roheisen nicht mehr für die Verhüttung rentierte. Im Jahr 1881 kam es unter Carl Röchling zu einem Neuanfang. Er kaufte die stillgelegten Anlagen, und zwei Jahre später konnte der erste Hochofen in Betrieb gehen. 1890 waren die „Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke“ der größte Eisenträgerhersteller Deutschlands. 1986 wurden die Hochöfen der Völklinger Hütte stillgelegt und als Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Nach kontinuierlicher Instandsetzung und Begehbarmachung folgte die Nutzung als musealer Betrieb.
18. Dezember - Höhlenforscher entdecken nahe der südfranzösischen Stadt Vallon-Pont-d’Arc im Flusstal der Ardèche, die Chauvet-Höhle, die rund 30.000 Jahre alte Höhlenmalereien enthält. Sie ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit zu Pilzbefall und damit zur Gefährdung der Malereien führen könnte. Nach überwiegender Meinung von Experten handelt es sich hier um die ältesten derzeit bekannten Höhlenmalereien und Höhlenzeichnungen der Welt. Sie kann nur durch einen fast senkrecht nach unten verlaufenden Schacht erreicht, aber über eine Strecke von rund 500 Meter weitgehend leicht begangen werden. Deren horizontale Ausdehnung erstreckt sich über rund 240x100 Meter, sie umfasst vier große Säle von 15 bis 30 Metern Höhe, der größte Saal misst fast 40x60 Meter. Über mehr als 70m kann man die Fußspur eines etwa 12–13jährigen Heranwachsenden verfolgen, der von einem – ebenfalls barfüssigen – Erwachsenen begleitet war. Der Jugendliche schlug seine Brandfackel in regelmäßigen Abständen an die Höhlenwand, um die Helligkeit zu steigern. Die C14-Prüfung der Kohlereste ergab ein Alter von 26.000 Jahren: Die älteste derzeit datierbare menschliche Fußspur der Welt. Der hervorragende Erhaltungszustand der Kunstwerke und des Höhlenbodens verwehrt es zumindest für die nächsten Jahrzehnte, die Höhle für allgemeine Besuche zu öffnen. Derzeit ist eine Gruppe von 19 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen an der Arbeit, um der Höhle einige ihrer Geheimnisse zu entlocken. Die Arbeit vor Ort ist dabei sehr genau reglementiert und wird mittels Klimasensoren überwacht, um das vorhandene Höhlenklima nicht in Gefahr zu bringen.
Mississippi ratifiziert am 16. März 1995 als letzter US-Bundesstaat den 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten zur Abschaffung der Sklaverei, nachdem es die Ratifizierung 1865 abgelehnt hat.
16. Mai - In Tokio nahm die Polizei den Gründer und Anführer der radikalen Aum-Shinrikyo-Sekte,
Shoko Asahara, fest. Der Guru der 1987 ins Leben gerufenen Sekte "Höchste
Wahrheit" wurde für Giftgasanschläge auf die Tokioter U-Bahn verantwortlich
gemacht. Dabei waren am 20. März 1995 zwölf Tote und mehr als 5500 Verletzte
dem Nervengas Sarin zum Opfer gefallen. Bei einem zweiten Attentat nur einen
Monat später wurden 300 Menschen im Hauptbahnhof von Yokohama verletzt. Asahara
und neun seiner Jünger wurden des Mordes angeklagt. Shoko Asaharas Aum-Bewegung
gehört zu den reichsten Religionsgemeinschaften Japans. Der Glaube der Sekte
basiert auf einer Endzeitlehre: Der Apokalypse sollen nur 20 Prozent der Menschen
entgehen und in ein besseres Leben eintreten können.
16. Mai - Das Bundesverfassungsgericht erklärt in seinem Kruzifix-Beschluss Teile der Bayerischen Volksschulordnung für verfassungswidrig, wonach in jedem Klassenzimmer der Volksschulen in Bayern ein Kruzifix oder zumindest ein Kreuz anzubringen sei. Beschwerdeführend waren drei Schüler sowie deren Eltern, die Anhänger der anthroposophischen Weltanschauung und gegen eine christliche Einwirkung auf ihre Kinder durch die Kruzifixe waren. Das Gericht sah die durch das Grundgesetz uneingeschränkt gewährte Religions- und Glaubensfreiheit der Schüler aus Art. 4 GG verletzt, hier die sog. negative Glaubensfreiheit. In diese dürfe der einfache (Landes-)Gesetzgeber nicht im Rahmen sonst oft vorhandener Grundrechtsschranken eingreifen. Darüber hinaus hob das Gericht hervor, dass der Staat nicht nur eine religiöse Neutralitätspflicht aus der Verfassung habe (Art. 4 GG und Art. 140 GG, Art. 137 Abs. 1 Weimarer Reichsverfassung). Er könne sich vielmehr nicht selbst auf Religionsfreiheit oder eine bestimmte Weltanschauung berufen (hier also die christliche), da ein Staat als solches weder einer Religion angehören, noch Grundrechte für sich in Anspruch nehmen kann.
17. Juli - GPS, das satellitengestützte Navigations-system zur weltweiten Positionsbestimmung, erhält offiziell den Status volle Betriebsbereitschaft 24 Satelliten kreisen ständig in Bahnen mit einen Abstand von ca. 20.000 Kilometer um den Mittelpunkt der Erde. Es wurde seit den 1970er-Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt und löste ab etwa 1985 das alte Satellitennavigationssystem NNSS der US-Marine ab, ebenso die Vela-Satelliten zur Ortung von Atombombenexplosionen. GPS war ursprünglich zur Positionsbestimmung und Navigation im militärischen Bereich (in Waffensystemen, Kriegsschiffen, Flugzeugen) usw. vorgesehen. Ein Vorteil ist dabei, dass GPS-Empfänger nur Signale empfangen und nicht senden. So kann navigiert werden ohne dass der Feind Informationen über den eigenen Standort erhält. GPS ist seit Mitte der 1990er-Jahre voll funktionsfähig und stellt seit der Abschaltung der künstlichen Signalverschlechterung (Selective Availability) im Mai 2000 auch für zivile Zwecke eine Ortungsgenauigkeit in der Größenordnung von oft besser als 10 Meter sicher. Die Genauigkeit lässt sich durch Differenzmethoden auf Zentimeter steigern, für spezielle Anwendungen in der Geodäsie lassen sich auch noch genauere Messungen erzielen. GPS hat sich als das weltweit wichtigste Ortungsverfahren etabliert und wird in Navigationssystemen weitverbreitet genutzt.
11. September - Die HMS Queen Elizabeth 2, das Flaggschiff der Cunard-Line, wird von einem Kaventsmann getroffen, eine außergewöhnlich hohe, meist einzelne ozeanische Wasserwelle. Mit Höhen von über 25 Metern werden solche Monsterwellen etwa doppelt so hoch wie gewöhnliche hohe Wellen auf See. Durch diese enorme Höhe und ihr plötzliches Auftreten stellen Monsterwellen selbst für große Schiffe eine Gefahr dar. Der Vorfall verläuft glimpflich, führt jedoch dazu, dass Freakwaves oder Kaventsmänner nicht mehr als Seemannsgarn abgetan, sondern wissenschaftlich ernst genommen werden.
Der norwegische Supertanker Sea Empress,
der unter liberischer Flagge fuhr, lief vor der Küste von Wales auf Grund. In den nächsten Tagen verlor der 133.000-Tonnen-Tanker ca. 70000 Tonnen Rohöl.
Es wurde in einem 40 km langen Ölteppich auf das Meer hinausgeschwemmt. Die
Verschmutzung der Flussufer und Vogelbrutgebiete auf zwei vorgelagerten Inseln
hatte katastrophale Folgen für die Tierwelt. Der Untergang der Sea Empress
war noch verheerender als das Schiffsunglück der Exxon Valdez. Bei ihrem Untergang
1989 in Alaska verendeten mehr als eine halbe Million Vögel und Tausende von
Ottern. Als Grund für das Schiffsunglück wurde von der Reederei schlechtes
Wetter angegeben.
Die amerikanische Raumsonde Mariner 4 startete am 28. November 1964 und flog als erste irdische Raumsonde überhaupt am 15. Juli 1965 am Mars in einer Entfernung von 9.844 Kilometern vorbei und liefert die ersten Nahaufnahmen eines fremden Planeten. Mariner 3 und 4 setzten erstmals eine TV-Kamera ein, jedoch war ihre Bildqualität sehr bescheiden. Ein Bild umfasste nur 200 Zeilen mit 200 Punkten. Die Bilder wurden beim Vorbeiflug auf einem Bandrekorder gespeichert, sie zeigten einen sehr mondähnlichen Mars, deckten aber nur 1 % der Oberfläche ab. Weiterhin wurde festgestellt, dass der Mars kein oder nur ein sehr schwaches Magnetfeld besitzt. Die Atmosphäre weist einen Bodendruck von maximal 30 mb auf und besteht zu 80–100 % aus Kohlendioxid und maximal 16 % Stickstoff oder 8 % Argon. Die Übertragung zur Erde dauerte pro Bild über 8 Stunden.
21. April - Mit einer Pegasus-Rakete werden vom Luftwaffenstützpunkt auf Gran Canaria aus erstmals 21 Urnen für eine Weltraumbestattung in die Erdumlaufbahn gebracht. Der Start erfolgt unter einem Flugzeug hängend. Beim zünden der Raketentriebwerke ist die Rakete horizontal ausgerichtet und fällt 5 Sekunden lang vom Flugzeug, bevor die erste Stufe zündet. An Bord befindet sich unter anderem Asche von Krafft Arnold Ehricke, der deutsch-amerikanische Raketentechniker der Konzepte der interplanetaren Raumfahrt und der Rohstoffgewinnung auf Mond und Mars entwickelte. Timothy Leary, ein US-amerikanischer Psychologe und Autor. Gerard Kitchen O’Neill ein US-amerikanischer Physiker und Raumfahrtvisionär der 1975 erstmals eine Konferenz für Technologien zur Kolonisation des Weltraums organisierte. Und Gene Roddenberry, der Drehbuchautor, Fernseh- und Filmproduzent und Schöpfer von Star Trek. Auch ein Teil der Asche des 2005 verstorbenen Schauspielers James Doohan, dem Darsteller von Scotty aus Raumschiff Enterprise, wurde am 28. April 2007 bei einem solchen Flug in den Weltraum mitgeführt.
1. Juli - Großbritannien gibt Hongkong, seit 1843 britische Kronkolonie, in einem offiziellen Festakt an die Volksrepublik China zurück. Am 30.6. lief um 24 Uhr, der 1898 zwischen Großbritannien und China geschlossene
Pachtvertrag über die Nutzung des Stadtgebietes von Hong Kong unwiderruflich
ab. 1699 gelangte die britische Ostindien-Kompanie zum ersten Mal nach China. Im Jahr 1711 wurde ein fester Handelsstützpunkt in Guangzhou gegründet. Als die Briten begannen, Opium nach China einzuführen, führte dies zum ersten Opiumkrieg und schließlich zur Besetzung Hongkongs durch die Briten 1841. Ein Jahr später wurde das Gebiet mit dem Vertrag von Nanking offiziell von China an die Besatzer abgetreten, wodurch der Weg Hongkongs zur britischen Kronkolonie im Jahr 1843 geebnet wurde. Unmittelbar nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Ostasien, wurde Hongkong von der japanischen Armee angegriffen. Nach zweieinhalb Wochen Kampf mussten sich die Briten den Japanern ergeben. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Hongkong großteils zerstört und verarmt. Nach Ausrufung der Volksrepublik China flohen hunderttausende nach Hongkong, viele ausländische Firmen verlegten ihre Vertretungen von Shanghai nach Hongkong. Im Jahre 1982 begannen Gespräche zwischen den Premierministern des Vereinigten Königreichs und der Volksrepublik China über die Zukunft des Territoriums. Die britische Seite unter Margaret Thatcher hatte ursprünglich gehofft, dass die Politik der Öffnung in China dazu führen könnte, dass China die britische Herrschaft über das Gebiet akzeptiert. Das Gegenteil war der Fall, China verlangte nicht nur die Rückgabe des für 99 Jahre gepachteten Gebietes, sondern auch die Rückgabe der im Vertrag von Nanking abgetretenen Territorien, da es den Vertrag als unfair ablehnte. Deng Xiaoping entwickelte eine Doktrin, die als Ein Land, zwei Systeme bekannt ist. Sie sah vor, dass Hongkong am 1. Juli 1997 zu einer Sonderverwaltungszone Chinas werden würde. Nach Unterzeichnung dieser Vereinbarung am 19. Dezember 1984 zwischen der Volksrepublik China und dem Vereinigten Königreich brach eine erste Auswanderungswelle von Hongkongern aus. Im Juli 1989 wurde den Bürgern mitgeteilt, dass sie trotz britischen Passes kein ständiges Wohnrecht in Großbritannien eingeräumt bekämen. Ende 1993 brachen die sino-britischen Gespräche über Hongkong nach 17 Verhandlungsrunden ab, da Uneinigkeit über die Einführung demokratischer Wahlen im Legislativrat bestand. Im Juni 1994 verabschiedete der Legislativrat die von Gouverneur Lord Chris Patten vorgeschlagenen Wahlreformen. Am 1. Juli 1997 übernahm die Volksrepublik China die Kontrolle über Hongkong. Seitdem ist Hongkong eine Sonderverwaltungszone mit einem hohen Maß an Autonomie.
17. November - Bei einem Terroranschlag islamischer Extremisten kamen in Luxor 58 Touristen
und 4 Ägypter ums Leben. Ein Selbstmordkommando der "Gamaa al- Islamiya"
("Islamische Gruppen") schoss vor dem weltberühmten Hatschepsut-Tempel in
die Reihen der Touristen, die dort mit Reisebussen hingebracht worden waren.
Die sechs Terroristen wurden kurz nach dem Anschlag getötet. Am Tatort hinterließen
sie Flugblätter und andere Schriftstücke als Bekennerbriefe.
Die US-amerikanische Schauspielerin Meryl Streep erhält ihren Stern auf Hollywoods Walk Of Fame. Nach ersten Theaterarbeiten feierte sie Ende der 1970er Jahre ihren internationalen Durchbruch mit dem TV-Mehrteiler "Holocaust" und den Kinoproduktionen "Manhattan", "Die durch die Hölle gehen" und "Kramer gegen Kramer". Die Rolle der emanzipierten Ehefrau und Mutter in dem Melodram "Kramer
gegen Kramer" (1979) brachte Meryl Streep den ersten Oskar ein. Den zweiten
erhielt sie für die Titelrolle in Alan Pakulas "Sophie's Choice". Bis
1989 wurde sie acht mal für den Oskar nominiert. 1986 drehte sie gleich zwei
ihrer besten Filme: "Jenseits von Afrika" und "Die emanzipierte Frau".
In dem Familienepos "Das Geisterhaus" (1993) nach dem Roman von Isabel
Allende spielte sie zum ersten Mal mit Glenn Close. Meryl Streep eine der
erfolgreichsten Charakterschauspielerinnen Hollywoods. Sie besticht durch
die Eindringlichkeit und die Wandlungsfähigkeit ihres Spiels.
19. Dezember - Der Report, den Kenneth Starr
dem Kongress übergeben hatte, führte zu einem Amtsenthebungsverfahren, das
Clinton - der die Affäre zwischenzeitlich gestanden hatte - jedoch für sich
entscheiden konnte. Die Sexaffäre um den US-Präsidenten Bill Clinton hält
das ganze Jahr die vorwiegend amerikanische Öffentlichkeit in Atem und reicht
von ihrer Aufdeckung über das öffendliche Schuldbekenntnis Clintons bis zur Einleitung
des Amtsenthebungsverfahrens. Der amerikanische Präsident Bill Clinton sagte am 17 August, als erster Präsident überhaupt,
unter Eid vor der Grand Jury aus. Es galt zu klären, ob Clinton in einer
früheren Aussage vor Gericht einen Meineid geleistet hatte. Clinton hatte
bestritten, sexuelle Beziehungen und eine Affäre mit der Praktikantin Monica
Lewinsky gehabt zu haben. Lewinsky dagegen hatte zehn Tage vor der Verhandlung
dem Sonderermittler Kenneth Starr zu Protokoll gegeben, mehrmals im Weißen
Haus mit Clinton oralen Sex gehabt zu haben.
1. November - Der "Europäische Gerichtshof für Menschenrechte" wird als ständig tagendes Gericht in Straßburg eingerichtet. Damit wurden die zuvor geltenden Mechanismen zur Durchsetzung der Menschenrechtskonvention abgelöst, zu denen die 1954 eingerichtete Europäische Menschenrechts-kommission und der frühere, eingeschränktere EGMR zählten. Nach einer Reform im Jahre 2010 wurde der Zweck verfolgt, es dem Gerichtshof zu erleichtern, unzulässige Beschwerden zurückzuweisen, um der chronischen Überbelastung Herr zu werden.Wesentliche Änderungen waren hierbei:
20. November - Sarja, das erste Modul der Internationalen Raumstation (ISS), wird mit einer russischen Proton-K Rakete von Baikonur aus gestartet. Die Pläne für eine große, internationale Raumstation gehen bis in die 1980er Jahre zurück. Die Station war damals noch unter den Namen Freedom oder Alpha in Planung. Die ISS befindet sich seit 1998 in Bau und ist zurzeit das größte künstliche Objekt im Erdorbit. Sie kreist in ca. 350 km Höhe mit einer Bahnneigung von 51,6° ca. alle 91 min um die Erde und soll nach ihrer geplanten Fertigstellung im Jahre 2011 maximale Abmessungen von etwa 110 m × 100 m × 30 m erreichen. Danach soll sie mindestens bis ins Jahr 2020 weiterbetrieben werden.
21. März - Nach einem fast 20 tägigen Nonstopflug landen Bertrand Piccard und Brian Jones nach ihrer erfolgreichen Weltumrundung im dritten Versuch mit ihrem Heißluftballon Orbiter 3 in Ägypten. Es handelt sich um die erste Weltumrundung ohne Zwischenstop. Der erste Versuch am 12. Januar 1997 scheiterte an Kerosinverlust aus einem der Tanks. Beim 2. Versuch am 8. Februar 1998 scheiterte das Vorhaben wegen eines Überflugverbots Chinas. Im Dritten Anlauf schließlich, den sie am 1. März 1999 starteten, haben die beiden damit den mit 45.755 Kilometern längsten Flug der Luftfahrtgeschichte, sowohl in Dauer als auch in Entfernung verwirklicht und insgesamt sieben Weltrekorde aufgestellt.
Der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris ermordeten
in der US-amerikanischen Kleinstadt Littleton 12 Mitschüler und einen Lehrer. Anschließend erschossen sie sich selbst. Die beiden gehörten einer rassistischen
Gruppe, der so genannten "Trenchcoat Mafia" an und hatten ihre Tat zuvor im
Internet angekündigt. Durch die Bluttat in Littleton wurde die Diskussion
über Gewaltdarstellungen in den Medien verstärkt entfacht, vor allem als bekannt
wurde, dass die Beiden begeisterte "Doom"- und "Quake"-Spieler waren und die
Tat erschreckende Ähnlichkeiten mit Inhalten des Filmes "Jim Carroll - In
den Straßen von New York" (1995) aufwies.
17. Juli - Beim schwersten Grubenunglück in der österreichischen Geschichte kamen
in Lassing zehn Bergleute bei dem Versuch ums Leben, den durch einen Erdrutsch
verschütteten Kollegen Georg Hainzl zu bergen. Nach neun Tagen konnte
Hainzl als einziger Überlebender aus einem Stollen gerettet werden. An eine Lebensbergung glaubte man am 25. Juli offiziell nicht mehr: Zwei Tage zuvor hatte der Einsatzleiter gemeint, er sei der festen Überzeugung, dass alle tot seien. Dann der Sonntag, der 26. Juli. Fast alle TV-Teams hätten schon zusammengepackt gehabt, als kurz nach 20.00 Uhr aus dem Bohrloch eine Fontäne spritzte: "Zwei Bar, mehr nicht", meinte der Experte der deutschen Bohrfirma "Angers & Söhne", was nichts anderes hieß, als dass es in dem angebohrten Hohlraum noch Überlebenschancen gegeben hatte. Auf den "Ist da wer?"-Ruf in die Tiefe von OMV-Spezialist Leopold Abraham, der nicht wirklich mit einer Antwort rechnete, kam die legendäre Antwort: "Ja, ich bin's, der Georg." In einem
Gerichtsverfahren wurden knapp zwei Jahre später der ehemalige Chef des Bergwerks
und der Leiter der Aufsichtsbehörde wegen fahrlässiger Gemeingefährdung zu
Bewährungsstrafen verurteilt. Nach dem Prozessgutachten war der Bergbau im
steiermärkischen Lassing nur ungenügend gesichert und das Unglück damit vorprogrammiert.
Hunderttausende
von schaulustigen Tagestouristen in ihren nur 12 km breiten Bann. Der Rückreiseverkehr
führt zu einem kurzfristigen Verkehrsstau von 200 km Länge. Im deutschsprachigen Raum bewegte sich der Kernschatten um die Mittagszeit über die Großstädte Saarbrücken, Kaiserslautern, Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Stuttgart, Reutlingen, Ulm, Augsburg, Ingolstadt, München, Salzburg und, am äußersten nördlichen und südlichen Rand der Totalitätszone, Linz und Graz. In weiten Teilen dieses Gebietes bestand zur jeweiligen Totalitätszeit relativ dichte Bewölkung, sodass dort eine Beobachtung der eigentlichen Verdeckung für viele als schwer möglich bis unmöglich erschien.
Der Gelenkzug fuhr gegen 5:45 Uhr, als der erste Zug des Tages und voll besetzt, bei Streckenkilometer sieben in Wuppertal-Elberfeld mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h in ein bei einer Reperatur vorübergehend im Bereich der Fahrschiene am Tragegerüst angebrachtes und vergessenes, stählernes Bauteil („Kralle“). Bei diesem Aufprall riss das erste von vier Drehgestellen vom Wagendach des Fahrzeuges, das sich darauf nach rechts neigte, dann entgleiste und aus fast zehn Metern Höhe in die Wupper stürzte. Ein Teil des Zuges fiel dabei auf eine Fernwärmeleitungsbrücke, welche die Wupper an der Unglücksstelle überquerte. Das Drehgestell stürzte darauf in den in der Wupper liegenden Zug und durchschlug die Leichtbaukonstruktion. Es war bis dahin das schwerste Unglück in der Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn und das erste mit tödlichem Ausgang.
Der auf 4,5 Mrd. Jahre alt geschätzte Meteorit Tagish Lake tritt in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 2000 in die Erdatmosphäre ein und zog als helle Feuerkugel über Kanada hinweg, bevor er schließlich in den vereisten Tagish Lake einschlug. Die Auswertung von Satellitenaufnahmen ergab, dass der Meteorit eine Masse von 200 bis 250 Tonnen und einen Durchmesser von 4 bis 7 Metern besaß. Damit war der Tagish-Lake-Meteorit der bislang größte beobachtete Meteoritenfall in Kanada. Die Eintrittsgeschwindigkeit wurde auf 15 bis 16 km/s geschätzt. Seine Herkunft liegt wahrscheinlich im Asteroidengürtel. Die zu Hunderten gefundenen, insgesamt mehrere Kilogramm schweren und gut erhaltenen Bruchstücke haben hohe Anteile an Kohlenstoff, Schwefel und Stickstoff und ähneln in ihrer Zusammensetzung einem Kometenkern. Darüber hinaus enthalten sie außergewöhnlich viele so genannte Nanodiamanten, die noch vor der Entstehung des Sonnensystems bei der Explosion einer Supernova entstanden sein könnten.
1. Juni - In Hannover beginnt mit der Expo 2000 die erste Weltausstellung in Deutschland. Sie stand unter dem Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“. Es sollten Visionen für die Zukunft vorgestellt und Modelle für das Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und Technik gegeben werden. Zudem sollten Lösungsmöglichkeiten für das Zusammenleben von mehr als sechs Milliarden Menschen veranschaulicht werden. Für die Expo 2000 wurde – erstmals neu auf Weltausstellungen – ein Themenpark errichtet, in dem in Erlebnislandschaften (Zukunft der Arbeit, Basic Needs, Das 21. Jahrhundert, Energie, Ernährung, Gesundheit, Kommunikation, Mensch, Mobilität, Planet of Visions, Umwelt, Wissen) Eindrücke von der Zukunft vermittelt wurden. Die einzelnen Länder stellten sich an Nationentagen und in ihren individuell eingerichteten Pavillons vor. Für Schlagzeilen sorgte Ernst August Prinz von Hannover, als er am 15. Juni gegen den türkischen Pavillon urinierte. Für allgemeine Aufregung sorgte auch der Bratwurstpreis, der in den Eröffnungstagen teilweise um 9,50 DM gelegen haben soll, woraufhin sich der Preis bereits zwei Tage nach der Eröffnung um 4 bis 5 DM eingependelt hatte. Die Expo führt mit weit über 2 Mrd DM zum größten Verlust, den jemals eine
Weltausstellung eingefahren hat. Die Veranstalter und die politisch Verantwortlichen
rechnen allerdings eine ganze Reihe teils fragwürdige Positionen wie erhöhte
Steuereinnahmen dagegen, womit das offizielle Wirtschaftsergebnis als neutral
angegeben werden kann.
17. August - Nach 14 Tagen und 173 Bieterrunden endete in Mainz die spektakuläre Versteigerung
von deutschen Mobilfunk-Lizenzen für den neuen Handy-Standard UMTS (Universal
Mobile Telecommunications System) mit einem Rekordergebnis von 98,8 Milliarden
Mark. Der UMTS-Standard soll das Internet und den Mobilfunk zusammenführen
und gilt als einer der wichtigsten konjunkturellen Wachstumsmotoren. Alle
sechs bis zum Ende bietenden Firmen bzw. Konsortien erhielten je eine Lizenz
mit zwei Frequenzblöcken. Die Telekom äusserte sich verärgert über den Verlauf
der Auktion. Es habe sich um einen "Versteigerungsirrsinn" gehandelt. Bundesfinanzminister
Hans Eichel erklärte, dass der Erlös der Auktion vollständig zur Schuldentilgung
verwendet werde.